3

Pusteblume2706

3
1
Hallo,

ich bin neu hier und bitte um Rat. Seit ungefähr 2 Monaten habe ich aggressive Zwangsgedanken. Erstmal zu mir: Ich bin 16 Jahre alt, führe seit fast 2 Jahren eine Fernbeziehung. (Ich komme noch dazu, warum ich das nenne).

Ich versuche meine Geschichte so kurz wie möglich zu halten. Alles hat mit einem Video angefangen, in dem zwei 16-jährige Mädchen ein Mädchen ermordet haben. Als ich das Video gesehen habe, habe ich mir sofort Gedanken gemacht. " Jeder könnte ein Mörder sein, was wenn ich einer bin?" Und plötzlich stellte ich mir bildlich vor, wie ich meine Schwester erstechen würde.

Ich litt wochen lang unter Angst und Panik. Hatte Angst und immer wieder das Gefühl meine Gedanken in die Tat umzusetzen. Wenn ich Messer gesehen habe, habe ich sofort Schweißausbrüche und Herzrasen bekommen. Aus Angst habe ich viele Sachen vermieden. Ich fühlte mich zuhause nicht mehr wohl. Erst recht nicht in der Küche.

Wie jeder habe ich mich anfangs nicht getraut mich zu öffnen. Doch ich wollte, dass meine Familie sich vor mir schützen kann und habe meiner Mutter und meinen Schwestern unter Tränen alles erzählt.

Dann kam mein Freund für mehrere Tage zu mir. Ich dachte bei ihm kommen die Gedanken schon nicht vor. Falsch gedacht. Ich konnte nicht mehr neben ihm Schlafen oder in irgendeiner Hinsicht Liebe zeigen. Wenn er mich anfasste, habe ich oft angefangen zu zittern und konnte kaum mehr atmen. Ich bat ihn immer vor mir einzuschlafen, damit ich ihm nichts antun kann. Oft hätte ich mir auch einfsch gewünscht, dass er mich in den Schlaf "prügeln" würde, damit ich keine Gefahr für ihn werde. Als er dann einmal vor mir einschlief rasten die Gedanken durch meinen Kopf. Ich blieb auf einer Seite liegen, traute mich nicht mich umzudrehen, da ich ihn dann ansehen würde. Ich traute mich auch nicht mehr runter aufs Klo zu gehen, aus Angst ich würde ein Messer mit hoch nehmen. Jeder Gegenstand würde zur Waffe und jeder Mensch zum Opfer meiner Gedanken.

Irgendwann sucht ich im Internet nach Rat und las dort zum ersten mal über die Zwangsgedanken. Zu wissen, dass es Menschen gibt, denen es genauso geht, hatten mich etwas beruhigt. Sofort kaufte ich mir mehrere Bücher über die Zwangsgedanken und las sie innerhalb eines Tages durch. Ich las in Foren unzählige Beiträge und meldete mich an um eigene Beiträge zu verfassen.

In Zeiten in denen es mir gut ging, machte ich mir Sorgen, die Gedanken akzeptiert zu haben und ein Mörder zu sein. Ich versuchte meine Angst zurück zu holen. Zurzeit geht es mir so, dass ich keine Angst mehr vor den Gedanken habe (Was eigentlich gut ist, mich jedoch zweifeln lässt). "Habe ich gar keine Zwangsgedanken?" "Könnte ich plötzlich einen Mord begehen, da ich keine Angst mehr habe?".

Zudem kommen auch noch andere Ängste. Ich denke so viel nach, dass ich immer niedergeschlagen bin. Ich habe leider keine Freunde. Zumindest keine, die ich öfter treffe. Und das macht mich auch traurig. Ich sitze den ganzen Tag zuhause, schaue etwas an oder bin am Handy. (Außer ich bin in der Arbeit, die mir jedoch kein Spaß macht, ich nichts zu tun habe und alleine im Büro sitze). Früher war das nicht anders. Ich habe so gelebt wie jetzt auch, habe mein Leben aber trotzdem geliebt und war nicht so traurig darüber wie heute.

