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laluma

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Hallo ihr Lieben,
ich weiß gar nicht so genau wo ich anfangen soll, es ist alles so verstrickt. Ich bin 31 Jahre alt und auf dem Papier scheint mein Leben ganz gut - habe studiert und haben einen ganz guten Job, Freund und Freude etc.
Allerdings kämpfe ich schon seit Jahren, mal mehr mal weniger, mit Panikattacken, Angstzuständen und Zwangsgedanken. Ich vermute, bzw. ich weiß, dass alle drei Dinge ganz eng miteinander verknüpft sind.
Ich habe viel mit Zwangsgedanken zu kämpfen, die vor allem sich auf die folgenden Bereiche beziehen: Höhe- Ich habe große Angst vor hohen Dingen. An sich ja nicht ungewöhnliches. Ich habe aber Angst mich darunter zu stürzen, was ich natürlich überhaupt nicht möchte. Ich kann nicht über hohe Brücken gehen oder fahren, oder überhaupt auf etwas Hohem sein. Des Weiteren habe ich Angst vor Autobahnen. Ich habe Angst bei hohen Geschwindigkeiten das Lenkrad umzureißen oder als Beifahrer die Türe zu öffnen. Ebenso schwierig sind Situationen, die ich nicht sofort verlassen kann - Bahnfahrten, Flugreisen. Alle die genannten Dinge meide ich daher im Alltag. Weiterhin habe ich Angst in unangenehmen Situationen (z.B. Besprechungen) Obszönitäten von mir zu geben und meinen Job zu verlieren. Wenn sich die beschrieben Gedanken aufdrängen ensteht natürlich Angst und Panik.
Ich wäre gerne zu einem Arzt gegangen, aber zur Zeit geht das nicht, wegen einer bevorstehenden Verbeamtung. Mein Umfeld bekommt von der ganzen Angst nichts mit, da ich das glaube ich gang gut vertusche und auch sonst ein sehr lebenslustiger und geselliger Mensch bin. Jetzt gerade kommt noch eine Angst hinzu- ich möchte so gerne ein Kind. Allerdings habe ich solche Panik, schwanger zu sein. Auch hier ist man, auch wenn es hart klingt, ausgeliefert. Es gibt kein zurück mehr und ich habe solche Angst, dass sich die Kindsbewegungen als was Fremdes anfühlen könnten, was mir Panik breiten würde.
Ich würde so gerne mich mal mit Gleichgesinnten austauschen - ich glaube das würde mich sehr gut tun. Ich freue mich wirklich sehr über Tipps, Ratschläge jeglicher Art und Nachrichten.
Lieben Gruß und Danke

01.05.2017 15:18 • 22.02.2019 #1


16 Antworten ↓


miriam0707

miriam0707


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Hallo Laluma,

ich leide auch unter Angstzuständen, vor allem habe ich Angst vor Krankheiten.
Als die Angst vor einem Jahr bei mir wieder sehr akut wurde, kamen bei mir auch extreme Zwangsgedanken dazu.
Ich habe auch sehr große Angst vor Höhe und allem was dazu gehört.
Ich hatte oft Gedanken komische Dinge zu tun und nicht mehr Herr über meine Taten zu sein, passiert ist aber nie etwas.
Bei mir hörte das durch Einnahme von Antidepressiva und einer Therapie auf.

Hast du schon eine Therapie gemacht? Nimmst du Antidepressiva?

Liebe Grüße Miriam

01.05.2017 16:48 • #2


laluma


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Hallo Miriam,
vielen lieben Dank für deine nette Antwort. Nein, ich nehme weder Medikamente noch mache ich eine Therapie. Wie gehst du mittlerweile mit den Gedanken um, wenn sie aufkommen bzw. wie bist du sie vielleicht auch losgeworden?

01.05.2017 16:54 • #3


miriam0707

miriam0707


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Ich würde dir auf jeden Fall eine Therapie empfehlen, sonst habe ich mich versucht abzulenken in diesen Situationen. Versuch deine Gedanken in solchen Momenten in eine andere Richtung zu lenken. Das funktioniert nicht von heute auf morgen, aber mit der Zeit wird es besser.
Vor allem habe ich die Situationen nicht versucht zu vermeiden, ich habe mich ihnen gestellt.
Ich weiß das ist nicht leicht, aber es wird besser.

01.05.2017 16:59 • #4


HeikoEN

HeikoEN


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Ich rate auch zur schnellen Hilfe/Reaktion. Ängste manifestieren sich gerne, wenn es über einen längeren Zeitraum geht. Therapeutisch ist es dann umso mühevoller, diese abzubauen. Zwänge in allen ihren Auswüchsen ebenfalls.

Und zum Thema Verbeamtung: Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Bedeutet, wenn Du heute zu einem Psychologen/Therapeuten gehst, erfährt prinzipiell niemand davon. Und auch als Kassenpatient kann man sowas aus der eigenen Tasche bezahlen, damit der Kostenträger nichts erfährt.

