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Basti88

Basti88
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Ich habe mein Kindheitstrauma berührt und bin auf dem Weg der Heilung. Ich habe viel verpasst in meinen 38 Jahren und fühle mich jetzt sicher, darüber zu sprechen. Ich weiß, dass es da draußen Menschen gibt, die wahrscheinlich ein genauso schweres Fundament mitbekommen haben und nun auch auf dem Weg der Heilung sind.
Meine Eltern waren schwerst Alk.. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr lebte ich quasi nur in den Tag hinein. Ich hatte oft Hunger, wusste aber gar nicht, was das für ein Gefühl ist oder was es bedeutet. Ich wurde nicht gesehen, vor dem Fernseher geparkt und nur ganz selten in die Kindertagesstätte gebracht. So entstanden viele Dinge, die ich damals einfach nicht lernen konnte. Ich wurde nicht reguliert, bin immer wach geblieben, bis ich von selbst eingeschlafen bin, und war stets überangepasst.
Ich wollte das Thema jetzt einfach noch einmal anschneiden. Vielleicht gibt es hier jemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, sich darin wiederfindet und ebenfalls an sich arbeitet. Ich würde mich sehr über einen Austausch freuen. Es geht mir absolut nicht darum, bemitleidet zu werden oder mich in den Mittelpunkt zu drängen. Ich möchte einfach als der Mensch gesehen werden, der ich heute bin, und hoffe auf gute Kontakte und Gespräche.
Es muss dabei natürlich nicht nur um traurige Themen gehen. Wenn man auf dem Weg der Heilung ist, entstehen ja auch viele schöne Dinge. Ich möchte einfach fühlen und erfahren: Was machen andere so im Alltag? Was integriert ihr in euer Leben? Wo kann ich vielleicht auch mal mit meinen Erfahrungen unterstützen oder etwas beitragen? Es geht nicht um irgendeine "Rettung", sondern darum, offen reden zu dürfen. Nicht mehr das Gefühl zu haben, ganz alleine oder nichts wert zu sein – was wohl mit die schlimmste Erkenntnis war, die ich jahrelang in mir getragen habe und die ich nun endlich anfange abzulegen.
Ich freue mich sehr auf Antworten und den Austausch mit euch. Schreibt mir auch sehr gerne eine persönliche Nachricht, wenn ihr nicht offen in der Gruppe schreiben wollt.
Vielen lieben Dank und liebe Grüße!

• • 19.08.2026 x 3 #1


12 Antworten ↓

Tigerlilie
@Basti88 Herzlich willkommen im Forum.

Kindheitstrauma ist bei mir auch ein Thema. Ich habe das Gefühl, dass das eine Lebensaufgabe ist, davon zu heilen.

Wie arbeitest du daran? Machst du Therapie?
Welche Symptome/Folgen hast du denn durch die schlechten Erfahrungen in der Kindheit?

