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Wurzelgemüse
Hallo Miteinander

Mich würde interessieren wie es euch in eurer Ausbildung geht, wie ihr diese meistert, wie ihr zur Thematik in der Betreffzeile steht.

Ich weiss nicht, ob ich meine Ausbildung schaffen werde. Gut, das ist vielleicht falsch ausgedrückt.
Ich weiss nicht, ob ich es schaffen werde, meine Ausbildung zu beenden. Sieht da noch jemand anderes einen Unterschied in der Formulierung?

Mein Kopf begann sich in der 5ten Klasse an zu drehen und kam bis heute nicht mehr zum Stillstand. Seit über 10 Jahren ist jeder Tag eine Qual, jede Herausforderung eine Last, jedes Ziel mit einem für mich endlos vorkommenden Weg verbunden. Warscheinlich liegt es daran, dass mir damals wirklich von allen Seiten eingetrichtert wurde, dass ich nie etwas erreichen würde.

Dabei sind meine Noten überdurchschnittlich gut und das waren sie auch immer. Ich habe einen Abschluss an einer höheren Schule gemacht und mir war bewusst, dass ich diesen - auch wenn es etwas eingebildet klingt - locker schaffen würde. Ich weiss eigentlich auch, dass meine Leistungen in der Lehre, die ich momentan absolviere, gut sind. Das weiss ich, weil es mir gesagt wurde.

Mein Problem ist die Angst. Ich kann sie nicht genau in Worte fassen, nicht beschreiben, sie ist einfach da und bedient sich meiner Ressourcen wie Kunden im Walmart.
Die Angst kommt Sonntags, weil ich nicht weiss, was ich am nächsten Tag für Aufgaben bekomme.
Die Angst kommt bei der Arbeit, weil ich im ersten Lehrjahr eigentlich nichts selbstständig machen kann.
Die Angst kommt, wenn ich angepampt werde, ohne dass ich etwas getan habe.
Die Angst kommt noch mehr, wenn ich angepampt werde, weil ich etwas getan habe, was ich doch nicht falsch machen wollte.
Ich komme morgens ohne hilfe kaum aus dem Bett. Manchmal bekomme ich gleich nach dem Aufstehen Weinkrämpfe. Ich schaffe es nicht meine Klamotten zusammenzusuchen. Ich schaffe es nicht, mir Frühstück zu machen. Meistens liege ich so lange im Bett, bis ich realisiere, dass abwarten nichts bringt. Ich habe Bauchschmerzen an der Bushaltestelle. Ich komme im Team an und möchte alleine sein.
Und dann denke ich daran, dass ich noch nicht einmal ein halbes Jahr hinter mir habe und 4 Jahre in Ausbildung sein werde. Gefolgt von dem Gedanken, dass ich am liebsten hinschmeisen würde. Mir wird heiss, ich bekomme einen Tunnenblick, Konzentrationsschwäche, mir wird schlecht und dann geh ich weinen.

Dabei habe ich um diese Lehrstelle gekämpft wie eine Löwin. Ich liebe meine Tätigkeiten, ich mag mein Team, die Thematik ist hochinteressant. Mein Lohn ist angemessen und der Umgang mit mir besser, als ich es von anderen Arbeitsstellen kenne. Ich kann Abends pünktlich nach Hause ohne Überstunden.

Also: Eigentlich kein Grund zur Angst. Ich bringe meine Angst immer mit dem Wort "Zeit" in Verbindung. Dass ich zu wenig Zeit habe für etwas. Dass eine lange Zeit bevor steht, deren Inhalt ich nicht kontrollieren kann. Dass sich in einer Zeit etwas verändert, was mich zurück werfen könnte. Wisst ihr, was ich meine? Im Moment sitze ich da, es ist bald 8 und mir macht es Angst heute schlafen zu gehen, weil ich morgen schneller wieder Arbeiten muss. Nach den Ferien ist es - natürlich nebst Lehrbeginn - am schlimmsten.

