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Bealini123
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Hallo zusammen,
ich habe bisher nur still mitgelesen, aber möchte mich nun doch auch mal selbst an das Forum wenden, da es mir seit einiger Zeit nicht besonders gut geht, seit einigen Tagen aber noch deutlich schlechter als vorher.
Kurz zu meiner Vorgeschichte: Ich hatte schon früher mit einer Angst/Zwangsstörung sowie leichten Depressionen zu tun, war aber die letzten Jahre Dank längerer Psychotherapie sowie guter Einstellung auf das Medikament Citalopram (habe es 9 Jahre lang genommen) ziemlich stabil. War auch die letzten 5 Jahre gar nicht mehr in therapeutischer Behandlung.
Dann hatte ich mit meinem Partner einen Kinderwunsch und mir wurde von meinen Ärztinnen geraten, das Citalopram für die Schwangerschaft langsam abzusetzen. Das habe ich dann auch gemacht und nach anfänglichem starken Schwindel ging es mir auch erst okay. Ich habe dann aber zunehmend gemerkt, dass es mir wieder schlechter ging. Ich habe mich dann über Embryotox informiert und nach Rücksprache mit meiner FA das Citalopram seit gut 8 Tagen wieder mit 5mg angefangen. Seit Tag 4 der Einnahme geht es mir richtig schlecht. Ich hatte bei der Arbeit plötzlich ein ganz unangenehmes Gefühl von Verzweiflung und Hilflosigkeit, das sehr intensiv war und Panik in mir ausgelöst hat. Es klang dann wieder ein wenig ab, hat mich aber weiter beschäftigt. Die nächste Nacht konnte ich nur gut 3h schlafen (Schlafprobleme hatte ich vorher auch schon seit ein paar Wochen, aber jetzt ist es extremer) und hatte nachts wieder dieses schlimme Verzweiflungsgefühl in Verbindung mit Panik. Am nächsten Tag konnte ich den ganzen Tag über auch keinen Schlaf mehr nachholen, weil ich so unter Strom stand und ständig Angst/Panikgefühle hatte. Am Abend war ich dann noch unterwegs und bin danach zum Glück erschöpft eingeschlafen und konnte auch diesmal gut schlafen. Der nächste Tag war dann aber wieder die Hölle, ich hatte so gut wie ununterbrochen Panik und Herzrasen, hätte am liebsten ein Beruhigungsmedikament genommen, aber das geht ja grad nicht durch die Schwangerschaft. Die Nacht darauf konnte ich wieder nur ca. 2-3h schlafen und lag ab halb 2 wach. Der Tag war entsprechend wieder furchtbar und ich habe jetzt die letzten Tage immer wieder das Gefühl irgendwie „abgekapselt“, gar nicht richtig da und unverbunden mit meiner Umwelt zu sein. Ich kann dann irgendwie auch kaum richtig sprechen teilweise, habe eher das Gefühl zu funktionieren wenn ich spreche und meine Stimme wie von weitem zu hören. Appetit habe ich so gut wie gar nicht mehr aktuell und das Schlafen ist immer noch sehr schwierig. Dieses Gefühl der „Unverbundenheit“ mit mir und meinen Gefühlen sowie der Umwelt und fast wie wenn man träumt ist sehr beängstigend und belastet mich stark. Zwischenzeitlich konnte ich auch irgendwie gar nichts mehr fühlen und auch jetzt fühle ich sehr wenig und mich selbst irgendwie kaum. Ich kann auch nicht wirklich weinen oder so, obwohl es mir echt nicht gut geht. Gestern kamen einmal kurz ein paar Tränen, aber dann war es wieder vorbei. Dinge die mich sonst berührt haben, berühren mich so gut wie gar nicht mehr gerade und das obwohl ich schwanger bin. Meint ihr das hat etwas mit dem Citalopram zu tun, das ich wieder angefangen habe zu nehmen? Mir ging es ja vorher auch nicht gut, weshalb ich wieder angefangen habe, aber dieses Gefühl wie jetzt hatte ich vorher nicht und auch nicht diese krassen Panikgefühle. Vielleicht kennt das ja jemand und kann Mut zusprechen? Fühle mich auch grad gar nicht in der Lage zu arbeiten und bin für diese Woche krankgeschrieben. War schon ein paar mal kurz davor in eine Klinik zu gehen, weil ich mich so schlecht gefühlt habe. Teilweise fühlt man sich irgendwie gar nicht mehr richtig in der Lage am Leben teilzunehmen und das macht dann noch mehr Angst. Morgen früh bin ich bei meiner Therapeutin (gehe seit 3 Wochen wieder hin) und will auch mit ihr darüber sprechen.
Sorry für den Roman und danke wenn du so weit gelesen hast und vielleicht ein paar Worte für mich übrig hast.
Liebe Grüße!