• x 2 #2


A


Kindheit Trauma berührt Vieles taucht jetzt auf

x 3


Basti88
@Tigerlilie Ich arbeite täglich an mir, seitdem ich mein Trauma berührt und die Gefühle, die mich dahin geführt haben, zugelassen habe. Ich habe dadurch das Gefühl, mehr in meinem Körper angekommen zu sein. Ich sehe mich nicht mehr ständig von außen. Das klingt vielleicht komisch, aber für mich war das sehr wichtig.
Manchmal erzähle ich meiner Partnerin davon oder frage auch meine KI, ob es Zusammenhänge oder Erklärungen für bestimmte Dinge gibt. Ich reflektiere sehr viel. Warum nehme ich Kritik so persönlich? Warum wollte ich immer jemand sein, der ich eigentlich gar nicht bin? Warum musste ich immer stark wirken? Ich glaube, ich entwickle mich heute überhaupt erst richtig, weil mir vieles davon nie beigebracht wurde.
Auch das Weinen ist für mich inzwischen wichtig geworden. Es kommt manchmal einfach schubweise. Eine Melodie und plötzlich muss ich weinen. Und ich merke dann oft, dass diese Tränen gar nicht von heute sind. Da kommt etwas von früher hoch, was damals keinen Raum hatte. Traurigkeit, Schmerz, Verlust oder einfach Gefühle, die nie zugelassen werden durften.
Mein inneres Kind möchte quasi kommunizieren. Und ich muss nicht mehr stark sein wie ein Tiger. Man darf auch schwach sein. Man darf weinen und Gefühle haben. Das hat nichts mit dem eigenen Wert zu tun. Wir sind nur einmal auf dieser Welt und so wie wir lernen können, mit unseren Verletzungen zu leben, können wir auch lernen, glücklich zu sein.
Ich war immer jemand, der sich extrem angepasst hat. Ich wollte die Gefühle von anderen spüren, nicht auffallen, immer cool sein und ein toller Junge sein. Ich wollte dazugehören. Gleichzeitig habe ich mich eigentlich nie wirklich irgendwo zugehörig gefühlt. Tief drin war immer dieser Gedanke: Ich bin nicht gut genug, ich bin es nicht wert.
Auch in meiner Sexualität hat sich diese Anpassung gezeigt. Ich habe irgendwann Demütigung, Erniedrigung und Bloßstellung gesucht und es wurde immer heftiger. Auch weibliche Kleidung und Rollen waren dabei. Heute verstehe ich immer mehr, dass ich dabei wahrscheinlich versucht habe, etwas auszuleben, was mit meiner fehlenden Selbstwahrnehmung und meiner Kindheit zusammenhing. Ich musste immer eine Rolle spielen, weil ich selbst gar nicht wusste, wer ich eigentlich bin.
Ich habe meine Kindheit lange als nicht schlimm angesehen, weil ich nicht geschlagen oder missbraucht wurde. Aber emotionale Vernachlässigung kann genauso tief gehen. Wenn ein Kind schon als Säugling schreien gelassen wird, bis es irgendwann aufgibt, dann hinterlässt das etwas. Und solche Erfahrungen können später sehr viel beeinflussen.
Ich kann heute schon besser mit Kritik umgehen, auch wenn es mir noch schwerfällt, sie nicht persönlich zu nehmen. Heilung ist für mich kein Ausschalter, den man einfach findet, wenn man das Trauma erkannt hat. Es ist ein Weg und wahrscheinlich ein langer. Aber ich freue mich über jede Veränderung und über jeden Zusammenhang, den ich erkenne.
Ich freue mich auch darüber, mein inneres Kind selbst spüren und mich quasi selbst tragen zu können. Ich muss keinen Mutterersatz finden und ich muss meine Kindheit auch nicht neu schreiben. Ich kann heute für mich da sein.
Zurzeit mache ich keine Therapie, auch aus zeitlichen Gründen. Ich würde aber gerne wieder eine machen und wäre dafür bereit. Ich war früher schon lange in Therapie, habe mich damals aber extrem für meine Fantasien geschämt und dachte, mit mir stimmt etwas nicht.
Davon möchte ich heute weg. Ich darf auch sagen, dass meine Eltern Verantwortung dafür tragen, wie meine Kindheit war. Das Kind kann dafür nichts. Trotzdem übernimmt ein Kind oft die Schuld selbst.
Ich merke auch bei meinen Geschwistern, dass jeder mit solchen Erfahrungen anders umgeht. Wir haben vieles gemeinsam erlebt, aber jeder hat seinen eigenen Weg gefunden.
Für mich ist inzwischen wichtig: Ich muss kein starkes Tier sein. Wenn ich mir selbst treu bin, bin ich stark genug. Jeder Mensch ist wertvoll. Wir dürfen traurig sein, verletzt sein und weinen. Gefühle dürfen da sein und sie dürfen Raum bekommen.
Vielleicht suchen wir manchmal einfach den Trost, der uns früher gefehlt hat. Und heute kann ich anfangen, mir diesen Trost selbst zu geben.
So arbeite ich gerade an mir. Es ist nicht immer leicht, aber ich merke, dass sich etwas verändert. Und darüber freue ich mich.

• x 7 #3


Gaulin
@Basti88 interessantes Thema, nicht unbedingt leicht, aber sehr nützlich. Du bist sehr reflektiert, das ist ein großer Vorteil auf deinem Heilungsweg. Ich lese gern erstmal mit...

