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Teddy87
Mitglied

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Hallo zusammen,
ich traue mich jetzt einfach mal zu schreiben, weil ich langsam nicht mehr weiter weiß und hoffe, dass ich vielleicht jemanden finde, der etwas Ähnliches kennt.
Bei mir geht es nicht um Eitelkeit oder darum, ständig eine neue Frisur zu wollen. Es geht darum, dass ich das Gefühl habe, meine Haare müssten 100 % stimmen.
Schon kleinste Unterschiede oder Stellen, die für andere wahrscheinlich gar nicht auffallen würden, lösen in mir eine starke innere Unruhe aus.
Dann fange ich an zu kontrollieren, vergleiche rechts und links, schaue ständig in den Spiegel und habe das Gefühl, ich müsste "nur ganz kurz" etwas nachschneiden.
Wenn ich das getan habe, ist die Erleichterung meist nur von kurzer Dauer. Kurz darauf fällt mir die nächste Stelle auf und alles beginnt von vorn.
Das geht schon seit ein paar Jahren so, dabei weiß ich eigentlich, dass ich aufhören sollte.
Ich verbringe dadurch unglaublich viel Zeit mit meinen Haaren und im Kopf dreht sich vieles nur noch darum, verstärkt in Stresssituationen. Das kostet so viel Energie und belastet mich sehr.
Ich schäme mich dafür, weil ich Angst habe, andere könnten denken, ich wäre einfach nur eitel. Dabei fühlt es sich überhaupt nicht so an. Es ist eher ein innerer Drang, der kaum auszuhalten ist, bis ich wieder kontrolliere oder schneide.
Ich bin bereits seit längerer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung und nehme Escitalopram sowie Elvanse.
Deshalb frage ich mich, ob das, was ich erlebe, möglicherweise in Richtung eines Zwangs geht oder ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Nächste Woche hab ich wieder Therapie, da werde ich es auch mal ansprechen, das kann so nicht weitergehen.

Kennt das jemand von euch? Wurde bei euch ein Zwang diagnostiziert oder steckt etwas anderes dahinter? Was hat euch geholfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen?
Ich freue mich über jeden Austausch.

25.07.2026 x 2 #1


17 Antworten ↓

Sonja77
Ich bin zwar kein Psychiater aber rein von deinen Beschreibungen her und der Art wie du darüber schreibst wo man auch dein Leid daraus liest den enormen Zeitaufwand und alles
Würde ich schon in Richtung Zwangsstörung gehen bei dir ja 👍

Ich habe selbst seit Jahrzehnten eine Zwangsstörung (eine ganz andere als du)aber eine Zwangsstörung und ich weis wie kräftezehrend und zeitraubend und auch wie viel Energie dadurch verloren geht

Ich selber hab deswegen nie eine Therapie in Anspruch genommen und hab es nach Jahrzehnten alleine geschafft den Zwang um circa die Hälfte zu reduzieren und wie es heute ist,ist es für mich und mein Umfeld okay es ist zwar immernoch sehr ausgeprägt und zeitraubend aber nichts mehr im vergleich zu früher

Wenn du die Möglichkeit hast es mit deiner Therapeutin anzuschauen und vielleicht eine gezielte Therapie Form zu machen,dann mach das und vergeude nicht so viel Zeit damit wie ich es getan hab denn all die Zeit bekomme ich nie wieder zurück und die ist für immer verloren

Also lass dir helfen du hast die Chance und die Möglichkeit dazu

Ich wünsche dir viel Kraft Erfolg und Glück 🍀
Liebe Grüße Sonja

x 3 #2


A


Zwanghaftes Haareschneiden und ständiges Kontrollieren

x 3


P
Die Akzeptanz und Commitment Therapie kann bei Zwangsstörungen helfen. Dieser Ansatz ist bestens zum Selbststudium geeignet, es gibt gute Ratgeber dazu. Mir gefällt "Das Leben annehmen".

Aiuf eine Therapie allein zu bauen, ist meist nicht effizient. Am besten kommt man weiter, wenn man selber an sich arbeitet.

x 3 #3


T
@Sonja77 danke .

Darf ich fragen, was dich belastet?

x 1 #4


Sonja77
Zitat von Teddy87:
@Sonja77 danke . Darf ich fragen, was dich belastet?