• • 05.10.2026 x 1 #1


3 Antworten ↓

A
Hey,
wenn du dieses Gefühl hast, dich wie abgekapselt von der Welt oder wie hinter einer dicken Glasscheibe zu befinden, kann das erst einmal sehr beängstigend sein. Doch auch wenn es sich extrem unheimlich anfühlt, hilft es vielleicht zu wissen, dass dein Gehirn in solchen Momenten eigentlich nur versucht, dich zu beschützen. Denn bei zu viel Stress, intensiver Angst oder tiefer Erschöpfung schaltet es quasi in einen Notfall-Schutzmodus um. Es betäubt deine Gefühle und Wahrnehmungen für eine Weile, um dich vor einer emotionalen Überlastung zu bewahren, was in den allermeisten Fällen völlig harmlos, wenn auch wahnsinnig unangenehm ist. Hinter diesem Zustand stecken meist ganz greifbare Auslöser, die dein System an seine Grenzen bringen. Oft ist es dauerhafter Druck im Alltag oder im Beruf, der sich so weit anstaut, bis die Psyche eine Pause erzwingt. Manchmal reagiert der Körper auch in Momenten akuter Panik und Angst mit einer Art Schockstarre, die diese Distanz zur Realität erzeugt. Ebenso kann eine tiefe körperliche oder seelische Erschöpfung, sei es durch anhaltenden Schlafmangel oder chronische Schwäche, diesen Schutzmechanismus aktivieren. In einigen Fällen liegt die Ursache aber auch tiefer, etwa in einem schweren oder noch ungelösten traumatischen Erlebnis aus deiner Vergangenheit, das dein Gehirn auf diese Weise abzuwehren versucht. Ich rate dir unbedingt zur Tiefenpsychologie und dann zur Traumatherapie/Verhaltenstherapie - je nach Ergebnis der Tiefenpsychologie. Alles Liebe für dich!

• #2


A


Plötzlich wie abgekapselt / Derealisation / Citalopram

x 3


B
Danke dir für die lieben und aufbauenden Worte. Das mit dem Schutzmechanismus hatte ich auch schon gelesen und es ist tröstlich das zu wissen, trotzdem ist es natürlich unangenehm und sehr beängstigend, weil man sich so anders fühlt und das wiederum Panik auslösen kann 🙈. Trotzdem ist so eine Erklärung sehr gut zu hören und hilft irgendwie, danke 🙏. Hast du mit so etwas auch schon mal Erfahrung gemacht? Ich kann mir auch vorstellen, dass durch die Erstverschlimmerung des Citalopram meine Ängste/unangenehmen Gefühle so stark wurden, dass eben dieser Schutzmechanismus dann kam. Habe schon öfter gehört/gelesen, dass es in den ersten 2 Wochen der Einnahme mit Unruhe etc. schlimmer werden kann.
Mache aktuell eine Verhaltenstherapie, vielleicht ist die tiefenpsychologische Therapie auch nochmal eine gute Idee.
Danke und liebe Grüße! 🫶

• #3


A
@Bealini123
Hey, sehr gerne lachen Man muss ja immer nach den Ursachen schauen, nicht nur nach den Symptomen. Das ist ja immer diese fiese Diskrepanz zwischen der objektiven und subjektiven Wahrnehmung. Unser Bewusstsein filtert, beschönigt und rationalisiert oft die Realität, um uns vor unangenehmen Gefühlen zu schützen. Es lässt sich leicht durch Wunschdenken, Ausreden oder Verdrängung täuschen, sodass wir uns in bestimmten Situationen einreden, alles sei in bester Ordnung.
Das Unterbewusstsein hingegen schläft nie. Es registriert Mikroexpressionen, Stimmungen, Körpersprache und feinste Veränderungen in unserer Umgebung komplett ungefiltert. Während das Bewusstsein also versucht, die Realität zu verbiegen, speichert das Unterbewusstsein die echten Fakten ab.
Dieses Phänomen zeigt sich oft im Alltag – wenn wir beispielsweise rationalisieren, dass in einem Job oder einer Beziehung „alles super“ ist, unser Unterbewusstsein aber längst Alarm schlägt. Da es nicht in logischen Sätzen mit uns kommuniziert, reagiert es stattdessen mit einem diffusen Bauchgefühl, plötzlicher Unruhe, chronischem Stress, schlechtem Schlaf oder intensiven Träumen, um uns zu zeigen, dass die subjektive Wahrnehmung und die tatsächliche Realität nicht übereinstimmen. Deine Therapie macht daher unbedingt Sinn. Alles Liebe für dich!

• #4






Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
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