• x 2 #4


Burn
Oh ja kenne ich zu gut.
Ich dachte ursprünglich ich wäre schon recht weit mit verarbeiten usw.

Pustekuchen. Ja ich bin ein reflektierter Mensch, ja ich hab schon so einiges bearbeitet und ja ich bin auch gut darin andere zu Supporten!

Aber was ich schmerzlichst erfahren musste ist dass mein tiefstes kindheitstrauma angeht , wohl nie ganz heilt ❤‍🩹 ist dass ich keine Sicherheit hatte und somit in Unsicherheit aufgewachsen bin.

Tja Rat mal was passiert ist als meine Sicherheit im Erwachsenenleben angefangen hat zu bröckeln?
Nämlich die Mühle aus Krankheit. Arbeitsplatz Verlust, Geld Probleme, Existenzfragen…
Absolute Urängste bei mir!

Da ging die Panik erst so richtig los. 😅weit weg von Heilung

Ich gehöre da definitiv nicht zu den Menschen, bei denen das Glas dann noch halb voll ist und die immer sagen aber es wird schon gut gehen!

Aber eine wichtige Ressource habe ich bereits erkannt: Ich habe die Macht und Gabe mich selbst im Überlebensmodus zu pushen! Bis ich aus dem gröbsten raus bin!
jetzt wäre es noch schön dass dies möglich ist ohne durch den tiefsten dreck zu müssen

• x 3 #5


Basti88
Ja, ich denke, ich glaube zu wissen, was du meinst, und ich bin halt in dem Bereich anders fokussiert.
Ich hab mich halt damit abgefunden, dass es Fehler gibt und dass es mal schief laufen kann im Leben. Man kann alles verlieren. Man kann seinen Partner verlieren, man kann seinen Arbeitsplatz verlieren. Es ist alles drin, und es wird im Leben nie leicht sein. Leichtigkeit, leicht für sich durchs Leben gehen – das müssen wir doch alle lernen. Das können wir auch, wenn wir es uns erlauben, aber ich denke, dass man, wenn man realistisch ins Leben hineingeht, sich etwas zurückholen kann, wo man sich selber trägt.
Man sagt: Hey, du bist immer noch ein wichtiger Mensch. Es ist ja auch so, dass du daraus lernen kannst. Es ist nicht immer schön, aber manchmal kann man auch aus seinen Fehlern lernen, anstatt davon auszugehen, man ist perfekt oder gut in seinem Beruf und es kann immer irgendwas kommen.
Also ich lebe quasi in diesen Tagen auch mit dem Gedanken, dass ich dafür irgendwann nicht mehr arbeiten werde. Ich hab so oft meinen Job schon gewechselt im Leben. Das ist mir klar, fällt mir schwer, der Neuanfang und irgendwas wieder von vorne. Krankheitsbedingte Sachen können immer kommen. Ich bin glücklich damit, dass ich gerade gesund bin, aber ich sehe an meiner Pflegemutter zum Beispiel, dass sie die Hüfte operiert bekommen musste und jetzt nicht mehr so gut funktioniert wie vorher. Und ich sehe, dass mein Vater gestorben ist, mein Pflegevater gestorben und an Krebs gestorben ist. Ich denke, dass das dazugehört.
Und ich muss sagen, wo ich meinen Pflegevater verloren habe, hat es mir unheimlich wehgetan, weil ich endlich einen Menschen hatte, zu dem ich aufsehen durfte. Was mir aber dabei gut tut, ist, dass es mir heute noch unheimlich wehtut. Aber der Gedanke daran: Er war mir so wichtig. Er war so wertvoll für mich, dass ich heute immer noch an ihn denken darf und traurig darüber bin, dass dieser Mensch nicht mehr ist.
Also ich denke, man kann das aus mehreren Perspektiven sehen. Wir können nicht alle gesund bleiben und irgendwann müssen wir uns alle verabschieden. Aber solange wir leben, haben wir immer etwas in unserer Tasche. Und es gibt so Sachen, die möchte ich nicht wissen. Ich kann auch nicht so positiv übers Leben berichten. Klar gibt es schlechte Sachen und Sachen, die ich gar nicht für mich ertrage.
Ich bin unheimlich schnell überfordert, wenn ich irgendwo viel Arbeit sehe. Ja, ich denke: Oh Gott, das schaff ich nie. Jeder andere läuft da lang und sagt: Ja, ich mach das. Und ich sitze da und denke mir: Um Gottes willen. Ich muss mich immer überwinden. Jedes Mal, wenn ich dann am Arbeiten bin, funktioniert es irgendwie und dann ist es auch okay. Aber solange ich das noch nicht getan habe, ist es unheimlich schwer für mich.
Also das sind Sachen. Ich muss ja auch meine Fehler akzeptieren können. Ich muss ja auch meine Ängste akzeptieren, weil sie gehören ja zu mir. Angst gehört genauso dazu wie Freude. Trauer gehört genauso dazu wie Wut. Wut ist ein wichtiges Element und Luft zu lassen.
Das sind alles Sachen, die möchte ich integrieren und nicht von mir weghalten. Aber diese Urangst, die ich meine, das ist nicht das Leben selbst, sondern die Angst zu versagen, die Angst, ich bin nicht wertvoll.
Ich hab mich 38 Jahre lang wertlos gefühlt, weil ich die ersten sieben Lebensjahre im Kinderheim war, neun Jahre keine Liebe bekommen und nicht gesehen wurde. Also sprich: Es hat nicht immer was Positives. Man kann ja nicht von Heilung sprechen und sagen: Naja, jetzt läuft mein Leben.
Ich arbeite nebenbei, muss auch gucken, dass mein Sohn nicht zu kurz kommt oder meine Frau. Das sind alles Sachen, da kommt immer alles aufeinander. Und ich verstehe total, wenn man auch mal Monate oder Jahre hat, wo man merkt, man kann nicht mehr, man hat Angst oder man fühlt sich überfordert.
Ich fühl mich so oft überfordert in meinem Leben. Und jetzt sehe ich aber endlich im Körper nicht mehr davon aus. Das macht für mich einen ganz großen Unterschied, weil ich jetzt wirken kann.
Ich kann jetzt quasi sagen: Im Moment, mein Kleiner, wir sind hier. Nicht mehr im Damaligen. Wir sind im Heute. Ich bin heute erwachsen.

