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201206.07




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Mein Freund und ich sind seit dem Herbst 2006 zusammen. Es ist für mich die erste langfristige Beziehung und für ihn die erste Beziehung überhaupt.

Es ist sehr viel vorgefallen, ich weiß nicht wo ich anfangen soll.

Im August 2010 sind diverse seiner Lügen aufgeflogen. Er hat Zahlungen nicht weitergeleitet, meine Post geöffnet, vor mir versteckt, meine Unterschrift gefälscht, gelogen, dass sich die Balken biegen, u.v.m.

Zuerst sollte es nur eine räumliche Trennung sein. Ich habe bis etwa Mai 2011 gebraucht ihn dazu zu bringen die Kündigung für den Mietvertrag zu unterschreiben. Wir beiden waren Hauptmieter, keiner von uns konnte die Wohnung allein zahlen und er wollte nicht kündigen. Eine Zweitwohnung konnte ich mir auch nicht leisten. Also musste ich dort wohnen bleiben und letztlich einen Anwalt bitten da tätig zu werden. Zwischendurch war er so aggressiv, dass er mich auch hefitg geschlagen hat und ausgerastet ist.

Im Nachhinein habe ich erfahren, dass er in der Zeit übers Internet mit einer Anderen (seiner "Traumfrau") was angefangen hat und wirklich schlimme Dinge seinen Eltern, Freunden und anderen Stellen über mich erzählt hat.

Ich wurde krank, mein Arbeitsvertrag nicht verlängert, wollte dann in meine "Heimat" zurückkehren, allerdings ist da etwas schief gelaufen und ich stand plötzlich ohne Wohnung da. Ich wollte eigentlich zwischenzeitlich bei meiner Mutter bleiben, aber für mich war das in dem Moment wohl alles zuviel, Stress, Umzug, gebrochene Versprechen, nicht eingehaltene Zusagen, Hitze, meine Mutter, die erkrankt war usw.

Also machte ich den "Fehler" schon nach wenigen Tagen wieder zurückzukehren. War dann ohne Wohnung und ohne Arbeit, kam dann jeden Tag zu ihm, denn er hatte dann doch die Wohnung behalten. Nach 4 Monaten (die Situation auf dem Wohnungsmarkt ist hier ganz schlecht) fand ich dann eine Wohnung, stelle Anträge, usw. und holte mir Hilfe. Inzwischen war klar: Schwere depressive Episode, bisher genutze Antidepressiva ohne ausreichende Wirkung.

Die Wohnung war leider schei. gelegen, ungepflegt, mit dicken Schichten Nikotin, einem stinkenden Teppichbodenbelag unter dem sich grüner, festhaftender und staubender schei. befand. Ein unerträglicher Geruch durch den Vormieter, der auch jetzt noch nicht raus ist trotz Dauerlüften. Ich konnte nicht eine Nacht dort schlafen, ich weiß nicht, ich habe einen Ekel vor der Wohnung, eine Phobie. Schon der Gedanke dort länger zu bleiben löst bei mir starke Ängste aus.

Also habe ich eine Wohnung, zahle eine sehr hohe Warmmiete, habe leider - Unwissenheit schützt vor Strafe nicht - eine Mindestmietdauer von einem Jahr und kann dort einfach nicht länger sein. Also hat er mir erlaubt bei ihm zu schlafen und mich dort tagsüber aufzuhalten. Inzwischen hatten wir uns längst wieder angenähert, streiten zwar häufig, aber wir küssen uns wieder und gehen zusammen einkaufen usw. Und er versichert mir immer, dass er mich liebt. Obwohl ich manchmal so verzweifelt bin, dass ich ihn bitte wieder offiziell mit mir zusammenzuziehen, ist mir völlig klar, dass das keine Option ist. Er will auch nicht. Jedenfalls hat sich meine Depression verschlimmert, ich sehe außer dem Tod keinen Ausweg aus der Situation und habe wieder starke Ängste (vor Krankheiten, Thrombose, Ersticken, Tod, allein sterben) und starke körperliche Symptome.

Ich bin wieder krank geschrieben, habe mich wirklich bis zum letzten Tag zusammengerissen, mich nicht geschont, habe wirklich versucht den Vollzeitjob auszuführen und zu funktionieren, aber es geht nichts mehr. Ich fürchte den Arbeitsplatz werde ich verlieren und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu Arbeitslosengeld II und der WfbM. Dann ist mein Leben ruiniert. Jetzt bin ich grad soweit, dass schon ein längerer Einkauf oder ein Telefonat zuviel Stress ist. Ich warte auf die Aufnahme in einer Klinik, jedoch bin ich sehr hoffnungslos, dass es jemals wieder gut wird. So kann es aber nicht bleiben, denn ich habe solche starken Ängste, sitze dann hier allein in der Wohnung und ängstige mich.

