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Lokalrunde

Lokalrunde
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Einer meiner letzten und noch lebenden Freunde, heute habe ich ihm gesagt, dass er so nicht mit mir umgehen kann, oder man muss zukünftig getrennte Wege gehen. Wir kennen uns seit der Ausbildungszeit 1978, hingen damals auch privat oft zusammen und haben viel gemeinsam erlebt. 1994 verlor man sich beruflich und privat aus den Augen und kam 2018 wieder zusammen. Er hat nie wirklich lange gearbeitet und war nach einer Erbschaft viel lieber als eine Art Globetrotter in der Welt unterwegs.

In den USA/Kanada/Australien/Neuseeland und im asiatischen Bereich wie Laos/Vietnam/Thailand. Bevor er seine Reisen unternahm, erwarb er noch ein sogenanntes kanadisches Holzhaus mit Grundstück in einer sehr guten, komfortablen und besseren Gegend zwischen Oldenburg und Bremen. Dort lebt er heute zurückgezogen und alleine und ist mittlerweile fast 70 Jahre. Mit zurückgezogen meine ich als Single ohne Partnerin, aber auch ohne Verwandtschaft.

Nach einem damaligen Erbschaftsstreit zogen sich alle von ihm mehr oder weniger zurück, seine Schwester/sein Bruder und Neffen/Nichten. Er hatte sich auch lange Zeit um seine alte Mutter gekümmert nach dem Tod seines Vaters. Als diese auch verstarb und er seinen Erbteil übernahm, machte er sich wie beschrieben zu seinen Reisen auf. Viele Jahre war er fort. Zum Schluss verbrachte er die meiste Zeit im Norden von Thailand. Dort fährt er noch heute regelmäßig von November bis März hin und verbringt dort die Winterzeit.

Im Lauf der vielen Jahre, in denen er unterwegs war, verkümmerte mehr oder weniger sein Haus. Dringende Reparaturen wurden immer weiter nach hinten verschoben. Das Holz wurde marode und anderes, das Dach undicht, wo es an verschiedenen Stellen tropfte. Hier und da ließ er es teilweise an besagten Stellen reparieren. Es ist mehr oder weniger kein gutes Haus mehr, aber ein sehr gutes Grundstück für einen Neubau, an dem viele Interesse hätten und auch bezahlen würden.

Sein Problem ist, dass er nie länger gearbeitet und eingezahlt hat. Eine kleine Rente, mit der er sich so gerade mal über Wasser halten kann. Größere Reparaturen am Haus dürften nicht geschehen. Außerdem leidet er seit Jahren unter Spondylarthrose, rennt von Arzt zu Arzt und hat jetzt noch eine Harninkontinenz. Es vergeht kaum eine Woche, in der er mal nicht beim Arzt ist. Wenn diese ihm nicht zusagen, erfolgt ein Wechsel und daraus ein unkontrolliertes Durcheinander, und sie sagen ihm oft nicht zu.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich ihm meine Hilfe angeboten hatte. Ein ehemaliger Kollege von mir vermietet Wohnungen. Er hätte sofort eine beziehen können, die auch bezahlbar gewesen wäre. Durch den Verkauf seines Grundstückes hätte er einen sehr hohen Geldbetrag erwirtschaftet. Ich habe noch andere Maßnahmen für ihn eingeleitet, hatte wieder eine Wohnung für ihn, und wieder hatte er diverse Ausreden. Bei der letzten ging es nicht, er war gerade in Thailand und wollte nicht abbrechen.

Sprach man ihn darauf mal intensiver an, tauchte er für Wochen unter, ohne ein Lebenszeichen, reagierte auf nichts mehr, kein Telefon/Signal/Mail. Dann wieder aufgetaut tauchte er spontan wieder auf und tat so, als wäre nichts gewesen, keine Rede mehr davon. Das geht nun seit Jahren so, ein Hin und ein Her, ein Auf und ein Ab. Er war sogar einmal deswegen 5 Jahre in ambulanter Therapie. Alles in seiner Umgebung regt ihn auf, mit den unmittelbaren Nachbarn, mit den Freunden, welche ihn im Lauf der Zeit verlassen hatten, seine verkorkste Familie und besonders seinen Bruder, den er richtig hasst. Ein Einsiedler, den sogar spielende Kinder aufregen, und vor allem ein Mensch, der immer nur vor Problemen geflüchtet ist.

Bis zum heutigen Tage habe ich es mitgetragen, die immer wiederkehrenden langen Telefongespräche, teilweise 7 Stunden lang, die privaten Treffen, wo man zusammenkam und kochte und zusammen aß. Gemeinsame Spaziergänge und unendliche Aussprachen. Ich hatte alles versucht, um ihn wieder in eine Bahn zu lenken. Zuletzt wurde es so, dass, wenn ich das mal nicht mehr wollte, der Bösewicht war, der Freund, der nicht für ihn da war. Dann verschwand er wieder für Wochen, redete sich hinterher damit heraus, er wäre erkrankt oder anderes. Diese ständigen und extremen Schwankungen seiner Stimmung, plötzlich ohne Vorwarnung, wo er nur am Schimpfen war auf die ganze Welt.

Nach über vier Wochen, in denen er wieder untergetaucht war, mir heute eine Nachricht schrieb und sich wieder treffen wollte, habe ich das erste Mal die Leine gezogen und NEIN gesagt, nicht mehr unter diesen Bedingungen, nicht mehr auf meine Nerven. Ich will einfach kein Fußabtreter mehr sein. Ich bin weder sein Therapeut noch sein Anwalt noch sein Lebensgefährte! Ich bin ein langjähriger Freund und in alter Freundschaft habe ich es heute nach unendlich langer Zeit gewagt und mich zurückgezogen. Auf Zeit oder für immer, aber das liegt nun nicht mehr in meiner Verantwortung. Ich musste mir das mal eben von der Seele schreien hier. Man gibt Freunde nicht einfach auf dachte ich immer, aber irgendwann ist ein Ende erreicht.

• • 05.11.2026 x 1 #1


3 Antworten ↓

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Man kann eben nur jemanden helfen der bereit ist, diese Hilfe anzunehmen.
Du hast dich um Dinge gekümmert, die er nicht wollte und da hat er sich jedes Mal zurückgezogen.

• x 1 #2


A


Was muss Freundschaft aushalten

x 3


Moonlight_74
Ich finde die Art und Weise zu leben wie Dein Freund sehr spannend..vollkommen unabhängig.

Ob Du für ihn verantwortlich bist stelle ich mal in den Raum..ich denke nicht.

Er zieht seine Grenzen. Warum nicht? Er macht einfach was er will.

• x 1 #3


P
Zitat von Logo:
Man kann eben nur jemanden helfen der bereit ist, diese Hilfe anzunehmen. Du hast dich um Dinge gekümmert, die er nicht wollte und da hat er sich ...


Falls Du das möchtest, trefft euch, habt Spaß und eine gute Zeit, mehr ist wohl nicht möglich.

• #4





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