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Robinson
Der Schatten

Du sitzt mir im Genick,du Hund!
als schwerer schwarzer Stein.
Und tust mir DEINE Wahrheit kund,
und ich fall'darauf rein!

Den Hals drückst du mir feste zu,
mit gnadenlosen Pranken.
Und flüsterst leis'lässt keine Ruh':
"Du glaubst jetzt den Gedanken!"

Selbst wenn ich schon am Boden bin,
hockst du noch auf mir drauf.
Und raunst mir zu, langst noch mal hin:
"DU stehst nie wieder auf!"

Als schwarzer Schatten,stets dabei,
mein Richter und mein Henker.
Und willst nicht dass ich mich befrei',
du kleiner böser Denker!

Vor andern bist du Unsichtbar,
so kann dich niemand sehen,
Die Leute sagen ja sogar:
"Nun lass'dich nicht so gehen!"

Zu lange trag'ich dich als Last,
und schleppte dich durchs Leben.
Ich hab'so viel davon verpasst,
Zurück kanns'keiner geben.

Doch sie'h mein Schatten an der Wand!
Dort seh'ich nur den meinen.
Von dir im Nacken nichts zu seh'n,
du narrst mich,will mir scheinen!

Hab'dich durchschaut,du mieser Wicht!
Du lebst von meiner Furcht!
Doch was du sagst,ich glaub'es nicht,
Du bist mir ziemlich Wurscht!

Denn was,wenn ich dich wüten lass,
wo bist du eigentlich ?
Ich schau'zum Schatten an der Wand,
dort sehe ich nur mich!

19.06.2018 17:51 • 19.06.2018 x 2 #1