• x 1 #6


Basti88
@Burn Tut mir leid so ganz war der Text jetzt nicht gut ausgesprochen. Ich hab’s jetzt mit der Sprach App versucht hat ein bisschen falsch verstanden also ich bin bis zu meinem siebten Lebensjahr in meiner Familie gewesen in meiner leiblichen Familie und dort ist das halt alles passiert ja das war mir noch mal wichtig das anzugeben ist war nicht ganz so ne Glanzleistung gerade bitte dich falsch verstehen kann ich das ein bisschen falsch rüberbringen. Es war jetzt nicht böse gemeint. Ich wollte damit eigentlich nur sagen, dass wir bewusst ist, dass wir das Leben halt nicht so leichtfüßig begehen können, weil es im Leben halt immer wieder Schwierigkeiten geben wird und sie gehören halt zu jedem Menschen. Alle Menschen haben ihre Päckchen Probleme, und für jeden sieht sie auch anders aus. Sieht sein sein Glück anders. Jeder sieht seine, seine Freude, anders oder seine Einstellung zu arbeiten so hab ich das sagen wollen und dass mein Pflegevater gestorben ist. Das tut mir heute noch sehr weh aber ich weiß, dass ich ihn unheimlich wichtig war und er für für mich auch viel bedeutet. Deswegen freut es mich auch zu wissen, dass er mir fehlt.

• #7


E
Ich hatte auch mal eine Zeit da war ich noch etwas jünger, da konnte ich viel mehr über meine Baustellen sprechen, auch viel mehr über meine Kindheit bis ins Detail, ich konnte was mich betraf vieles reflektieren und immer mehr verstehen warum und weshalb es mir gerade im Moment so geht wie es ist, ich habe auch irgend wann mehr verstanden warum gewisse Abläufe in meiner Familie so stattgefunden haben wie sie waren, die Umständen und wie sie Geprägt wurden was an uns weitergegeben wurde.

