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Hallo,

ich leide seit meiner Kindheit an einer endogenen Depression,
wurde aber nie behandelt, erst nach einem schweren Verlust
bin ich in ambulante Behandlung gegangen. Ich habe etliche
Antidepressiva ausprobiert, aber die Nebenwirkungen waren
teilweise so schlimm, dass ich immer wieder abgesetzt habe.

Gegen die Angstzustände bekam ich Lexotanil, hat auch ganz
gut geholfen. Leider nehme ich das Medi jetzt schon seit sieben
Jahren. Jetzt ist mein Mann Anfang März an einem Herzinfarkt
gestorben und mein Leben ist endgültig aus den Fugen geraten,
ich kann nicht schlafen, kaum essen und leide wieder vermehrt
unter Angstzuständen.

Ich habe die Dosis aber nie groß erhöht, meist nur 1/8
Tablette zum Einschlafen, jetzt nehme ich meist 3/8,
aber sie wirken halt nicht mehr, schon garnicht in der
Situation in der ich mich im Moment befinde.

Ich weiß nicht was ich machen soll, denn ich habe immer
mehr den Eindruck, als ob Lexotanil die Angstzustände
noch verschlimmert, habe aber auch Angst vor dem Absetzen,
man hört da Horrogeschichten.

Ich bin für jeden Rat dankbar.

18.05.2009 17:56 • 19.05.2009 #1


3 Antworten ↓


Christina
Hallo,

Absetzen wäre in Deiner jetzigen Lage sicher keine gute Idee. Und nach sieben Jahren kommt's auf ein paar Wochen oder Monate auch nicht so an. Es kann natürlich sein, dass Dir Deine ursprüngliche Dosis im Moment nicht reicht. Es ist unwahrscheinlich, dass das Medikament die Angst verstärkt, aber wenn die Dosis zu schwach ist, macht sie Dich u.U. nur etwas müde, und Du fühlst Dich um so schwächer und ausgelieferter... Wieviel ist 1/8 bzw. 3/8 denn in Milligramm? Handelsüblich wären m.W. Tabletten à 6 mg. Falls Du solche hast, sind 3/8 noch eine sehr geringe Dosis.

Ich empfehle Dir Folgendes:
Kläre mit Deinem Arzt und Deinem ambulanten Therapeuten, wie weit Du Lexotanil jetzt akut erhöhen kannst/solltest - damit Du wieder Boden unter die Füße bekommst. Mittel- bis langfristig solltest Du Dich m.E. nach einer stationären Behandlung (in einer psychosomatischen Klinik, nicht in einer Psychiatrie) umschauen. Dort könntest Du dann in einer für Dich sicheren Umgebung das Lexotanil absetzen. Bei der mutmaßlich niedrigen Dosis wird es eher ein psychisches als ein körperliches Problem sein. Ein Problem mit Benzodiazepinen wie Lexotanil ist außerdem, dass sie Depressionen verstärken und schlimmstenfalls sogar die Persönlichkeit verändern können - bei langfristigem Gebrauch. Es wäre also schon gut, davon weg zu kommen. Und: "Endogene Depression" ist so ein Ratlosigkeitsbegriff und sagt noch nicht wirklich viel aus. Schon gar nicht, dass da unbedingt Medikamente her müssten und Psychotherapie nicht ausreichen würde. Auch das ließe sich stationär nochmal sehr konzentriert angehen und danach ambulant fortführen.

Liebe Grüße
Christina

18.05.2009 20:44 • #2



Lexotanil

x 3


Hallo Christina,

danke für Deine Antwort.

Dass Lexotanil das Wesen verändert und auch die Depressionen
verstärkt, merke ich leider auch, deshalb will ich unbedingt
absetzen. Inwieweit diese Nebenwirkungen wieder ganz verschwinden, kann mir wahrscheinlich niemand sagen.

Die ganze Tablette hat 6mg. Kann es sein, dass ich durch meine
geringe Dosis auf Dauerentzug bin?

Eine stationäre Behandlung kommt bei mir nicht in Frage,
da ich zwei Katzen habe, die beiden auch noch zu verlieren
wäre für mich dann einfach zuviel, denn sie bedeuten für
mich, den letzten Halt den ich noch habe.

Ich habe auch niemanden der sich um sie kümmern würde
und da sie sehr auf mich fixiert sind, würden sie in einer
fremden Umgebung einfach nichts fressen und sterben.
Das würde ich wiederum nicht überleben.

Ich muß versuchen das ambulant zu machen, unter der Hilfe
meines Mannes hatte ich schonmal abgesetzt (ausgeschlichen)
klappte ganz gut, aber da war ich auch in einer ganz anderen
Verfassung.

19.05.2009 04:12 • #3


Christina
Zitat von hlep52:
Dass Lexotanil das Wesen verändert und auch die Depressionen
verstärkt, merke ich leider auch, deshalb will ich unbedingt
absetzen. Inwieweit diese Nebenwirkungen wieder ganz verschwinden, kann mir wahrscheinlich niemand sagen.
Meines Wissens verschwinden diese Nebenwirkungen wieder komplett. Es wird allerdings eine Weile dauern. Aber die Dosis war die meiste Zeit so extrem niedrig, dass es fraglich ist, ob Deine Veränderungen überhaupt vom Lexotanil kommen können. Weitgehend unbehandelte Depressionen und Ängste verändern einen schließlich auch nicht gerade zum Positiven.

Zitat von hlep52:
Die ganze Tablette hat 6mg. Kann es sein, dass ich durch meine
geringe Dosis auf Dauerentzug bin?
Nein. Aber da Du diese niedrige Dosis bereits gewöhnt bist, wird sie Dir nicht (mehr) helfen. In Deiner jetzigen Belastungssituation ist es also so, als würdest Du gar keine Medikamente nehmen. Um eine Wirkung zu haben, müsstest Du die Dosis erhöhen. Als wirksame Standard-Einzeldosis gelten m.W. 3 mg. Aber besprich das und die Dauer der Einnahme unbedingt mit einem Facharzt, der Dich dann auch beim Ausschleichen begleiten kann.

Zitat von hlep52:
Eine stationäre Behandlung kommt bei mir nicht in Frage,
da ich zwei Katzen habe, die beiden auch noch zu verlieren
wäre für mich dann einfach zuviel, denn sie bedeuten für
mich, den letzten Halt den ich noch habe.

Ich habe auch niemanden der sich um sie kümmern würde
und da sie sehr auf mich fixiert sind, würden sie in einer
fremden Umgebung einfach nichts fressen und sterben.
Das würde ich wiederum nicht überleben.
Ich kann verstehen, dass Du davor zurückschreckst. Aber eine stationäre Behandlung würde ca. 8 Wochen dauern, und Du wärst auch nicht im Knast... Je nach Entfernung von zu Hause kannst Du immer mal wieder da vorbeischauen. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit einer Tagesklinik und/oder sozialpsychiatrischer Einrichtungen. Bei letzteren kommen Sozialpädagogen u.U. zu Dir nach Hause, um Dich zu unterstützen. Fachärzte und Psychotherapeuten wissen meist, an wen man sich dafür wenden muss.

Liebe Grüße
Christina

19.05.2009 10:49 • #4




Dr. med. Andreas Schöpf