Hallo Fori's.
Ich möchte heute meine Angst sezieren.
Es stehen ein paar Dinge an und die Angst ist wie eine Mauer und hindert mich daran diese Dinge zu erledigen.
Wird lang, nicht lesen wenn keine Lust dazu 😉
Ich denke nicht, dass es eine Angststörung ist. Wobei mal kurz nachgelesen, könnte man vielleicht doch als solche bezeichnen.
Ich mag den Begriff nur nicht, ich finde er festigt und vergrößert die Angst nur zusätzlich.
Bildlich gesehen, ist da bei mir Angst wie ein Gebilde, vielleicht wie ein kleiner Fels. Ich kann sie ignorieren, klar in dem ich vermeide. Vermeide ich, ist ja alles ok, dann gibt es keine Angst. Ansonsten schleiche ich um dieses Gebilde herum, mal mit mehr Abstand, mal traue ich mich etwas näher dran. Schön wäre, wenn ich feststelle, die Angst ist gar nicht mehr da oder nur noch ein kleiner Kieselstein.
Überwiegend geht die Angst schon in Richtung soziale Phobie. Wobei ich nicht wirklich Angst vor anderen Menschen habe, sondern eher davor, dass sie das Schlechte in mir sehen.
Es entspricht also eher Scham.
Ich fuhr eine Weile ganz gut damit, wenn ich mir sagte, alles was ich als schlecht an mir sehe, ist nicht so wichtig. Ich darf auch schlechte Eigenschaften haben. Warum muss ich denn dem hohen Anspruch, alles immer richtig und korrekt zu machen, richtig zu sein, voll und ganz entsprechen?
Warum meine ich, ich muss perfekt sein.
Diese Sichtweise hat Vor und Nachteile.
Einerseits fiel es mir wirklich leichter Dinge zu tun und sei es nur mit Jogginghose den Müll runter zu bringen. Geht in meinen Gedanken nämlich gar nicht, wie kann man nur mit Jogginghose aus dem Haus?!
Also sag ich mir, ist jetzt egal, ich geh jetzt mit Jogginghose kurz den Müll runter bringen, oder kurz zum Auto weil ich was drin vergessen habe oder stelle die Mülltonne an die Straße.
Zum Selbstläufer ist das allerdings noch nicht geworden. Ich kämpfe da immer noch mit verschiedenen Annahmen, das man das so nicht macht, sich das nicht gehört und ich das nicht gut finde.
Der Nachteil daran ist, das ich einen Wert, meinen Wert? nicht schlampig gekleidet in die Öffentlichkeit zu gehen, damit ein Stück weit ausradiere. Wenn mir dieser Wert überhaupt nicht mehr wichtig sein sollte, gehe ich dann mit stinkenden, schmutzigen Kleidern zum Einkaufen? So Leute gibt es ja, fing das bei denen auch mit dieser Gleichgültigkeit an?
Es braucht das richtige Maß.
Also Gleichgültigkeit ist kein so guter Weg, habe ich die Vermutung. Vielleicht zur Not, wenn es wirklich wichtig ist etwas zu tun.
Ich denke der Gegenspieler von der Angst ist Mut und irgendwo auch Sicherheit und Vertrauen.
Es hilft aber auch nicht, dass ich wahrscheinlich mehr gute als schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht habe. Oft so eine riesen Angst vor einer Sache hatte und dann lief das voll locker und gut. Der Kontakt hatte sogar Spaß gemacht. Demgegenüber stehen nur wenige Male wo es mies lief.
Was bedeutet mies laufen.
Jemand der unhöflich ist, mir Vorwürfe macht, mich anschreit oder betrügen will, mich als falsch und minderwertig ansieht, mich evtl sogar ignoriert, vergisst oder nichts mit mir zu tun haben will.
Das sind die konkreten Ängste.
Also ein Kriterium einer Angststörung ist ja u.a. eine Unverhältnismäßigkeit.
Bei mir ist es eigentlich momentan so eine lächerliche Sache. Das Auto braucht frischen Tüv 🙈 Da fährt man in eine Werkstatt und lässt das machen, fertig.
Wieso mache ich daraus so ein Drama? Weil ich keine ernsthaften Dinge habe mit denen ich mich befassen muß?
Ich mein, ein bisschen speziell ist es schon. Ich kann mir keine normale Werkstatt leisten und gehe auf den Schrotti. Schon das kann man peinlich finden.
Es ist definitiv keine existentielle Angst, eher so ne Sache mit Scham. Dafür schäme ich mich auch schon wieder, dass es eigentlich um Pillepalle geht.
Das hat sowas kindliches.