In wiefern meinst du belasten?also meinst du an was für einem Zwang ich leide?belasten tut er mich wie es heute ist nicht mehr groß,manchmal ja schon da ich deswegen halt nicht mehr so spontan bin und halt immernoch sehr sehr viel Zeit darin investiere..aber belasten würde ich es nicht nennen

ich habe einen Putz und Ordnunszwang
wie gesagt,heute würde ich es nicht mehr als Zwang sehen,eher als einen sehr ausgeprägten Spleen auf Sauberkeit

x 1 #5


T
@Pauline333 meine Therapeutin weiß zwar davon und ging immer davon aus, dass es Perfektionismus ist, ausgelöst durch Adhs oder was weiß ich 🙈, bekomm das nicht mehr so zusammen.

Hatte schon öfters im Netz geschaut, allerdings nichts gefunden, was Haare betrifft.
Allerdings hätte ich mich vielleicht nicht so auf die Rubrik Haare verstecken sollen, sondern allgemein das Wort Zwang oder so.
Mit ChatGpt hab ich öfters mal geschrieben, der sagte immer das gleiche wie meine Therapeutin, dass ich Ruhe brauche, weil es meist immer während oder nach Stresssituationen auftritt oder wenn ich tatsächlich unzufrieden nach Friseur war.

Danke für deine Infos, ich google mal danach, klingt interessant.

Ich möchte da endlich raus 😓

x 1 #6


P
Genau, dass deine Zwänge deine Haare betreffen, ist erstmal nebensächlich. Du musst die gleichen zwei Probleme wie bei jeder anderen Zwangserkrankung angehen:

1. Stresslevel senken bzw für Balance sorgen, da Stress das Leiden auslöst bzw. verstärkt. Den Rat hast du ja schon von deiner Therapeutin bekommen. Hier geht es aber nicht wirklich um "ruh dich immer schön aus, meide Stress", sondern "führe ein gesundes Leben in Balance", das bedeutet: vollwertige Ernährung, soziale Kontakte, Nährstoffmängel ausgleichen, Bewegung, gesunde Körperzusammensetzung, Hobbies, guter Schlaf, Stressmanagement/-ausgleich. Wenn der Körper rund um gesund ist, ist das die beste Basis für eine gesunde Psyche. Dann ist der Körper nicht im von Körperproblemen ausgelösten Stressmodus, also "nur noch" äußerem Stress ausgelöst, diesen kann er dirch seine stabile Konstitution aber körperlich besser wegstecken. Zusätzlich kann ein Stressmanagement Kurs, den viele Krankenkassen anbieten, helfen, Stress gut zu managen.

Und 2. Und das hast du ja anscheinend noch nicht an der Hand, mussr du öernen, wie du mit den Gedanken, die zu den Zwangshandlungem führen, umgehen kannst. Wie kannst du diese neutralisieren oder "händeln", damit sie nicht den Druck der Handlung auslösen.

Dabei kann die Akzeptanz und Commitment Therapie sehr gut helfen.

x 2 #7


T
@Sonja77 ui, das hab ich auch schon öfters gelesen.

Wie hast du es geschafft, da etwas runterzufahren?

#8


T
@Pauline333 vielen lieben Dank

x 1 #9


Rogue
Hallo Teddy,

es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht!

Ich leide selber an Zwängen, diagnostiziert sind bei mir sowohl Zwangsgedanken als auch Zwangshandlungen.
Ich kann daher gut nachvollziehen, wie belastend und kräftezehrend Zwänge sein können.

Ich bin schon sehr lange in ambulanter Therapie, dort ist das Thema aber nicht so sehr im Vordergrund, da dort eher meine komplexe Traumafolgestörung behandelt wird.

Ich war auch schon mehrfach in Kliniken, das letzte mal ganz konkret auf einer Station, auf der unter anderem auch Zwänge behandelt worden sind.
Von daher kann ich sagen: Zwänge lassen sich sehr gut therapeutisch behandeln, aber es ist ein wirklich harter Weg.
In deiner Situation würde man dir z.B. sofort direkt jegliches Haarschneiden verbieten und dir alle Gegenstände, die zum Schneiden verwendet werden können, abnehmen. Und dann müsstest du deine Gefühle und Gedanken, die dann hochkommen und entstehen, wenn du dem Zwang nicht nachgeben kannst, protokollieren und mit den Therapeuten besprechen. Es geht dabei darum, zu erleben, dass die Angst, die dann hochkommt, nicht Ewigkeiten anhält, sondern irgendwann wieder absinkt, das nichts Schlimmes passiert und dass die Befürchtungen, die man hat, nicht eintreten.

