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stasiali

stasiali
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Hallo alle zusammen,
ich war seit einem Jahr nicht mehr in diesem Forum unterwegs. Und ich war ehrlich gesagt ziemlich froh drum, weil das der "Beweis" war, dass es mir psychisch wieder besser geht. In der heutigen Therapiesitzung habe ich allerdings gemerkt, dass ich anscheinend doch keine wirklichen Fortschritte gemacht habe. Ich habe einfach das Bedürfnis, meine Gefühle und Gedanken mitzuteilen, ohne eine Lösung zu wollen, da ich weiß, dass ihr es am ehesten versteht. Einfach mal von den Schultern reden.

Ein paar Dinge vorab. Ich wurde mit einer Agoraphobie mit Panikstörung diagnostiziert, mittlerweile konnte man das gut therapieren und die Enddiagnose ist höchstwahrscheinlich eine soziale Angststörung oder eine generalisierte Angststörung. Im Raum steht noch die Diagnose ADS/ADHS, da habe ich allerdings einen seperaten Termin.

Die beste Art, Ängste zu therapieren, ist, sich seinen Ängsten zu stellen und klar zu werden, dass die schlimmen Befürchtungen, die man hat, nicht in dem krassen Ausmaß drankommt, wie man immer denkt. Deshalb bestand meine heutige Therapiesitzung damit, Expositionen zu machen. Ganz grob zusammengefasst: Meine Therapeutin hat mir deshalb einen Zettel vorgelegt, wo verschiedene Beispiele draufstanden. Zum Beispiel "Leute in einem Interview zu verschiedenen Meinungen befragen" oder "Leute nach dem Weg fragen und sich auf dumm stellen."

Also kurz gesagt, absolutes Horror und ich hätte auf der Stelle einfach sterben können. Für Sozialphobiker einfach schrecklich. Ich habe mich letztendlich für die zwei weniger schlimmen Sachen entschieden, auch wenn mir sehr wohl bewusst war, dass das nicht der Sinn hinter dieser Übung ist.

Wir sind zusammen in die Innenstadt gegangen und sie hat angefangen, sehr laut über ein Thema zu reden. Ich konnte nur schwer meine Tränen zurückhalten, aber nachdem ich mich mal gezwungen habe und auf die Blicke anderer Leute geachtet habe, ist mir aufgefallen, dass es wirklich niemanden interessant. Also ist mein Stresslevel ein wenig gesunken. Dann haben wir absichtlich etwas im dm fallen lassen (natürlich nichts, was kaputt gehen kann) und auch da hat es die Mitarbeiter direkt neben an nicht interessiert. Also dachte ich mir, dass es ja wohl doch nicht so schlimm ist und es mir tatsächlich viel besser geht und ich nur übertrieben habe.

Dann allerdings war die Aufgabe, irgendeine Kundin oder Kunden, der vor einem Regal steht, irgendwas zu fragen, was mit den Dingen zu tun hat, wovor sie steht. Meine Therapeutin hat es vorgemacht, da hat sie sich ohne Probleme mit irgendeiner Kundin über Pflaster unterhalten. Es ist nichts schlimmes passiert, sie war sehr freundlich, aber als ich dann an der Reihe war (bei anderen Menschen), konnte ich nicht anders, als zu weinen. Mitten in dem Laden. Wir sind rausgegangen und mir ist schmerzlich bewusst geworden, wie unfassbar schwer es mir nach all den Jahren in der Therapie noch fällt, Menschen einfach anzusprechen. Ich habe es nicht auf die Reihe gekriegt, mit fremden Menschen einfach Smalltalk zu führen.

Ich musste mich ziemlich ausheulen draußen und nachdem es mir besser ging, haben wir es noch einmal mit einer jüngeren Kundin versucht, die auch total nett war. Und meine Therapeutin hat einen Satz gesagt, der mich in das Gespräch mit einfließen lassen soll und ich habe es nicht hinbekommen, da was dazu zu sagen.

