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Hallo ihr da draußen,

Ich bin 23 Jahre alt und bin über das Internet auf das Forum gestoßen.
Ich hatte im März einen schweren Autounfall, wo ich Glück habe dass ich noch am Leben bin. Ab diesem Zeitpunkt ging es los. Ein paar Wochen nach dem Unfall war noch nichts, aber dann hörte ich immer wieder von meiner Mutter wie anders ich geworden bin und dass ich mich verändert habe. Das tut sehr weh. Da hatte ich dann zweimal Panikattacken, also Angst davor im Kopf noch was zu haben oder Angst davor gestört zu sein bzw. zu werden. Danach ständig Angst vor Krankheiten. Bin ständig von Arzt zu Arzt gerannt, aber man hat nichts gefunden.
Ich wurde immer trauriger und weinte sehr viel. Plötzlich kamen mir Gedanken in den Kopf ich könnte mir selber was antun, oder wo runter springen oder auch würde ich sowas machen? Das machte mir sehr große Angst und drückte meine Stimmung natürlich auch nach unten.
An einem Samstag gingen ich und mein Freund mit unseren Freunden auf eine Party, es wurde gelacht und sehr viel getrunken. Es hat alle gepasst. Plötzlich kam mir im Stiegenhaus der Gedanke, du könntest deinen Freund was antun. Das hat mich total fertig gemacht. War nur mehr am Heulen und habe auch nix mehr gegessen. Ich habe es ihm sofort erzählt. Er meinte nur ich soll mich da nicht so reinsteigern.
Seit daher denke ich dass bei jedem den ich sehe. Den könntest du verletzen oder weh tun bzw. was antun. Total gestört. Das macht mich sehr traurig. Bin bereits bei einer Therapeutin, die sagt mir ich soll Witze darüber machen und die Gedanken einfach kommen und wieder gehen lassen. Das Schlimme ist dann fragt man sich, würde man das wirklich tun ? Denken so böse Menschen? Ich lese nur mehr schöne Bücher und im TV schaue ich auch nur mehr schöne Sachen.
Sogar wenn ich mich mit Freunden treffe habe ich Angst dass ich sowas denke. Bei einer Freundin ist es mir in den Kopf geschossen, als wir wandern waren und ich einen dicken Ast abgebrochen habe, habe diesen dann sofort weggeworfen. Ich erzähle meinen Freunden auch davon, damit sie so quasi auch Bescheid wissen, wie schlecht ich denke. Aber da hat meine Therapeutin gesagt, dass das auch ein Zwang sein könnte. Also nicht alles und jedem alles erzählen

Ich bin grundsätzlich auch sehr genau und ordentlich. Beim Putzen soll es auch immer sehr sauber sein. Am liebsten hätte ich dass keiner isst in meiner Wohnung damit es immer sauber bleibt auch ein Zwang eventuell ?

Bitte schreibt mir. Ich hoffe auf Tipps. LG

08.09.2016 15:30 • 30.09.2019 #1


51 Antworten ↓


Icefalki
Hallo Herzchen, herzlich willkommen bei uns.

Nun, du bist ein Mensch, der Ordnung liebt. Diese Ordnung wurde durch deinen Unfall zerstört.

Deine Welt ist zusammengebrochen. Jetzt hast du Angst, und ja, diese Gedanken gehören dazu.

Es passiert nix. Du rastest nicht aus, du wirst nicht verrückt, du hast eben diese Angst. Und das gehört zu dieser Erkrankung auch dazu.

Der Weg da raus ist mit viel Arbeit verbunden. Ist aber möglich. Gut ist, dass du schon in Therapie bist.

Bist hier in einem guten Forum gelandet. Hier kennen wir das alles.

08.09.2016 15:43 • #2



Aggressive Zwangsgedanken

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petrus57
Ich kann deine Ängste verstehen. Ich hatte, toi toi toi, vor einigen Wochen selbige Gedanken. In einer Klinik wurde ich auf Sertralin eingestellt. Nach einiger Zeit waren die Zwangsgedanken dann verschwunden. Aber ich denke, wenn ich mich damit wieder aktiv beschäftige, dass die Gedanken dann vielleicht wiederkommen. Bei mir war das so schlimm, dass ich meine Gedanken bildlich vor mir sah. Das war wie ein Film im Zeitraffermodus.

08.09.2016 16:08 • #3


Hotin
Hallo Herzchen123,

Zitat:
Ich hatte im März einen schweren Autounfall, wo ich Glück habe dass ich noch am Leben bin.
Ab diesem Zeitpunkt ging es los.


Das kann natürlich sein, dass Du das Unfallerlebnis überhaupt noch nicht verarbeitet hast. Hast du mit Deiner
Therapeutin mal ausführlich darüber gesprochen?
Ist die Schuldfrage eindeutig geklärt? Befürchtest Du eine Mitschuld an dem Unfall zu haben?
Bei Deinem Ordnungssinn, kann auch eine Teilschuld an dem Unfall Dein komplettes Weltbild in Unordnung bringen.

