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Hallo ihr da draußen,

ich bin hier schon länger eine stumme Mitleserin und hab mich jetzt doch mal angemeldet. Ich habe seit 2 Wochen massive Ängste und weiß nicht mehr weiter.

Kurz zum Verständnis: Ich habe schon länger eine Angststörung, vor allem Angst vor Krankheiten (Krebs, Schlaganfall) und seit ein paar Monaten auch vor psychischen Krankheiten (Schizophrenie, multiple Persönlichkeitsstörung). Nach einer Derealisation hatte ich auch Zwangsgedanken, v.a. dass ich meinen Liebsten etwas tuen könnte. Diese sind jedoch schon fast wieder weg, weil meine Therapeutin mir versichert hat, dass ich das niemals tun werde, dass man Zwangsgedanken nicht ausführt. Ich war schon fast so weit, dass mir die Gedanken keine Angst mehr gemacht hätten, aber jetzt habe ich ein neues Problem:

Zwangsgedanken führen ja oft zu Zwangshandlungen und ich hab jetzt total Angst auch irgendwann solche Handlungen durchzuführen. Ständig denk ich mir: Was wenn wieder neue Gedanken kommen, du sie nicht mehr aushälst und dann anfängst komische Rituale durchzuführen? Was wenn du dann nicht mehr weiter studieren kannst oder die Beziehung kaputt geht, weil du nichts mehr anderes tun kannst? Was wenn du nie mehr glücklich wirst? Ich merke auch wie ich jetzt ständig Angst bekomme, wenn ich zum Beispiel in einem Text etwas mehrmals lese oder eine Mail mehrmals überfliege. Auch wenn ich (was ich leider häufig tue) google und über meine Sorgen grüble, denk ich mir: Was wenn das ein Zwang wird und du nicht mehr aufhören kannst und dann dein Leben den Bach runtergeht? Das ist besonders bei Verhaltensweisen so, die ich bisher nie als Zwang angesehen hab, sondern einfach als eine Angewohnheit, die ich entweder unbewusst oder freiwillig mache.

Ich weiß nicht, was ich tun soll. Bei den bisherigen Krankheiten konnte ich mich immer beruhigen, wenn ich mir dachte: Du wirst nicht verrückt, du wirst nicht sterben, es ist erwiesen, dass das nicht alleine durch Angst passiert und dann konnte ich die Angst auch aushalten. Aber jetzt denk ich mir ständig: Was wenn du die Anspannung nicht mehr aushälst und dann einen Zwang entwickelst? Vor allem weil ich ja schon Zwangsgedanken in der Vergangenheit hatte, also bestimmt anfällig für sowas bin

Bitte helft mir, ich weiß nicht mehr weiter!

22.02.2021 13:31 • 22.02.2021 #1


10 Antworten ↓


cube_melon
Hallo,

das was Du schreibst ist deine Sicht der Dinge.
Deine Therapeutin hat recht.
Jemand der eine Psychose hat, weißt nicht das er eine hat.

Es klingt so als würdest Du dich gerade selber hineinspiralen.
Also benötigst Du Techniken um z.b. das googlen und den Gedankekreisel zu unterbrechen. Was hat deine Therapeutin dir diesbezüglich beigebracht?

22.02.2021 15:44 • #2



Angst Zwänge zu entwicklen

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Ich weiß, dass ich keine Psychose bekomme, so viel wenigstens habe ich schon geschafft

Ich habe nur solche Angst Zwangshandlungen zu bekommen. Meine Therapeutin meinte immer man müsse stopp sagen oder die Gedanken ziehen lassen. Das klappt normalerweise auch recht gut. Nur das Problem ist: bisher wusste ich immer recht schnell, dass meine Ängste unbegründet sind und konnte sie dann auch guten Gewissens wieder ziehen lassen.

Aber diese Angst ist einfach zu realistisch. Immer wenn ich versuche sie loszulassen, denk ich mir kurz danach: Aber es ist doch sehr wahrscheinlich und könnte dir durchaus passieren. Und dann kommt die Angst immer wieder. Ich wünschte ich hätte all diese Informationen nie gelesen, ich war so dumm.

22.02.2021 15:49 • #3


cube_melon
Es ist wie es ist. Du kannst dich nur anpassen.
In dem Du als dumm zu bezeichnest, stigmatisierst Du dich selber. Dumm kann auch indirekt unfähig bedeuten, so wie weiter das man keine Kontrolle hat.

Die Gedanken können sich teils sehr realistisch anfühlen. Aber auch hier hilft nur das konsequente, bewusste Unterbrechen der Gedanken.

Bei Gedankenkreiseln und Impulsen gibt es verschiedene Ansätze.
Einer davon ist sich kleine Stoppschilder zu kaufen und hinten auf die Hülle vom Smartphone zu kleben.
Wenn man googledruck bekommt, smartphone umdrehen.
am Bildschirm kann man sich ein solches temporär wo dranklemmen.
Eine andere kommt aus der Ecke Imaginationsübungen. Man stellt sich in Gedanken etwas vor was einen stoppt.
Warnleuchten wie auf einem Star Trek Raumschiff bei rotem Alarm, einen Türsteher, eine Wand - je nach dem mit was man etwas anfangen kann.
Einen Stoppmechanismus benötigt halt einfach Zeit bis er sich automatisiert / greift.

