Hallo zusammen,
ich bin 39M und leide aktuell unter Panikattacken und Angstzuständen.
Wie äußert sich das?
Ich habe Angst davor, dass ich plötzlich Kreislaufprobleme bekomme und bewusstlos werde. Ich hatte in meinem Leben tatsächlich 3 Kreislaufzusammenbrüche, einmal zu früh nach einem Infekt mit dem Sport angefangen und zu wenig getrunken, einmal in meiner Jugend nach Dro. und einmal vor 2 Jahren nach einem heftigen Magen-Darm Virus (da aber nicht ganz bewusstlos geworden).
Ich arbeite in der IT bei einem deutschen Industriekonzern.
Die Angst kam vor etwa 5 Wochen bei einer Geschäftsreise, bei der ich nach Indonesien musste. Ich war vorher schon aufgeregt, da es um einen Projektabschluss ging.
Es kamen immer wieder diese Gedanken "was ist, wenn es mir dort, so weit weg von zu Hause, plötzlich körperlich schlecht geht oder ich zusammenbreche, was wenn ich dann in so einen Strudel gerate, dass ich nicht mehr Heim komme und die Heimreise nicht mehr schaffe?“
Anfangs nur selten, dann immer mehr. Bin trotzdem geflogen, weil ich keine Vermeidungsstrategie fahren wollte. Hinflug war ok, vor Ort war ich die ganze Zeit sehr angespannt und hatte dann auch einmal eine heftige Panikattacke im Büro in Indonesien. Das war so heftig und intensiv, wollte gar nicht aufhören. Ging über 5-6 Stunden, ich fühlte mich wie in einem alptraumhaften Rausch, selbst mit anderen Menschen reden hat überhaupt nicht geholfen (was es in angespannten Situationen meistens schon hat). Erst als ich mir ein Taxi gerufen habe und in’s Hotel zurückgefahren bin, wurde es besser. Den Rest der Dienstreise habe ich dann vom Hotel aus gearbeitet und den Rückflug, bei dem sich auch wieder eine Panikattacke angebahnt hat, hab ich dann nur mit einer Tavor (Lorazepam) hinbekommen.
Als ich dann wieder hier war, kamen die Panikattacken auch im Büro. Ich bin früher eigentlich gerne in’s Büro, habe den Kontakt zu Kollegen genossen und hatte kein Problem damit dort zu sein.
Jetzt kamen auch im Büro die Gedanken: „Was, wenn mir hier schlecht wird, ich auf dem Klo kollabiere, dann komme ich nicht mehr Heim bzw. Jemand ruft einen Krankenwagen usw“. Diese Gedanken und die Angst, die dann kommt, fühlen sich dann leider auch körperlich verdammt intensiv an und zum Teil an wie kurz vor einem Kreislaufzusammenbruch.
Es ist aber nicht nur in der Arbeit passiert, am Wochenende bin ich mit meiner Frau und Tochter zu meinen Eltern gefahren, da hatte ich dort, bei meinen Eltern, auch eine Panikattacke nach selbem Muster.
So, Hausarzt hat mir 10mg Escitalopram verschrieben, bin jetzt bei 5mg / Tag und beim 7. Tag und hat mich erst mal eine Woche krankgeschrieben. Die Einschleichphase äußert sich schon auch mit Kopfschmerzen, ich hatte auch ein paar Tage, an denen ich total angespannt war und auch wieder eine Panikattacke. Habe aber gelesen, dass das wohl passieren kann? Ebenso habe ich mich auf die Suche nach einem Therapeuten für eine Verhaltenstherapie gemacht.
Ich bin ein absoluter Kopfmensch und auch sehr sensibel. Ich mache mir jetzt wahnsinnige Sorgen, dass ich mich länger krankschreiben lassen muss bzw. wann oder ob ich überhaupt wieder arbeiten kann. Ich verdiene ziemlich gut und meine Familie ist finanziel auf mich angewiesen, wir mieten, haben also kein Wohneigentum. Ein Rückfall auf Kankengeld wäre zwar irgendwie stemmbar, würde aber deutliche Einbußen im Lebensstandard bedeuten, ich könnte mir mein Auto nicht mehr leisten und würde mich als absoluter Versager für die Familie anfühlen.
Und ich habe auch totale Angst, gekündigt zu werden und meinen Job zu verlieren.
Ich habe mich natürlich auch gefragt, woher das kommt und ein bisschen gelesen. Genetische Faktoren (meine Mutter hatte ähnliche Probleme, meine Großmutter auch, meine Schwester auch), Stress, Belastung bzw. Überlastung, Stoffwechselstörung im Gehirn etc.
Zum Thema Arbeit:
Ich arbeite ca. 30-35h pro Woche. Ich habe keine Personalverantwortung, keine Budgetverantwortung. Ich habe einen coolen Chef, der zwar gute Leistungen erwartet, aber keinen Druck macht, generell verständnisvoll ist, nicht mobbed. Keine Kollegen, die mobben. Wir sind ein eher junges Team und verstehen uns sehr gut. Ich bin meinen Aufgaben vom Skillset her gewachsen.
Allerdings mache seit ca. 7 Jahren den gleichen Tech Stack (also in der selben Technologie unterwegs), aber immer wieder unterschiedliche Projekte und das Thema an sich macht mir auch Spaß und liegt mir.
Ich bin so verunsichert. Weil ich von der Arbeit jetzt in den letzten Wochen, mit diesen Angstzuständen und Panikattacken, natürlich total überfordert war, denke ich die ganze Zeit, dass ich ein Burnout habe. Aber eigentlich sehe ich kaum Anhaltspunkte, die in der Arbeit sowas auslösen könnten. Ich habe keine riesen Verantwortung und arbeite auch keine 60h pro Woche. Das bisschen Langeweile, dass die gleiche Technologie bringt? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
Privat ist es mit Kleinkind (Tochter ist 5) natürlich schon nicht immer einfach und meine Frau ist auch recht temperamentvoll, womit ich nicht in allen Situationen gut klarkomme. Wir lieben uns aber, genießen die Zeit zusammen, haben regelmäßig Sex.
Sie beschwert sich manchmal, dass ich zu wenig im Haushalt und mit meiner Tochter mache (ja, könnte ich mehr tun, fällt mir halt nicht immer leicht neben der Arbeit – Sie arbeitet „nur“ 20h / Woche), wodurch ich manchmal das Gefühl habe, nicht wertgeschätzt zu werden. Ich bemühe mich eigentlich schon, mitzuhelfen, wie ich kann.
Hat jemand ähnliche Erfahrung gemacht mit Arbeit und Panikattacken? Was hat geholfen und kann man es schaffen, davon wegzukommen?
Was denkt ihr über meine Situation?
Kann man bei so etwas überhaupt 100% feststellen, woher es kommt? Muss man es überhaupt?
Mein Plan ist jetzt, 10mg Escitalopram zu nehmen. Regelmäßig Sport zu machen (habe in meiner Jugend mal eine ähnliche Episode mit Panikattacken gehabt, aber nicht so schlimm und durch Sport und gesunde Ernährung war es irgendwann ganz weg), mich gesund zu ernähren und bewusster zu leben.
Bis jetzt (seit 2 Wochen versuche ich, die Dinge umzusetzen, seit 7 Tagen nehme ich Escitalopram) merke ich keine Verbesserung. Ich muss mir vermutlich mehr Zeit geben, aber das Ganze belastet mich ungemein und ich komme nur sehr schwierig damit klar.
Danke für’s Lesen und bin gespannt auf eure Meinungen.