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Ibreaktogether
Hallo,

das Thema hat jetzt keinen eindeutigen Namen, der darauf hinweist, um was es mir geht. Ich bitte um Verständnis. Ich weiß jetzt, dass meine Probleme wohl doch nicht primär an meiner "Hirnverdrahtung" namens Asperger-Autist liegt, sondern dass ich ziemlich heftig von meiner Mutter manipuliert wurde. Auch ich wurde teilweise wie ein Hund dressiert, und leide bis heute so sehr darunter, dass ich unfähig zu sein scheine, mich in komplexen Machtverhältnissen unterzuordnen, nach dem Motto: "Der Klügere gibt nach, bis er der Dümmere ist". Ich kriege "einen Hals", wenn Menschen sich gegen alle Regeln der Vernunft derart unterordnen müssen, dass ganze Abteilungen "verschmieren", und an den Rand gedrückt werden, obwohl jeder weiß, dass es eigentlich anders sein müsste.

Es ist schon spät, und ich wollte einen akuten Fall darstellen, der sich ganz plötzlich und unerwartet am vergangenen Freitag abgespielt hat. Ich wurde tief getroffen, als eine "Vorgesetzte" mit mir redete und unter Druck setzte, als wäre sie meine Mutter. Ich hatte einen regelrechten flashback aus der Zeit, wo meine Mutter mich noch beherrschte, obwohl sie mich hätte gewähren lassen sollen. Ich begann mich zu wehren. Relativ souverän sogar, aber anstatt, dass die "Vorgesetzte" (ich bin eigentlich Freiberufler) zuhörte, wurde sie nur noch aggressiver, und wich keinen mm zurück. Ich musste mich unter Kontrolle halten, was mir auch gelang.

Der Fall ist interessant und relativ komplex, weil es nicht nur um mich und sie geht, sondern noch zwei weitere Personen mit einer ungünstigen Machtverteilung beteiligt sind. Ich möchte diesen Fall aktiv gestalten, und biete an, eure Meinungen mit einzubringen, so als könntet ihr ein Drehbuch mitgestalten.

Ich würde gerne mitteilen, was dort konkret anliegt, aber ich möchte auch nicht zurückgepfiffen werden, nach dem Motto: "Das gehört hier nicht hin!".

Nur so viel:

1. Ich bin selbständiger Betriebswirt (Unternehmensberater)
2. Ich habe gerade einen Auftrag, vielleicht den schwierigsten bisher in sieben Jahren
3. Ich möche nicht als Verlierer da rausgehen
4. Ich möchte mir keine Feinde machen, sondern alles zum Guten wenden.
5. Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen.
6. Es ist viel mehr als banales Mobbing, denn die ganze Abteilung hat schon lange vor mir unter der Situation gelitten.

Ich hoffe außerdem, dass ich einige anregende Gedanken mit diesem Thema auslösen kann.

Bis morgen und Gute Nacht!

16.08.2020 22:40 • 20.11.2020 x 1 #1


Zitat von Ibreaktogether:
und biete an, eure Meinungen mit einzubringen, so als könntet ihr ein Drehbuch mitgestalten

Ich bin dabei.
Warum sollte sowas nicht hierher gehören?
Wir sind soviele Menschen hier mit so unterschiedlichen, beruflichen Hintergründen, dass Du da sicher gute Anregungen bekommst.

16.08.2020 22:44 • x 1 #2



Selbstbehauptung in komplexen Machtverhältnissen

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Ibreaktogether
Ich möchte unbedingt etwas dazu schreiben, aber ich habe gerade keine Lust. Deswegen in aller Kürze:

Ich bin dorthin gerufen worden, weil gerade Personalengpass in dem Unternehmen herrscht. Ich habe in einem Team angefangen, ganz einfache Sachen zu bearbeiten, obwohl in meinem Vertrag was von betriebswirtschaftlicher Beratung steht. Nach zwei Wochen hat ein anderer Freiberufler gekündigt. Also wurde ich in sein Team berufen. Er ist noch diese und nächste Woche da und arbeitet mich ein.