Zitat:
Plötzlich kamen mir Gedanken in den Kopf ich könnte mir selber was antun,

Zitat:
Plötzlich kam mir.. der Gedanke, du könntest deinem Freund was antun.

Zitat:
Sogar wenn ich mich mit Freunden treffe habe ich Angst dass ich sowas denke.


Solche Gedanken treten sehr häufig auf, wenn Du unbewusst unter Stress stehst
oder einfach überbelastet bist.
Nie darfst Du vor solchen Gedanken Angst haben. Etwas denken und es dann auch ausführen sind zwei völlig unterschiedliche Sachen.
Du hast normalerweise eine natürliche Sperre im Kopf, die dieses Handeln verhindert.
Nur bei hochgradigen Selbsttötungsabsichten solltest Du Dir sofort Hilfe holen.
Danach hört sich Deine Beschreibung jedoch nicht an.

Zitat:
Ich bin grundsätzlich auch sehr genau und ordentlich. Beim Putzen soll es auch immer sehr sauber sein.
Am liebsten hätte ich dass keiner isst in meiner Wohnung damit es immer sauber bleibt auch ein Zwang.


Das hört sich gar nicht gut an. Damit schadest Du Dir und anderen stark.
Viele, die außen so ordentlich sind, wollen im Kopf genau so viel Ordnung haben.
Und das geht überhaupt nicht. Um zufriedener zu werden, solltest Du innen und außen mehr (natürliche)
Unordnung zulassen.

Zitat:
Denken so böse Menschen?


Genau weiß ich es nicht. Ich bin davon überzeugt, dass sie komplett anders denken.
Was Du schreibst hört sich sehr selbstkritisch und sozial an. Da wird keine Gefahr bestehen.
Böse Menschen denken selten sozial , sonst gibt es kaum eine Grundlage anderen zu schaden.
Und selbstkritisch denken sie schon überhaupt nicht. Sonst wären sie nicht so böse.

Suche mal mit Deiner Therapeutin den Grund für Deinen übersteigerten Ordnungssinn. Warum fühlst Du Dich nur
gut, wenn alles seine genaue Ordnung hat.
Wer hat Dir das anerzogen, oder warst Du das selbst? Warum machst Du Dir das Leben damit schwer.?

Viele Grüße

Bernhard

08.09.2016 16:09 • #4


Danke für eure Antworten. Die geben einem kraft. Und ich werde die Punkte anbringen

08.09.2016 16:27 • #5


12.09.2016 14:33 • #6


Mm, so fing das damals bei mir an. Irgendwie haben sich die Gedanken dann auf nahezu jeden Bereich des Lebens ausgedehnt, so dass ich ständig kontrolliere und Angst habe. Aber das scheint eher die Ausnahme zu sein. Bei Stress eskalieren die Gedanken ganz gewaltig und ich kriege furchtbare Panik

12.09.2016 14:43 • #7


Hallöchen, also bei Stress ist es bei mir eher so, dass ich keine Zeit habe für diesen Müll. Bei mir ist es auch oft, wenn ich Spass habe mit meinen Mädels. Da hab ich dann auch immer Angst, oder wenn ich mit einer Freundin alleine bin, habe ich auch Angst vor diesen Gedanken. Dann kommen sie auch, weil man ja daran denkt dass man Angst hat davor usw. ist irgendwie ein Kreislauf.
Dann vergleiche ich auch immer, der Mensch denkt sicher sowas nicht usw. Und ich wäre auch gern wieder so wie vorher usw. Total unangenehm. Hab das auch erst seitdem ich einen Verkehrsunfall hatte. Vorher war ich immer nur eher übertrieben ordentlich und sehr genau und wollte bzw. mache ich das immer noch, jedem alles Recht machen. Besonders meiner Mutter.

LG

12.09.2016 14:56 • #8


Hallo, mich würde mal interessieren wer noch alles Zwangsgedanken hat und wie die sich äußern.

Da ich dieser Gedanken (meiner Lebenspartnerin was antun) nur selten habe, meinte meine Psychologin das ich wohl ein nähe Distanz Problem habe.

Nun ist es so das diese Gedanken durch massiven Stress, Anfang des Jahres, bei mir aufgelöst wurden.
Zu meiner Psychologin kann ich nur maximal 3 mal pro Quartal, da ich 2013/2014
25 Sitzungen hatte wegen Ängsten. Damals hatte ich Angst meinen Beruf nicht mehr ausüben zu können, weil ich im Nachtdienst dann nicht schlafen konnte, also tagsüber. Dazu kam Schwindel mit Ohnmachtsgefühlen.

Jedenfalls war ich im Mai das letzte mal bei der Psychologin. Wollte aber jetzt mal wieder hin, weil es halt nicht weg geht. Ich nehme noch 50mg opipramol zur Nacht und hatte es in der akuten Phase auch tagsüber genommen.

Meine Angst ist, das diese Gedanken gar nie weg gehen. Was auch kein wunder ist, wenn ich mich ab und zu frage ob ich noch daran denke... Voll bekloppt. Mein Selbstwert lag oft im Keller und da greifen dann die Ängste an, leider mit Erfolg.

