Dann will ich mich hier auch mal einreihen...
Mir ist die Hochsensibilität erst vor Kurzem wie Schuppen von den Augen gefallen, weil ich so viele der "Symptome" auch auf mich anwenden kann. Und die Therapie, die ich erst im letzten Jahr gemacht habe, ist auch in diese Richtung gegangen. Nun ja, mittlerweile habe ich all diese Erkenntnisse wohl folgerichtig einordnen können. Knackpunkt für vieles ist bei mir anscheinend die Tatsache, dass ich eine Frühgeburt bin - und Frühchen neigen wohl vermehrt zu Hochsensibilität.
Das Ganze äußert sich bei mir auch in diversen Dingen: Beispielsweise bin ich sehr empathisch, was die Emotionen anderer Menschen angeht. Ich leide da oftmals richtig mit, und überhaupt bin ich so gestrickt, dass ich mir generell
sehr viele Gedanken um alles mögliche mache und viel grüble. Ich knabbere beispielsweise noch an zwei Erlebnissen herum, die schon über 10 Jahre her sind. Von beidem träume ich heute noch regelmäßig, in der Regel wöchentlich. Fakt ist jedenfalls, dass ich wesentlich länger als andere brauche, um Negatives zu verarbeiten. Dazu kommt noch, dass ich prinzipiell mit "Weltschmerz" zu kämpfen habe und mir vieles einfach an die Nieren geht. Depressionen sind dabei natürlich auch ein Thema und der Grund, weshalb ich mich letztes Jahr in eine Therapie begeben habe.
Stress ist bei mir auch ein sehr großes Thema! Ich merke immer wieder, dass ich absolut nicht stressresistent bin und schnell an meine Grenzen komme. Sobald ich mal mehr zu tun habe, wird mir alles schnell zu viel, meine Konzentration lässt nach, ich fühle mich schnell erschöpft und brauche im Anschluss genug Zeit, um mich zurückziehen und "erholen" zu können.
In meiner Kindheit und der Jugend war ich sehr introvertiert und habe einige soziophobische Verhaltensweisen an den Tag gelegt: Ich habe z.B. nie gerne telefoniert, habe mich in Gruppen nie wohlgefühlt, stand nie gerne im Mittelpunkt und habe dann immer versucht, genau diese Situationen zu meiden. In dieser Folge habe ich mich dann natürlich zurückgezogen. Stattdessen habe ich mir mehr mit mir selbst befasst und dabei meine sehr kreative Ader entdeckt. Glücklicherweise habe ich heute (mit 40) nicht mehr so große Probleme, auf andere Menschen zuzugehen und würde sogar sagen, dass ich das einigermaßen in den Griff bekommen habe. Allerdings gibt es immer wieder Momente, sei es bei Feiern oder sonstigen Anlässen, in denen ich merke, dass mir die Gesellschaft anderer Leute einfach zu viel wird. Auch hier bevorzuge ich dann den "Rückzug".
Nun ja, ich könnte jetzt vermutlich noch endlos Beispiele anbringen. Aber je mehr ich mich mit dem Thema befasse, desto deutlicher wird - auch im Zusammenspiel mit der Therapie, die ich letztes Jahr gemacht habe -, dass ich tatsächlich hochsensibel bin. Auf jeden Fall hilft mir diese Erkenntnis, mich selbst besser zu verstehen, eigene Verhaltensweisen und Gefühle richtig einzuordnen und vor allem, besser auf mich selbst zu achten. Trotzdem - und das sollte jeder "Leidensgenosse" wohl beherzigen - sollte man sich als Hochsensibler nicht zu sehr in diesen Dingen suhlen, sondern versuchen, ein "ganz normales" Leben zu führen, sich also durch diese Eigenschaften nicht beherrschen zu lassen. Denn Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eine menschliche und charakterliche Eigenschaft.