Liebe Tuffie,
ich erinnere mich daran, wie verbissen du in deinem Jagd-Thread aufgetreten bist. Ich muss sagen, dass es mich selbst erstaunt bzw. positiv überrascht, wie wichtig diese Eigenschaft ist, denn sie hilft dir sehr, dich durch dein "Tal" zu kämpfen. Ich lese hier immer mit und bin von deinem Kampfgeist wirklich beeindruckt.
Was beim Jagd-Thread so unbelehrbar erschien, scheint für deine Genesung essentiell. Da sieht man mal wieder, dass eine angebliche negative Eigenschaft nicht negativ ist, sondern immer etwas mit der Position des Betrachters zu tun hat.
Was ich dir schon länger zu deinem Sohn sagen wollte:
Punkt1: Wie du schon geschrieben hast, du wolltest die Menschen um dich herum anders haben. Das geht nicht. Du kannst nur die Art und Weise ändern, wie DU damit umgehst. Deine Entschuldigung bei ihm finde ich übrigens toll. Zeigt auch von Größe!
Punkt 2: Was du erlebst, sehe ich momentan täglich bei meiner Mutter und meinem Bruder. Er ist 32. Frisch verheiratet. Seine Frau ist, gelinde gesagt, ein Kotzbrocken. Meiner Mutter fällt es unfassbar schwer, das zu akzeptieren. Sie will nicht zusehen, wie diese Frau ihn vera*scht.
Wenn ich meine kleine Tochter betrachte, verstehe ich ihr Verhalten total. Als Mutter ist es einfach ein Instinkt, dass man seine Kinder schützen will. Aber als Kind ist es auch ein Instinkt, dass man irgendwann geht und eine eigene Familie gründet.
Es gibt da diesen Satz, der mich begleitet, der zwar traurig sein, mag, aber eben der Wahrheit entspricht:
Eine Mutter muss ihr Kind für immer lieben, ein Kind seine Mutter nicht. (Dieses "MUSS" heißt nicht, dass man dazu verpflichtet ist, sondern, dass man nicht anders KANN!)
Das stimmt wirklich. Das wird mir jetzt, wo ich beide Rollen kenne, die der Tochter UND die der Mutter, erst so richtig bewusst. Für mich war mein Mann irgendwann wichtiger als meine Mutter. Das war für mich ein völlig natürliches Gefühl. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass meine Tochter mal geht... Horror! Ich kann also jetzt endlich verstehen, wie das für meine Mutter war und plötzlich ist da wieder unfassbar viel Liebe für sie. Und Verständnis.
Vielleicht muss dein Sohn auch erst mal Vater werden.
Aber erst mal musst du ihn ziehen lassen. Es ist wirklich das Schwierigste, was man als Mutter tun muss.
Das bringt mich zu
Punkt 3: Es hört sich wirklich oft so an, als würdest du sehr klammern. Wie gesagt: Ich verstehe das total! Aber vielleicht ist dieses loslösen das, was auch DU gerade am dringendsten brauchst und wahrscheinlich wird es dich am Ende sogar näher zu deinem Sohn zurück bringen, als du ihm jetzt bist. (Habe ich eben exakt so mit meiner Mutter erlebt). Konzentriere dich auf deine Genesung, auf dich, auf deine innerliche Trennung von deinem Sohn. Das wird dir helfen. Da bin ich sicher.
Ich wünsche dir einen schönen Tag!