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la2la2

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Hey,
was hast du denn beruflich gemacht, bevor du krankgeschrieben wurdest?
Gibt es denn irgendeinen Traumjob oder hast du irgendwelche Hobbies / etwas, was dir Spaß macht?

Zitat von rs2266:
Ich bin chronisch total erschöpft nicht leistungsfähig, nicht belastbar.
Ich war in einigen Psychosomatischen Kliniken, nehme entsprechende Medikamente, aber meine Verfassung wurde nicht besser.

Wenn sogar mehrere intensive psychische Behandlungen nichts bringen, sollte man sich mal die Frage stellen, ob das überhaupt ein psychisches Problem ist.......
Hat man sich denn zumindest bemüht mal gründlich nach Ursachen für deine Symptome zu suchen oder das einfach als "psychisch = Patient schuld" abgestempelt?

Zitat von rs2266:
Da ich nicht mehr lange von Krankengeld leben kann da bald Aussteuerung droht und ich aber davon abhängig bin, brauche ich einen Job bzw. ein regelmäßiges Einkommen in gleicher Höhe.

Dann bekommst du halt Hartz IV. Also auch kein Weltungergang oder wofür brauchst du das Geld, dass du unbedingt so viel wie das Krankengeld verdienen willst?

28.03.2019 15:09 • x 1 #21


Minimalist

Minimalist


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Hi rs2266,

wenn Du bald ausgesteuert bist, dann geht der Bezug von Lohnersatzleistungen nach der Aussteuerung wie folgt weiter:

- Entweder durch Bezug von Arbeitslosengeld I, falls Du einen Anspruch auf ALG I erworben hast (der Bezug von Krankengeld wird beim möglichen Erwerben eines solchen Anspruchs berücksichtigt). Für Leute wie Dich gibt es speziell den § 145 SGB III ("Minderung der Leistungsfähigkeit"), siehe http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__145.html - das heißt, Du stellst Dich mit Deinem Restleistungsvermögen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und kannst auch nur in Jobs vermittelt werden, die Deinem Restleistungsvermögen entsprechen, und die in mindestens 15 h pro Woche ausgeübt werden müssen.

- Oder durch Bezug von Arbeitslosengeld II ("Hartz IV").

Sowohl beim Bezug von ALG I oder ALG II kann bzw. wird Dich der Leistungsträger (hier: entweder die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter) auffordern, eine berufliche Reha-Maßnahme zu beantragen. So was nennt sich auch "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben". Mit beruflichen Reha-Maßnahmen sind auch Umschulungen gemeint.

Wer entscheidet über Anträge auf Bewilligungen von beruflichen Reha-Maßnahmen? Die Deutsche Rentenversicherung.

Die Rentenversicherung kann aber einen Antrag auf Bewilligung einer beruflichen Reha-Maßnahme ablehnen UND den Antrag gleichzeitig umdeuten in einen Antrag auf Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente, wenn die Rentenversicherung die Meinung vertritt, dass der Antragsteller weniger als 3 h täglich erwerbsfähig, also voll erwerbsgemindert sein könnte. Dann schaut die Rentenversicherung, ob Du eventuell eine Erwerbsminderungsrente bekommen könntest.

Mit dem Gedanken, dass Du eventuell - auch vorübergehend, also nicht unbedingt unbefristet - von einer Erwerbsminderungsrente leben musst, solltest Du Dich deswegen auch befassen.

Wenn Du wissen willst, wie hoch Deine Erwerbsminderungsrente ungefähr sein könnte, schaue in die letzte, so genannte "Renteninformatio"n der Rentenversicherung. Das ist ein einseitiges Schreiben, dass den Beitragszahlern in der Regel jede 2 Jahre zugeschickt wird.

Falls eine mögliche Erwerbsminderungsrente schlicht zu niedrig wäre um von ihr leben zu können, hättest Du im Falle einer vollen Erwerbsminderung Anspruch auf ergänzende Leistungen der Sozialhilfe nach dem SGB XII. Dann stünde Dir als Gesamtheit monatlich ein Betrag zur Verfügung, der quasi genau so hoch ist wie der Betrag, den Du als Hartz-IV-Bezieher bekommen würdest. Im Falle einer teilweise vorhandenen Erwerbsminderung (bei einer Erwerbsfähigkeit von 3 bis unter 6 h täglich) würdest Du Deine Erwerbsminderungsrente mit "Hartz IV" aufstocken können.