Ich wünsche mir oft, dass ich einfach alles hinschmeissen könnte. Frei sein, die Last weg, für mich selber da sein. Ja - keine Lösung auf dauer, natürlich nicht. Darum bleib ich auch am Ball.

Zu meiner Person: Ich bin 23 Jahre alt und erlerne einen handwerklichen Beruf, der jedoch nicht von Männern dominiert wird. Ich bin seit einigen Jahren in Therapie und habe enorme Fortschritte gemacht. Ich kann mittlerweile soziale Kontakte pflegen, habe meine Depressionen hinter mir gelassen und eigentlich eine riesengrosse Neugierde und Lebenslust. In Notfallsituationen habe ich Clobazam auf Vorrat, dass mir aber nicht wirklich hilft.

Nun, was sagt ihr dazu? Was ist das? Kennt ihr das? Wie geht ihr damit um?

Viele Grüsse
Wurzelgemüse

04.01.2015 21:03 • 06.04.2021 #1


15 Antworten ↓


Kuntergrau
Zitat:
Ich weiss nicht, ob ich meine Ausbildung schaffen werde. Gut, das ist vielleicht falsch ausgedrückt.
Ich weiss nicht, ob ich es schaffen werde, meine Ausbildung zu beenden. Sieht da noch jemand anderes einen Unterschied in der Formulierung?

Das ist wohl ganz normal. Vor dir liegt eine längere Zeit, wo du täglich etwas machen musst. In der 3. Klasse dachte ich auch schon darüber nach, wie ich die nächsten 10 Jahre Schule überstehen soll und hätte ohne Zwang wohl dort schon abgebrochen
Zitat:
Mein Kopf begann sich in der 5ten Klasse an zu drehen und kam bis heute nicht mehr zum Stillstand. Seit über 10 Jahren ist jeder Tag eine Qual, jede Herausforderung eine Last, jedes Ziel mit einem für mich endlos vorkommenden Weg verbunden. Warscheinlich liegt es daran, dass mir damals wirklich von allen Seiten eingetrichtert wurde, dass ich nie etwas erreichen würde.

Aber du hast ja scheinbar was erreicht. Setz dich selber nicht so unter Druck. Man muss Niemandem was beweisen.
Zitat:
Die Angst kommt Sonntags, weil ich nicht weiss, was ich am nächsten Tag für Aufgaben bekomme.

Das hatte ich auch in meiner Arbeit/Ausbildung dauernd. Weil einfach jeden Tag wieder neue Probleme auftraten für die ich nichts konnte, aber die ich lösen musste. Die Angst vorm Ungewissen eben. Jeden Abend dachte ich mir "Was kommt Morgen wieder für ein Mist auf mich zu?". Du bist noch frisch in der Ausbildung und kannst daher Verantwortung von dir schieben. Lass den nächsten Tag einfach auf dich zukommen. Du kannst es eh nicht ändern.
Zitat:
Die Angst kommt, wenn ich angepampt werde, ohne dass ich etwas getan habe.
Die Angst kommt noch mehr, wenn ich angepampt werde, weil ich etwas getan habe, was ich doch nicht falsch machen wollte.

In der Arbeitswelt ist das ganz normal. Das darf man nicht allzu persönlich nehmen und man muss lernen damit umzugehen. Du musst dir eine "Leck mich am Ar."-Einstellung zulegen. Du bist Azubi um zu lernen.
Zitat:
Und dann denke ich daran, dass ich noch nicht einmal ein halbes Jahr hinter mir habe und 4 Jahre in Ausbildung sein werde. Gefolgt von dem Gedanken, dass ich am liebsten hinschmeisen würde. Mir wird heiss, ich bekomme einen Tunnenblick, Konzentrationsschwäche, mir wird schlecht und dann geh ich weinen.

