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Catharina
Hotins Zeilen sind so wahr!
Er gestern hatte ich ein Gespräch mit meiner Schwiegermutter in dem sie mir vorwarf dass sie von mir enttäuscht sei, weil ich ihre Schwester nicht angerufen hätte als die gemeinsame Schwester von beiden verstorben ist. Sie hätte sich sooo gewünscht dass ich mich bei der Tante meines Mannes melde oder sie frage wie es ihr geht.
Immer diese Erwartungshaltung und nur damit es ihr gut geht!
Ich mach das schon lange nicht mehr was sie gern von mir hätte! Sie hat Sachen über mich gesagt, die mich sehr verletzt haben. Man könnte sagen ich bin nachtragend, aber ihre Meinung über mich hat sich im Grunde auch nicht geändert.

Sorry, wenn ich hier meinen Kram so reinschreibe, aber hotins Worte haben mich nochmal bestätigt...

18.10.2018 15:02 • x 4 #21


Kein Problem Catharina schreib rein was immer du willst

Womit wir wieder bei den Zeilen von Hotin wären, haha!

Ich habe soooo Angst davor, nicht den Erwartungen zu entsprechen. Ich habe Angst, dass sich dann alle von mir abwenden. Ich habe Angst, dann alleine zu sein. Diese Erfahrung habe ich vor allem innerhalb der Familie gemacht. In mir ist ein Glaubenssatz aktiv, der besagt, wenns hart auf hart kommt, wirst du eh von allen stehen gelassen und bist auf dich allein gestellt.

Nun... ich entspreche nicht mehr den Erwartungen in dem Sinne, dass ich nicht mehr voll arbeitsfähig bin und trotzdem ist mein Freund noch da und 3 weitere Freunde. Jetzt könnt ich grad heulen weil mich das berührt irgendwie. Aber da ist auch ein unsicheres Gefühl das dem nicht traut, den ich versuche ja nach wie vor meine Freunde nicht zu enttäuschen und so zu sein, wie sie mich haben wollen. Ich fühle mich oft unecht im realen Kontakt mit Menschen, wie nicht ganz bei mir. Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass immer wenn ich mit jemandem verabredet bin ich aufgeregt und angespannt und ängstlich bin. Ich habe dann zurück gedacht und gemerkt, dass das schon immer so war. Das war mir auch nie richtig aufgefallen, lief alles unbewusst ab. Wie kann das jahrzehntelang nicht auffallen.

18.10.2018 15:52 • x 1 #22


petrus57
Zitat von Freisein:
Ich fühle mich oft unecht im realen Kontakt mit Menschen, wie nicht ganz bei mir. Erst kürzlich ist mir aufgefallen, dass immer wenn ich mit jemandem verabredet bin ich aufgeregt und angespannt und ängstlich bin. Ich habe dann zurück gedacht und gemerkt, dass das schon immer so war. Das war mir auch nie richtig aufgefallen, lief alles unbewusst ab. Wie kann das jahrzehntelang nicht auffallen


Deine Zeilen könnten von mir stammen. ich war schon immer ein introvertierter kontaktscheuer Mensch. Hatte deswegen auch kaum Freunde. Bin nur aus mir herausgekommen, wenn ich was getrunken hatte. Meistens nerven mich die banalen Gespräche mit anderen auch eher. Bin dann auch immer sehr schnell davon gestresst und dann stellt sich meist das Unwirklichkeitsgefühl ein.

LG Petrus

18.10.2018 16:09 • #23


Hotin
Hallo Freisein,
Zitat:
das ist meine ich das Kernthema: Ich bin auch gut, wenn jemand anderes nicht gut findet, was ich sage oder mache.


Da stimme ich Dir zu. Immer und überall ist dies eins der Kernthemen, wenn es um
die persönliche Zufriedenheit geht.

Zitat:
Ich habe soooo Angst davor, nicht den Erwartungen zu entsprechen.


