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201727.06




Liebe Leute,
Gerade geht es mir mal wieder nicht so gut, deshalb will ich mich hier aussprechen und eventuell un Rat fragen.
In meinem letzten Beitrag ging es darum, dass ich Angst vor einer Psychose habe. Diese Angst konnte ich nun beiseite schieben.
Nun kommen wieder vermehrt diese furchtbaren Zwangsgedanken. Zum einen Gedanken, die Selbstmord betreffen (z.B "ich springe jetzt einfach von der Brücke"), aber auch aggressive Zwangsgedanken (z.B. " Ich könnte ja den Radfahrer umfahren" oder "Ich könnte ja meinen Freund erwürgen") Die Gedanken machen mir so furchtbare Angst. Ich will das alles nicht, aber manchmal fühlen sich diese Gedanken so stark an, dass ich Angst habe, ihnen folge zu leisten.
Meistens denke ich, dass es Zwangsgedanken sind. Manchmal bin ich mir aber nicht sicher, ob ich nicht doch böse bin. Woher weiß ich, dass ich nicht doch Selbstmord begehen will? Wenn diese Gedanken kommen, grüble ich und sehe dann alles schwarz, dann habe ich Angst depressiv zu sein und mich gleich umzubringen. Es gibt nicht einen Grund, warum ich eine Depression haben sollte, aber manchmal fühlt sich durch diese Zwangsgedanken alles so traurig und wertlos an.
Hat jemand Erfahrung damit?
Ich war bereits beim Psychiater, der mir SSRI empfohlen hat. Ich habe aber große Angst vor den Nebenwirkungen. Ich finde es absurd, wenn einem Menschen mot Zwangsgedanken Medikamente gegeben werden, die die Gedanken anfangs noch verstärken. Ich habe Angst meine Gedanlen dann in die Tat unzusetzen. Kann ich meine Gedanken nicht irgendwie anders bekämpfen? Es muss doch einen Grund geben, dass sie da sind.
Meine Selbstmord Zwangsgedanken quälen mich am meisten. Manchmal könnte ich heulen.
Ich bin viel draußen unterwegs mit meinem Freund, im Fitnessstudio usw. und bin voll gut drauf und auf einmal kommt dann wieder so ein Gedanke. Dann könnte och heulen, weil ich manchmal das Gefühl habe, ich müsste das gleich machen obwohl ich es nicht will.
Woher weiß ich, dass ich nicht wirklich Selbstmord begehen will?

Liebe Grüße

Auf das Thema antworten

10 Antworten ↓



12715
149
Bärlin Spandow
6559
  27.06.2017 09:23  
Ich hatte ja auch lange Zeit Zwangsgedanken. Die ersten kamen nach einer Antibiotikaeinnahme. Dann hatte ich eine Zeitlang Zwangsimpulse. In der Klinik wurde ich dann auf 150 mg Sertralin eingestellt. Damit wurden die Zwangsgedanken dann ganz heftig. Gerade der Drang es zu tun war sehr schlimm. Es war wie eine sehr starke Sucht.

Nach der Klinik bin ich auf 10 mg Escitalopram umgestiegen.

In der letzten Zeit ist es ein bisschen ruhiger in meinem Gehirn geworden. Zwangsgedanken kommen zwar immer noch aber nicht mehr so heftig und so lange wie früher. Dabei habe ich die gleichen Gedanken wie du.



  27.06.2017 09:45  
Findest du es sinnvoller keine Medikamente zu nehmen?



12715
149
Bärlin Spandow
6559
  27.06.2017 10:14  
Ich würde es erst mal mit Medikamenten versuchen.



  27.06.2017 13:12  
gubt es vielleicht noch weitere Gleichgesinnte, mit denen ich mich austauschen könnte?



2
  28.06.2017 16:56  
Hallo Angsthaeschen,

willkommen in meiner Hölle. Aber keine Sorge, es kann auch hier ganz gemütlich sein

Meine zentralen Zwangsgedanken betreffen auch das Suizidthema. Es fing mit dem Zwangsgedanken aus dem Fenster zu springen an und letzten Sommer kamen alle möglichen anderen Möglichkeiten sich etwas anzutun dazu. Für einige Monate konnte ich an quasi nichts anderes mehr denken. Und mich trieb/treibt (je nach Tagesform) auch der Zweifel um, ob es wirklich nur Zwangsgedanken sind. Auch genau diese Düsterheit kenne ich.