Such dir kleinere "Fixpunkte". "In 4 Jahren" ist zu lang. Denk einfach - wie jeder normale Mensch - bis zum Freitag
Zitat:
Ich wünsche mir oft, dass ich einfach alles hinschmeissen könnte. Frei sein, die Last weg, für mich selber da sein. Ja - keine Lösung auf dauer, natürlich nicht. Darum bleib ich auch am Ball.

Es ist wohl der schwierigste Schritt beim Erwachsen-werden sich damit zu arrangieren, dass man Dinge tun muss, die man nicht freiwillig macht und dass man mit Menschen zu tun hat, mit denen man sonst - ohne die Arbeit - nichts zu tun haben wollen würde.

05.01.2015 11:36 • x 1 #2



Ausbildung - unbegründete, lähmende Angst

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Wurzelgemüse
Danke für deine Rückmeldung, Kuntergrau.

Weisst du, alles was du schreibst klingt so dermassen logisch, dasses schon unlogisch ist, dass es nicht in meinen Kopf geht.

Fixpunkte suchen anstatt an den langen Zeitraum zu denken - logisch.
Mit Menschen zusammen zu arbeiten, mit denen ich sonst keine Zeit verbringen würde - logisch.
Mich nicht unnötig unter Druck setzen - logisch.
Mir nicht alles so nahe gehen lassen - logisch.

Ich weiss, das das alles so ist. Trotzdem bekomme ich Magenschmerzen, Übelkeit, Weinanfälle, Angst, Panik. Ich kann es wie nicht kontrollieren, dabei bin ich doch schon so viel älter, als andere Azubis.

Gestern habe ich mitbekommen, wie über mich gelästert wurde. In sehr unschönen Worten und abfällig bis zum geht nicht mehr. Alles, weil ich einen Fehler zum ca. dritten oder vierten mal wiederholt habe. Das war doch keine Absicht! Mein Ausbildner weiss Bescheid, steht auch zu mir, trotzdem beruhigt mich das nicht.

10.01.2015 19:23 • #3


Kuntergrau
Zitat:
Weisst du, alles was du schreibst klingt so dermassen logisch, dasses schon unlogisch ist, dass es nicht in meinen Kopf geht.

Ich weiss, das das alles so ist. Trotzdem bekomme ich Magenschmerzen, Übelkeit, Weinanfälle, Angst, Panik. Ich kann es wie nicht kontrollieren, dabei bin ich doch schon so viel älter, als andere Azubis.

Da ist immer das verfluchte Unterbewusstsein. Ich kann auch immer alles ganz logisch analysieren, aber nützen tut es auch nur bedingt was, wenn man es nicht abstellen kann. Man muss trotzdem langsam an den Punkten arbeiten und sie nicht nur verstehen, sondern verinnerlichen.
Zitat:
Gestern habe ich mitbekommen, wie über mich gelästert wurde. In sehr unschönen Worten und abfällig bis zum geht nicht mehr. Alles, weil ich einen Fehler zum ca. dritten oder vierten mal wiederholt habe. Das war doch keine Absicht! Mein Ausbildner weiss Bescheid, steht auch zu mir, trotzdem beruhigt mich das nicht.

Das ist im Arbeitsleben (leider) ganz normal. Besonders als Azubi ist man halt der Ar.. Ich war selber mal kurz Ausbilder und mein Azubi hat beim Postausgang ständig falsch frankiert. Normalerweise würde ich sagen "Wen interessierts?", aber am Ende war das wieder Mehrarbeit für mich. Ich hab Anschiss vom Chef bekommen, weil die Rechnungen nicht fristgerecht zugestellt worden. Das musste ich dann auch irgendwie weitergeben. Daher ist das nix persönliches. Versuch einfach daraus zu lernen.

11.01.2015 13:13 • #4


Wurzelgemüse
Nach 1.5 Wochen Krankheit und 2 horror-Arbeitstagen melde ich mich zurück.