Und irgend wann hatte ich einfach genug zu sehr in der Vergangenheit zu verweilen, ich versuchte auch mit der Zeit das schöne zu suchen, die guten Erinnerungen, denn die gabs ja auch.
Natürlich gibt es immer noch Momente wo ich in der Vergangenheit lande, aber nicht mehr so oft wie damals, aber geheilt oder wie man dem sagt bin ich nicht von meinen Symptomen, ich denke es war einfach viel zu viel geschehen in meinem ganzen Leben und mein Nervensystem ist nicht mehr in der Lage Gesund zu werden, vielleicht hat es auch mit dem Alter zu tun, aber ich habe gelernt damit zu Leben und ich finde mein Leben nicht bedauerlich oder schlecht, weil ich versuche auch das Beste daraus zu machen mit meinen Möglichkeiten die ich habe.

Jeder geht wohl so sein eigener Weg und es ist immer super oder auch Vorteilhafter wenn es einem Gelingt seine Baustellen auf zu arbeiten und sich danach wieder Besser zu fühlen oder sogar in Richtung Genesung, das ist dann sicher ein gutes Gefühl.

• x 2 #8


B
"Den Kindern darf kein Leid geschehen" ist ein alter Spruch den ich verinnerlicht habe. Ich habe tiefen Respekt vor Menschen, die die Verletzungen ihrer Kindheit entwachsen, sich nicht davon definieren lassen, die Kraft finden es anders zu machen. Letztlich, wir tragen nicht für die Fehler unserer Eltern die Verantwortung, für die Vernachlässigungen oder Fehler. Wir sind jetzt hier und könnten selber entscheiden, die Linie unterbrechen.

Ich habe fast 60 Jahre gedacht, daß ich ein Wunschkind bin. Ja, ich hatte eine behütete Kindheit. Meine älteren Geschwister haben es nicht so gut erwischt. Ich kam aber auch genau zu dem Zeitpunkt des wirtschaftlichen Aufschwungs, als Vater gut verdient hat.

Vor einem Jahr habe ich erfahren, dass meine Mutter damals versucht hat mich durch Hausmittel illegal abzutreiben.
Die Quelle der Information kann ich nicht anzweifeln, leider kann ich nicht mehr direkt fragen.

Was macht das jetzt mit mir.

Ich stelle mir die Verzweiflung einer Mutter vor, meiner Mutter vor. Was war damals, dass sie so einen Entschluß gefasst hat?
Die schöne Facade meiner Jugend ist unglaubwürdig geworden. Mein ältester Bruder hat mal gesagt, er hat alles getan, damit wir Kleinen das nicht mitbekamen. Bis hin zum Blut aufwischen.

Was macht das jetzt mit mir?

Ich weiß es nicht. Ich fühle mich deshalb nicht verraten, oder schlecht. Eher ratlos. Und Dankbar. Das für mich dann doch alles getan wurde.

Oh, man. Was macht das jetzt mit mir, daß ich es einfach hier so schreibe? Halb ist es Tagebuch, weil ich sehe ja niemanden der es liest. Gerade wollte es einfach Raum.

• x 2 #9


Tigerlilie
Zitat von Basti88:
Und ich merke dann oft, dass diese Tränen gar nicht von heute sind. Da kommt etwas von früher hoch, was damals keinen Raum hatte.

Das Gefühl kenne ich auch. Manchmal kann ich dann gar nciht aufhören, wenn "die Schleusen einmal geöffnet sind". Dann kommt einiges von früher mit hoch.
Zitat von Basti88:
Wenn ein Kind schon als Säugling schreien gelassen wird, bis es irgendwann aufgibt, dann hinterlässt das etwas.

ja, das ist scchlimm für ein Baby. Das bekommt ja dann im grunde Todesangst, wenn kein Erwachsener sich kümmert und es hilflos rumliegt.
Zitat von Burn:
dass ich keine Sicherheit hatte und somit in Unsicherheit aufgewachsen bin.

