Zitat von User_0815_4711:Ja, sonst wären wir nicht "hier". Meine ganz persönliche Weltgeschichte beinhaltet auch Astro- und Erdgeschichte, aber das ist teilweise ...
Was du beschreibst, ist, so würde ich mal behaupten, eine sehr naturalistische Sicht auf die Entwicklung von Materie, Leben und Bewusstsein. Aus einem undefinierbaren Ausgangszustand heraus ordnet sich die Welt durch physikalische Prozesse, bis irgendwann Strukturen entstehen, welche nicht nur auf ihre Umgebung reagieren, sondern sie auch irgendwie reflektieren können. Sobald sich diese Reflexion aber entwickelt, tritt ein Widerspruch auf: Ich kann verstehen, dass mein Bewusstsein ein Produkt der Materie ist und vielleicht sogar eine Illusion, und trotzdem erlebe ich es ja
direkt.
Physikalisch könnte man das vielleicht tatsächlich mit der Entropie erklären. Das Universum strebt ja insgesamt nach maximaler Unordnung, doch gerade dadurch entstehen praktisch auch lokal Inseln der Komplexität. Ich frage mich an dieser Stelle, ob unser Bewusstsein nicht genau so ein Phänomen ist, sprich so eine Art Selbstorganisationsprozess, der sich irgendwo an der Grenze zwischen Chaos und Ordnung abspielt. Vielleicht gibt es ja sogar eine mathematische Beschreibung für genau diesen Punkt, an dem aus Reizreaktionen plötzlich subjektives Erleben wird. Ich meine, etwaige Reizmuster ließen sich z.B. hervorragend als Markov-Prozesse modellieren, indem der Übergang von Reiz 1 zu Reiz 2 mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit P erfolgt, was heißt, dass die Masse, die wir „Gehirn“ nennen, Informationen probabilistisch verarbeiten und auf der Basis von Wahrscheinlichkeitsverteilungen über die Zeit t optimieren könnte (z.B. mithilfe von Bayes). Eine Verknüpfung mit der IIT von Tononi könnte zumindest mathematisch Aufschluss über integrierte Informationen geben. Dahinter steckt dann vor allem die Idee, dass das Bewusstsein entsteht, wenn ein System nicht nur Informationen verarbeitet, sondern diese auch hochgradig ins System integriert sind. Ließe sich logisch betrachtet vermutlich über ein zentrales Maß erklären, welches die Menge an nichtredundanter Information beschreibt, welxhe das betrachtete System „Gehirn“ als Ganzes besitzt und die nicht durch die Summe seiner Teile erklärbar ist.
Philosophisch ist das Ganze eine eher offene Frage. Ist das Ich vielleicht nur ein nützliches Konstrukt der Evolution, eine „Täuschung“, um das Überleben zu sichern? Oder ist Bewusstsein absolut fundamental für das Universum? Der Idealismus würde hier jetzt behaupten, dass es ohne Bewusstsein gar keine Realität gäbe, der Materialismus hingegen, dass Bewusstsein nichts weiter als eine chemische Rechenmaschine ist (s.o.). Der Buddhismus geht, sofern ich korrekt informiert bin, noch einen Schritt weiter und sagt, dass das Ich nicht nur eine Illusion ist, sondern in Form des Lebens gar die Hauptquelle des Leidens.
Aber was stimmt nun? Vielleicht die Erklärung, mit welcher man sich als Individuum am ehesten arrangieren kann?