Mir ist bewusst, dass vieles auf mich zurückfällt damit ich gewisse Fehler eben nicht mehr mache und dadurch kein weiterer Aufwand aufkommt. Bisher hat es mich eben geärgert und mir ging es generell nicht so gut. Do/Fr ist allerdings etwas vorgefallen, was eine ziemlich heftige Panikattacke bei mir ausgelöst hat, aus der ich nicht mehr rauss komme.

Nach über einer Woche Krankheit ging ich wieder arbeiten. Direkt am Morgen knallte mir der Chef Arbeit hin und wollte die bis am Abend erledigt haben. Um diese zu erledigen musste ich allerdings zuerst einen Apparat reparieren, ohne diesen ich die Arbeit gar nicht hätte erledigen können. Da ich dies zum ersten Mal gemacht habe, gings erst 2 mal schief und ich war erst kurz vor Mittag fertig mit dem Reparieren. Bereits dort war mich übel, schwindelig und ich bekam panische Angst jedesmal wenn er den Raum betrat.
Kurz vor mittag kam dann noch eine Arbeitskollegin und fand, ich müsse bis 4 fertig sein, sie brauche danach auch noch meine Hilfe. Mir war bewusst, dass ich das bis 4 Uhr nicht schaffen würde und die Panik wurde dann noch schlimmer. Ich habe am Mittag kurz mit ihr gesprochen und ihr einfach vermittelt, dass mich sowas stresst. Dass ich noch am Anfang meiner Ausbildung stehe und noch nicht auf Zeit funktioniere. Schon gar nicht, wenn ich für den Chef persönlich was zu erledigen hätte, das müsse halt perfekt werden. Das verstand sie.... Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie es ihm gleich nach dem Mittag weiter erzählt hat.

Er kam dann zu mir und sagte er merke, was mit mir los sei, ich brauche keine Angst zu haben. Es würde mir niemand den Kopf abreissen, aber manchmal müsse etwas eben schnell fertig sein. Er wolle mich nicht fertig machen. Das Problem ist, dass seine agressive und zynische Art genau das vermittelt und mich völlig fertig macht. Er geht auch nur so mit mir um.

Vor lauter Panik habe ich dann einfach irgendwas gemacht und das in Rekordtempo. Er war extrem zufrieden. Ich nicht, die Arbeit war schlampig und nicht zufriedenstellen. Ich als Kunde hätte mich beschwert. Jetzt habe ich zusätzlichen Druck weil dieses Tempo von mir erwartet wird, die Qualität allerdings mangelhaft ist.

Seit 2 Nächten schlafe ich nicht mehr und wenns doch mal ne halbe Stunde klappt, wache ich mit Herzrasen auf. Ich habe extreme Albträume, kann kaum mehr essen und frage mich die ganze Zeit, wie ich meine Lehre bloss überstehen soll. Die ganze Zeit ist diese Panik in mir, ich kann mich über nichts mehr freuen und habe Angst vor jeder Tätigkeit. Aufstehen, anziehen, hinsetzten, Fernseher einschalten, aufs Handy schauen. Jede einzelne Tätigkeit kostet mir extrem viel Kraft.

Das Paradoxe daran ist, dass ich weiss, dass ich nicht sterben kann und mein Leben eigentlich in Ordnung ist. Ich habe nur eine solche Angst, dass mir die Arbeit zu viel wird. Abbrechen wäre eine Schande, dann hätte ich keine Ausbildung, würde nie gescheites Geld verdienen. Mir wäre die Basis unter den Füssen weggezogen. Zumal ich auch 2 Jahre hatte bis ich mal wusste, was ich mit meinem Leben anfangen will und keinen Plan B habe.

Ich habe das Clobazam abgesetzt und nehme nun seit etws mehr wie 2 Wochen Deanxit. Seither bin ich mir nicht sicher, ob dieses Medikament die Symptome verstärkt oder hemmt. Weiss nicht, wie ich es herausfinden soll.

Ich weiss nicht wie weiter.

31.01.2015 10:29 • #5


Luna70
Kann es sein, dass du von dir selbst sehr viel verlangst? Viel mehr, als deine Ausbilder und Kollegen das tun? Man kann nicht immer nonstop ein perfekte Leistung ablegen. Du hast dich beeilt, die Aufgabe erledigt und dein Ausbilder war zufrieden. Wenn die Arbeit schlampig gewesen wäre, hätte dein Chef das doch bestimmt nicht akzeptiert. Vielleicht sind an deine Ansprüche an dich selbst ein bisschen sehr hoch. Du bist noch Azubi, da darfst und musst du noch lernen.

Leider ist es häufig so, dass Vorgesetzte Druck und Stress an die Mitarbeiter weitergeben. Sie stehen manchmal selbst unter enormen Druck als Unternehmer und müssen gegenüber Kunden, Lieferanten usw. ihre Ellenbogen einsetzen. Das färbt danna auf den Umgang mit den Mitarbeitern ab. Er scheint ja zu versuchen, dich zu unterstützen und steht hinter dir. Das ist doch schon mal gut. Ich glaube, da musst du versuchen dir ein etwas dickeres Fell zuzulegen.

31.01.2015 20:21 • #6


Icefalki
Liebes Wurzelgemüse,

Du schreibst, dass du schon so weit in deiner therapie gekommen bist.

Welche Reste schleppst du noch mit dir herum. Bist du nun so extrem genau,oder nur so genau, weil du vor der Kritik Angst hast?

Du hast Angst vor dem Versagen und dadurch steht du dermaßen unter Stress, dass beinahe gar nichts mehr geht. Würde dieses Thema schon in der Therapie besprochen?

31.01.2015 20:38 • #7


Wurzelgemüse
Merci für eure Rückmeldungen.

@Luna70 - Ich weiss, dass ich mir ein dickeres Fell zulegen müsste. Nur habe ich das in all den Jahren noch nicht geschafft. Gäbe es ein Rezept dafür, würde ich es sofort befolgen. Ich bin einfach ein sehr sensibler Mensch und wenn mich jemand anpampt, dann tut das weh.

@Icefalki - In der Tat, ich habe viele Fortschritte gemacht. Überbleibsel davon ist eine enorme Versagensangst, auch in Abhängigkeit von Zeit. Ich glaube kaum daran, dass ich die nächsten Jahre überstehen werde, obwohl ich z.B. weiss, dass momentan zumindest in der Schule alles i.O. ist. Vor der Arbeit morgen graut es mir, ich habe in den letzten 4 Tagen 2 Kilo abgenommen weil ich nichts mehr essen mag und weine eigentlich konstant.

Auch Probleme habe ich damit, dass jeder etwas anderes sagt. Alles was ich tu passt irgendjemandem in der Firma eben doch nicht. Das mit dem Chef hat mir den Rest gegeben.

In der Therapie haben wir das Thema schon oft behandelt. Es gibt auch immer wieder kurzfristige Erfolge, bei denen ich wieder auf die Beine komme. Aber langfristig hat sich nichts ergeben. Sämtliche Versuche meine Angst mit Medikamenten in den Griff zu bekommen sind gescheitert. Das Deanxit habe ich vor 2 Tagen auch wieder abgesetzt, da ich endlos Nebenwirkungen davon habe.


Allgemein fühle ich mich so, als würde ich nicht auf diese Welt gehören. Hier ist kein Platz für mich, ich passe nirgendwo rein, kanns ja nicht mal mir selber recht machen. Ich denke so anders als andere Menschen, ich fühle mich wie E.T. auf der Erde. Ich bin da, wo ich nicht hin gehöre.

