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Basti88

Basti88
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Hey zusammen,
kennt das noch jemand von euch?
Ich merke gerade, dass ich bei mir oft aus einem Gefühl direkt eine Bewertung mache: Wenn ich mich schlecht fühle, denke ich sofort, dass ich schlecht bin oder nicht genug bin.
Dann entstehen schnell solche Gedanken wie: „Ich habe zu wenig geschafft“, „Ich genüge nicht“ oder ich fange an, alles auf mich zu beziehen – sogar Dinge wie ausbleibende Antworten von anderen.
Ich versuche gerade zu lernen, dass ein Gefühl erstmal nur ein Gefühl ist und keine Wahrheit über mich als Person. Aber das ist gar nicht so leicht, weil es sich in dem Moment so echt anfühlt.
Geht es jemandem von euch ähnlich? Wie geht ihr damit um, wenn Gefühle sich so schnell in Selbstzweifel verwandeln?
Würde mich sehr über Austausch freuen ❤

• • 26.08.2026 x 3 #1


9 Antworten ↓

martinidry
Den Gedanken kenne ich jedenfalls, und wie… Wenn jemand nicht antwortet, bin ich auch ziemlich schnell bei: okay, irgendwas ist komisch. Ob überhaupt irgendwas ist, weiß ich da ja noch gar nicht.

Dann gehe ich manchmal noch mal durch, ob eigentlich irgendwas passiert ist. Mein Kopf ist zu dem Zeitpunkt aber oft schon viel weiter. Und nur weil ich mir das sage, ist dieses komische Gefühl ja nicht gleich weg. Ich versuche dann eher, nicht sofort festzulegen, woran es liegt. Wobei ich manchmal ehrlich gesagt längst meine eigene Erklärung im Kopf habe.

• x 3 #2


A


Gefühle sind nicht die Wahrheit über mich

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Basti88
Zitat von martinidry:
Den Gedanken kenne ich jedenfalls, und wie… Wenn jemand nicht antwortet, bin ich auch ziemlich schnell bei: okay, irgendwas ist komisch. Ob ...

Ich finde das gut, dass du auch so Ein Beispiel bringst. Das finde ich sehr gut genauso diese Thematik man hat ein Gefühl und dieses Gefühl ist quasi die Wahrheit. Dabei ist das ja gar nicht aber man hat das früh gelernt. Vielen Dank für die Antwort.

• x 1 #3


Abendschein
Früher habe ich auch alles auf mich bezogen,
habe dran gearbeitet und das ist vorbei.
Heute habe ich auch durch Therapien mehr Selbstbewußtsein bekommen.
So schnell lasse ich mich nicht mehr aus der Ruhe bringen und bleibe mir treu,
das ist mir sehr wichtig.

• x 2 #4


thokrifu
@Basti88 Servus, Basti, ... so ganz verstehe ich das noch nicht, weil du andere Worte verwendest, um mir vertraute Situationen zu beschreiben, vielleicht.
Im Grunde sind das Tagträumereien, die die Leere, welche entstand, aufgrund von Liebesentzug, oder Einstellung der Kommunikation, füllen sollte. Als ich ein Kind war. Dann kam die Gewohnheit, dann war es die Wahrheit. Oder vielmehr meine Wahrheit.
Ich denke zurzeit auch um. Und umfühlen gehört auch dazu. Es funktioniert auch, aber es dauert.

Was mir allerdings sehr hilft, sind Feedback in Form von Mimik und Sprache, wie zum Beispiel der Psychologin gestern. Also, in der Realität.

• x 3 #5


Basti88
Zitat von thokrifu:
@Basti88 Servus, Basti, ... so ganz verstehe ich das noch nicht, weil du andere Worte verwendest, um mir vertraute Situationen zu beschreiben, ...

Stimmt absolut, du hast den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Dass ich das selbst erst gar nicht so gesehen habe, liegt einfach daran, dass diese Tagträume und die Überanpassung für mich schon mein ganzes Leben lang völlig normal waren. Ich habe schon immer versucht, es jedem recht zu machen.
In meiner Kindheit musste ich extrem früh lernen, ständig in die Zukunft zu schauen und die Stimmung um mich herum einzuschätzen. Meine Eltern waren schwer Alk.. Es gab Tage ohne Essen, kaum echte Aufmerksamkeit oder Liebe, dafür leere Versprechungen und oft auch Aggressionen. Um in so einem Umfeld überhaupt zu überleben, entwickelt man automatisch genau diese Schutzmechanismen.
Das läuft bis heute so tief verankert ab, dass es mir gar nicht mehr aufgefallen ist: Wenn ich zum Beispiel alleine zu Hause bin und den Haushalt mache, tue ich das nicht einfach für mich oder weil es gemacht werden muss. Ich tue es, weil ich mir gedanklich schon ausmale, wie meine Freundin darüber denkt. Ich will gefallen. Genauso merke ich jetzt erst, dass ich eigentlich gar keine eigenen Hobbys habe oder gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich für mich möchte. Alles war immer nur auf andere ausgerichtet.
Deine Nachricht hat mir da echt die Augen geöffnet. Ich habe sonst immer nur von dem Gefühl aus gedacht, aber nie verstanden, wie dieses Gefühl überhaupt erst entsteht. Danke dir dafür, das hat mir wirklich extrem geholfen!