Sie hat mich andauernd erinnert, dass ich mit den Gedanken im Hier und Jetzt bleiben muss und wenn sie gesehen hat, dass ich mit den Gedanken abschweife, hat sie mich gefragt, an was ich grad gedacht habe. Das Ding ist nur, ich denke gar nicht, wenn ich abschweife, ich bin dann einfach weg (so viel zum Thema ADS). Sie hat etwas wegen einer Dissoziation gemeint, aber da weiß ich momentan auch nicht mehr.

Meine Therapeutin ist sehr positiv gestimmt und meinte, dass es dennoch positive Sachen gab, die passiert sind, aber ich habe mich einfach nur grottig und müde gefühlt. Dazu muss ich sagen, dass es zwar gewünscht war, aber ich letztendlich nicht gezwungen werden konnte, diese Expositionen zu machen. Deshalb habe ich nach der letzten Übung abgebrochen.

Sie hat mich überredet, dass ich mir eine Belohnung hole, also habe ich mir in einem Edelstahlladen einen schönen Ring gekauft. Allerdings habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht das Gefühl, dass ich irgendwas erreicht habe.

Als "Hausaufgabe" gibt es ein paar schwierige Situationen, die ich genauso machen muss (und ein paar Sachen mit aufschreiben natürlich) und ich weiß jetzt schon, dass das Blatt leer bleibt. Vor allem hat sie mich daran erinnert, dass ich mich belohnen soll danach bzw. steht es sogar auf diesem professionellen Blatt, aber ich habe das mit den Belohnungen nie gemacht und irgendwie fühle ich mich danach nicht besser.

Meine Therapeutin ist wirklich super. Aber ich glaube nicht, dass ich sowas in die Richtung wieder schaffe. Das war wirklich anstrengend und einfach schrecklich. Und unglaublich peinlich. Dinge wie Scham sind nichts neues und begleiten mich mein gesamtes Leben wegen allem was ich mache. Ich habe mich schon immer für mein Verhalten und meine Gefühle geschämt und war schon immer der Meinung, ich bin gut genug für nichts.

Und obwohl ich der Meinung war, dass es sich gebessert hat, sag die Realität völlig anders aus. Meine Mutter hat mich ebenfalls gefragt, wie es heute war, ich habe sie eigentlich einfach nur angelogen, worüber ich mich jetzt auch gottlos schlecht fühle.

Ich werde die nächsten Tage sehr viel nachdenken müssen und für's erste Abstand zu dem Thema nehmen. Ich denke, ich werde erst in den nächsten Tagen wieder hier in den Forum schauen.

Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, meine Gedanken zu lesen. Ich wünsche euch allen einen angenehmen Abend und eine gute Nacht. 🌌

11.06.2026 x 1 #1


8 Antworten ↓

DrSeltsam
Du hast das meiner Meinung nach sehr gut gemacht!
Es ist völlig normal, dass Du vollkommen neben der Spur bist und das was Du tust (bzw. dich traust) mehr wie in einem schlechten Traum wahrnimmst.

Ging mir auch nicht anders, aber mit der Zeit und je mehr ich über die erlebten Situationen nachgedacht habe, desto besser wurde es. Und irgendwann war es ganz automatisch so weit, dass es mir in so einer Situation plötzlich um die Sache selbst ging und nicht mehr vornehmlich darum mich zu überwinden.

Damit meine ich: am Anfang stand die Überwindung jemanden anzusprechen oder anzurufen im Vordergrund, was nicht nur einmal einen "Blackout" ähnlich wie bei dir ausgelöst hat. Mit der Zeit und immer wieder ausprobieren, rückte dann aber die Sache selbst in den Vordergrund. Also der Grund, wieso ich jemanden anspreche oder irgendwo anrufe.

