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Hallo,
ich wollte fragen, ob es in diesem Forum auch Angehörige von an schwerer Schizophrenie Erkrankten gibt.
Ich würde mich gerne ein Stück weit austauschen, wie ihr mit der Erkrankung umgeht.

09.04.2020 14:26 • 23.12.2020 #1


16 Antworten ↓


cube_melon
"Damit umgehen" - so kann man es nicht nennen. Vater schizophren, inkl. einfacher Persönlichkeitsspaltung. Null Krankheitsseinsicht, Null Therapiebereitschaft oder nur auch den Willen einen Millimeter was zu verändern. Mutter hat ihn nie verlassen. Das waren dann 21 Jahre Kriegsgebiet für mich.

Ich denke man kann mit vielen Dingen umgehen, bzw. Kompromisse eingehen, wenn die Betroffenen eben Krankheitseinsicht, Therapiebereitschaft und den klaren Willen zur Veränderung haben. Auch das soziale Umfeld stimmt und dieses gegen Widrigkeiten von aussen stark zusammenhält. Aber bei Schizophrenie kann das so eine Sache sein mit der Krankheitseinsicht.

09.04.2020 14:41 • x 1 #2



Angehörige von an Schizophrenie Erkrankten gesucht

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Danke @cube_melon
Auch hier verhindert die Krankheit die Krankheitsansicht.
Dazu werden Medikamente nicht mehr eingenommen und die Depotspritze wirkt in meinen Augen nicht.

09.04.2020 17:48 • #3


cube_melon
Das ist dann eine schwierige Situation. Jede Familienkonstellation ist anders, jeder Betroffene.
Die Therapieempfehlung durchziehen, damit meine ich auch die medimamentöse, halte ich halt für das A und O.

09.04.2020 18:28 • #4


Ja.Es ist einfach eine furchtbare Situation, in der man völlig hilflos da steht.

09.04.2020 18:57 • #5


cube_melon
Hast Du mal geschaut ob es bei dem SpDi deines Landkreises Beratungsstellen für Angehörige psychisch erkrankter Menschen gibt?

09.04.2020 19:23 • #6


Gute Idee!

09.04.2020 20:07 • #7


Darcyless
Hi Ringelsocke,

mein Freund hatte eine starke und vmtl Dro. induzierte Psychose bevor wir uns kennengelernt haben, inkl. längerer Psychiatrieaufenthalt auf der geschlossenen Station etc. Er hatte damit mehrere Jahre lang zu kämpfen bis es dann irgendwann eskaliert ist, er war jedoch therapiewillig und hat viele Reha- und Entzugsprogramme mitgemacht. Mittlerweile ist er stabil, jedoch gab es in dem einen Jahr in dem wir zusammen sind, einen Rückfall.Da war er eines Abends plötzlich aus dem nichts raus total psychotisch, hat sich Bedeutungen in Zahlen eingeredet und wollte mir ständig irgendwas aufzeichnen, meinte der dritte Weltkrieg kommt auf uns zu, hat wirres und zusammenhangloses Zeug geredet etc. Das hat mir total Angst gemacht, aber ich hab versucht ruhig zu bleiben und seitdem ist das auch nie wieder passiert.
Er nimmt keine Medikamente mehr (hat sie aber über Monate genommen damals) und man muss sagen dass er im alltag auch wirklich sehr stabil und komplett normal ist, dennoch hört man ja oft dass das in Schüben kommt und wieder ein Schub kommen kann. Daran denke ich schon öfter mal!
Wie genau ist denn die Situation bei dir?

09.04.2020 20:11 • #8


Hoffnungsblick
Mein Bruder ist an Schizophrenie erkrankt und er nimmt auch Medikamente. Meine Mutter hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Ich blieb mehr oder weniger "außen vor". Eine Therapeutin riet mir, Abstand zu nehmen, was ich tat.
Jetzt, nachdem meine Mutter nun tot ist, habe ich oft das ungute Gefühl, mich nicht genug um ihn zu kümmern. Andererseits ist die Kommunukation auch verquer. Er meint, er könne sich "alles leisten" oder sagen, weil er ja krank ist. Damit kann ich nicht gut umgehen und es tut mir nicht gut. Also halte ich mich weiterhin raus. Aber mit dem schlechten Gewissen, mich nicht genug um ihn zu kümmern. Finde es sehr schwierig, das richtige Maß des Kontaktes zu finden und die richtige Art der Kommunikation.

09.04.2020 20:42 • #9


@Darcyless
@Hoffnungsblick
Danke auch für eure Rückmeldungen.
Ich möchte gar nicht zu sehr ins Detail gehen, dafür ist mir ein Forum dann doch zu öffentlich.
Aber ich höre heraus, dass es auch bei euch unmöglich ist, einen " normalen " Umgang zu haben.

10.04.2020 12:36 • #10


cube_melon
Eine solche Erkrankung hat zur Folge das der Umgang damit anders ist. Das liegt in der Natur der Sache an sich.

