@Burn es gibt z. B. auf Telegram oder Reddit Gruppen oder Beiträge, in denen sich Betroffene zusammenschließen, um Tipps auszutauschen und dann gibt es noch queermed-deutschland, das ist so eine Seite, wo man nach Praxen suchen kann und bestimmte Filter angeben kann. Außerdem können Selbsthilfegruppen total hilfreich sein, wenn man reinkommt. Die Leute da haben manchmal noch einen Tipp.
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Rick Mitglied
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Mir hat die Diagnose sehr geholfen. Nicht nur, dass sie vieles aus der Vergangenheit erklärt, auch eine adäquate Psychotherapie und medikamentöse Versorgung, die mich sehr unterstützt, ist mir zu Teil geworden. Dass es nicht leicht ist, einen passenden Therapeuten/Therapeutin zu finden, ist aber leider nachvollziehbar. Es gibt auch viele gute Bücher und örtliche wie Online-Selbsthilfegruppen zu ADHS.
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x 1#42
A
ADHS - sind Betroffene unter euch?
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W
WwieWhippet Mitglied
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@Moonlight_74
Das ist keine Modediagnose. Im Gegenteil. Es ist immer noch unterdiagnostiziert.
Wenn ich mal aus einer Buchbesprechung ("ADHS im Erwachsenenalter") im aktuellen "Der Nervenarzt" zitieren darf: "Insgesamt gelingt es den beiden Herausgebern, einen kurzweiligen Band vorzulegen, der sowohl für Betroffene als auch Behandler geeignet ist, einen schönen Überblick über die Facetten einer ADHS darstellt und der vor allem auch dabei hilft, der Stigmatisierung der ADHS als Modediagnose entgegenzuwirken."
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x 2#43
-juli Mitglied
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Modediagnose… Genau deshalb erzähle ich kaum Leuten, dass ich ADHS und Autismus diagnostiziert bekommen habe. Es war für mich keine Mode, zwei Mal in der Schulzeit sitzen zu bleiben und bis zum Abi immer wieder den Vorwurf zu hören, dass ich mein volles Potenzial nicht nutzen würde, auch wenn ich es mit 1,9 abschloss.
Es war nicht cool, im sozialen Bereich zu arbeiten und dann unwissentlich geradeaus in ein Burnout zu laufen, weil ich nicht wusste, was ich brauche.
Es war auch nicht toll, immer wieder auf Ablehnung zu stoßen, weil mir die Kommunikationsfähigkeiten fehlten, die andere früher hatten.
Es war nicht schön, als keine Therapie so richtig half, weil wir nicht wussten, was konkret los ist.
Hinter der scheinbaren Mode steckt für mich unwahrscheinlich viel Schmerz.
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x 1#44
S
SunnyBella Mitglied
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@-juli Danke für deine Offenheit! Was du schilderst, ist viel Negatives.
Ich habe 2 ADHS- Kinder und kann vieles von dem, was du schreibst, nachvollziehen. Für uns war das Schlimmste die Ausgrenzung, die Verurteilung, die ständigen blöden Ratschläge ("Der braucht nur mal ne ordentliche Tracht Prügel") und die Ignoranz von Instanzen, die eigentlich helfen sollten (Frau S, Ihr Kind ist völlig ok, SIE sind das Problem!" oder "Sie stopfen ihre Kinder mit Dro. voll, damit sie ruhiggestellt sind.") Dass mancher ADHSler sein Potenzial erst nutzen kann, wenn Medikamente helfen, Reize zu filtern, interessiert bis heute viele Menschen nicht.
Was mir aber auch im Laufe der Jahre bewusst geworden ist, sind die guten Seiten des ADHS. Eines meiner Kinder ist heute in der IT, ein echter Überflieger. Ausbildung "Lerning by doing" nebenher, eine Programmiersprache an einem Wochenende, im 2. Ausbildungsjahr Schulungen für CEO´s in Engl.... Die andere ist hochbegabt, aber nicht zu beschleunigen. Sie braucht unfassbar lange, kommt nicht zu Potte... trödelt und trödelt... Allein die Berufsfindung bzw. ein Studium zu finden, das ihr entspricht, dauerte etliche Jahre. Aber von der Schule enttäuscht und ausgegrenzt, von den Mitschülern übel gemobbt, wurden die Leistungen richtig schlecht. Sie kümmerte sich allein um den Wechsel auf eine Schule in der Stadt, in der mein Mann zu der Zeit die Woche über lebte und arbeitet und arbeitete sich in einem Halbjahr in 5 Fächern von 4 auf 1 hoch. Es gab eine Sitzung in der Schule mit der Fragestellung, wie das sein könne. Der Grund war meiner Meinung nach, dass sie wollte und auf diesem Gymi, das als Eliteschule gilt, gefordert und gefördert wurde.
Mein Fazit: ADHS ist nicht nur eine Diagnose, ein Handycap, eine "Behinderung", sondern hat auch gute Seiten.
Bella
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x 1#45
-juli Mitglied
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@SunnyBella danke dir für deinen Bericht! Ich glaube, dass ich noch nicht an einem Punkt bin, an dem ich die positiven Seiten sehen kann. Ich wurde darauf aber auch schon von anderen Betroffenen und meiner Therapeutin hingewiesen.
Ich habe die Diagnostik in erster Linie machen lassen, weil meine Thera das wollte und ich ziemlich überfordert im Leben bin… Allerdings kann ich jetzt lernen, besser damit umzugehen.
Dass mit den beeindruckenden Leistungen, wenn ich etwas kann oder unbedingt möchte, kenne ich auch. So ähnlich war es bei mir mit dem Abi, das ich im ersten Anlauf in den Sand gesetzt habe.
Viele halten es leider für Faulheit, auch wenn das Bewusstsein langsam wächst.
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#46
S
SunnyBella Mitglied
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@Moonlight_74 "Noch anstrengender finde ich es, wenn jemand ein Thema aufmacht, und dann nicht darauf reagiert."
Ich habe mehrfach reagiert. Mein Leben findet allerdings überwiegend im Alltag statt und nicht vor dem Notebook. Gerade dann, wenn das Wetter so schön ist wie in den letzten Tagen.
Hinzu kommt, dass ich Fragen gestellt habe und an den Erfahrungen interessiert bin. Heißt, ich mische mich nicht in Kommunikation der User untereinander ein. Erst recht nicht, wenn die Dialoge nichts mit meiner Fragestellung zu tun haben. (Fokus).
Bella
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x 1#47
S
SunnyBella Mitglied
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@-juli Meine Kinder sind heute alle um die 30. Als sie klein waren, war ADHS noch eine "Modeerscheinung" und die Therapie "mit Dro. abfüllen". Mein Patenkind ist auch ADHS und Asperger diagnostiziert, hat Pflegegrad 3 deshalb und bekommt verschiedene Unterstützungsangebote in der Schule. Wenn ich mir überlege, was für eine Erleichterung diese Maßnahmen für uns gewesen wären, kommt mir schon mal der Frust aus der Hosentasche. Andererseits: Es ist rum. Sie sind groß und stehen im Leben, haben ihren Weg gefunden. Es ist gut, dass dieses Krankheitsbild immer weiter ins Bewusstsein der Allgemeinheit rückt.
@SunnyBella das stimmt, das Bild hält sich ja bis heute und viele denken, dass es dann rein um Medis gehen würde. Ich mache grade zum ersten Mal u. a. dafür eine Therapie und glaube, dass es hilft.
Ich bekomme auch immer mehr mit, was eigentlich so gehen würde und nutze z. B. jetzt im Studium einen Nachteilsausgleich, der super hilft.