Durch die ganzen Gedanken habe ich immer mehr gedacht. Ich lebte nicht mehr im hier und jetzt sondern dachte auch in die Zukunft. " Wenn ich mit meinen Freund zusammen lebe, sehe ich meine Familie nicht mehr", "wird es besser, wenn ich mit meinem Freund zusammen lebe?", "werde ich überhaupt jemals wieder glücklich?". Ich fing auch an, an meiner Beziehung zu zweifeln. "Liebe ich ihn noch?", "soll ich mit ihm schluss machen? Aber dann habe ich gar nichts mehr".

Um es kurz zu halten: ich zweifel an mir selbst. Ich habe Angst nicht mehr glücklich zu werden. Ich habe Angst vor Veränderungen und Angst vor der Zukunft. Ich verspüre keine Lebensfreude mehr. Ich gehe kaum raus, selbst mein eigentliches Hobby macht mir keinen Spaß. Ich existiere einfach nur noch. Mit ganzen vielen Gedanken im Kopf.

Kann es sein, dass dieses Grübeln nur durch die Zwangsgedanken kommen? Denn früher habe ich nie so sehr gegrübelt, dass es mich so unglücklich macht. Ich kann auch gar nicht genau erklären, wie es mir geht oder was in mir vorgeht.

Ich hoffe, dass ich darauf ein paar Antworten bekomme oder vielleicht sogar Erfahrungsberichte von Betroffenen.

Danke fürs durchlesen.

30.05.2019 14:10 • 31.05.2019 #1


5 Antworten ↓


Nina7


Hallo Pusteblume,

irgendwie bist Du in Deine Einzelteile zerfallen.
Du hast jegliches Selbstvertrauen verloren.

Hat Dir der Austausch mit Betroffenen denn gar nicht geholfen?
Ist kein näherer Kontakt entstanden.

Mit 16 bist Du natürlich noch in der Pubertät. Das ganze Gehirn ist in Aufruhr und organisiert sich neu.
Gleichzeitig wirst Du erwachsen, bekommst einen Blick für größere Zusammenhänge.

Es ist gut möglich, dass es eine Phase ist, die von alleine vorüber geht.
Du schreibst zB, dass Du zunächst Angst davor hattest, jemandem etwas anzutun.
Diese Angst wich plötzlich der Gleichgültigkeit.

Irgendwie hat sich Dein Zustand dann eher in eine Depression gewandelt.
Du schreibst, Dein Leben sei exakt dasselbe wie vor dem erwähnten Video.

Plötzlich fühlst Du Dich jedoch einsam. Im Büro bist Du scheinbar auch alleine.
Du erwähnst Deine Eltern nur kurz. Wie haben sie eigentlich reagiert? Fühlst Du Dich von ihnen verstanden, geborgen?
Und wie reagiert Dein Freund?

Wie bereits erwähnt, es kann einfach daran liegen, dass Du gerade erwachsen wirst. Natürlich verändert sich die Persönlichkeit in der Pubertät. Und es kann sein, dass ihr euch so sehr verändert, dass ihr nicht mehr zusammen passt.

Kein Mensch und schon gar kein Jugendlicher sollte in einer derartigen Krise alleine sein bzw. sich so fühlen.

Wie wäre es mit einem stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik für Jugendliche?
Oder eine Gruppentherapie bei einem Therapeuten vor Ort?

Wie deprimiert bist Du? Kannst Du Dir nicht doch vorstellen, Dir ein Hobby zu suchen?
Also egal wie schlecht es mir jemals ging: Auch in den dunkelsten Zeiten wäre ich zB gerne ausgeritten...
Es ist oft so, dass man sich erst überwinden muss, die Laune sich erst später ändert und man im Nachhinein doch froh war, sich überwunden zu haben.