Lass' dich nicht entmutigen! Das war sehr gut aber bestimmt auch sehr anstrengend. Ein bisschen Abstand tut bestimmt gut, danach kannst Du nochmal über die Situationen nachdenken.

x 4 #2


A


Expositionen in der Therapie

x 3


E
Was ist das für eine Therapie, so was kenne ich gar nicht, also dass ausserhalb therapiert wird mit einem Therapeuten, ist sie Psychotherapeutin oder eine andere Art von Therapeut? Bei uns gibt es Psychosoziale Begleitungen wo man begleitet wird und auch gewisse Dinge üben kann.

Ich denke so was dauert eben seine Zeit und da zu benötigst du mehr Geduld, wenn du diese Möglichkeit hast dann würde ich es weiter versuchen und schauen was die Zeit mit sich bringt, es klingt nach einer Aktiven Therapieform was meiner Meinung eventuell mehr bringen kann bei gewissen Psychischen Erkrankungen.

Ich finde auch du hast das sehr gut gemacht.

x 2 #3


Kruemel_68
Zitat von Elemente:
Was ist das für eine Therapie,

Das nennt sich Exposition und ist notwendig um bestimmte Ängste zu überwinden. Es reicht halt nicht, nur über bestimmte Dinge zu reden, sondern man muss sie auch tun. Am Anfang mit therapeutischer Begleitung. Das ist eigentlich ein normaler Baustein einer Therapie, aber die meisten Therapeuten überlassen das aus Zeitgründen leider den Patienten allein.

x 2 #4


Kruemel_68
Zitat von stasiali:
Allerdings habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht das Gefühl, dass ich irgendwas erreicht habe.

Du kannst doch auch nicht ernsthaft erwarten, dass Du Dich einmal Deiner Angst stellst, alles sofort super klappt und Du Dich hinterher wie neugeboren fühlst. Exposition ist harte Arbeit und mit immer und immer und immer wieder wiederholt werden. Das ist ein Marathon, kein Sprint. Und es wird auch nicht immer gleich gut laufen. Es wird einmal besser klappen, und dann wieder gar nicht. Das ist normal. Und es ist auch normal, dass Du Dich anschließend schrecklich fühlst. Exposition ist mörder anstrengend für Körper und Seele und es wäre nicht ungewöhnlich, wenn Du Dich erst einmal mehrere Tage davon erholen musst.


Zitat von stasiali:
Aber ich glaube nicht, dass ich sowas in die Richtung wieder schaffe. Das war wirklich anstrengend und einfach schrecklich. Und unglaublich peinlich. Dinge wie Scham sind nichts neues und begleiten mich mein gesamtes Leben wegen allem was ich mache. Ich habe mich schon immer für mein Verhalten und meine Gefühle geschämt und war schon immer der Meinung, ich bin gut genug für nichts.

Das ist jetzt die Stelle, an der sich die Spreu vom Weizen trennt. Du wirst eine Entscheidung für Dich treffen müssen. Willst Du Deine Ängste überwinden. Dann musst Du da jetzt durch und mitarbeiten. Oder ziehst Du Dich wieder in die vermeindlcih sicherere Vermeidung zurück und verharrst in Deinen Ängsten. Du musst entscheiden, ob Du den Poppes zusammenkneifen willst oder nicht. Du machst das nicht für die Therapeutin, sondern für Dich. Und Du musst es wollen. Mit aller Kraft. Sonst wird das nichts. Deine Entscheidung.

Und zur Therapeutin: ich finde es super, dass Sie das macht. Die meisten Therapeuten weigern sich aus Zeitgründen und lassen das ihre Klienten allen machen. Was natürlich in die Hose geht. Allein das ist schon ein 6er im Lotto.

x 3 #5


Sonja77
Als allererstes möchte ich hier mal wirklich ein riesiges Kompliment an deine Therapeutin machen,leider ist so etwas viel zu selten und sollte von daher auch mal gelobt werden
Ich finde es Oberklasse das sie so etwas mit dir macht,sich die Zeit nimmt und mit dir in die Innenstadt in Läden geht und durch die Stadt spaziert natürlich alles mit therapeutischem Hintergrund
Also wirklich ganz große Klasse
👍
Die meisten Therapeuten haben für sowas keine Zeit,denn sie haben so derart viele Patienten das sie leider die Kapazitäten nicht mehr haben und so bleibt der Patient mit seinen Ängsten alleine