Ich könnte Dir jetzt vergewissern, dass Du wahrscheinlich Zwangsgedanken hast. Aber das bringt Dir nichts, du musst für dich deinen eigenen Umgang mit deinen Gedanken finden.

Was mir half, war mich meinen Gefühlen zu stellen. Ich hab so viel Kram aus der Vergangenheit beiseite geschoben, dass ein unglaublicher Druck in mir drin war.

Eine Verhaltenstherapie mit Expositionen. Das bedeutete, dass ich ohne Selbstberuhigung in die Zwangsgedanken auslösenden Situation (in meinem Fall mein Fenster im 4. Stock) gehe und dort mich auf die Angst und Zwangsgedanken konzentriere, bis sie nicht mehr bedrohlich erscheinen. Und das immer und immer wieder.

Und zusätzlich hat mit der ACT-Ansatz aus der Verhaltenstherapie sehr geholfen, denn es dort unter anderem genau darum Abstand zu Gedanken (nicht nur Zwangsgedanken zu bekommen)

Außerdem war es für mich hilfreich, mich mit Zwangsstörungen zu beschäftigen, dass hat es mir leichter gemacht anzunehmen, dass das was ich habe "nur" eine Zwangsstörung und keine akute Suizidalität/Depression/Selberverletztendes Verhalten etc. ist.

Inzwischen bin ich den überwiegenden Teil meiner Zeit symptomfrei. Wirklich schlimm ist es vielleicht noch fünf bis zehn Minuten am Tag und beunruhigt bin ich ein bis zwei Stunden pro Tag. Das ist ein Riesenfortschritt innerhalb eines halben Jahres.

Ich kann Dir nicht garantieren, dass es bei Dir genauso ist, aber ich bin noch am Leben und finde diese Gedanken meistens nur noch absurd.



  28.06.2017 17:46  
Liebe Zwängli,
Vielen Dank für deine Antwort. Zur Zeit geht es mir wieder besser. Ich habe noch nicht genau herausgefunden, warum es manchmal schlechter und manchmal besser ist. Manchmal kommt es einfach aus dem heiteren Himmel.
Vitamin D und Eisen (Feritin) hat das ganze bei mir besser gemacht. Ich hoffe, irgendwann symptomfrei sein zu können und versuche es jetzt mit Kinesiologie als Unterstützung um Blockaden von früher zu lösen.

Liebe Grüße



1137
13
Niedersachsen
234
  28.06.2017 17:57  
@ angsthaeschen,

hast du deinen Vitamin D - und Eisenwert testen lassen?

Oder hast du die Präparate so zu dir genommen?



  28.06.2017 18:29  
Ich habe die Werte testen lassen. Beide Werte waren laut Blutbild noch in Ordnung, jedoch an der unteren Grenze. Ich habe deshalb verschreibungspflichtige Vitamin D Tropfen (Olivit - viel mehr Tropfen als laut Packungsbeilage empfohlen, war jedoch auch so mit meinem Arzt besproch) bekommen. Um das Eisen habe ich mich selbst gekümmert. Ich habe mir einen Allgemeinmediziner gesucht, der sich auf Eisen spezialisiert hat und mit ihm meine Eisenwerte besprochen. Ich habe dann eine Feritininfusion und eine Vitamin B Injektion bekommen. Zusätzlich habe ich auch noch Magnesium genommen (Schüssler Salze Nr. 7). Was zur Besserung geführt hat, kann ich nicht sagen. Vielleichht war es auch alles zusammen.



1137
13
Niedersachsen
234
  28.06.2017 18:54  
@ angsthaeschen,

ich denke, es war alles zusammen.

Ist schon mal gut, das es dir dadurch besser geht.

LG



  28.06.2017 19:53  
Ich kann eine genaue Eisenuntersuchung wirklich jedem empfehlen, der ähnliche Beschwerden hat wie ich.
Und damit meine ich nicht den normalen Eisenwert, sondern auch das Feritin, Transferin und die Sättigung. Bei mir ist das "allgemeine" Eisen sogar zu hoch und trotz war das Feritin (das besonders für die Nerven wichtig ist) an der untersten Grenze.



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser

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