• x 1 #6


thokrifu
Es gibt eine alte chinesische Weisheit, aus einem sehr alten Buch, vielleicht hast du einmal davon gehört: Das Buch der Wandlungen.

Darin steht unter anderem:
#
Was durch Schuld von Menschen verdorben ist, kann durch Arbeit von Menschen wieder gutgemacht werden. Es ist nicht unabänderliches Geschick, wie während der Stockungszeit, sondern eine Folge von Missbrauch der menschlichen Freiheit, was den Zustand des Verderbens herbeigeführt hat. Deshalb ist die Arbeit an der Besserung aussichtsvoll, weil sie im Einklang mit den Möglichkeiten der Zeit steht. Nur darf man vor Arbeit und Gefahr – symbolisiert durch das Durchqueren des großen Wassers – nicht zurückschrecken, sondern muss energisch zugreifen.

Das Gelingen hat jedoch zur Vorbedingung die rechte Überlegung. Das ist ausgedrückt in dem Zusatz: Vor dem Anfangspunkt drei Tage, nach dem Anfangspunkt drei Tage. Erst muss man die Gründe kennen, die zum Verderben geführt haben, ehe man sie abstellen kann: daher Achtung während der Zeit vor dem Anfangspunkt. Und dann muss man sorgen, dass das neue Geleise sich sicher einfährt so dass ein Rückfall vermieden wird: daher Achtung auf die Zeit nach dem Anfangspunkt. An die Stelle der Gleichgültigkeit und Trägheit, die zum Verderben geführt haben, müssen Entschlossenheit und Energie treten, damit auf das Ende ein neuer Anfang folgt.
#

Mich hat das Jahrzehnte gekostet, mir und meiner Familie, und allem was dazu gehört, auf die Schliche zu kommen. Es war sehr intensiv. Ich verstehe aber, wenn man das nicht leisten kann, weil man seine eigene Familie zu versorgen hat. Meist wird es ja über kurz oder lang erst mal schlimmer. Aber sein eigenes Leben pflegen, kann auch ein sogenanntes Hobby sein, oder nicht?

• x 2 #7


sandracookie
@Basti88
Zitat von Basti88:
Ich merke gerade, dass ich bei mir oft aus einem Gefühl direkt eine Bewertung mache: Wenn ich mich schlecht fühle, denke ich sofort, dass ich schlecht bin oder nicht genug bin.

Das kenn ich sehr gut und lange Zeit war es mir nicht bewusst, wie eng die Gefühle mit der Bewertung bei mir verknüpft sind. Die Bewertung ist dann meist negativ und so endgültig formuliert.
Ich arbeite therapeutisch an dem Thema, da gelingt es mir im Gespräch überhaupt erstmal den Zusammenhang wahrzunehmen und dann in ganz kleinen Schritten eine andere Perspektive zuzulassen, meistens in dem ich erst einmal das Gefühl benenne/da sein lasse und dann im zweiten Schritt die Bewertung umformuliere, sodass die Aussage an Kraft verliert.
Das geht nur Stück für Stück und ich muss dann sehr auf die Wortwahl achten. Auch Meditation und Achtsamkeitsübungen helfen mir zu lernen etwas nur wahrzunehmen und nicht sofort eine Bewertung für mich selbst daraus zu machen.

• x 2 #8


Basti88
Zitat von sandracookie:
@Basti88 Das kenn ich sehr gut und lange Zeit war es mir nicht bewusst, wie eng die Gefühle mit der Bewertung bei mir verknüpft sind. Die ...

Danke für deine ehrlichen Worte es tut gut nicht sich damit alleine zu fühlen 🙏

• x 1 #9


Basti88
@martinidry Vielen Dank für die Antwort. Das stimmt, wir scannen die Zukunft, aber was uns als Kinder geholfen hat, kostet uns heute eine Menge Kraft.

• x 1 #10


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