01.02.2015 19:20 • #8


Liebes Wurzelgemüse,

solange Dich die Angst beherrscht ist es ganz schwierig sich selbst zu analysieren und Wege mit der Angst zu finden. Zunächst einmal kann ich Dir schreiben das jede Angst auch wieder weggeht. Das liegt daran das auch das Gehirn Mechanismen hat Angst zu unterdrücken. In einem akuten Angstzustand bringt das aber wenig. In diesem Zustand hast Du viele Stresshormone im Körper die man am besten durch Bewegung (Sport) reduzieren kann. Ansonsten solltest Du dich wenn möglich ablenken. Suche Dir einen Gesprächspartner oder versuche Dich bis zum Tatort heute abend zu bewegen. So wie Du Deine Situation schilderst sehe ich keine Veranlassung das Du Dich um deine Ausbildung sorgen mußt. Du hast einen Job für Deinen Chef schnell erledigt, Du hattest eine positive Rückmeldung Deines Chefes und Du hast das Bedürfnis die Sache ordentlich zu machen. Alles positive Eigenschaften die man sich als Chef wünscht.

gruss gerd

01.02.2015 19:43 • #9


Icefalki
Ich kann dich verstehen. Und dass das extrem schwierig ist. Aber du darfst nicht aufgeben.

Egal, wo du hingehst, wird dich das immer wieder einholen.

Weißt du die Auslöser für deine versagensangst?

01.02.2015 20:19 • #10


Wurzelgemüse
@gstrassmann - So wie du das schilderst hört es sich wirklich nicht an, als wäre ich die schlechteste Mitarbeiterin. Es ist, so glaube ich, einfach wahnsinnig verwirrend, da ich viele Arbeitskollegen habe und jeder erledigt die Aufgabe anders und erwartet von mir, dass ich es auf seine Art mache, wenn er mir einen Auftrag gibt. Vielleicht ist es das, was mich so sehr verwirrt und mir das Gefühl gibt, nichts richtig zu machen. Natürlich nebst meinem sehr mühsamen Hang zum Perfektionismus.
Das mit dem Sport ist aber ein sehr guter Anstoss und den Tipp werde ich sicherlich berücksichtigen. In einer akuten Paniksituation verkrümel ich mich nämlich am liebsten aufs Sofa oder ins Bett, hauptsache ich kann mich unter einer dicken Decke verstecken. Nächstes mal probiere ichs mit Bewegung, egal wie schwer es mir fällt. Danke!

@Icefaki - Ja, es holt mich immer wieder ein, da hast du recht. Deshalb habe ich die Ausbildung wohl auch noch nicht abgebrochen. Einen Auslöser kann ich an sich nicht benennen, nur spekulieren. Mir wurde immer eingetrichtert, dass ich "das sowieso nicht kann", egal was ich tat. Ich stand generell im Schatten meines älteren Geschwisters und wurde in der Schule schwer gemobbt. Wahrscheinlich ist es ein bunter Mix aus allen möglichen Dingen, die bei mir solche Ängste auslösen. Zudem fällt es mir sehr schwer andere Menschen aufrichtig gerne zu haben. Vielleicht denke ich deshalb, dass andere das selbe Problem mit mir und somit auch mit allem was ich tue haben.


Ich bin froh, hier so viele konstruktive Rückmeldungen zu erhalten.

01.02.2015 21:00 • #11


Icefalki
Wurzelchen, du bist doch wirklich schon echt weit gekommen. Natürlich hat das damit zu tun. Das wird dich auch immer wieder begleiten.

Wenn es dir bewusst ist, kannst du bewusst dagegen angehen.

Kommt wieder der Zeitpunkt, wo du durchdrehen kannst, weil die anderen so sind, wie sie sind. Dann atme mal tief durch und sage dir, ich packe das, dann werde ich halt mal ein bisschen schlampiger. Und dann versuchst du es.
Ich erkläre es dir mal so: ich habe ein Pferd, das sehr viel Temperament hat. Auch hat es Angst in neuen Situationen. Dann bin ich in die neue Halle gegangen und wollte ihm alles zeigen. Mein Pferd war total hippelig und nervös. Und weißt du warum? Ich hatte definitiv zu viel Power. Als ich das erkannt habe, bin ich innerlich und auch äußerlich in mich zusammengefallen, langsamer geworden und siehe da, das Pferd hat sich beruhigt.
Was hat das mit dir zu tun?