Am Wochenende kommt meine Freundin wieder. Ich freue mich tierisch auf sie, aber ich wieder Schiss das ich mich nach blöden Gedanken prüfe.

13.09.2016 00:07 • #9


Also meine Therapeutin sagt immer man soll diese Gedanken wenn sie da sind mit Humor nehmen. Zum Beispiel: Ach da bist du ja wieder, und darüber lachen, wie viele Leute du quasi heute schon wieder aus dem Weg geräumt hättest
Und es funktioniert: Die Gedanken akzeptieren und sich beruhigen. ES SIND JA SCHLIESSLICH NUR GEDANKEN

Und ganz wichtig egal welche Gedanken einen plagen, sich immer wieder ablenken mit Freunden Spaß zu haben bzw. mit der Familie. Das finde ich sehr wichtig.

13.09.2016 14:09 • x 1 #10


Oh wie ich diese Gedanken kenne, ein Albtraum sonders gleichen. Zwangsgedanken.... meinem Freund, später meinem Mann und letztendlich meiner Tochter etwas anzutun, hatte ich über viele Jahre hinweg. Zu der Zeit gab es noch kein Internet und ich konnte mich nicht darüber informieren, dass diese Gedanken wirklich nur Gedanken bleiben und glaub mir, niemals von Dir "ausgeführt" werden!

Ich musste aus Unkenntnis lange leiden und glaub mir, diese Gedanken haben mir viele glückliche Jahre gekostet.
Heute bin ich 20 Jahre älter, konnte in den letzten 10 Jahren viel über meine Krankheit dank des I-Nets lernen und sollte so ein Zwangsgedanke auch nur im geringsten aufkommen, wird er schon im Keim erstickt, bevor er überhaupt Macht über mich erlangen kann.

Ich kann über "ihn" lachen, er bedeutet mir gar nichts und ich hab überhaupt keine Angst mehr vor ihm.

Ich wünsch dir viel Kraft

Anni

13.09.2016 15:30 • x 2 #11


Also meine Zwangs Gedanken beziehen sich auf sämtliches und alles mögliche. Da sind völlig wirre und komplett verrückte bei, Kontroll Gedanken, aber auch Impulse, Aggressionen, sexuelle etc. Einfach bunt gemischt und ständig vorhanden

13.09.2016 15:34 • #12


Ja bin gerade in der Lernphase. Also ich hab das erst seit paar Monaten und versuche es mit Humor zu sehen. Dann wird es Hoffentlich bald besser. Wünsche allen viel Kraft

13.09.2016 15:56 • x 1 #13


petrus57
Zitat von Serthralinn:
Einfach bunt gemischt und ständig vorhanden


Wir hatten einen in der Klinik gehabt, der hat andauernd Leichenteile "gesehen". In seiner Akutphase soll er vor Jahren 11mg Tavor am Tag bekommen haben. Als Notfallmedikament nimmt er jetzt Olanzapin (Zyprexa)

13.09.2016 16:14 • #14


@Serthralinn

das Zyprexa könnte Dir vielleicht auch helfen?

LG
Nicky

13.09.2016 16:27 • #15


Aber bedenkt die Nebenwirkungen der Tabletten. Und ich bin der Meinung dass man dies auch ohne schaffen kann. Humor ist die beste Medizin

13.09.2016 16:34 • #16


petrus57
Zitat von Herzchen123:
Aber bedenkt die Nebenwirkungen der Tabletten. Und ich bin der Meinung dass man dies auch ohne schaffen kann. Humor ist die beste Medizin



Wenn man die ständig hat, wird auch der tollste Humor nichts bringen. Da vergeht einem das Lachen.

13.09.2016 16:53 • x 1 #17


Ablenken ist das A und O.
Klappt halt nicht immer.
Ich bin einfach genervt, mal habe ich tagelang Ruhe und dann bekomme ich einfach Angst und das Gedankenchaos nimmt seinen Lauf.
Meine Lebensituation ist jetzt auch seit 3 Jahren sehr angespannt.
Scheidung, Stress mit dem Ex-Partner, neue gleichgeschlechtliche Liebe, Arbeitgeber stockt mich nicht auf da in der Pflege Stellen abgebaut werden, damit wir noch mehr am Zahnfleisch kriechen (muss man alles nicht verstehen)

13.09.2016 18:00 • #18


Huhu...nach einem Burn Out habe ich aggressive Zwangsgedanken. Meine Therapeutin sagte ich solle sie zu Ende denken...
Das schaffe ich nur bedingt...
Wie macht ihr Es?
Lg

27.08.2018 16:28 • #19


petrus57
Das mit dem zu Ende denken half bei mir nicht so richtig. Da wurden die Gedanken noch heftiger.

Mit der Stopp Taktik bin ich besser gefahren. Habe die Gedanken heute immer noch, nur sind sie nicht mehr so heftig.

27.08.2018 16:44 • #20



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