Das, was Du so schilderst, lässt sich sicherlich mit Hilfe eines geeigneten Therapeuten ganz praktisch angehen, da es ja spezifische und von Dir gut formulierte Ängste/Zwänge sind. Wichtig erscheint mir bei Deiner Schilderung ja akute Hilfe, ganz konkret bezogen und da könnte der kognitive Ansatz (Verhaltenstherapie) eine deutliche Besserung bringen.

Der Austausch hier ist gut und wichtig, aber die Ausprägungen von Ängsten/Zwängen sind sehr subjektiv und individuell. Somit nochmals der Tipp, sich selbst um sich zu kümmern und aktiv die Sache anzugehen!

Habe Mut, er wird sich auszahlen!

02.05.2017 08:19 • #5


laluma


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Hallo Heiko,
danke für deine Einschätzung. Ich glaube du hast Recht - eine Verhaltenstherapie wird da wohl Sinn machen. Mir ist bewusst, dass Konfrontation mit den Ängsten und das verharren in diesen Situationen den Zwangsgedanken und die daraus resultierenden Angst mindern wird. So habe ich es auch alleine geschafft wieder Landstraßen zu fahren. Allerdings hat das gut ein Jahr gedauert. Vielleicht müsste ich bei den anderen Dingen ebenfalls so verfahren, wäre da nicht dir Angst, mich wirklich bei einem Versuch über die hohe Brücke zu gehen, mich herunter zu stürzen.
Gibt es eigentlich bekannte Ursachen für Zwangsgedanken? Wäre ja auch mal sehr interessant zu wissen, woher sie eigentlich kommen.
LG

02.05.2017 14:30 • #6


tuffie


Hallo laluma,

ich denke mal das Zwangsgedanken durch Stress verursacht werden können.
Angst vor der Angst. Gedanken im Kreis ,etc.
Mir hat eine vierjährige Kognitive Verhaltens Therapie sehr geholfen. Der Umgang mit DIR selbst ,erlernst du dort und das war für mich sehr hilfreich . Heute haben meine Zangsgedanken sehr nachgelassen. Am Anfang meiner Therapie habe ich mit einer Therapeutin , eine Konfrontationsübung in Sache Höhe gemacht. Seit dem habe ich immer mehr von meiner Unsicherheit abgelegt und Selbstbewusstsein entwickelt. Das Set zusammen, verringert deine Zwangsgedanken .

02.05.2017 15:16 • #7


HeikoEN

HeikoEN


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Ursachen sind natürlich, wie bei allen psych. Erkrankungen, sehr subjektiv zu sehen.

Und ebenfalls natürlich spielt die Kindheit eine große Rolle. Eltern die sehr strenge und klare Vorstellungen davon haben, wie etwas zu laufen hat und das auf das Kind übertragen, können Grundlage dafür sein, dass der spätere Erwachsene einen starken Perfektionismus an den Tag legt, dem wiederum Zwänge unterliegen, wie Abläufe sein müssen damit sie erfolgreich sind usw.
Zwänge treten auch gerne mit Ängsten auf bzw. Angstbetroffene unterliegen Zwängen. In Zeiten von Angst und Panik, "denken" Betroffene, durch starre Abläufe die Angst zu mindern. Sowas endet sehr schnell und einfach in handfesten Zwängen...das 53-malige prüfen, ob der Ofen wirklich ausgeschaltet ist, wenn man das Haus verlässt, ist dabei nur die einfache Variante...

02.05.2017 15:18 • #8


laluma


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Das der Faktor Stress eine große Rolle spielt, kann ich mir gut vorstellen und ebenfalls bei mir beobachten. Ebenso der Zusammenhang mit Kindheit- allerdings gabs seitens meiner Eltern keinen großen Druck, allerdings ist mein Vater sehr früh verstorben, vielleicht liegt da der Hund begraben. Wie sah eine konkrete Übung mit Höhe aus und wie hast du sie ausgehalten? Dies würde mich wirklich brennend interessieren.

03.05.2017 15:28 • #9


tuffie


Hallo Laluma,


Ich denke mal manches weniger zu Wissen ist bei vielem mehr. Spreche es mit deiner Therapeutin ab wenn es soweit ist.

03.05.2017 16:47 • #10


HeikoEN

HeikoEN


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Forscher entdecken die Ursache für Zwangsstörungen im Gehirn

http://www.scinexx.de/business-21457-2017-05-15.html

16.05.2017 10:05 • #11


IchLiebeEuchAll.


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Im Prinzip wird da nichts relevantes genannt und die genannten Zwangsgedanken dort wie der hygienezwang oder Zählzwang sind ja wohl der reinste Eierkuchen, verglichen zu denen die man hier erfährt.