Das habe ich auch sehr oft! Ist das nicht normal? Ich kann meine Angst davor aber klein halten, wenn ich das wichtig
finde, weil ich mir dann häufig sage:
Diesmal bin ich mir selbst wichtiger. Ich bin mir in dieser Angelegenheit wichtiger, als das, was
der/die andere über mich denkt. Ich möchte mich morgen noch aufrecht im Spiegel anschauen können.
Zitat:
Ich habe Angst, dass sich dann alle von mir abwenden. Ich habe Angst, dann alleine zu sein.


Diese Angst halte ich für überzogen. Wer sich im Leben meistens fair und rücksichtsvoll,
benimmt und andere wertschätzt, der wird nie allein bleiben.
Zitat:
In mir ist ein Glaubenssatz aktiv, der besagt, wenns hart auf hart kommt, wirst du eh von allen stehen gelassen und
bist auf dich allein gestellt.


Da ist eventuell etwas Wahres dran. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, da gibt es zu meiner Überraschung
immer wieder Freunde und Bekannte, die Kontakte mit mir aufrechthalten, obwohl ich da wenig Zeit investiere.
Zitat:
Ich fühle mich oft unecht im realen Kontakt mit Menschen


Ich nicht. Selbst wenn ich Menschen nur (m)eine Rolle vorspiele, dann spiele ich meine Rolle ja bewusst.
Zitat:
Das war mir auch nie richtig aufgefallen, lief alles unbewusst ab. Wie kann das jahrzehntelang nicht auffallen.


Das fällt eventuell deswegen nicht auf, weil die Menschen, leider oft damit zufrieden sind, wenn Du ihnen nur eine Rolle
vorspielst.
Ich lasse das bei Menschen mit denen ich persönlichen Kontakt habe nicht zu.
Und ich habe den Eindruck, sie finden es gut, wenn ich sie bitte, persönlicher zu erzählen und
ihre Rolle weitgehend zu verlassen.

Viele Grüße

Bernhard

18.10.2018 19:08 • x 1 #24


Rastaman
Ich komme zur Zeit auch nicht mit meinen Depressionen weiter, aber mal sehen, was die neue Therapie bringt. Ich bin durch diese Erkrankung dauerhaft berentet worden, da ich u.a. die Konzentrations- und Gedächtnisfähigkeiten eines Demenzkranken habe. Antidepressiva helfen mir auch nicht weiter, entweder sie wirken nicht oder/und ich bekomme die volle Ladung Nebenwirkungen ab. Seit einem halben Jahr scheint meine Psyche für starke Beschwerden, vor allem Schmerzen, meines Körpers zu sorgen.
Ich verstehe daher vollkommen, dass meine Leidensgenossen nicht mehr aus dem "Loch" kommen. Aber kämpfen, ja kämpfen sollten wir dennoch, solange noch etwas Leben in uns ist.

18.10.2018 23:33 • x 1 #25


@Hotin das glaube ich dir sofort, dass die Menschen das gut finden, wenn du sie bittest persönlicher zu erzählen. Es ist irgendwie auch ein Grundbedürfnis, sich anderen mit zu teilen, sonst fühlt man sich allein.

Du hast natürlich recht, die Angst dass sich alle von mir abwenden etc. ist überzogen. Auf der theoretischen Ebene weiss ich das auch, aber es scheint innerlich nicht anzukommen, ich habe keine Erklärung dafür. Ich finde es gut, dass du unterscheiden kannst, wo bin ich mir wichtiger und wo ist die andere Person/Situation wichtiger. Ich bin da wieder von obgenannter Angst getrieben (und habe keine rationale Erklärung für, weil ich auch hier auf der theoretischen Ebene weiss, dass ich mich zu sehr anpasse und mir eigentlich nix schlimmes passieren kann. Aber da ist immer dieses Stimmchen das sagt "und wenn doch?"). Gefühlsmässig bin ich also nicht davon überzeugt, dass ich in Sicherheit bin. Ich würde gerne etwas anderes berichten, aber es ist nicht so.