Dies ist der erste Teil der Gedankenhygiene.

Was auch teilsweise unbekannt ist, das der Googledruck, Gedankenkreisel, Zwangsgedanken im Zusammenhang mit dem Stress steht.
Also, so weit wie es geht unnötigen Stress vermeiden.

Deine Gedanken sind nur Gedanken. Erst wenn Du selbst sie als Gefahr definierst, werden sie in deinem Kopf zur vermeindlichen Gefahr.

22.02.2021 16:03 • #4


Danke für die Antwort, ich werde versuchen es zu unterbrechen.
Ich muss dringend so bald wie möglich mit meiner Therapeutin über diese Sorge sprechen, vielleicht kann sie mir ja einen Teil der Angst nehmen. Denn ich denke mal es reicht nicht, nur die Angst zu unterbrechen, man muss sich ja auch mit ihr auseinander setzen

22.02.2021 16:13 • #5


cube_melon
Sicher, das ist ein Gesamtkonzept.

Nur hat eine Therapie Schritte.
Einer der ersten, welcher auch zur Stabilierung zählt, ist eben das unterbrechen von negativen Mechanismen und das beheben von dysfunktionalen Dingen.

Dazu kommt Wissen über den Energiehaushalt, Ressourcenbildung. Was eine Panikattacke überhaupt ist. Eine Achtsamkeitsmodul, ein Skillstraining light, Tagesstruktur, Notlaufstruktur, Gedankenhygiene.

Aber alles nach und nach. Man priorisiert und beginnt.

22.02.2021 16:19 • #6


Ich denke deine Angst hat sich wieder einen neuen Weg gesucht.
Du hast ja gesagt, dass du sehr viel Angst vor einem Schlaganfall oder vor auch psychischen Krankheiten.
Da du diese Ängste weitestgehend beruhigen konntest sucht sich die Angst eben einen neuen Weg.
Ich leide selber an Zwangsgedanken und hatte auch schon Angst vor Zwangshandlungen.

Genauso wie du deine Ängste bis jetzt überwunden hast so wird es auch diesmal mit der Angst vor Zwangshandlungen sein. Du schaffst das!

22.02.2021 20:32 • x 1 #7


Man bekommt keine Zwangsstörung, nur, weil man Angst davor hat. Ganz sicher nicht. Du musst an dieser Angst arbeiten, nicht an deinem Gefühl, dass du langsam schon Zwänge entwickelst.

Am effektivstem geht das, in dem du daran arbeitest, Zwangshandlungen nicht mehr schlimm zu finden. Dann fokussierst du dich nicht mehr auf alle möglichen vermeintlichen Anzeichen, dadurch nimmst du sie immer weniger wahr und deine Angst wird weniger.

Wie gesagt, wirst du keine Zwangshandlungen entwickeln, aber wenn ja: was wäre sooo schlimm daran? Gibt es vielleicht unterschiedliche schlimme Zwangshandlungen? Wäre es z.B. ok, wenn du jeden Lichtschalter 6x betätigen müsstest? Oder jeden Satz 2x lesen müsstest? An was fürs Zwangshandlungen denkst du?

Ich "muss" z.B. ganz oft Stufen zählen. Früher intensiver als heute, da meine Kinder mich davon abhalten (unabsichtlich, habeden Kopf dafür nicht frei ). Fällt vielleicht sogar unter Zwangshandlung - ich nenne es Spleen.

Mein einer Bruder musste zu Abizeiten immer die Haustür auf eine ganz bestimmte Art und Weise abschließen, hat sich nach ein paar Monaten wieder gelegt und war auch nie ein Thema in der Familie.

Damit will ich sagen, dass viele Menschen kleine Spleens haben, die man unter Zwangshandlungen fassen könnte. Das ist ihnen aber nicht bewußt oder egal und es stellt kein Problem dar.

Es ist deine Angst, dir suggeriert, dass es ganz, ganz schlimm werden könnte.
Versuch ihr, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

22.02.2021 20:33 • x 1 #8


Vielen Dank ihr beiden, das hab ich gerade echt gebraucht

Ja, ich denke auch dass die Angst sich hier wieder einen neuen Angriffspunkt gesucht hat. Und weil ich ja schon einmal Zwangsgedanken hatte, hat es sich dann wohl angeboten. Ich glaube ich habe einfach zu viele Horrorgeschichten über Zwangshandlungen gehört. Aber stimmt schon, das muss ja nicht alles schlimm sein

Ich hoffe einfach, dass es wieder besser wird. Auf ein neues gegen die Angst!

22.02.2021 22:41 • x 1 #9


cube_melon
Das hoffe ich auch für dich

Zitat von MiatheBunny23:
Ja, ich denke auch dass die Angst sich hier wieder einen neuen Angriffspunkt gesucht hat.

Angst, bzw. diffuse Angst tendiert dazu sich ein Feindbild zu suchen. Daher können sich auch Ängste verschieben.

22.02.2021 22:44 • x 2 #10


Das wird bestimmt wieder! Die Angst sucht sich solange etwas Neues bis du am Kern ansetzt und keine Angst mehr vor der Angst hast. Und ich denke nichts anderes ist das hier

22.02.2021 22:48 • x 1 #11



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