Hallo zusammen,
ich bin 39 Jahre alt und möchte euch von einer Erfahrung berichten, die mich seit einigen Tagen psychisch sehr belastet. Mich interessieren eure Meinungen und vielleicht auch Erfahrungen von Menschen, die schon einmal in einer ähnlichen Situation waren.
Was ist passiert?Am 04.11.2026 bin ich wegen plötzlich vermehrt auftretender Herzstolperer in die Notaufnahme gegangen.
Die ersten Untersuchungen waren weitgehend unauffällig. Mein EKG zeigte einen Sinusrhythmus mit 65 Schlägen pro Minute, mein Troponin war unauffällig und auch sonst gab es zunächst keinen Hinweis auf ein akutes Koronarsyndrom.
Allerdings waren meine D-Dimere leicht erhöht:
- D-Dimere: 580 ng/ml
- Laborgrenzwert: 500 ng/ml
- Also lediglich 80 ng/ml über dem Referenzwert.
Ich hatte weder Bluthusten noch eine einseitige Beinschwellung. Auch eine erhöhte Herzfrequenz lag nicht vor.
Trotzdem wurde mir zur Abklärung einer möglichen Lungenembolie eine CT-Angiografie der Lungenarterien empfohlen.
Die Entscheidung für das CTIch habe mich schon länger mit den Risiken ionisierender Strahlung beschäftigt und in der Vergangenheit mehrfach CT-Untersuchungen abgesagt, weil ich unnötige Strahlenbelastung vermeiden wollte.
An diesem Abend war ich allerdings völlig erschöpft und hatte gleichzeitig Angst, dass hinter meinen Beschwerden eine lebensgefährliche Lungenembolie stecken könnte.
Die behandelnde Ärztin sagte schließlich wörtlich zu mir:
Zitat:Ich rate Ihnen persönlich dringend zu diesem CT.
Etwa 20 Minuten später lag ich bereits im CT-Gerät.
Ich fühlte mich überrumpelt und hatte nicht das Gefühl, ausreichend Zeit zu haben, die Entscheidung in Ruhe abzuwägen.
Besonders problematisch finde ich im Nachhinein, dass mir die Strahlenbelastung mit der eines Fluges nach New York verglichen wurde.
Was ich erst danach erfahren habeAus meinem Dosisprotokoll geht hervor, dass das CT ein gesamtes Dosislängenprodukt von
347 mGy·cm hatte.
Je nach Umrechnungsmodell entspricht das ungefähr einer effektiven Dosis im Bereich von
5–7 mSv, wobei dies nur eine Schätzung ist.
Zusätzlich wurden mir 70 ml jodhaltiges Kontrastmittel intravenös verabreicht.
Mir war vor der Untersuchung nicht bewusst, wie hoch die Strahlenbelastung ausfallen könnte.
Besonders belastet mich, dass ionisierende Strahlung nachweislich krebserregend ist und die Untersuchung somit statistisch mit einem kleinen zusätzlichen lebenslangen Krebsrisiko verbunden ist.
Dabei wurden strahlenempfindliche Gewebe wie die Lunge und Teile des blutbildenden Knochenmarks bestrahlt.
Das Ergebnis des CTsEine Lungenembolie wurde ausgeschlossen.
Im Befund wurde außerdem ein winziger, knapp 2 mm großer, teilweise verkalkter und als unspezifisch beschriebener Lungenknoten erwähnt, der möglicherweise von einer früheren Entzündung stammt. Verdächtige Lungenveränderungen wurden nicht festgestellt.
Die eigentliche Ursache meiner Herzstolperer ist nach wie vor nicht geklärt.
Warum mich das so belastetSeit dem CT mache ich mir große Vorwürfe.
Ich habe mich vorher immer bemüht, unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden. Und dann habe ich in einem Moment der Erschöpfung und Angst einer Untersuchung zugestimmt, die ich eigentlich nicht wollte.
Mir ist bewusst, dass ein einzelnes CT nicht bedeutet, dass ich zwangsläufig Krebs bekommen werde. Dennoch belastet mich das zusätzliche Risiko enorm, gerade weil ich Kinder habe und für sie gesund bleiben möchte.
Ich frage mich, ob angesichts der nur leicht erhöhten D-Dimere nicht eine andere diagnostische Vorgehensweise möglich gewesen wäre.
Bei meiner anschließenden Recherche bin ich unter anderem auf den YEARS-Algorithmus gestoßen. Nach diesem Verfahren kann unter bestimmten klinischen Voraussetzungen auch bei einem D-Dimer-Wert von 580 ng/ml eine Lungenembolie ohne CT ausgeschlossen werden.
Ob diese Voraussetzungen bei mir tatsächlich erfüllt waren, kann ich selbst nicht sicher beurteilen.
Meine Fragen an euch:- Hattet ihr schon einmal eine ähnliche Situation, in der ihr euch zu einer medizinischen Untersuchung gedrängt gefühlt habt?
- Wie beurteilt ihr die Entscheidung für ein Lungenembolie-CT bei einem D-Dimer-Wert von 580 und den geschilderten Beschwerden?
- Wurde bei euch vor einem CT ausdrücklich über das mögliche zusätzliche Krebsrisiko gesprochen?
- Findet ihr den Vergleich einer CT-Strahlendosis mit einem Flug nach New York angemessen und warum wissen es die Ärzte nicht besser?
- Wie geht ihr damit um, wenn ihr eine medizinische Entscheidung im Nachhinein sehr bereut?
Mir geht es nicht darum, grundsätzlich gegen CT-Untersuchungen zu argumentieren. Ich weiß, dass sie in bestimmten Situationen lebensrettend sein können.
Ich wünsche mir aber, dass Patienten gerade in einer Notaufnahme verständlich über Risiken und Alternativen informiert werden und trotz Erschöpfung möglichst selbstbestimmt entscheiden können.
Mich interessieren besonders sachliche Einschätzungen, persönliche Erfahrungen und vielleicht auch Meinungen von Menschen mit medizinischem Hintergrund.Danke an alle, die sich die Zeit nehmen, meinen Beitrag zu lesen.