ich möchte heute meine Geschichte mit euch teilen. Einerseits, um meine Gedanken zu ordnen, andererseits, um jedem hier Mut zu machen, der gerade in einer dunklen Phase steckt. Mein Weg war turbulent, aber ich stehe heute an einem Punkt, den ich selbst kaum glauben kann.
Der Anfang und die Sackgasse (2012 – 2017) Alles begann im Jahr 2012. Nach extremem Beziehungsstress konsumierte ich Canna. und rutschte in eine Psychose. Weil ich damals strikt gegen Medikamente war, beruhigte sich die Psychose zwar irgendwann, aber die Wahnideen normalisierten sich. Sie wurden zu meiner "Wahrheit". Über das Internet geriet ich in ein religiöses Milieu, das mich stark anzog. Durch dieses Umfeld hörte ich 2015 schlagartig mit dem Rauchen und auch mit der Musik auf – für zweieinhalb Jahre.
2017 kam der Wendepunkt: Ich bekam starke Wahrnehmungsprobleme, fing an, alles in diesem Milieu zu hinterfragen, und entschied mich für den Ausstieg. Aus dem Nichts fing ich wieder mit allem an: Musik, Zig.. ich wollte einfach nur wieder "ich selbst" sein, der Mensch, der früher immer glücklich war. Doch stattdessen schlichen sich schwere Depressionen ein.
Die Diagnose und der lange Weg zurück (2019) Ich fing an, intensiv in der Psychologie zu forschen, was mit mir los sein könnte. 2019 bekam ich schließlich die Diagnose: Paranoide Schizophrenie. Ich war völlig durcheinander und mir fehlte anfangs die Krankheitseinsicht, weil mich die alten Gedanken des Milieus immer noch verfolgten. Mein Vater entschied sich damals, mich in einer Privatklinik behandeln zu lassen. Nach einer schweren Depression und akuten psychotischen Symptomen bekam ich zehn Sitzungen Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und wurde medikamentös eingestellt.
Diese Behandlung war mein Rettungsanker. Schritt für Schritt kam ich zurück ins Leben. Es war nicht immer einfach, aber ich hatte endlich wieder Hoffnung, Mut und konnte sogar an meiner eigenen Musikkarriere arbeiten.
Die Entdeckung: Musik als Betäubung Doch es gab eine Kehrseite: Ich verbrachte unglaublich viel Zeit mit Musik und „konsumierte“ ständig andere Künstler. Rückblickend war es, als würde ich meine eigentlichen Probleme permanent wegdrücken. Ich war wie betäubt. Nach mehreren stationären Aufenthalten begann ich mein Verhalten radikal zu hinterfragen. Was musste ich ändern, damit es mir endlich dauerhaft besser geht? Ich hatte schon sehr lange keine eigenen Songtexte mehr schreiben können – die kreative Blockade war riesig.
Tag 3 ohne Musik: Ein absoluter Gamechanger Vor drei Tagen habe ich eine radikale Entscheidung getroffen: "Okay, ich höre ab schlagartig auf, Musik zu hören."
Und plötzlich macht alles Sinn. Die Auswirkungen auf meine Psyche seit diesem Verzicht sind einfach nur hervorragend. Ich spüre eine Klarheit und Sicherheit in der Stille, die ich seit Jahren nicht mehr hatte. Keine unangenehmen Gedanken, keine Angst – einfach nur tiefer, innerer Frieden. Allein, wie klar sich meine Gedanken ordnen und wie gut ich mich plötzlich wieder artikulieren kann, ist der absolute Wahnsinn.
Und das Krasseste passiert auf der kreativen Ebene: Seit gestern habe ich plötzlich den tiefen Wunsch, selbst wieder Musik zu produzieren, statt immer nur die Beats anderer zu hören. Ich spüre den Drang, mir ein Keyboard zuzulegen und meine eigenen Gefühle in Töne zu verwandeln. Mein Gehirn schaltet gerade vom reinen Konsumieren auf das Erschaffen um.
Ich stehe erst bei Tag 3, aber ich merke jetzt schon immer mehr, was ich im Leben wirklich will. Ich wollte euch das einfach dalassen, um zu zeigen: Manchmal liegt die Heilung nicht im nächsten Konsum, sondern in der absoluten Stille.
Ich freue mich über eure Gedanken und euer Feedback!
• • 14.08.2026x 1#1
5 Antworten ↓
User_0815_4711 Mitglied
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Zitat von einfachich93:
Mein Gehirn schaltet gerade vom reinen Konsumieren auf das Erschaffen um.
Cool!
Zitat von einfachich93:
Manchmal liegt die Heilung nicht im nächsten Konsum, sondern in der absoluten Stille.
Du hast gerade jahrtausendealte Weisheit selber entdeckt.
Irgendwann wirst du wahrscheinlich auch wieder Lust auf irgendeine Form von Konsum bekommen. Das ist ok, darf sein. Denn auch daraus kann neue Inspiration entstehen. Hauptsache, die Balance Kreation/Konsum passt für dich.
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x 2#2
A
Wie 3 Tage ohne Musik mein Gehirn komplett verändert haben
x 3
einfachich93 Mitglied
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@User_0815_4711
Wenn man´s so sagen darf, dann ja!
Selbstverständlich werde ich wieder Musik konsumieren aber ab nun an nur noch in Maßen. Die WHO empfiehlt täglich 1 stunde. Ich war deutlich drüber und das jahrelang...
Vielen dank für dein Kommentar!
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x 1#3
Schlaflose Mitglied
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Es hängt ja wohl auch davon ab, welche Art von Musik und in welcher Lautstärke man sie hört. Wenn es nur leise Hintergrundsmusik aus dem Radio ist, kann man das stundenlang ohne Probleme hören. Mir hat das nie irgendeiner Weise geschadet. Laute Musik mit Bässen und dann noch über Kopfhörer würde mich innerhalb von ein paar Minuten in den Wahnsinn treiben.
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einfachich93 Mitglied
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Zitat von Schlaflose:
Es hängt ja wohl auch davon ab, welche Art von Musik und in welcher Lautstärke man sie hört. Wenn es nur leise Hintergrundsmusik aus dem Radio ist, kann man das stundenlang ohne Probleme hören. Mir hat das nie irgendeiner Weise geschadet. Laute Musik mit Bässen und dann noch über Kopfhörer würde mich innerhalb ...
Da gebe ich dir vollkommen Recht!
Bei mir war es halt genau so leider, dass ich viel Musik über Kopfhörer gehört hatte. Und Musikrichtung war Hip Hop...