Ich habe immer gesagt, seit ich meinen LG habe, bin ich unverwundbar, will heißen, daß mir nichts mehr, was andere Menschen mir antun wollen, Nahe geht. Stimmt soweit, ich lasse es nicht mehr so an mich heran..
Aber - in einem Streit, wieder mal wegen meiner Angst, hat er mal so richtig ausgeholt. Er ist sonst ein ruhiger Typ, aber da ist er so richtig aus der Ecke gekommen. Es war so grausam, so fürchterlich, so schlimm, daß ich mich nie mehr davon erholen werde. In meinem Hinterkopf schwirrt nun natürlich: "So denkt er also über mich..." Etwas ist zerbrochen, etwas, was man nie mehr kitten kann. Wie ein Sprung im Porzellan, man wird ihn immer sehen. Zudem habe ich nun Angst, daß es wieder passieren könnte..
Das Schlimme ist, daß er mit jedem Wort die Wahrheit getroffen hat. Direkt mit Tiefschlägen unter die Gürtellinie, und dahin, wo es wehtut, so richtig! wehtut.
Diese Angstgeschichte hat bei uns beiden unsere häßlichsten Seiten zum Vorschein gebracht. Wir stehen immer noch zusammen, er hilft mir immer noch, aber der bittere Beigeschmack ist immer, immer da.
Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Heute haben wir Jahrestag. Vier Jahre. Davon drei wunderschöne und glückliche, unbeschwert und leicht. Das letzte Jahr, als meine Mutter starb und die Misere anfing, war das Grauen. Trotz dreier Urlaube. Das Damoklesschwert hängt immer über mir. Immer wenn ich ihn ansehe, und mal wieder denke, wie sehr ich ihn liebe, steigt auch die Angst hoch. Noch zu meiner anderen Angst.
Es ist zum Verzweifeln.