@Rastaman Danke für deine Offenheit. Das mit der Konzentration und Gedächtnisleistung kenne ich auch, das kann einem schon einen gehörigen Schrecken einjagen. Ich weiss nicht, wieso dass so ist. Es ist schade weil auch Bücher lesen so anstrengend wird. Da ich eine Seite mehrere Male durchlesen muss. Vor allem Abends oder nach der Arbeit, tagsüber geht es noch. Aber mein früheres Abendritual im Bett noch ein bisschen was lesen, geht leider nicht mehr.
Was ist das für eine neue Therapie, die du machst?

Ich habe vor allem mit Müdigkeit, resp. Energielosigkeit zu kämpfen. Das habe ich glaube schon beschrieben.

23.10.2018 16:14 • x 1 #26


Hotin
Hallo Freisein,

Zitat:
Du hast natürlich recht, die Angst dass sich alle von mir abwenden etc. ist überzogen. Auf der theoretischen Ebene weiss
ich das auch, aber es scheint innerlich nicht anzukommen, ich habe keine Erklärung dafür.


Du hast Recht, es scheint bei Dir noch nicht angekommen zu sein. So geht es sehr vielen Menschen.
Die Erklärung finde ich, ist einfach. Das zu ändern, etwas schwieriger. Du hast zu wenig dafür getan, dass es in Dir,
gemeint ist damit in Deinem Unterbewusstsein ankommt.
Oder was hast Du konkret in Deinen Lebensjahren dafür getan, das Dein Selbstbewusstsein stärker wird?
Natürlich gibt es unter den Menschen einige "Naturtalente", die nicht viel dafür tun brauchten.

Im Sportbereich kann man so etwas auch sehen. Einige brauchen nicht viel trainieren und
erbringen gute Leistungen. Bei anderen geht das Gleiche nur mit sehr viel Training.
Zitat:
Ich bin da wieder von obgenannter Angst getrieben (und habe keine rationale Erklärung für, weil ich auch hier auf der
theoretischen Ebene weiss, dass ich mich zu sehr anpasse und mir eigentlich nix schlimmes passieren kann.
Aber da ist immer dieses Stimmchen das sagt "und wenn doch?").


Dieses Stimmchen ist vermutlich eine Erinnerung oder Erfahrung aus Deiner Kindheit.
Eine Erinnerung kannst Du nicht löschen. Du kannst Dir aber bewusst darüber werden,
dass fast alles, was früher galt, heute kaum noch Bedeutung für Dich hat.
Zitat:
Gefühlsmässig bin ich also nicht davon überzeugt, dass ich in Sicherheit bin.


Wenn Du mir erklärst, warum Du jetzt als Erwachsene in Gefahr leben musst, dann bin ich
auf Deine Eindrücke gespannt. Wenn Du mir nicht erklären kannst, warum Du heutzutage in
Gefahr bist, dann lebst Du zu sehr in der Vergangenheit.

Schau Dich jeden Tag um. Nichts kann Dir persönlich passieren. Du lebst weitgehend in Sicherheit. Und das, was
passiert, das bekommst Du schon geregelt, nämlich so, wie Du es immer in den letzten Jahren geregelt hast.

Viele Grüße

Bernhard

23.10.2018 17:14 • x 1 #27


Hotin
Hallo Freisein,

vermutlich habe ich etwas besonders Wichtiges vergessen.
Zitat:
Aber da ist immer dieses Stimmchen das sagt "und wenn doch?")


Das was Du als Stimmchen bezeichnest, ist eigentlich nur zum Teil eine Stimme.
Diese Stimme steht fast immer für eine Person. Häufig ist das die Mutter, oder der Vater.
Deshalb kannst Du auch versuchen mit dieser Person und nicht mit Deiner "inneren Stimme" zu sprechen.

Beispiel:
Du kannst sagen: "Mutter, Du hast nun keine Macht mehr über mich. Ich bin jetzt erwachsen
und entscheide allein, was gut und was nicht so gut für mich ist."

Sollte ich Recht haben, kannst Du Dich eventuell auf diesem Weg von der "inneren Stimme" weitgehend lösen.

