Hallo,

vielleicht kann mir jemand hier weiterhelfen. Vielleicht gibt es jemanden mit ähnlichen Problemen. Ich würde mich sehr über ein paar hilfreiche Antworten freuen.

Ich habe große Probleme im zwischenmenschlichen Bereich. Ich agiere sehr gefühlskalt. Es ist für mich sehr schwierig, Gefühle bewusst wahrzunehmen. Dadurch ist es mir kaum möglich, mich in sozialen Kontakten einzubringen. Ich bleibe dabei immer sehr passiv und kann mit der Situation überhaupt nichts anfangen. Es ist so, als würde ich unter einer Glasglocke sitzen. Ich bin zwar anwesend, aber doch nicht richtig dabei. Es fällt mir dadurch unglaublich schwer ein Gespräch zu führen oder zu beginnen. Ich habe nie das Bedürfnis irgendetwas mitzuteilen.

Wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin, habe ich die große Angst davor, dass etwas in meinem Inneren ausgelöst wird, womit ich nicht umgehen kann. Ich versuche immer unbewusst eine große Distanz zwischen der jeweiligen Situation und meinen Gefühlen aufzubauen. Vielleicht habe ich es nie richtig gelernt, mit meinen Gefühlen umzugehen. Ich nehme mich in sozialen Situationen sehr stark zurück. In der Regel sage ich auch nie etwas. Es besteht die Gefahr, dass ich immer selbstbezogener werde und die Verbindung zur Außenwelt verliere.

Viele Menschen verstehen meine Distanz, die ich zu anderen Menschen aufbaue, so, als würde ich mit diesen Menschen nichts zu tun haben wollen. Dabei habe ich keine Probleme mit den anderen Menschen, ich habe einfach nur Angst davor, was soziale Kontakten in mir auslösen könnten. Ich habe die Angst, dass ich mich selber verlieren würde, wenn ich es zulassen würde, dass mein Innerstes mit der Außenwelt verschmilzt. Dieser Vorgang wird nicht von mir bewusst gesteuert, es verläuft unbewusst.

Ich leide sehr darunter. Ein Leben zu führen, bei dem man außen vorbleibt, weil ständig eine große Distanz zwischen der eigenen Person und der jeweiligen Situation besteht, ist sehr deprimierend. Dies ist besonders dann der Fall, wenn diese eigene Unzulänglichkeit einem bewusst wird und man das Gefühl hat, als würde man sehr viel verpassen. Ich weiß nicht, ob es nachvollziehbar ist, aber mein Leben findet mehr in meinem Kopf statt als in der Wirklichkeit.

Ich habe große Angst vor meiner Zukunft. Ich weiß nicht, wo das enden wird. Meine Abneigung vor Kontakt mit anderen Menschen wird scheinbar auch immer größer. Ich muss immer sehr starke innere Widerstände überwinden, um mich auf Kontakt mit anderen Menschen einzulassen. Und wenn es dazu kommt, habe ich das Gefühl, dass ich in die Situation nicht hereinpasse. Ich bin dann sehr stark damit beschäftigt, die Situation und mich selber in meinem Kopf zu kontrollieren. Es gelingt mir einfach nicht loszulassen. Der Sinn meines Lebens liegt in der Hoffnung – die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Wenn ich mich an meine Vergangenheit oder meine Gegenwart halte, gibt es keinen Grund für mich zum Leben.

Aufgrund meiner Arbeit bleibe ich in Kontakt mit anderen Menschen. Meine Zeit zum Grübeln wird dadurch zum Glück auch beschränkt. Aber ich habe das Bedürfnis mehr zu machen. Ich werde mich bemühen, alte Freundschaften wiederzubeleben. Und zusätzlich wollte ich auch wieder eine Beziehung mit einer Frau eingehen. Ich hatte in meinem Leben auch schon eine Beziehung. Diese Beziehung hatte mir damals sehr gut getan, obwohl ich damals auch schon das Problem hatte. Aber ich bin ein Mensch, der psychisch nicht ganz dem Durchschnitt entspricht. Ich habe keine Freunde und mein ganzes Leben ist sehr schlicht gehalten. Ich habe es z.B. nie geschafft, meine Wohnung richtig einzurichten. Es sieht immer noch so aus, als wäre ich vor kurzem erst eingezogen. Ich habe Angst davor, dass ich ein Bild vermittle, was auf andere Menschen sehr abstoßend wirkt. Aber ich möchte schon gerne aktiv werden, Passivität wird nur noch alles schlimmer machen.