16.05.2017 10:13 • #12


Rania 30


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Hallo Ihr lieben,
Mir geht es auch so...ich habe so viele beschwerden dass ich nicht mehr weiß wo ich anfangen soll. Ein Teufelskreis
Mein leben besteht nur noch aus ablenckung
Zuhause mal rumsitzen und entspannen und an nix denken kenne ich seit 2 jahren nicht mehr
Ich bin so erschöpft und kann nicht abschlaten
Allein sein ist ein riesen problem den da kommen alle verrückten gedanken...habe echt angst das ich diese gedanken mal glaube und verrückt zu werden
Im körper zieht es und beisst und zuckt es über all
Wer kennt das alles
Wie kommt man da wieder raus?
Welche Medikamente nimmt ihr?
Ich kann nicht mehr

16.05.2017 10:24 • #13


HeikoEN

HeikoEN


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Ja, bei der rein schulmedizinischen und physiologischen Betrachtungsweise fehlt mir trotzdem immer der Hintergrund. Selbst wenn man nun ein Gen, ein Eiweis, einen sonstigen Botenstoff identifiziert hat, bedeutet das ja nunmal immer noch nicht, dass das zwangsläufig zu einer Erkrankung (welcher Art auch immer) führt. Ich will sagen, man muss den gesamten Menschen sehen und dazu gehört auch die Psyche, die mit Sicherheit, wenn das physiologische Problem behoben ist (z.B. durch ein Medikament welches ein fehlendes Eiweis im Gehirn ausgleicht), sich auf einer anderen Ebene "bemerkbar" machen wird. Krankheit ist ein Ausdruck von Ungleichgewicht und durch blosses ausgleichen der Gewichte, wird sich das komplexe Gesamtsystem nicht wieder ins Gleichgewicht bringen lassen, wenn etwas ganz anderes die Ursache ist.

16.05.2017 10:58 • #14


milk82


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Hallo Laluma,
alle deine Symptome kenne ich bestens, bis in die Details. Das sind/ waren auch meine Themen. Zu einigen Sachen ist ja schon etwas geschrieben worden, ich wollte aber noch auf den Punkt Kinder bekommen eingehen, da ich das gerade selbst erlebe und in wenigen Wochen die Geburt ansteht. Ich kann dich nur darin bestärken, dich zu trauen. Ich hatte genau die gleichen Zweifel wie du und hätte mich wahrscheinlich nicht bewusst entschieden schwanger zu werden. Dann ist es einfach passiert und was soll ich sagen, alles läuft sehr gut. Die ersten Wochen hatte ich ein ziemliches Emo- Chaos, das ist "normal". Da stellt sich dein Kopf und Körper komplett um und auf dein Kind ein. Dann übernehmen zum großen Teil auch Hormone, dass du dich langsam aber sicher mit der neuen Rolle identifizierst. Das ist eine Kraft dagegen kannst du gar nichts machen. Die ersten Bewegungen- wie ich mich theoretisch geängstigt hatte im Vorfeld- jetzt sitze ich verträumt da mit der Hand auf dem Bauch und "spreche" mit dem Kleinen. Es gibt Schwangerschaftsdepression und auch mit Sicherheit viele andere behandlungswürdige Erkrankungen in und um die Schwangerschaft, aber man muss sich immer wieder runter bringen und realistisch bleiben, bei den meisten Frauen geht alles gut. Und denen, die Probleme haben, kann gut geholfen werden. Ich würde für mich sogar sagen, dass ich bisher sehr wenig Ängste hatte in der Schwangerschaft auch im Vergleich zu "unvorbelasteten" Frauen. Im Gegenteil, im Moment profitiere ich sehr von der Erfahrung, dass mein Körper und mein Kopf das ganze sehr souverän schaukelt. Ein neues Selbstvertrauen baut sich da gerade auf. Lass dir nicht alles von deinen Gedanken vordiktieren, trau dich auf "die Brücke", daraus entsteht etwas.
Viele Grüße, Milk

16.05.2017 22:16 • x 1 #15


Kleiner Fuchs

Kleiner Fuchs


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22.02.2019 14:28 • #16


kalina

kalina


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Zitat von Kleiner Fuchs:
Das ist auch nicht meine erste "Begegnung" mit solchen Zwangsgedanken. Es ist mir schon ein paar Mal passiert, dass ich mit dem Auto an einem Fußgänger vorbeigefahren bin und dann plötzlich Angst hatte, diesen unbemerkt angefahren oder sogar überfahren zu haben. Manchmal bin ich die Strecke anschließend sogar nochmal abgefahren.


Genau sowas hab ich von Mitpatienten mit Zwängen öfter gehört.
Da hilft nur eine gute Therapie, von Spezialisten für Zwänge. Im Süden Deutschlands gibts ne gute Klinik die auf solche Zwänge
spezialisiert ist. Vor allem Verhaltenstherapie kann hilfreich sein.
Ich würde da auf jeden Fall mir therapeutische Hilfe holen, denn ohne wird das oft immer schlimmer.

22.02.2019 17:38 • x 1 #17



Dr. Christina Wiesemann


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