Vereinfacht gesagt, den Betroffenen ausser Acht gelassen und auf das soziale Umfeld fokussiert - es ist das Ziel die Belastung für das Umfeld so zu senken, das Kompromisse möglich sind und eine emotionale, physische und logistische Überbelastung des sozialen Umfeldes vermieden wird.
Und dazu gehört, neben der therapeutischen und der medizinischen, auch bei Bedarf, die psychosoziale Betreuung durch Dienste wie ambulant betreutes Wohnen oder einen Pflegedienst.

Eine gesetzliche Betreuung gibt es auch, wo bei ich das eher für die letzte Option halte. Also wenn alles aus dem Ruder läuft und Du damit überfordert bist.

10.04.2020 13:00 • #11


Die betreffende Person ist bereits seit 2 Jahren in einem Heim im geschützten Bereich, davor seit über einem Jahrzehnt monatelange KH Aufenthalte, schafft es aber auch hier akribisch und fast noch besser, alle zu terrorisieren.
Einen Vormund, allerdings nicht gesetzlich, gibt es auch und die 3 Monatsspritzen werden richterlich verordnet.
Aber irgendwie steuert alles gerade auf den Ausbruch der nächste Psychose hin....und das tut so furchtbar weh.
Ich wollte eben eure Erfahrungen dazu hören, um für mich einen besseren Umgang zu finden.
Bin ja selbst mit mir am kämpfen.

10.04.2020 13:54 • #12


Darcyless
Es ist eben schwer, sich auszutauschen, wenn du gar nichts über die Person erzählen magst bzw. was genau dich momentan am Umgang damit belastet.

10.04.2020 15:38 • #13


cube_melon
Das ist hart so was mitanzusehen.
Wenn die Person in einer Einrichtung ist und auch eine Betreuung besteht ist, auch wenn das vielleicht emotiuonslos klingen man, sie erst einmal versorgt, bzw. aufgehoben. Damit soll schlimmeres vermieden werden.

Wenn Du dich nicht öffenlich austauschen möchtest, ist das ok.
Es gibt auch Selbsthlfegruppen, da solltest Du halt schauen ob dir das recht ist.

10.04.2020 16:59 • #14


Hoffnungsblick
Zitat von Ringelsocke:
dass es auch bei euch unmöglich ist, einen " normalen " Umgang zu haben


Das ist wirklich das Problem. Ja, es liegt in der Natur der Sache. Das Einzige, was hilft, ist selber klar zu bleiben und zu versuchen, die Zusammenhänge möglichst zu verstehen.

10.04.2020 20:35 • #15


Zitat von Hoffnungsblick:
Mein Bruder ist an Schizophrenie erkrankt und er nimmt auch Medikamente. Meine Mutter hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm. Ich blieb mehr oder weniger "außen vor". Eine Therapeutin riet mir, Abstand zu nehmen, was ich tat.Jetzt, nachdem meine Mutter nun tot ist, habe ich oft das ungute Gefühl, mich nicht genug um ihn zu kümmern. Andererseits ist die Kommunukation auch verquer. Er meint, er könne sich "alles leisten" oder sagen, weil er ja krank ist. Damit kann ich nicht gut umgehen und es tut mir nicht gut. Also halte ich mich weiterhin raus. Aber mit dem schlechten Gewissen, mich nicht genug um ihn zu kümmern. Finde es sehr schwierig, das richtige Maß des Kontaktes zu finden und die richtige Art der Kommunikation.



Hey, genauso fühle ich mich auch:
Meine Mutter ist an Schizophrenie erkrankt und mir fällt es immer wieder sehr schwer, eine enge Bindung zu halten, weil eben Verhaltensweisen teils echt unangenehm und unfair sind. Sie interpretiert zb oft etwas feindliches in meine Sätze hinein, was es oft unmöglich macht, ohne Diskussion und Ausartung des Gesprächs davon zu kommen.
Ich distanziere mich dann ab und an, habe dann wiederum ein schlechtes Gewissen, mich nicht genug um sie zu kümmern bzw sie nicht genug wertzuschätzen für ihre Person, die ja trotz Krankheit noch da ist...nur eben oft verschleiert..
Ich glaube der einzige Weg ist "radikale Akzeptanz": akzeptieren dass die Person manchmal anders ist, dass ein normales verhältnis, wie es andere mit Mutter oder Bruder haben, nicht möglich sein wird und seinen Frieden schließen. Die Krankheit eben als diese anerkennen und die Person trotzdem als Mensch noch wertschätzen. Ist sehr schwierig, ich bin auch erst am Anfang dieses langen Weges.

23.12.2020 00:20 • x 1 #16


Hoffnungsblick
Liebe Kkay, herzlichen Dank!

Ja, du hast Recht, es hilft nur radikale Akzeptanz. Außerdem muss man sehr gut auf sich selbst achten, Grenzen setzen und sich nicht unter Druck setzen lassen. Es erfordert auch, wie du so schön sagst, radikale Akzeptanz für einen selbst und für den anderen.
Alles Gute dir!

23.12.2020 16:48 • x 1 #17



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