Du stehst dermaßen unter Druck mit deiner Perfektion, dass du ständig Probleme hast.

Lässt du deine Perfektion einmal in sich zusammenfallen, bist du immer noch gut und bleibst in der Norm.

Versuche es mal.

01.02.2015 21:13 • #12


Luna70
Hallo Wurzelgemüse,

Wie läuft es denn jetzt mit deiner Ausbildung? Hast du dich ein bisschen beruhigt?

LG Luna

03.02.2015 12:38 • #13


Wurzelgemüse
Danke für eure Antworten und die Nachfrage.

Die letzte Woche war extrem energieraubend und freudlos. Morgens kam ich kaum aus dem Bett, am Mittag war ich gedanklich extrem abwesend und Abends habe ich eigentlich jeden Tag geweint.

Es ist nahezu so, als könnte ich keine Freude mehr für diesen Beruf aufbringen, schon alleine aufgrund aller Ängste, die ich in vergangener Zeit angesammelt habe. Es ist nicht so, dass ich nicht wieder funktionieren möchte, nein, es geht einfach nicht mehr. Ich arbeite in einem etwas grösseren Betrieb und habe mit vielen Menschen zu tun, die untereinander auch verkracht sind. Das bekomme ich regelmässig mit und zieht mich zusätzlich runter.

Mir fällt es sehr schwer meine Gedanken zu ordnen und hier auf den Bildschirm zu bringen. Es schwirrt da oben so viel herum, dass ich endlos erzählen könnte und auch dann nicht fertig wäre.

Momentan habe ich eine Auszeit bis nächste Woche. Die vergangenen beiden Nächte konnte ich einigermassen schlafen, wobei ich immernoch täglich weine. Nach dieser Auszeit habe ich ein Gespräch mit meiner Ausbildnerin und erzähle ihr dann bruchweise mal, was sich mit meinem Vorgesetzten zugetragen hat und dass ich im Moment nicht zufrieden bin. Allzuviel will ich nicht erzählen, welcher nicht betroffene Mensch versteht das schon (und meist spürt man doch bereits zuvor, wer es verstehen wird).

Dann beginnt der tägliche Kampf wieder. Ich hoffe so sehr, dass es sich wieder einpendelt. Wenn nicht, dann werde ich probieren den Arbeitsplatz zu wechseln um herauszufinden, ob es wirklich an den Menschen, oder mittlerweile an der Arbeit liegt. Es wird sich schwer gestalten, weils in meinem Fach nicht allzuviele Anlaufstellen gibt. Angst. Ich hatte immer Probleme mit regelmässigen Tätigkeiten und vielen Menschen, aber dort wo ich gut behandelt wurde, dort konnte ichs irgendwie ertragen.

Das ist also der aktuelle Stand. Ich bin verzweifelt, freudlos, angsterfüllt, panisch wenn ich an die Zukunft denke, zerstreut, ratlos und kontinuierlich einfach nur traurig, weil sich keine Besserung einstellt.
Dabei kann ich doch alles so gut benennen, verstehe die Zusammenhänge, verstehe die Auslöser und auch Fakten wie bspw., dass mir doch eigentlich nichts passieren kann. Dass ich als Mensch sicher bin und nicht in meinem Leben bedroht (auch wenn es sich manchmal so anfühlt). Aber dann kommt wieder die Angst davor auf Kosten von irgendeinem Amt zu leben, keine Ausbildung zu haben, im Berufsleben eine einfache Hilfskraft zu sein. Das bin ich nicht! Und die Spirale dreht sich wieder.

