Ich denke, dass hier eine Menge Mißverständnisse existieren. Vielleicht auch bei deinem Therapeuten.
Reinkarnationstheorie ist keine Esotherik. Eigentlich ist es Religion. Sie gehört als fester Bestandteil zu den Weltreligionen der Hindus (Brahmanismus) und der Buddhisten. Außerdem gleuben noch viele Menschen kleinerer Glaubensgemeinschaften daran. Nimmt man nur die Weltreligionen sind das schätzungsweise 40% der Weltbevölkerung. Man kann also kaum behaupten, dass es sich hier um eine abgefahrene, weltfremde, verkorkste Theorie handelt. Jedenfalls nicht verrückter, als die Ideen der monotheistischen Religionen. Ich glaube allerdings, dass viele Menschen den eigentlichen Gedanken der Reinkarnation völlig falsch verstehen und deswegen auch Angst davor haben.
Der Grundgedanke der Reinkarnation ist der, dass man niemals wirklich stirbt. Wir leben immer weiter und immer wieder. Anders als bei der Christlichen Vorstellung aber haben wir einen echten Einfluß darauf, wie wir unser Leben verbringen. Während man im Christentum z.B. davon abhängig ist ob dir Gott die Gnade gewährt in den Himmel zu kommen, (das gilt für alle Momotheistischen Religionen), kann im Buddismus z.B. jeder selbst über sein Schicksal entscheiden. Und hier kommt das Thema Karma ins Spiel.
Viele Menschen verstehen Karma als Bestrafung für Taten aus einem früheren Leben - und das halte ich für völlig falsch!
Karma ist das Wort für: Gesetzt von Ursache und Wirkung. Für uns bedeutet das, das alles was wir tun eben Konsequenzen hat. Und wenn man an die Reinkarnationsleere denkt, dann bedeutet es, dass solche Konsequenzen auch über Leben hinweg nicht unbedingt verschwinden müssen. Dabei geht es nicht um Strafen, sondern um die Verarbeitung von Verletzungen und Krankheiten, sowie um das Finden von Lösungen zu Problemen.
Wenn man mal Reinkarnation da raus läßt bedeutet es z.B.: dass die Traumata einer Kriegsgeneration eben nicht einfach weg sind, nachdem alle die den Krieg erlebt haben tot sind. Oft transportieren sich Ängste, Feden, Wut, Trauer, Feindschaften, vorbehalte gegen andere Völker etc. immer weiter über viele Generationen. Bei Religionen ist das noch schlimmer, denn schließlich gibt es immer noch Christen, die den Juden vorwerfen, dass sie ihren Messias getötet haben. Im Islam gibt es so ein Problem zwischen Suniten und Suditen.
Im Großen und Ganzen würde ich also sagen, dass Reinkarnation und Karma eigentlich Ideen sind, die irgendwie tröstlich sind, denn wir alle haben es selbst in der Hand dafür zu sorgen, dass wir glücklich und erfüllt leben. Zudem haben wir immer und immer wieder die Möglichkeit es erneut zu versuchen, wenn wir mal daneben gehauen haben. In der Christlichen Religion hast du im Zweifelsfall ja für alle Ewigkeit verschiessen und kannst Fehler letztendlich nie wieder gut machen. Die Reinkarnationstheorie behauptet übrigens auch, dass wir in allen Leben immer wieder auf die Treffen mit denen wir Thematisch verbunden sind. Das bedeutet, das man ohne Ausnahme in jedem Leben auch die wiedertrifft, die man liebt. Die Idee, dass man auch als Tier wiedergeboren werden könnte ist übrigens Quatsch. Dein Körper ist Austdruck deines Bewußtseins. Wenn du einmal Mensch warst, gibt es kein zurück zum Tier.
Gehört das jetzt in einr Therapie?
Ich denke das ist schwer zu sagen, denn es ist sehr gut möglich, dass dich dein Therapeut (unabhängig von seiner eigenen Einstellung) ganz bewußt mit deinen Todesängsten konfrontieren wollte (Konfrontationstherapie). Leider scheint die Psychlogie heute immernoch zu glauben, dass man bei Ängsten nur Erfolge erzielen kann wenn man mit der Brechstange 'rangeht. In gewisser Weise empfinde ich das auch als das Pendant zur Elektroschock-Therapie. Allerdings ist es auch gut möglich, dass dein Therapeut dich dazu bringen wollte, dass du dich überhaupt damit auseinandersetzt und eben nicht versuchst das Thema zu vermeiden.
Nach meinem Empfinden haben die Menschen zu allen Zeiten verzweifelt versucht mit der Erfahrung des Todes umzugehen. Das Einzige, dass wir sicher wissen ist, dass jeder Mensch irgendwann stirbt und dass mir bisher noch niemand wirklich glaubhaft hat machen können, dass er wirklich weis, wie es dann ist. Daher glaube ich, dass JEDER seinen Ansichten über den Tod und das Danach so gewählt hat wie es ihm am bestn passt bzw. wie es ihn am meisten beruhigt.
Wie ich schon sagte halte ich unseren Körper für einen Ausdruck unseres Geistes. Für mich bedeutet das, dass der Tod so etwas ist wie ein sehr tiefer Schlaf in dem wir auch träumen können. Was wir träumen hängt davon ab wie wir unsere Erfahrungen und Erlebnisse verarbeitet haben. Deswegen denke ich, dass Christen z.B. wirklich von Jesus träumen könnten, oder auch z.B. von der Hölle. Jeder der Pankattacken kennt, weiß dass die Hölle auch im Leben schon existieren kann. Man kommt also nicht drum herum die dunklen Stellen seines Lebens zu verarbeiten und zu überwinden.
Aber: Es gibt hier einen extrem tröstlichen Gedanken. Jedes Leid, dass wir erfahren haben und jetzt auch erfahren endet irgendwann. Es gibt keine Ewige Hölle oder Bestrafung. Es gibt nur eine Phase, die unsere Seele braucht um zu heilen. Wenn sie wieder ganz Gesund ist, ist alles gut und wir sind sozusagen im Himmel.
Es ist wahr, dass niemand dir sagen kann, wie es wirklich nach dem Tode ist. Das bedeutet aber auch, dass nichts von dem, was sicherlich vielen von uns Angst macht tatsächlich passieren muß. Es ist nicht gesagt, dass du deine Lieben wirklich verlieren mußt, dass du für irgendwas büßen oder "bezahlen" mußt oder dass irgendetwas passiert, was du nicht willst. Es stellt sich also gar nicht die Frage, wie es wirklich ist, sondern bestenfalls: Woran willst du glauben? Welche Anschauung bringt dir Frieden? Wenn dir Gedanken an den Tod sehr viel Angst macht, dann hast du vielleicht bis jetzt noch keine hilfreiche Ansicht zu diesem Thema gefunden, an die du eben wirklich glauben kannst. Für mich ist mit meiner Vorstellung zum Thema Tod auch die Angst davor verschwunden, oder auf ein Maß zurückgegangen mit dem ich gut leben kann. Da der Tod ein so goßes Rätsel ist, halte ich es für möglich, dass wir die Angst vor dem Tode niemals ganz verlieren.
Aber trotz allem würde ich sagen, dass der Tod heute für mich eher eine tröstende Vorstellung ist und Reinkarnation ist eine Chance auf ein besseres Leben in einem neuen, jungen und gesunden Körper mit der Möglichkeit sich wieder zu verlieben und vielleicht sogar auch mal das Paradies hier auf Erden zu erleben. Das wäre wohl auch eine Möglichkeit

Die besten Wünsche,
Kimaru