Das dauert nur eine längere Zeit.

Bernhard

23.10.2018 17:28 • x 1 #28


Rastaman
@Freisein

ja, Bücher lesen ist auch eine Anstrengung geworden. Irgendwie habe ich auch kein Interesse mehr daran. Früher habe ich Bücher nur so verschlungen.
Die Müdigkeit und Energielosigkeit ist mir auch bekannt, leider...
Ich mache seit neuestem eine Verhaltenstherapie. Ich hab schon eine tiefenpsychologische hinter mir, die brachte aber rein gar nichts. Mal sehen, was die neue bringt.
Nimmst Du Medikamente? Wenn ja, welche?

23.10.2018 20:42 • #29


Hallo meine liebe,

mir geht es schon seit Jahren so,dass ich nicht mehr so kann wie früher.
Als ich noch jung war,habe ich als Zahnarzthelferin gearbeitet und am Wochenende noch gejobbt,weil ich mit 17 ausgezogen bin und mir alles selber finanzieren wollte.

Das ist alles lange her.

Seit über 10 Jahren arbeite ich max. 3 Stunden täglich als Haushaltshilfe.
Mehr pack ich einfach nicht.

Und ich kenne auch diese schnelle Erschöpfung ,wenn man mit Menschen zusammen ist.
Einerseits sehnt man sich danach,andererseits gerät man schnell an seine Grenzen.

"Normale" Menschen (ohne psychische Belastungen) können das nicht nachvollziehen und man fühlt sich wie ein Versager.

Ich habe ebenfalls stark zugenommen und ja,man schämt sich.

Was mir noch in´s Auge gefallen ist: 3 verschiedene AD´s?
Das kann es irgendwie nicht sein.

Evt. mal einen Termin bei einem oder mehreren anderen Psychiatern vereinbaren.
Man vergibt sich ja nichts.
Einfach mal andere Sichtweisen anhören...

Ich hoffe,das kann Dir helfen.

24.10.2018 10:27 • x 2 #30


@Hotin Danke für deine Zeilen, du hast den Nagel schon wieder auf den Kopf getroffen. Als du schriebst, ich solle dir erklären dass ich immer noch in Gefahr sei war es wie ein aah logisch, nein bin ich zum größten Teil nicht mehr heute

Und deine Zeilen zu der Stimme haben mich sehr berührt.

Auch stimmt es dass ich wenig getan habe für ein besseres Selbstbewusstsein. Mit meditieren habe ich "nur" hingekriegt, dass ich ein klein wenig mehr Distanz habe und besser beobachten und zum Teil auch erkennen kann. Über den Beruf wollte ich mich aufpäppeln aber das ging in die Hose. Das muss von innen kommen. Das habe ich nun dazugelernt.

@Rastaman und @Flame auch euch danke für die Anteilnahme und den Austausch. Ja ich nehme drei weil es nicht mehr weiterging. Zu Beginn hatte ich nur Citalopram, nur halfen die nicht mehr. Ich hatte arge Schlafprobleme, konnte bis 2, 3 Uhr Nachts nicht einschlafen und am nächsten, respektive am selben Tag um 6 Uhr wieder auf und zur Arbeit. Ging natürlich nicht lange gut.

In der Klinik erhielt ich dann Escitalopram statt Citalopram und was für abends zum schlafen Quetiapin. Das war mir aber extrem unsympathisch weshalb ich nach der Klinik auf Trimipramin wechselte, dieses wirkt zusätzlich ein bisschen gegen die Anspannung.

Damit lebte ich etwa ein Jahr aber die Energielosigkeit wurde nicht besser. Ich konnte maximal 2,5 Stunden etwas machen, danach war ich vollkommen fertig, ich musste "notfallmäßig" schlafen, weil Schwindel, Schwäche, Zittern, bleierne sehr schwere Müdigkeit. Das war gar kein Leben so. Daraufhin hab mir mein Arzt das dritte AD, Wellbutrin, das Amphetamin ähnlich wirkt und auf Dopamin und Noradrenalin wirkt, nicht auf Serotonin verschrieben. Dieses wirkt antriebssteigernd. Damit erreichte ich den heutigen Zustand.