Viele Grüße

Minimalist

PS: Hier ein Link der Bundeszentrale für politische Bildung über die volle und teilweise Erwerbsminderungsrente:

http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/ ... -teilweise

28.03.2019 15:19 • x 3 #22


rs2266

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Zitat von la2la2:
Hey,
was hast du denn beruflich gemacht, bevor du krankgeschrieben wurdest?
Gibt es denn irgendeinen Traumjob oder hast du irgendwelche Hobbies / etwas, was dir Spaß macht?


Ich hab den Beruf als Werkzeugmechaniker Fachrichtung Formenbau erlernt.
War nach der Ausbildung schonmal ein Jahr krankgeschrieben wegen den selben Beschwerden.
Habe von Mai 2015 bis Januar 2018 mir eine Festanstellung im selben Beruf bei einem anderen Arbeitgeber erarbeitet. Und dann bin ich wieder zusammengebrochen.

Ein Traum von mir wäre es Schriftsteller zu sein. So, dass ich davon leben könnte.

Meine Hobbies sind sehr mau, ich gehe mit einer Clique einmal die Woche Fußball spielen, merke da besonders wie leistungsschwach ich bin. Komme nach 20 min an die Grenzen meiner Kondition, während die anderen weiter full power über den Platz sprinten. Das ist ziemlich deprimierend für mich.
Des weiteren gehe ich etwa 3 mal die Woche ins Fitnessstudio, ansonsten haben wir einen Schäferhund in der Familie mit dem wir regelmäßig spazieren gehen.
Das wars dann auch schon. Ich bin auch grundsätzlich ziemlich interessenlos, vermutlich auf Grund meiner Erkrankung.

Zitat von la2la2:
Wenn sogar mehrere intensive psychische Behandlungen nichts bringen, sollte man sich mal die Frage stellen, ob das überhaupt ein psychisches Problem ist.......
Hat man sich denn zumindest bemüht mal gründlich nach Ursachen für deine Symptome zu suchen oder das einfach als "psychisch = Patient schuld" abgestempelt?


Ich habe nicht den Eindruck diesbezüglich eine unqualifizierte Diagnostik erfahren zu haben.
Die grundlegenden Symptome einer Depression sind ja nun mal gegeben wie vor allem eine extrem depressive Verstimmung.
Unzufrieden bin ich mit den Behandlungen bzw. mit der Gegebenheit, völlig überfordert und hilflos auf mich allein gestellt, entsprechend geeignete Hilfe und Behandlungen überhaupt zu finden.



@Minimalist

Vielen Dank für diese ausführlichen Informationen!
Bin dabei, mir das in aller Ruhe anzuschauen

28.03.2019 16:12 • #23


Minimalist

Minimalist


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Hi rs2266,

Du bist ja offensichtlich schon seit längerer Zeit extrem depressiv verstimmt. Da möchte ich Dich auf folgenden News-Artikel aufmerksam machen:

Zitat:
US-Zulassung für Ketamin

Nach 30 Jahren: Ein neues Mittel gegen Depressionen

Es ist die wichtigste Entdeckung für Depressionspatienten seit Jahrzehnten: Ketamin kann die dunklen Gedanken vertreiben. Nun ist das Mittel zugelassen.


https://www.tagesspiegel.de/wissen/us-z ... 71234.html

Ketamin ist in Deutschland (noch) nicht zugelassen. Ich habe aber eine Reportage im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk über die Behandlung von Depressionen gesehen vor ein paar Monaten, da wurden auch Patienten gezeigt, die haben in einer Klinik (ich glaube, in der Berliner Charité) Ketamin verabreicht bekommen. Mindestens einer dieser Patienten war begeistert von Ketamin, er meinte, das hätte bei ihm schon nach 40 Minuten angefangen zu wirken.

Ich glaube, wenn Du so eine Ketaminbehandlung in Deutschland bekommen möchtest, muss Dich Dein behandelnder Arzt in eine Klinik in Deutschland überweisen, wo Ketaminbehandlungen vorgenommen werden.

28.03.2019 16:19 • #24


rs2266

rs2266


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@Minimalist

Das hört sich ja zu schön an um wahr zu sein.
Ich werde mich darüber erkunden und recherchieren.
Vielen Dank!

28.03.2019 16:28 • #25


Minimalist

Minimalist


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@rs2266 : Es kann sein, dass Dein behandelnder Psychiater nichts von der antidepressiven Wirkung von Ketamin weiß oder den Behandlungserfolg damit anzweifelt. Bring ihm einfach den News-Artikel ausgedruckt mit, den ich Dir verlinkt habe. Die Reportage im Fernsehen über die Behandlung von Depressionen, die finde ich leider nicht in der ARD-Mediathek.

Noch etwas: Du hast ja bis Januar 2018 ca. 3 Jahre lang sozialversicherungspflichtig gearbeitet, seitdem bist Du offensichtlich krankgeschrieben und beziehst deswegen Krankengeld. Ich habe eben bei der Agentur für Arbeit angerufen, die freundliche Mitarbeiterin teilte mir mit:

a) Dein ALG I würde auf einer fiktiven Grundlage berechnet werden, weil Du ja Krankengeld bezogen hast. Da gibt es wohl so was wie ne Liste von Berufen bei der Agentur für Arbeit, nach der wird das ALG I nach der Aussteuerung je nach Beruf fiktiv berechnet.

b) Die Bewilligung von ALG I nach dem von mir genannten Paragrafen § 145 SGB III ist möglich bzw. wird gewährt, wenn Deine Erwerbsfähigkeit weiterhin - nach der Aussteuerung - gemäß dem von mir genannten § 145 SGB III gemindert ist.

Du solltest aber nicht am 1. Tage nach dem Tag Deiner Aussteuerung zum Arzt rennen und Dich wieder wegen derselben Krankheit krank schreiben lassen, wegen der Du noch Krankengeld beziehst.

Weil die Agentur für Arbeit gewährt ALG I im Falle einer Krankschreibung nur 6 Wochen lang, danach gibt die Agentur für Arbeit den Betroffenen an die Krankenkasse ab, damit der oder die Betroffene von der Krankenkasse Krankengeld bezieht. Du aber bist ja dann schon ausgesteuert worden von der Krankenkasse, also würdest Du nach 6 Wochen Bezug von ALG I kein Krankengeld mehr kriegen und müsstest stattdessen zum Jobcenter und dort Leistungen beantragen.

Und wenn Du krankgeschrieben ALG I beantragen wolltest, würde Dich die Agentur für Arbeit sowieso wieder wegschicken mit der Begründung, dass Du dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehst.

Also nicht krankgeschrieben ALG I beantragen. Aber ALG I am 1. Tag nach Deiner Aussteuerung persönlich vor Ort bei Deiner Agentur für Arbeit beantragen.

c) Die Agentur für Arbeit wird Dich nach dem Eintritt in den Bezug von ALG I nach dem genannten § 145 SGB III auffordern, einen Antrag auf eine medizinische oder berufliche Reha oder einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente bei der Rentenversicherung zu stellen.

d) Frage bei Deiner Krankenkasse nach, wann genau Du ausgesteuert wirst und erbitte um schriftliche Antwort von der Krankenkasse. Dieses Schreiben legst Du dann bei der persönlichen Beantragung von ALG I bei Deiner Agentur für Arbeit vor.

28.03.2019 17:00 • #26


rs2266

rs2266


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@Minimalist

Vielen Dank, wie komme ich zu der Ehre, dass du dich so für mich einsetzt?
Dankeschön für alles!

28.03.2019 17:07 • #27


Minimalist

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@rs2266 :

Zitat von rs2266:
@Minimalist

Vielen Dank, wie komme ich zu der Ehre, dass du dich so für mich einsetzt?
Dankeschön für alles!


Ich helfe gerne Übrigens bin ich erwerbsgemindert. Ich habe das alles schon durch, aber nicht den Weg, den Du vielleicht gehen wirst über Krankengeld => Aussteuerung => ALG I nach § 145 SGB II => eventuell die Erwerbsminderungsrente.

Du brauchst aber keine Panik zu schieben wegen einer möglichen Erwerbsminderungsrente, denn in der Regel wird sie zuerst befristet gewährt, bis zu 3 Jahre.