Ich habe zwar selber auch schwere Zwänge, aber auch stationär waren diese noch nicht vordringlich an der Reihe, es wurden andere Diagnosen behandelt, die mich aktuell noch zu sehr destabilisieren, ich bin noch nicht in der nötigen Verfassung, um so eine Zwangs-Theapie durchhalten zu können.
Ich saß aber mit in Zwangs-Gruppentherapien und habe auch mehrere kleinere Expositionen gemacht, es stand halt nur nicht im Vordergrund, aber ich habe sehr genau mitbekommen, wie die Therapie und die Expositionen verlaufen.

Daher die gute Nachricht: Zwänge lassen sich tatsächlich gut therapeutisch behandeln. Die "schlechte" Nachricht: Es ist eine Therapie, die einem durchaus einiges abverlangt, da die Therapeuten sehr konsequent vorgehen und Expositionen schon anspruchsvoll sind, da man halt direkt und wiederholt in die angstauslösende Situation hineinversetzt wird.
Es gab Patienten mit Waschzwängen, die 4 Tage nicht duschen durften, bei Patienten mit Reinigungszwängen wurden jegliche Reinigungsmittel aus den Zimmern entfernt, bei Ordnungszwängen wurde absichtlich Unordnung hergestellt usw.

Das klingt jetzt sehr hart (und das ist es auch), aber die Patienten wurden mit ihren Gefühlen dabei nicht alleine gelassen, die Therapeuten standen als Ansprechpartner zur Verfügung und haben den Patienten geholfen, mit den schwierigen Gefühlen einen Umgang zu finden. Und auf diesem Weg haben tatsächlich fast alle Patienten sehr schnell gute Fortschritte gemacht.

Also: Es gibt Hoffnung!

Alles Gute für dich! LG

x 2 #10


Rogue
Was ich noch vergessen habe:

Ziel der Therapie ist es, das "magische Denken", das oftmals hinter den Zwängen steckt, aufzudecken, zu verstehen und abzumildern. Ich weiß nicht, ob dir der Begriff in deiner Therapie schonmal begegnet ist (es ist tatsächlich ein therapeutischer Fachbegriff), ansonsten würde ich dir empfehlen, diesen mal zu recherchieren oder mit deiner Therapeutin zu besprechen. LG

x 3 #11


T
@Rogue 😳😳😳 das ist heftig. Und genau dieser Kontrollverlust wäre schrecklich, glaub ich.

x 1 #12


Rogue
Hallo Teddy,

genau dieses Gefühl soll durch die Expositionen angegangen werden, die Angst vor dem gefühlten Kontrollverlust ist ja eine irrationale Angst vor einer "Ohnmacht" der Unvorhersehbarkeit des Lebens gegenüber, und die Zwangs-Handlungen sollen dieses Ohnmachts-Gefühl abmildern, durch die Illusion einer Kontrolle, die in der Realität gar nicht wirklich da ist.
Deine Angst bezieht sich ja nicht wirklich auf deine Haare, darunter liegt ja eine ganz andere Angst.
Durch das Haareschneiden versuchst du, diese drunterliegende Angst "wegzumachen", abzumildern und im Endeffekt zu vermeiden. Aber das ist ja das Wesen der Zwänge: Durch das Ausführen der Zwangshandlung hört die Angst ja nicht auf. Sie wird für einen Moment weggedrückt, kommt dann aber immer wieder zurück, da der darunterliegende Konflikt nicht gelöst wurde.

Und durch die Exposition merkst du, dass deine Befürchtungen nicht eintreten, dass die gefürchtete Katastrophe nicht eintritt. So kannst du das magische Denken, welches dir suggeriert, dass du mit der Zwangshandlung eine Katastrophe abwenden könntest, als die Illusion entlarven, die sie ist. Und wenn diese Illusion von Kontrolle (denn mehr ist es ja nicht) einmal aufgebrochen worden ist, kannst du dann irgendwann an die eigentlichen Ängste, die unter den Zwangshandlungen liegen, angehen und so an die Wurzel der Probleme herankommen.

Aber ja, gerade zu Beginn der Expositionen ist das Angst-Gefühl sehr groß und schwer zu ertragen, aber darum sind ja die Therapeuten an deiner Seite.
Und ich muss auch nochmal sagen, dass so eine Therapie in einer Klinik natürlich auch etwas "härter" ist als im ambulanten Bereich, weil die Therapeuten in einer Klinik ja ganz andere Möglichkeiten haben, dich durch deine Ängste zu begleiten. Expositionen im ambulanten Bereich sind meistens deutlich weniger konsequent, dadurch dauert es aber auch länger, bis sich Fortschritte einstellen.