Ich würde gerne eines weglassen resp. ausschleichen, hab aber auch Angst davor, weil es mir nun ja nicht super geht und mir der Job, auch wenn es nur wenige Prozente sind, sehr wichtig ist und ich auch sonst nicht vollkommen schlapp machen will.

Du hast es so auf den Punkt gebracht man sehnt sich nach Kontakt und dem Gefühl irgendwo dazu zu gehören und gleichzeitig schlaucht es aber.

Warum wird das nicht besser? Auch meine Therapeutin hat keine Antwort darauf. Als Sinn des Lebens sieht sie, Dinge zu tun die man gerne tut, auch wenn man eingeschränkt ist geht das, sagt sie.

Ich bin aber da oft mit den Pflichten schon ausgelastet. Da muss ich irgendwie einen Dreh finden, dass ich mehr Dinge tue, die ich gerne mache. Ich muss da irgendwie anders organisieren, das sollte doch iwie machbar sein. Hm.

24.10.2018 19:30 • x 1 #31


Zitat von Freisein:
Als Sinn des Lebens sieht sie, Dinge zu tun die man gerne tut


Das glaube ich auch,dass das der Sinn ist.

Arbeit ist wichtig für eine Tagesstruktur aber darf nicht wichtiger sein als Dinge,die man gerne tut.
Es gibt ja diesen Begriff "Work-Life-Balance".
Auch psychisch gesunde Menschen haben manchmal Schwierigkeiten,das passende Maß zu finden.
Man muss das erst ausloten.

Meine Therapeutin hat jedenfalls auch gemeint,es sei ganz wichtig,nach dem Lustprinzip zu leben und bedürfnisorientiert.

Probier das mal,die Pflichten zu reduzieren und mehr Qualitätszeit für Dich zu organisieren.
Denke,das ist ein sehr guter Ansatz.
Da freut sich die Seele!

24.10.2018 19:51 • x 2 #32


Ich hab da eben Probleme weil die Energie so reduziert ist, das betrifft ja auch die Dinge, die ich gerne tue. Ich weiß noch nicht recht wie ich es machen soll dass Arbeit (und damit meine ich nebst der Anstellung auch so Dinge wie Haushalt etc) und Dinge die ich gerne tue Platz haben. Muss mir da Mal was überlegen....

24.10.2018 20:59 • x 1 #33


Hotin
Hallo Freisein,
Zitat:
ich bin froh, wenn Du sagst, ich habe den Nagel auf den Kopf getroffen.


Um zu erklären, wie etwas abläuft, meine ich, braucht es keine besondere Weisheit.
Schwierig ist jedoch meistens, der einzelnen Person zu erklären, wo sie in ihr eigenes
Programm eingreifen kann, damit es besser wird.
Schließlich kannst Du nur allein Dein Programm leicht verändern, damit Du nicht mehr automatisch in Deine
Angstschleife hineinkommst.

Zitat:
Und deine Zeilen zu der Stimme haben mich sehr berührt.


Was wir an Stimmen hören, sind normalerweise mindestens zwei Stimmen.
Es können aber auch deutlich mehr Stimmen sein.

Seit Anfang Deines Lebens gibt es diese zwei Stimmen.
Zunächst Deine Stimme. Die Stimme, die Dir sagt:
Ich möchte dies, ich möchte das, Ich finde das gut, das mag ich nicht.

Diese, Deine Stimme, wird von der Erzieherstimme überlagert oder auch manchmal blockiert.
Als Beispiel nehme ich mal die Stimme der Mutter.

Leider ist die Erzieherstimme selten positiv. Denn die Erzieherstimme sagt meistens, was Du nicht darfst.
Sei vorsichtig, wenn Du über die Straße gehst.
Nicht an den Herd fassen Das ist heiß.
Sei still, sei ein braves Kind
Sitz still am Tisch, esse vernünftig.
Nein, dass darfst Du nicht.
Mit diesen Erziehungsstimmen könnte ich hier mehrere Seiten füllen.
Ein sogenanntes braves Kind wird also immer der Erziehungsstimme mehr Bedeutung
geben, als seiner eigenen Stimme.
Möglicherweise war dies auch bei Dir so.
Irgendwann sollte sich jeder Mensch dann versuchen, weitgehend von der Erziehungsstimme unabhängig zu machen,
sich zu befreien.
Dadurch erfolgt eine der wesentlichsten Veränderungen im Leben.
Wir befreien uns soweit wie möglich von unserer Erziehung, wir werden selbständig
und übernehmen für uns selbst Verantwortung. Das nimmt uns viel Angst!

Wenn Du nun mehr nur noch auf Deine innere Stimme hörst, dann wird es Dir leichter fallen, wichtige Entscheidungen
für Dich alleine zu treffen.
Der ständige Abgleich mit Deiner Erzieherstimme raubt Dir jedoch vermutlich immer noch sehr viel Kraft.
Dies liegt einfach daran, dass Deine Erzieherstimme ganz andere Sachen gut findet, als Du sie magst.
Und Dein häufiger Verstoß gegen Deine Erzieherstimme scheint Dir immer noch
Zweifel zu machen, ob Du alles richtig machst.

Heute lebst Du schon lange nur für Dich, nicht mehr für Deine Erzieher.
Du bist frei und unabhängig.
Daher empfehle ich Dir.

Höre immer mehr auf Deine innere Stimme. Die wird Dir wenig Angst machen!
Und auf die Stimme Deiner Erzieher höre höchstens dann einmal, wenn Du
glaubst, die Erzieherstimme kann Dir mal einen guten Rat geben.

Viele Grüße

Bernhard

24.10.2018 21:05 • x 2 #34


Pipifax Forte
Hallo Freisein!

Mir geht es ähnlich wie dir. Ich habe seit vielen Jahren eine psychische Minderbelastbarkeit, bin mittlerweile als Invalide anerkannt und lebe auf Kosten des Steuerzahlers, leider. Ein schlechtes Gewissen habe ich deswegen übrigens nicht, denn wenn ich sehe, wie gerne der Staat Milliarden Euro für "Fremde in Not" locker macht, dann muss ich mir als "Einheimischer in Not" wohl keine Gedanken machen. Eine meiner Diagnosen lautet: rezidivierende Depression und ich kenne deine Gedanken nur allzu gut. Ich habe bemerkt, dass ich immer dann Depressionen bekomme, wenn ich meine Träume verlasse. Plumpes Beispiel: Wenn ich Depressionen habe, dann bringe ich den Müll runter und denke dabei: Mein Gott, was für eine sinnlose Tätigkeit, was für eine Farce das ganze Leben ist. Den Müll runterzubringen steht dann also, sagen wir mal, symbolisch für meine sinnlose Existenz. Geht es mir aber gut, dann bringe ich den Müll runter, träume dabei aber von großartigen Dingen, etwa von der Liebe. Körperlich mag ich dann den Müll runterbringen, aber geistig bin ich bei meinen eigenen Träumen. Das, woran wir leiden, und daher rührt auch die Minderbelastbarkeit, ist ein Mangel an Gestaltungskraft. Und die Quelle der Gestaltungskraft liegt in den eigenen Träumen.

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben. Mark Twain

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen.

24.10.2018 21:11 • x 2 #35


Rastaman
Zitat von Pipifax Forte:
Ich habe seit vielen Jahren eine psychische Minderbelastbarkeit, bin mittlerweile als Invalide anerkannt und lebe auf Kosten des Steuerzahlers, leider.

Mir ergings genauso. Mit unseren Krankheiten passen wir nicht mehr in das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft. Es sollen ja über eine Millionen Schüler psychisch krank sein. Das macht echt Mut für die Zukunft.