Gerade am Freitag und heute hat er ziemlich viel Vertrauen zu mir gewonnen, und mir erzählt, was dort abgeht. Da ist eine Teamleiterin A und eine Controllerin C. Die C ist seit über 30 Jahren im Unternehmen in der Fabrik D. Ich arbeite in G für das Werk D. Früher hat C selbst die Buchhaltung ganz allein gemacht. Das ist aber mindestens schon zehn Jahre her. Sie kann sich nicht davon lösen. Mittlerweile hat sich die Software geändert, aber sie meint immer noch, aufgrund ihres "Dinosaurier-Status" in die Buchhaltung hineinregieren zu müssen. Alle haben Angst vor ihr, auch die Teamleiterin und die Finanzleiterin in G.

Heute gab es wieder eine Meinungsverschiedenheit. Die Buchhaltung hat ihre Anforderungen an die Belege. C stellt aber immer noch Belege zum Buchen aus. Heute früh hat mich die Finanzleiterin K zurückgepfiffen. Das Werk ist Kunde der Buchhaltung in G. Sie kann sagen, was sie von uns will, wir aber nicht von ihr, obwohl sie in der Hierarchie weit unter der Finanzleiterin ist. Aber das Werk an sich ist in der Hierarchie höher, und wenn sie streikt, macht sie Zickenterror, und die Buchhaltung wird von ihr "fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel."

Ehrlich gesagt, ist es mir heute zu blöd geworden mit diesen schwachsinnigen Machtverhältnissen. Gestern hat es mich noch beschäftigt, aber heute kommt es mir wie eine schlechte Comedeyshow vor. Das wäre selbst für eine Serie wie Stromberg zu blöde gewesen, da viel zu unglaubwürdig.

Ich habe heute gesagt, was die gesetzlichen Anforderungen an eine Buchführung sind, zum Beispiel, dass es verboten ist, auf bestimmte Konten direkt zu buchen. Aber die sind völlig blind, und es heißt nur: "Wir machen das schon jahrelang so. C will das so, und bis jetzt hat sich noch niemand beschwert".

Ich habe heute ein neues Angebot gekriegt. Deswegen habe ich bereits innerlich gekündigt. Ich bin oder war jetzt die sechste Nachbesetzung auf diesem Posten. Mein Vorgänger ist noch da. Er hielt es zwei Monate aus. Davor war eine Steuerfachangestellte da, die das Chaos mit der "Befehlsgewalt" nicht länger ertragen hat, und auch die Diskrepanz zwischen dem, was sie gelernt hat, und was dort gelebt wird. Ich will nicht mehr daran denken, sondern es einfach nur hinter mich kriegen.

Das schlimmste für mich war, dass selbst die Finanzleiterin, die auch nicht angestellt, sondern freiberuflich da ist, bis jemand für die Festanstellung gefunden wurde, mir keine Rückendeckung gibt. Sie will sich nicht die Finger schmutzig machen, sondern nur absahnen. Auch ihr Posten war der reinste Schleudersitz in den letzten zwei Jahren. Pfui!

17.08.2020 18:56 • #3


Idefix13
Ich kenne das damals aus dem 'BMW FIZ in München' oder auch vom damaligen 'VIAG Interkom auch in München' und hatte gar nichts damit zu tun, war nur ein kleines Licht, einer Fremdfirma, aber solche Machtspielchen gibt es wohl zuhauf in großen Unternehmen. Und selbst dass Vorschriften und Rechtliches einfach übergangen wird, weil es schon immer so gehandhabt wurde, auch wenn sich Gesetze ändern, die machen weiter wie bisher, machen das schon seid mehr als 20, 30, 40 Jahre, warum etwas ändern, hat sich bewährt und noch keiner beschwert.

Was deine Lage betrifft und deine Ziele und Wünsche, werd' ich erst noch nichts sagen, dafür müsstest du etwas mehr berichten, ausführlicher, damit das Bild klarer wird.

Werd deinen Thread weiterverfolgen, so wie viele vorher, auch wenn ich kaum etwas zu sagen hatte.

17.08.2020 21:52 • x 1 #4


Ibreaktogether
Ich liege hier im Bett und kann nicht schlafen, obwohl ich müde bin.