Zwangs-Therapie in einer Klinik ist fast vergleichbar mit einer Entzugs-Therapie, denn Zwänge haben ja auch eine Art Sucht-Charakter, darum wirst du in einer Klinik schneller "auf Entzug gesetzt", denn jede durchgeführte Zwangs-Handlung wirft dich ja wieder zurück in deine Erkrankung. Eine Mitpatientin sagte mal sehr schön: "Kein ausgeführter Zwang kann an das Glücksgefühl herankommen, eine Exposition erfolgreich durchgestanden zu haben."

x 3 #13


Loki0305
@Teddy87 deine Beschreibung erinnert mich an Trichotillomanie ein wenig.

x 1 #14


Burn
Interessant. Ich kann mich leider in die Kategorie einordnen:

Trichotillomanie

Gehört auch zum Zwang wird aber anders behandelt.

#15


Sonja77
Zitat von Teddy87:
@Sonja77 ui, das hab ich auch schon öfters gelesen. Wie hast du es geschafft, da etwas runterzufahren?

Oh 😮 sorry hab erst jetzt gesehen das du mir hier geschrieben hattest tut mir leid

naja,nach Jahrzehnten mit diesem Mist war’s mal endlich Zeit da einen Riegel vorzuschieben und einfach ganz klar und deutlich zu mir selbst sagen

stop 🛑 bis hierhin und nicht weiter
Und ich hab es dann circa um die Hälfte reduzieren können mit eisernem Wille und Dickkopf
viel hat mir einfach auch der Gedanke an die ganze verlorene Zeit dadurch geholfen denn es wurde mir schlagartig bewusst das ich diese Zeit nie mehr zurück bekomme und schon viel zu lange damit gewartet hatte und dadurch so viel schöneres in meinem Leben verpasst hab

x 1 #16


G
Hallo,
auf den ersten Blick wirken diese Haar-Kontrolle-Maßnahmen wie eine Zwangshandlung. Vielleicht fühlt es sich auch zwanghaft an. Er geht dir ja nicht um das Haare schneiden, sondern ob deine Frisur überall und optisch gleichmäßig geschnitten ist.
Die Frage ist, warum ist das so?
Was veranlasst dich dazu? Auch Zwänge haben irgendwo ihre Ursache.
Was mir noch dazu in den Kopf kommt ist

die körperdysmorphe Störung ( Dysmorphophobie, body dysmorphic disorder)
ist eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene übermäßig mit einem oder mehreren vermeintlichen körperlichen Makeln beschäftigt sind, die für andere nicht sichtbar oder unbedeutend erscheinen.
Es bestehen Überschneidungen mit Zwangsstörungen, sozialen Phobien und depressiven Erkrankungen.

Die körperdysmorphe Störung ist gekennzeichnet durch eine übermäßige gedankliche Beschäftigung mit einem oder mehreren vermeintlichen körperlichen Makeln, die für Außenstehende entweder nicht erkennbar oder nur minimal ausgeprägt sind. Die Betroffenen verbringen häufig mehrere Stunden täglich mit der Kontrolle, dem Kaschieren oder der Vermeidung des wahrgenommenen Defekts. Typische zwanghafte Verhaltensweisen umfassen wiederholte Spiegelkontrollen, das Einholen von Rückversicherungen, exzessive Körperpflege sowie Hautmanipulationen.

Vielleicht hilft dir das weiter? Du kannst es ja mal bei der Therapeutin ansprechen, ob das für dich zutreffen könnte.

#17

Mitglied werden - kostenlos & anonym

G
Typische Anzeichen und Symptome:
Ständiges Grübeln: Die Gedanken kreisen viele Stunden am Tag um das Aussehen und die Angst, häss hässlich oder entstellt zu sein.
Zwanghaftes Kontrollieren: Betroffene schauen sehr oft in den Spiegel oder meiden Spiegel komplett.
Vergleich mit anderen: Das eigene Aussehen wird dauerhaft mit dem anderer Personen verglichen.
Kaschieren und Verstecken: Versuche, den Makel durch Kleidung, Make-up oder Haare zu verstecken.
Häufig betroffene Stellen: Sehr oft geht es um die Haut (zum Beispiel Akne), die Haare oder die Form der Nase

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