Ich habe in der Suchttherapie (insg. 2 Jahre) mehr gelernt als bei allen psychotherapeutischen Maßnahmen zusammen. Leider war es der Bereich, den ich erst
ganz am Schluss anging...heute ist mir klar, warum.

Zitat von SteveHH: Also wenn ich mir vorstellen würde nie mehr was zu trinken, würde mir was fehlen.
Deine Offenheit ehrt Dich...

. Was
genau würde Dir denn fehlen? Obschon ich die Antwort(en) zu kennen glaube, wäre es interessant, welche Du selber für Dich findest.
Zitat von SteveHH: Zuhause steht die Buddel auf dem Tisch, man giesst sich ein Glas ein, trinkt es und dann kommt gleich das zweite hinterher.
Da wird man nicht so schnell gebremst. Ab dem dritten Glas ist es dann schon wie Wasser trinken.
Ich geniesse das Erste Glas und dann vielleicht noch das zweite, aber die Gläser danach sind dann ehr den Frust wegspülen vom ganzen Tag.
Hier haben wir schon den ersten Grund: "Ausblenden des täglichen Erlebens." Das Trinken ist eine Ersatzhandlung für angemessenen Umgang (Reflexion) mit dem Alltag. Wir entseelen dadurch unser tägliches Wirken. Anstatt uns über den Tag Gedanken zu machen und daraus zu lernen (zu wachsen), verhalten wir uns wie kleine Kinder, die lieber den Schnuller oder den Lolly wollen anstatt mit Mama darüber zu kommunizieren. Dieses "orale" Verhalten (und das ist es in der Tat: ein
Verhalten angemessener Reaktionen!) kennzeichet den verdrängenden Trinker.
Hinzu kommt, dass kein Missbrauchender nach dem ersten Glas derselbe ist wie vorher und nach dem zweiten Glas nicht mehr wie vor demselben usw. Unser Erleben verändert sich mit jedem Schluck wesentlich hin in eine Wunschwelt, die so gar nichts mit der Realität zu tun hat. Nur dort, in dieser Wunschwelt fühlt sich der Abhängige "normal" - der Alltag wird als "unnormal" wahrgenommen.