Bei mir hat sich das Grundgefühl verankert, dass die Welt ein gefährlicher Ort ist. Ich bin übervorsichtig, ängstlich, sehe überall Gefahren, bin ständig angespannt.

• x 1 #10


Basti88
@bory Also ich finde es völlig in Ordnung, dass du so etwas auch Raum gibst. Das sind ja schließlich deine Gedanken und das sind ja auch Sachen, die anscheinend etwas mit dir machen, und es ist richtig, darüber auch mal Worte zu verlieren und dem einen Raum zu geben.
Ich glaube, wenn ich in dieser Lage wäre – da ich ja selber weiß, wie es sich eigentlich anfühlt, nicht gewollt zu sein, oder zumindest haben sie es nicht hinbekommen –, würde ich diese Schuld auf jeden Fall an sie abgeben, auch wenn sie nicht mehr da sind. Meine Mutter lebt ja auch nicht mehr. Es ist, wie es ist, und jemand hat gesagt, dass du auf diese Welt kommen sollst, komme, was wolle. Genauso würde ich das Leben annehmen und es leben.
Anstatt manchmal den Gedanken zu haben, mein Kind abzugeben – ich würde es ihm nie antun, weil ich weiß, wie sich das anfühlt. Er wird es wahrscheinlich nie erfahren, oder wenn er fragt, na klar, erzähle ich es ihm. Aber auch diese Momente gehören zum Leben. Wir können nicht die perfekten Eltern sein und alles richtig machen. Ich würde es gerne, aber das geht nicht. Aber ich liebe ihn über alles. Trotzdem habe ich meine Fehler mit drin und sie auch an ihn weitergegeben. Niemand kann perfekt sein und das ist auch nicht das Leben. Es kann nicht immer nur einfach sein. Man muss sich auch zusammenreißen oder es zulassen, unperfekt zu sein.
Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Gedanken ein bisschen helfen

• #11


Basti88
@Elemente Ja, das Problem mit Heilung ist, dass sie nie geradlinig ist. Wir fallen immer wieder zurück, und dann geht es mal wieder bergauf und dann wieder runter. Ich finde, es ist okay, wenn man nicht immer alles sieht. Wir leben. Es gibt Menschen, die finden schnelle Wege, und es gibt Menschen, die brauchen mal etwas anderes, außer nur in der Vergangenheit zu leben.
Also ich zum Beispiel lebe nicht in der Vergangenheit. Ich ziehe mir das raus, was mir heute noch Probleme von damals macht, aber ich lebe nicht mehr in dieser Vergangenheit. Ich habe mein damaliges Ich in meinen Armen, halte es fest, beschütze es und sage: „Ich bin hier.“ Ich weiß, das klingt kitschig, aber ich fühle es.
Ich habe ein Kuscheltier, womit ich nachts schlafe, weil es mir gut tut und weil ich mir etwas gebe, was ich früher nicht hatte. Ich mache Yoga – jetzt nicht übertrieben, aber um meinen Körper zu spüren. Also bin ich nicht nur gedanklich dabei, sondern ich akzeptiere mich so, wie ich bin.
Ich habe mich früher im Spiegel gesehen und fand mich hässlich. Heute fühle ich mich als Mensch. Wir können nichts reparieren, was damals kaputtgegangen ist, aber wir können lernen, wie du sagst, damit umzugehen. Und das finde ich gut. Warum auch nicht? Es ist nichts Falsches daran.

• x 1 #12


B
@Basti88 Danke Dir.

Nein, Schuld darf man da nicht spüren, auch nicht ein Abgewiesen sein. Ich kenne die Gründe meiner Mutter damals nicht, sie werden sehr schwerwiegend gewesen sein.

Mir hat man schon mal folgende Sichtweise angeboten: Ich habe damals dafür gekämpft zu überleben, geboren zu werden.
So wie ich bei meiner Herzop gekämpft habe wieder normal Leben zu können. Beides waren enge Begegnungen mit dem Tod. Einmal unbewußt, einmal bewußt. Ich lebe jetzt und das ist bedeutsam.

Und das wir uns alle hier bemühen unser Leben zu leben, zu finden, zu bewältigen.

• x 1 #13


A


x 4






Dr. Reinhard Pichler
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