Nicht vergessen darf man stets körperliche Untersuchungen: Ich würde mich dem Hausarzt anvertrauen und ihn bitten, alles Körperliche - insbes. die Schilddrüsenwerte zu kontrollieren.

Nicht immer ist gleich der erste Therapeut/Arzt der richtige...
Der Anfang einer Krise hat stets den Vorteil, dass man meist noch über größere Kräfte verfügt.

Nicht vergessen darf man die Telefonseelsorge. Dort gibt es doch auch ein Jugendtelefon. Es ist völlig anonym.

30.05.2019 21:59 • x 1 #2


Pusteblume2706


3
1
Hi Nina,

vielen Dank für deine Antwort.
Meine Eltern sind getrennt und daher sehe ich nur meine Mutter. Meinen Vater kaum. Meine Mutter weiß Bescheid und sagte, in ihrer Jugendzeit wurde sie auch von Gedanken gequält, die ihr Angst machte.

Mein Vater hatte erwähnt, dass er früher Monate lang Angst hatte er hätte Krebs. Meine Mutter ist für mich da und versucht mich zu unterstützen.

Mein Freund ist auch immer für mich da und unterstützt mich in jeder Hinsicht, steht mir bei wie kein anderer.

Ein Hobby kann ich so leicht leider nicht finden. Wenn es Geld kostet, ist es nicht möglich. Mit Sport hab ich es auch schon versucht. Habe mit meiner Schwester zuhause und im Fitnessstudio trainiert. Jedoch waren meine Gedanken leider nie gestillt und ich war ständig gestresst. Ich habe auch angefangen zu Malen und habe überlegt Gitarre zu spielen.

Apropos gestresst. Durch diese stressige Zeit habe ich angefangen meine Fingernagelhaut abzureißen. Bis alles wund war und geblutet hat. Zudem habe ich auch in meinem Gesicht rum gezupft, bis es geblutet hat.

Nochmal vielen Dank für's Durchlesen und deine Antwort.

30.05.2019 22:33 • #3


petrus57

petrus57


14158
158
7874
Zitat von Pusteblume2706:
Kann es sein, dass dieses Grübeln nur durch die Zwangsgedanken kommen?


Ich denke schon. Ich bin da auch oft am hinterfragen.

Ich leide ja schon seit Jahren unter Zwangsgedanken. Anfangs war es so schlimm, dass ich etwaige Mordwerkzeuge aus meinen Augen verbannt habe. Jedes mal, wenn ich ein Messer etc. gesehen hatte bekam ich die fiesen Gedanken. Hatte die anfangs fast tage und Nacht. Bin mit denen eingeschlafen und auch wieder aufgewacht.

Heute habe ich die Gedanken manchmal nur noch diffus.

Wenn es bei dir zu schlimm ist, kannst du es ja mal mit Tabletten probieren. Mir haben da Escitalopram ganz gut geholfen.

31.05.2019 08:05 • x 1 #4


Pusteblume2706


3
1
Vielen Dank für deine Antwort, Petrus.

Ja, genauso ging es mir auch. Die Zwangsgedanken sind zum Glück weniger geworden. Dafür kam dann das ganze Hinterfragen und Grübeln.

Warst du in Therpaie oder hast du das allein durch die Tabletten geschafft?

31.05.2019 09:08 • #5


petrus57

petrus57


14158
158
7874
Ich hatte nur eine Kurztherapie in der Psychiatrie. Die hat aber alles eher noch schlimmer gemacht. Ob mir die Tabletten geholfen haben, kann ich dir nicht mir Bestimmtheit sagen. Ich hatte die ja nach den Sertralin genommen, die die Zwangsgedanken ausgelöst und verstärkt haben.

31.05.2019 09:35 • x 1 #6



Prof. Dr. Borwin Bandelow


Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag