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Abendphantasie

Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt
der Pflüger; dem Genügsamen raucht sein Herd;
gastfreundlich tönt dem Wanderer im
friedlichen Dorfe die Abendglocke.

Wohl kehren jetzt die Schiffer zum Hafen auch;
in fernen Städten verrauscht fröhlich des Marktes
geschäft’ger Lärm; in stiller Laube
glänzt das gesellige Mahl den Freunden.

Wohin denn ich? - Es leben die Sterblichen
von Lohn und Arbeit; wechselnd in Müh' und Ruh
ist alles freudig. Warum schläft denn
nimmer nur mir in der Brust der Stachel?

Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf;
unzählig blühen die Rosen, und ruhig scheint
die goldne Welt. O dorthin nehmt mich,
purpurne Wolken! und möge droben

in Licht und Luft zerrinnen mir Lieb' und Leid! -
Doch, wie verscheucht von törichter Bitte, flieht
der Zauber; dunkel wird’s, und einsam
unter dem Himmel, wie immer, bin ich. -

Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt
mein Herz. Doch endlich, Jugend, verblühst du ja,
du träumerisch ruhelose.
Friedlich und heiter ist dann das Alter.

nach Friedrich Hölderlin

04.06.2009 #1





Dr. Reinhard Pichler
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