Ich habe eine Menge geschrieben. Ich hoffe, dass ich meine Situation halbwegs deutlich machen konnte. Vielleicht gibt es jemanden, der mir irgendwie weiterhelfen kann. Ich bin zurzeit in psychologischer, als auch psychiatrischer Behandlung. So richtig weitergeholfen hat mir beides nicht. Es hat aber auch eine ganze Weile gedauert und zwei stationäre Aufenthalte benötigt, bis eine für mich nachvollziehbare Diagnose gefunden wurde. Da ich ein sehr verschlossener Mensch bin, ist es aber auch sehr schwierig mit mir gewesen. Vielleicht hätte man mich nicht auf meine Unfähigkeit stoßen sollen. Als es mir noch nicht bewusst gewesen ist, war das Problem irgendwie kleiner. Mittlerweile ist es so, dass ich eigentlich sehr viel von mir weiß, aber trotzdem hilflos dastehe. Ganz verstehen, kann ich es auch noch nicht. Ich bin häufig sehr deprimiert.

Gruß
Sascha

16.09.2007 18:09 • 19.09.2007 #1


3 Antworten ↓


Hallo Sascha!
Es hat mich sehr berührt, was du geschrieben hast, vielleicht weil vieles so ähnlich ist. Es kommt mir zumindest so vor. Und ich find es bewundernswert, dass du deine Lage so gut beschreiben kannst.
Ich kenn es, dass ich mit Leuten rede, aber eigentlich ohne echtes Interesse, dass es tiefer gehen mag. In den Momenten reagier ich auch meist sehr automatisch. Fragen, die ich hab, stell ich manchmal doppelt oder ich verhaspel mich 2-3 Fragen später, weil ich mir nicht wirklich merken konnte, was der andere geantwortet hat.(Du beschreibst es mit wie unter einer Glocke sitzen) Und von mir selbst was zu erzählen ist für mich wahnsinnig schwierig. Das merkt mein Gegenüber natürlich und die Sympathie hält sich automatisch in Grenzen. (Ist wohl oft auch mein Selbstbild.)

Die Einsamkeit ist dann das schlimmste Gefühl.

Zum Glück bringt mich mein schlappohriger Vierbeiner regelmäßig vor die Tür (ich hab ihn nun seit Juni) und bietet Themen für Small Talk. Aber mit dem Grundproblem bin ich beim Psychotherapeuten besser aufgehoben. Klar!
Ich wünsch dir noch nen schönen Abend.
Ich muss vor die Tür. Bis denn
Kristin:)

18.09.2007 17:07 • #2


Hallo Kristin,

ich kenne das mit der Unterhaltung. Wenn ich mich in einem Gespräch befinde, dann sieht es immer so aus, dass ich ständig Fragen stelle. Es ist wirklich sehr selten, dass ich etwas von mir erzähle. Aber wenn man sich zurückzieht, hat man natürlich auch wenig zu erzählen. Außerdem habe ich nie das Gefühl etwas erlebt zu haben. Eigentlich ist es egal was ich mache, weil im Endeffekt ist sowieso alles gleich. Ob ich den ganzen Tag im Bett lieben bleibe oder zur Arbeit gehe, nichts bleibt mir wirklich in meinem Kopf hängen. Mein Leben ist so sinnlos.

Ich würde mir auch gerne einen Hund zulegen, aber da ich unter Umständen 13 Stunden am Tag unterwegs bin, geht es nicht.

Gruß
Sascha

18.09.2007 20:14 • #3


Hallo ZZ,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ich mache eine Psychotherapie. Ich habe auch schon 2 stationäre Aufenthalte und einen Therapie in der Tagesklinik hinter mir. Aber es nie irgendetwas richtiges gebracht. Letztlich nur verschiedene Diagnosen. Es ist zudem sehr schwierig, wenn man psychisch nicht ganz in Ordnung ist, aber auf der anderen Seite beruflich nicht ganz absteigen möchte. Aufenthalte in einer Klinik lassen schon große Lücken im Lebenslauf zurück. Man kann sicherlich einen Aufenthalt in der Psychiatrie auch als etwas Positives im Vorstellungsgespräch verkaufen. Das geht aber nur dann, wenn man halbwegs normal wirkt und es bei einem Aufenthalt bleibt. Meine Außendarstellung ist alles andere als positiv, sagt zumindest mein Chef.

Gruß

Sascha

19.09.2007 19:22 • #4





Dr. Hans Morschitzky