Konfrontation ist zwar nicht immer das Mittel der Wahl und es kommt auf verschiedene Faktoren an,Aber in sehr sehr vielen Fällen ist es das Mittel der Wahl und man hat damit sehr gute Erfolge

Zu dir möchte ich sagen
Doch 👍Du hast einen Grund dich belohnen zu dürfen und du hast es toll gemacht dir einen Ring zu kaufen,den trägst du oft und oder immer und kannst somit immer auf deine „Fortschritte“sehen
Ja,du siehst es als keinen Fortschritt an und du meinst auch das du keine Belohnung verdient hast nur weil es nicht gleich auf Anhieb geklappt hat
Aber das wichtigste ist,du hast es versucht,du hast dich deiner Angst gestellt und dein bestes gegeben
Besser hättest du es nicht angehen können
Viele hätten gekniffen und es gar nicht erst versucht,du aber hast es getan und das finde ich super toll von dir und du kannst wirklich sehr stolz auf dich sein

Ja,es hat nicht so geklappt wie es hätte klappen sollen,na und?das macht doch nichts…es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und jeder muss etwas erst erlernen oder wieder lernen

Du hast den ersten Schritt getan und nur das zählt,du wirst sehen es werden noch ganz viele weitere Schritte folgen bis es eines Tages klappen wird denn du kannst es schaffen

Alles Gute 🍀 auf deinem Weg

x 3 #6


P
Expositionen können nur dann erfolgreich sein, wenn sie so angelegt sind, dsss die Situation noch leicht hetausfordernd, aber machbar ist. Alles andere, was in Überforderung mündet, festigt das Angstmuster.

Statt Leute zu interviewen wäre ein guter erster Schritt vielleicht ein anlächeln, ein "guten Tag" oder "Können Sie nir sagen wie spät es ist?" oder schwieriger, je nachdem, was wie herausfordernd empfunden wird., gewesen.
Nur mit der Aussicht auf ein Erfolgserlebnis macht Exposition Sinn.

x 2 #7


E
Zitat von Kruemel_68:
Das nennt sich Exposition und ist notwendig um bestimmte Ängste zu überwinden. Es reicht halt nicht, nur über bestimmte Dinge zu reden, sondern man muss sie auch tun. Am Anfang mit therapeutischer Begleitung. Das ist eigentlich ein normaler Baustein einer Therapie, aber die meisten Therapeuten überlassen das aus ...

Therapeuten haben tatsächlich keine Zeit mehr weil sie so viele Patienten haben um die sie sich kümmern, aber ich möchte eins noch da zu sagen, ich wurde damals nicht alleine gelassen mit meinen Ängsten, es gibt durchaus Menschen die mit einem Üben gehen und von Therapeuten an ihre Patienten vermittelt werden, meistens sind das Personen die eine Pflegefach Ausbildung haben im Psychiatrischen Bereich, alleine gelassen denke ich weniger, es gibt schon einige Angebote. Ich bin überzeugt, dass Therapeuten gut vernetzt sind.

#8


Schlaflose
Zitat von stasiali:
Ganz grob zusammengefasst: Meine Therapeutin hat mir deshalb einen Zettel vorgelegt, wo verschiedene Beispiele draufstanden. Zum Beispiel "Leute in einem Interview zu verschiedenen Meinungen befragen" oder "Leute nach dem Weg fragen und sich auf dumm stellen."

Solche "Spiele" habe ich immer abgelehnt zu machen. Ich kann das nur, wenn eine tatsächliche Notwendigkeit besteht, also wenn ich den Weg wirklich nicht weiß oder anderweitig Hilfe brauche. Dann tue ich es auch, egal wie schlimm ich es empfinde.

#9






Dr. Reinhard Pichler
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