LG Wurzelgemüse

10.02.2015 09:27 • #14


Kuntergrau
Zitat:
Es ist nahezu so, als könnte ich keine Freude mehr für diesen Beruf aufbringen, schon alleine aufgrund aller Ängste, die ich in vergangener Zeit angesammelt habe. Es ist nicht so, dass ich nicht wieder funktionieren möchte, nein, es geht einfach nicht mehr. Ich arbeite in einem etwas grösseren Betrieb und habe mit vielen Menschen zu tun, die untereinander auch verkracht sind. Das bekomme ich regelmässig mit und zieht mich zusätzlich runter.

Arbeit ist immer ein Punkt im Leben, der sehr stark über Freud und Leid entscheidet. Nicht Viele sind unglücklich mit ihren Beruf oder dem Arbeitsumfeld. Ging mir damals auch so, was mich auf längere Zeit arg kaputt gemacht hat. Die Phrase "Da muss jeder durch!" hilft wohl auch nicht viel
Zitat:
Mir fällt es sehr schwer meine Gedanken zu ordnen und hier auf den Bildschirm zu bringen. Es schwirrt da oben so viel herum, dass ich endlos erzählen könnte und auch dann nicht fertig wäre.

Ja, das kenne ich. Besonders, wo ich noch meine Grübelzwänge hatte. Schreiben (in Foren oder einfach nur so) hat mir dabei immer sehr gut geholfen, was du ja auch schon tust. Wenn du über eine gewisse Zeit verteilt deine Gedanken niederschreibst, dann hilft das gut beim Ordnen der Gedanken. Es müssen keine Fließtexte sein; es reichen auch schon Stichpunkte. Manchmal entdeckt man dann Widersprüche oder Zusammenhänge, was die Zerstreutheit etwas lockert.
Zitat:
Momentan habe ich eine Auszeit bis nächste Woche. Die vergangenen beiden Nächte konnte ich einigermassen schlafen, wobei ich immernoch täglich weine. Nach dieser Auszeit habe ich ein Gespräch mit meiner Ausbildnerin und erzähle ihr dann bruchweise mal, was sich mit meinem Vorgesetzten zugetragen hat und dass ich im Moment nicht zufrieden bin. Allzuviel will ich nicht erzählen, welcher nicht betroffene Mensch versteht das schon (und meist spürt man doch bereits zuvor, wer es verstehen wird).

Habt ihr einen Betriebsrat? Ansonsten sind IHK und Berufsschule deine Anlaufstellen, wenn es im Betrieb nicht so rund läuft.
Zitat:
Dabei kann ich doch alles so gut benennen, verstehe die Zusammenhänge, verstehe die Auslöser und auch Fakten wie bspw., dass mir doch eigentlich nichts passieren kann. Dass ich als Mensch sicher bin und nicht in meinem Leben bedroht (auch wenn es sich manchmal so anfühlt). Aber dann kommt wieder die Angst davor auf Kosten von irgendeinem Amt zu leben, keine Ausbildung zu haben, im Berufsleben eine einfache Hilfskraft zu sein. Das bin ich nicht! Und die Spirale dreht sich wieder.

Ich kann auch gut reflektieren und meine Probleme rational angehen, aber es bringt nichts, wenn das Unterbewusstsein nicht mitspielt. Klamüser deine Probleme in Einzelpunkte auf und überlege dir dann einzeln "Was kann ich tun, damit eine Besserung eintritt?".

Zum Punkto Hilfskraft: Ich bin eine Fachkraft, aber krieg auch nur meine 8,50€. Da hätte ich eigentlich auch gleich nach der 9. als Küchenhilfe anfangen können

10.02.2015 23:58 • #15


Hallo
Mich würde interessieren wie es dir jetzt so geht in Bezug auf Arbeit, psychische Gesundheit usw.
In vielen Punkten sprichst du mir aus der Seele. Ich habe auch oft eine unbegründete Angst die mich lähmt. Dadurch hab ich insgesamt 3 Lehren abgebrochen, und wusste einfach nicht wie ich durch diesen Leben kommen soll

Liebe grüße

Gerade eben • #16



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