Mein Traum war es immer, eine Firma mit aufzubauen und die Verwaltung zu gestalten. Die Gelegenheit hatte ich zuletzt vor 22 Jahren. Es war wohl die beste Stelle, die ich damals kriegen konnte. Ich hatte sie vergeigt, weil ich mich von Anfang an für zu wenig Gehalt verkauft hatte. Aber wäre ich da geblieben, wäre ich jetzt so zurückgeblieben, wie diejenigen, die heute so einen Leitungsjob haben und Anfang 30 sind. Ich wollte nie ein Fachidiot werden, und wurde stattdessen zum Künstler und Nomaden, der immer umherzieht, und Anderen zeigen will, wie man eine Organisation rationalisiert. Natürlich stößt das selten auf Anerkennung, auch wenn die Beratung im Vertrag steht. Jetzt bin ich in einer Sackgasse, weil man nicht beides auf einmal haben kann: Freiheit und kein Fachidiot zu sein. Es ist ein Dilemma.

17.08.2020 22:13 • #5


Ibreaktogether
Heute hat sich herausgestellt, dass die Controllerin C in D angeblich wie eine Verrückte malocht, so 12 Stunden am Tag. Wenn wir als Shared Service Center jetzt anfangen würden, von ihr formelle Anforderungen durchzusetzen, damit z.B. Belege ordentlich und ohne Rückfragen erstellt werden können, dann bestünde die Gefahr, dass sie sich querstellt, und die Buchhaltung beim Monatsabschluss sabotiert. Sie macht das seit 30 Jahren, hat keinen Vertreter und hat sich ihr eigenes Reich geschaffen, was sie mit Klauen und Zähnen verteidigt.

Normalerweise lassen sich amerikanische Konzerne so ein Verhalten nicht bieten, und lassen rigoros Köpfe rollen, aber in diesem Fall regieren sie nicht bis unten durch, warum auch immer. Währenddessen erklärt mir die Finanzleiterin, dass wir im Oktober anfangen können, Prozesse zu verändern. Nur: Warum so lange warten, und warum soll ich ihr glauben? Im Oktober könnte genauso gut ihr Interim-Vertrag auslaufen, und dann stehe ich wie ein begossener Pudel da.

Ich glaube immer noch, ich bin im falschen Film. Eigentlich spiele ich in einer anderen Liga, aber mit Corona muss man nehmen, was man kriegt.

18.08.2020 17:28 • #6


Mariebelle
Also,was "amerikanische" Arbeitsweise angeht,so ist das hier so ,dass wir 1-2 pro Jahr eine review haben.
Wer da durch nicht teamfaehiges/anti soziales Verhalten,nicht erbrachte Leistung auffaellt,der bekommt eine Zeit zur persoenlichen Verbesserung ....
Aber du/ihr arbeitet ja unter deutschem Arbeitsrecht,so ist die Tatsache,dass es ein
"amerikanischer Konzern" ist gar nicht auschlaggebend.

18.08.2020 21:46 • #7


Ibreaktogether
Zitat von Mariebelle:
Also,was "amerikanische" Arbeitsweise angeht,so ist das hier so ,dass wir 1-2 pro Jahr eine review haben.Wer da durch nicht teamfaehiges/anti soziales Verhalten,nicht erbrachte Leistung auffaellt,der bekommt eine Zeit zur persoenlichen Verbesserung .... Aber du/ihr arbeitet ja unter deutschem Arbeitsrecht,so ist die Tatsache,dass es ein "amerikanischer Konzern" ist gar nicht auschlaggebend.

Ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass meine erste Erfahrung in einem amerikanischen Konzern auch gleich die krasseste war. Es war nur ein kleines Produktionsunternehmen mit 24 Mitarbeitern. Die Übernahme fand zwei Jahre, bevor ich dort anfing, statt. Mein Vorgänger hat den "Kulturschock" nicht verarbeitet und durfte gehen. Der entscheidende Unterschied zu heute war, dass es keine lokalen Hierarchien mehr gab. Der Geschäftsführer war nur noch formal in seinem Amt, aber konnte nicht in die Abteilungen hinein führen. Es gab wie üblich nur Operations, Finance, Production und Logistics. Und der Geschäftsführer war dann eben nur noch Teil von "Operations".

Hier ist das noch anders. Es gibt Teamleiter und Abteilungsleiter, sowie Direktoren. Und dann noch die Besonderheit, dass die Fabriken eigene Direktoren haben. Normalerweise scheuen Amerikaner nicht davor, den "Overhead" rigoros abzusägen, ohne Rücksicht auf Verluste, weil sie genau wissen, dass der Fisch vom Kopf her stinkt. Hier ist das wohl nicht geschehen. Und das führt dann zu so grotesken Konstellationen, dass die Buchhaltung vom Controlling ferngesteuert wird, nur weil die Dame schon seit 30 Jahren im Unternehmen ist, und sie bis vor zehn Jahren die Buchhaltung selber gemacht hatte. Auch wenn sie 500 km weit weg sitzt.

