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Nightstroke
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Viele Menschen erleben in ihrer Kindheit oder Jugend Situationen, in denen Eltern ihre Macht über Kinder ausüben, ohne dass dies bewusst als Gewalt oder Kontrolle wahrgenommen wird. Ich möchte hier meine Erfahrungen teilen, um zu zeigen, wie subtil und gleichzeitig schädlich solche Muster sein können – und wie man als Erwachsener beginnt, sich davon zu lösen.

1. Schmarotzen / Aneignung von Ressourcen
Als Kind wurde ich gezielt dazu genutzt, Dinge mit meinem Vater zu teilen, während mein Bruder nie aufgefordert wurde.
Er nahm sich Dinge aus meiner Tasche, von meinem Teller, aus meinem Besitz, oft ohne zu fragen.
Diese Handlungen wurden zunehmend selbstverständlich für ihn, während ich mich verletzt und kontrolliert fühlte.
Auch im Erwachsenenalter wiederholten sich diese Muster bei materiellen Dingen: Aufgaben, „Belohnungen“ oder Ressourcen wurden mir gegen meinen Willen zugeschoben.
Psychologischer Kern:
Zitat:Es geht nicht um Gegenstände, sondern um Machtausübung und Kontrolle. Kinder lernen, dass „Nein“ nicht akzeptiert wird, und entwickeln unbewusst Anpassungsstrategien, um Konflikte zu vermeiden.

2. Frustentladung
Mein Vater nutzte mich als Ventil für seine Launen.
Er nannte mich explizit „das schwächste Gl.“ und gestand offen: „Du bist derjenige, der sich nicht wehren kann.“
Ausflüge, Freizeit und kleine Freuden wurden kurzfristig verboten, um seine Launen zu befriedigen.
Erst als ich später, als Jugendlicher/Erwachsener, klar und entschlossen Grenzen setzte, änderte sich dieses Verhalten.
Psychologischer Kern:
Zitat:Kinder dienen als emotionale Puffer. Ihre Bedürfnisse werden zugunsten der Kontrolle zurückgestellt.

3. Kontrolle durch Arbeit
Unangenehme oder wiederkehrende Aufgaben wurden auf mich abgewälzt – sei es Geschirr spülen, Unkraut zupfen oder alte Autos in der Scheune bearbeiten.
Begründungen wechselten ständig („die Maschine macht nicht sauber“, „das muss erledigt werden“, „deine Mutter sagt…“) und hatten nur eine Funktion: mich beschäftigt und kontrolliert zu halten.
Seine eigenen Arbeiten ließ er liegen, um sie mir aufzuerlegen.
Diskussionen waren sinnlos, da es nicht um Lösung, sondern um Durchsetzung ging.
Psychologischer Kern:
Zitat:Arbeit wird zum Machtinstrument. Wer diskutiert oder nachfragt, verliert – das Kind lernt, dass Eigenständigkeit und Nein-Sagen oft nicht erlaubt sind.

4. Rationalisierung durch die Mutter
Gehässigkeit wurde verharmlost: „Ist doch nur ein Scherz.“
Arbeit wurde als sinnvoll dargestellt: „Du brauchst auch eine Aufgabe.“
Launen wurden entschuldigt: „Es ist Vollmond.“
Psychologischer Kern:
Zitat:Rationalisierungen oder „Schutzbehauptungen“ von anderen Familienmitgliedern verstärken die Botschaft: Die eigenen Gefühle sind weniger wichtig.

Fazit Teil 1:
Diese Muster – Schmarotzen, Frustentladung, Kontrolle über Arbeit, Rationalisierung – erzeugen unsichtbare, aber spürbare Machtungleichgewichte, die Kinder tief prägen. Sie lernen Anpassung, Vorsicht und Zurückhaltung – und nicht, dass ihre eigenen Grenzen respektiert werden.

22.01.2026 #1


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Teil 2

Im zweiten Teil geht es um körperliche und emotionale Grenzüberschreitungen, die besonders subtil und nachhaltig wirken.

1. Abfällige und sexualisierte Kommentare
Mein Vater machte Kommentare über meinen Körper, die beschämend, sexualisiert oder abwertend waren.
Diese Angriffe betrafen sowohl mein Gewicht als Kind/Jugendlicher als auch körperliche Veränderungen in der Pubertät (Gynäkomastie, Lipomastie).
Die Wirkung war langfristig: Ich hatte Schwierigkeiten, ein gesundes Körpergefühl und Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Psychologischer Kern:
Zitat:Solche Kommentare dienen der Entwertung, Machtausübung und dem Angriff auf die Identität des Kindes. Sie sind niemals harmlos.

2. Stress und Bewältigungsstrategien
Stress kam nicht nur aus den familiären Konflikten, sondern auch aus Unfällen und Verletzungen (Knochenbrüche in der Kindheit).
Rückzug in Fantasiewelten und emotionales Essen waren Strategien, um den Stress zu regulieren.
Diese Anpassungen führten zu Übergewicht und begünstigten körperliche Probleme, die wiederum Ziel von gehässigen Kommentaren wurden.

3. Selbstschutz und Resilienz
Trotz der Belastungen habe ich gesunde Strategien entwickelt, die mir heute helfen:
Kampfsport: Körperkontrolle, Selbstwirksamkeit, Respekt
klare Grenzen setzen, auch in belastenden Situationen
Analyse und Reflektion von Flashbacks
sachliche Abgrenzung gegenüber toxischen Verhaltensmustern
Fazit Teil 2:
Zitat:Resilienz entsteht nicht trotz, sondern mit diesen Erfahrungen – durch Bewusstsein, Selbstschutz, Grenzen und die Suche nach gesunden Ausdrucksformen für Körper, Geist und Emotionen.

Abschließende Botschaft für Leser:innen
Toxische Muster in der Familie sind komplex, subtil und schwer zu benennen.
Wer als Kind Grenzverletzungen erfährt, kann später gesunde Grenzen lernen und Selbstwert aufbauen.
Strategien wie Selbstschutz, sachliche Abgrenzung, körperliche Selbstwirksamkeit und Reflektion sind Schlüssel für Heilung.
Niemand ist „zu spät“: Auch verspätete Resilienz und Identitätsstärkung sind möglich.

#2






Dr. Reinhard Pichler
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