Nein, das wollte ich garnicht alles erzählen. Es geht mir darum: Ich kann nicht verzeihen was er getan hat. Ich fühle, dass er mich nicht mehr liebt und wenn wir streiten, dann droht er mir mich rauszuschmeißen, wohl wissend, dass ich kuschen muss, weil ich nirgendwohin kann. Ich habe auch Kontakt zu einem Sozialdienst, aber dort kann man mir nicht recht helfen, denn ich schaffe es ja nicht allein zu sein und nicht in "meiner" Wohnung zu sein. Ich habe da einer Person vertraut, aber es gab keine praktische Hilfe, nur Versprechungen, die nicht eingehalten wurden. Aber das ist auch ein Thema für sich.

Jedenfalls will ich mich endlich trennen, weil ich weiß, dass nur so eine Änderung eintreten kann. Ich hasse ihn. Für alles das, was er getan hat. Und dass er ohne jede Strafe aus allem rauskommt, er sich immer durchschlängeln kann, nicht nur was mich angeht, auch was sein ganzes Leben angeht. Also muss ich mich davon trennen, von ihm und all den schlimmen Erfahrungen, die die letzten Jahre unserer Beziehung ausgemacht haben. Ich will ihn endlich hassen und verachten und loswerden. Aber, warum tue ich es nicht: Ich kann nicht allein sein. Nicht nur nicht allgemein, sondern auch überhaupt, tagsüber und nachts. Ich habe starke Ängste. Und ich habe auch niemanden, an den ich mich wenden kann. Noch zwei lebende Familienangehörige in einem anderen Bundesland, selbst krank oder nicht in der Lage mal eben herzukommen. Keine Freunde mehr. Nur noch ihn. Und abgesehen von meinen Ängsten und der Depression fehlt mir jetzt schon seine Umarmung, seine körperliche Wärme, seine Küsse - wenn sie liebevoll sind - und die wenigen gemeinsamen Unternehmungen. Ich führe das darauf zurück, dass ich eine starke Sehnsucht nach Liebe, Zuneigung habe und weniger darauf, dass ich ihn noch liebe.

Ich frage also nicht: Soll ich mich trennen? Ich frage mich: Wie bekomme ich Hilfe neu anzufangen? Wie kann ich mich trennen, obwohl ich nicht in diese Wohnung kann? Wie bekomme ich mein Leben in den Griff (obwohl, schon bei dem Gedanken sagt es mir innerlich, dass es sowieso keine Chance gibt und nie wieder alles gut wird)?



  12.07.2012 10:40  
Hallo wunna,

Du hast eine sehr schwierige Situation momentan in Deinem leben, stehst an einem Scheideweg, weißt noch nicht, wo und wie es hingehen soll und hast eine sehr gute Analyse Deiner Situation geschrieben. Dadurch birgt sie auch eine Chance, einen Anfang, Dich und Dein Leben zu verändern, in sich !

Im Zentrum steht meines Erachtens die Überwindung Deiner emotionalen Abhängigkeit und die Entwicklung eines eigenen, positiven Selkbstwertgefühls und der Selbstsicherheit, dass Du alleine für Dich wertvoll bist und Dein Leben meistern kannst.

Das ist ein langer, schwieriger - aber auch gehbarer Weg !

Dazu brauchst Du m.E. aber Hilfe. Deshalb empfehle ich Dir sehr klar zuerst eine stationäre Therapie, weil Du auch mal aus dem jetzigen Umfeld heraus musst. Wenn es Dir so schlecht geht, dass Du sogar daran zweifelst, ob Du weiter leben kannst, dann wäre eine akute Aufnahme in eine psychiatrische Klinik sinnvoll.

Als Alternive sehe ich eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen Fachklinik. Allerdings dauert dies meist etwas länger, bis man aufgenommen wird. Ich nenne Dir hier einige Adressen, von denen uns Patienten meist Gutes berichten. Hier kannst Du auch nachfragen, ob es so etwas wie eine schnellere Notfallaufnahme gibt:

Klinik Berus.Orannastr.55.66802 Überherm-Berus

Psychosomatische Klinik Windach-Ammersee,Schützenstr.16,86949 Windach

AHG Klinik für Psychosomatik,Kurbrunnenstr.12, 67098 Bad Dürkheim

Vogelsbergklinik,Jean Berlit Str.3l, 36355 Grebenhain

Klinik Roseneck.Am Roseneck 6. 83209 Prien

Psychosomatische Fachklinik Bad Pyrmont,Bombergallee 10,31812 Bad
Pyrmont

Hardtwaldklinik I , Hardtstraße 31, 34596 Bad Zwesten, kostenfreies Service-Telefon 0800 8528870

Besprich diese Möglichkeiten am besten nochmal mit Deinem Arzt. Viellicht kann er Dir dabei helfen.

Mir erscheint es wichtig, dass Du die Trennung von Deinem bisherigen Freund so schnell als möglich vollziehst. Überlege nochmal genau, ob es nicht vorübergehend Möglichkeiten gäbe, bei jemand anders unter zu kommen. Jeder Tag in dieser unguten Situation verschärft meines Erachtens die Krise.

Ich wünsche Dir sehr, dass sich deine Situation bald verbessern lässt und Du Deinen Weg in ein glücklicheres Leben finden wirst. Möglichkeiten dazu sind vorhanden !

Alles Gute

Bernd Remelius

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