Frau auf dem Schrottplatz. Ja warum nicht. Eingeredet wurde mir aber von einer Person, ich hätte keine Ahnung. Aber bissl Ahnung muss man mit Autos schon haben, wenn man nicht genug Geld oder auch keine Vertrauensperson mit Kfz Erfahrung hat.
Dadurch habe ich Selbstvertrauen verloren, weil ich dieser Aussage irgendwo glaubte. Selbstzweifel sind bis zu einem bestimmten Grad ja auch nicht verkehrt. Sich aber dann als Doofi zu sehen, total überzogen.
Als Frau wird man auch schnell von Männer in einer Männerdomäne wie dumm behandelt.
Ok, also nicht nur mein Problem, das wird einigen Frauen so gehen.
Angst, du bist berechtigt! 😄
Aber da wo ich hin möchte, der war eigentlich sehr nett.
Ich schreibe das hier alles, was man sonst jemandem erzählt.
Meine Mutter hätte schon mehrmals gefragt, hast du das mit dem Auto erledigt? - oh warum nicht, das ist doch wichtig falls dir mit dem Auto was passiert. - fehlt dir Geld, soll ich dir was geben?
Ich hätte ihr dann gesagt woran es hängt und sie hätte mit Mut gemacht.
Mein Mutter ist seit 10 Jahren tot, davor war sie paar Jahre schon merklich krank.
Dieses alles ganz alleine machen, zehrt an mir. Das es keinen mehr interessiert.
Oft stehe ich alleine gegen alle da. Besonders mit den Anliegen bezüglich meines Kindes. Auch als meine Mutter krank wurde und ich mit den Ärzten zu tun hatte. Die Wohnung auflösen und ausräumen, die Beerdigung organisieren. Kind versorgt. Alles alleine gemacht.
Warum hat das so ausgezehrt, warum habe ich mich nicht dran gewöhnt. Ich weiß doch, es geht irgendwie und bringt mich nicht um. Manches unangenehm, aber ich habe es gemeistert, so irgendwie.
Grad hinsichtlich Kind ist es in meinen Augen aber nicht so gut gelaufen. Habe mir diese Schule aufquatschen lassen, welche das Potenzial meines Kindes kaum fördert finde ich.
OK, Angst davor etwas falsch zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen. Macht man nichts, macht man schon nichts falsch.
Auto waschen und saugen fällt mir ja derzeit schon wieder schwer. Diese typische Angst davor, beobachtet und abgewertet zu werden. Altes Auto mit paar Dellen, wer fährt denn sowas? Eine Niete. Ohje😄
Was sind das nur für Gedanken. 🫣
Egal, bin ich halt eine Niete?
Oder, sollen sie denken was sie wollen, ich weiß ich bin keine Niete?
Das ist halt auch so ein Punkt. Die Maske fällt wenn jemand mein Auto sieht.
Was denkt man über Leute die ein altes Auto fahren? Verkrachte Existenz, zu mehr hat es die Person nicht gebracht? Hm.
Ich kann da drüber stehen und auch nicht.
Ich mag mein Auto, wenn es gut fährt, momentan wirklich etwas klapprig.
Dinge so lange benutzen wie sie funktionieren finde ich gut. Mag diese Wegwerfmentalität eher nicht. Das verursacht nur unnötig Müll und verschwendet Ressourcen.
Wenn man mir ein besseres Auto günstig anbieten würde, würde ich es aber auch nicht ablehnen.
OK, komme ich mal zum Punkt. Es braucht Mut. Es braucht ein Scheixx-drauf, wenn jemand doof schaut.
Es kann ja alles eigentlich auch Spaß machen.
Ich glaub das hat geholfen. In Gedanken bin ich schon beim Auto waschen und aussaugen.
Mit einem neuen 0815 Auto wäre das ganze vielleicht einfacher, aber meins ist bald ein Oldtimer 😄 wenn die dann gepflegt sind, ist das auch ok. Aber ich lass meins eigentlich vergammeln. 🙄 Ist halt immer die Frage wieviel steckt man rein, damit es noch wirtschaftlich vertretbar ist.
Also gut, nochmal Zusammenfassung. Ich bin keine Niete, auch als Frau kann man etwas Ahnung von Autos haben, zumindest den alten. Mich wird keiner auffressen, wenn mich jemand doof anschaut, ist mir das egal.
Ich vertraue mal darauf, dass es irgendwie gut ausgeht. Geld gespart habe ich eigentlich genug und das meine Situation halt so ist wie ist, dazu sollte/will/muss ich stehen.
Falls jemand den Roman bis zum Ende gelesen hat, habt ihr eure Angst schon mal hinterfragt?
Kann vielleicht jemand etwas nützlich davon bei sich anwenden?
Habe ich irgendwo weitere Denkfehler drin. Oder gibt's es weitere hilfreiche Sichtweisen?