24.10.2018 22:35 • #36


tommilu
Hallo freisein,
Auch ich leide an einer Depression und mein energielevel ist oft im Keller. Laut meiner therapeutin muss ich folgendes machen. Jeden tag neu planen. Und zwar eine pflicht die schwer fällt zb Arbeit, eine pflicht für allgemeine Aktivitäten zb sport, eine Aktivität die einen wert für dich hat zb freunde treffen und ein viertel für ruhe zb lesen oder Fernsehen. Man sollte sich nur an den Plan halten auch wenn es schwer fällt. Mir hat das geholfen aus meiner routine auszusteigen. Lg tommilu

25.10.2018 08:32 • x 1 #37


Liebe alle, Danke für all die Antworten, ihr seid grossartig. Ich finde es sehr gut, dass wir uns hier untereinander, unter Betroffenen, austauschen können.

@Hotin danke für deine Empfehlung. Ich werde das zukünftig mehr beherzigen. Und vor allem mir die Erlaubnis dazu geben, auf meine Stimme zu hören. Und sie ausgraben, denn sie ist auch verschüttet, teilweise begraben. Ich konnte ihr nie richtig folgen, sie gab mir Hoffnung in manchen Momenten aber dann fiel ich wieder in alte Muster der Angst, ob ich das überhaupt darf. Damit wurden die Hoffnungen begraben. Deswegen denke ich manchmal sie liegt sowieso falsch. Aber das ist dann ja wieder die andere Stimme. Aber ich werde es versuchen, mehr auf meine Stimme zu hören, genau jetzt.

@pipifax forte cooler Name . Ich verstehe nicht ganz wie du das meinst mit den Träumen, kannst du mir das nochmal erklären? Also geht es dir gut weil du "positiv" träumst oder träumst du positiv weil es dir gut geht?

@Rastaman ja, es ist echt nicht schön, nicht in die Leistungsgesellschaft zu passen. Nicht wegen der Leistung an sich, aber man ist wirklich am Rande der Gesellschaft und nicht mehr dabei. Klar fühlt man sich da auch als Versager. Unter anderem auch weil manche ihre Depression überwinden und das einem selbst aber nicht gelingt. Logisch kommt da wieder die Stimme was mache ich falsch, tue ich zu wenig oder das falsche. Oder wieso kriege ich das nicht hin, wieso wird es nicht besser. Und was habe ich überhaupt für einen Wert noch, wenn ich die Gesellschaft nur koste. Da habe ich immer wieder Probleme mit. Ich will ja auch dabei sein, meinen Teil Beiträgen etc.

@tommilu Danke herzlich für diesen Tip! Das ist doch Mal was konkretes, damit kann ich was anfangen!

25.10.2018 12:57 • x 1 #38


Zitat von Freisein:
Ich hab da eben Probleme weil die Energie so reduziert ist, das betrifft ja auch die Dinge, die ich gerne tue. Ich weiß noch nicht recht wie ich es machen soll dass Arbeit (und damit meine ich nebst der Anstellung auch so Dinge wie Haushalt etc) und Dinge die ich gerne tue Platz haben. Muss mir da Mal was überlegen....


Vielleicht bekommst Du eine Frührente durch,dann kannst Du stundenweise hinzuverdienen,hättest aber weniger Druck.

25.10.2018 14:23 • x 1 #39


Rastaman
@Freisein
Wenn ich mich als Versager fühlen könnte, wäre das mal ein Zugewinn. Ich fühle so gut wie gar nichts, ausser wenn ich mal wieder Angstzustände habe.
Naja, am Rande der Gesellschaft kann man sich auch einrichten. Zig Millionen Leute müssen arbeiten gehen und haben am Ende des Monats kaum was zu beissen, weil die Miete den Lohn auffrisst. Ob diese Menschen auch am Rande der Gesellschaft leben?
Ja, die Depression überwinden. Ich versuch das schon seit fast 25 Jahren, aber es haut nicht hin. Für die meisten Psychiater und Therapeuten bin ich therapieresistent, was Medikamente und Therapien angeht. Mal sehen, was die neue Therapie bringt.

25.10.2018 16:39 • #40




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