Die Zeit, die der Antrag auf Bewilligung der Erwerbsminderungsrente braucht, wird aber von diesen maximal 3 Jahren abgezogen. Das heißt, Du würdest die EM-Rente rückwirkend bewilligt bekommen, so dass Du ab dem Zeitpunkt, wo Du den Bewilligungsbescheid über die EM-Rente bekommst, nicht mehr maximal 3 Jahre EM-Rente bekommen würdest.

Bis eine EM-Rente bewilligt wird, kann aber ne Menge Zeit vergehen. Bei mir dauerte es 14 Monate; andere Leute, die ich kenne, die brauchten noch länger, bis ihre EM-Rente endlich bewilligt war.

28.03.2019 17:19 • #28


a commodity


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@ rs2266, hallo.

Zitat:
Ich hab den Beruf als Werkzeugmechaniker Fachrichtung Formenbau erlernt.

Das ist schön das du was hast! Ggf., könntest du das auch noch gut nutzen in der Zukunft, wenn du dich mal dafür entschieden hast, dir einen Schwerbehinderten - Ausweis geben zu lassen, dazu hast Du ja alle Befunde, wie es dir geht usw. Und so bald du ihn in der Tasche hast, hast du auch das Recht am Arbeitsamt nicht mehr als "normaler" Mensch tätig zu sein sondern gehst in diesen Bereich der Menschen mit Behinderungen, davon gibt es viele wie Körperliche, Geistige, Seelische wie bei dir mit diesen Depressionen usw. Und mit einem SbA., hast du ja dann auch noch ein Kündigungsschutz. Und wenn du eine Arbeit findest, je nachdem wo, oder in einer Werkstadt für Behinderte oder wo anders, aber vor allem in solcher Einrichtungen, wenn es dir mal "Nicht all zu gut" geht, dann ist das auch in Ordnung und du musst jetzt nicht arbeiten, sondern darfst eine Auszeit haben, denn so was ist da erlaubt. Die haben auch in solchen Fällen auch entsprechende Verdienstmöglichkeiten je nachdem. Und im Bereich der Metallarbeit, so was wird immer gerne angeNommen von denen.


Zitat:
War nach der Ausbildung schon mal ein Jahr krankgeschrieben wegen den selben Beschwerden.
Habe von Mai 2015 bis Januar 2018 mir eine Festanstellung im selben Beruf bei einem anderen Arbeitgeber erarbeitet. Und dann bin ich wieder zusammengebrochen.

Dann solltest du dich mal mit einem Sozial psychiatrischen Dienst zusammen tun und denen erklären was Sache ist und wie sie dir helfen könnten?

Zitat:
Ein Traum von mir wäre es Schriftsteller zu sein. So, dass ich davon leben könnte.

Einfach ist das nicht! Die schreiben ja immer recht viel oder willst du Kinderbücher verfassen mit Bildern? Und wie soll das denn Überhaupt gehen? Du, in deiner jetzigen Situation bist nicht in der Lage so was anzufangen! Oder?

Zitat:
Meine Hobbies sind sehr mau, ich gehe mit einer Clique einmal die Woche Fußball spielen, merke da besonders wie leistungsschwach ich bin. Komme nach 20 min an die Grenzen meiner Kondition, während die anderen weiter full power über den Platz sprinten. Das ist ziemlich deprimierend für mich.

Aber vielleicht ist DASS ja NICHT dein Ding? Vielleicht bist Du ja eher der Typ, der gerne lange schreibt als lange herum läuft? Vielleicht hast du ja das Potential als Schriftsteller zu agieren, sieh doch mal "hier", oh, das geht nicht, dann gebe doch einfach mal folgenden Text ins Youtube ein, "Freie Schriftsteller, wie werde ich einer?" Da kannst du sehen, was es braucht ein Buchautor zu sein oder nicht zu sein, das ist die Frage!

Zitat:
Des weiteren gehe ich etwa 3 mal die Woche ins Fitnessstudio, ansonsten haben wir einen Schäferhund in der Familie mit dem wir regelmäßig spazieren gehen.
Das wars dann auch schon. Ich bin auch grundsätzlich ziemlich Interessenlos, vermutlich auf Grund meiner Erkrankung.

Ich denke mal das du einen Burnout mit einer Depression hast!

28.03.2019 17:38 • #29



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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