Was mich aber am meisten anwidert, ist das extreme Hierarchiedenken. Selbst die Teamleiterin und ihre "Stellvertreterin" lassen die Sau raus und behandeln selbst mich wie den letzten Dreck. Ich werde im voraus beschimpft für Fehler, die mein Vorgänger mangels Information gemacht hat, nach dem Motto: "Du bist der Nächste! Nimm dich schon mal in Acht". Ich habe noch nie einen Amerikaner im Team erlebt, der so lächerlich auftritt. Selbst als Vorgesetzter nicht.

Die Abteilungsleiterin, selbst Freiberuflerin mit befristetem Vertrag, hat gestern zugegeben, noch viel mehr unter Druck zu stehen als die Leute unter ihr, aber sie gibt den Druck an die Falschen weiter. Für heute habe ich mir vorgenommen, bei unsachlicher Kritik und Rundumschlägen ganz souverän zum Ausdruck zu bringen, dass ich nur bei konkreten Verweisen auf angebliche Verfehlungen reagiere. Zwischenrufe ins Büro wie "Was haben Sie denn jetzt schon wieder gemacht?", ohne dass man überhaupt weiß, wer gemeint ist, werde ich völlig ignorieren. Und damit bringe ich sie zur Weißglut. Wenn das schief geht, ist es mir egal. Dann sollen sie halt die siebte Person in zwei Jahren suchen, der sich das freiwillig antut.

Ich finde es nur merkwürdig, dass kein Mensch auf die Idee kommt, dass sie selbst das Problem sind. Wenn ich in einem Jahr zwei Stellenbesetzungen in den Sand setze, dann würde ich ein Problem bekommen. Und bei der dritten Person würde man mich selbst rausschmeißen. Mal sehen, wie lange die das noch durchhalten. Gestern sagte mir eine Kollegin schon, dass sie keine Stellenanzeigen mehr in die Zeitung setzen, damit der Ruf nicht leidet. Es spricht sich herum, und aus der Umgebung will da keiner mehr hin. Man sieht meine Position aber noch im Internet.

19.08.2020 06:17 • x 1 #8


Puh... wo bist Du nur hingeraten
Das ist so ein Unternehmen, wo man sich wundert, wie das überhaupt funktionieren kann und wir die Buchhaltung immer ungeschoren davonkommt.
Haben die nie mal eine Betriebsprüfung vom FA gehabt?
Müssen die nicht bilanzieren? Sowas fällt doch dann auf, wenn in der Buchhaltung schon bei gesetzlich vorgeschriebenen Regelungen Abweichungen auftreten.


Zitat von Ibreaktogether:
Ich habe heute ein neues Angebot gekriegt. Deswegen habe ich bereits innerlich gekündigt. Ich bin oder war jetzt die sechste Nachbesetzung auf diesem Posten. Mein Vorgänger ist noch da. Er hielt es zwei Monate aus. Davor war eine Steuerfachangestellte da, die das Chaos mit der "Befehlsgewalt" nicht länger ertragen hat, und auch die Diskrepanz zwischen dem, was sie gelernt hat, und was dort gelebt wird. Ich will nicht mehr daran denken, sondern es einfach nur hinter mich kriegen.

Als ich Dein erstes Posting hierzu schon gelesen hatte - und Du ja in anderen Threads auch schon ein bisschen was davon erzählt hattest, habe ich mir schon gedacht, dass "gehen" die beste Alternative ist.
Fluch und Segen des Freiberuflers: er kann einfacher gehen.
Ich würde mir das auch nicht länger antun als bis zum nächsten Angebot.

Zitat von Ibreaktogether:
Die Abteilungsleiterin, selbst Freiberuflerin mit befristetem Vertrag, hat gestern zugegeben, noch viel mehr unter Druck zu stehen als die Leute unter ihr, aber sie gibt den Druck an die Falschen weiter. Für heute habe ich mir vorgenommen, bei unsachlicher Kritik und Rundumschlägen ganz souverän zum Ausdruck zu bringen, dass ich nur bei konkreten Verweisen auf angebliche Verfehlungen reagiere. Zwischenrufe ins Büro wie "Was haben Sie denn jetzt schon wieder gemacht?", ohne dass man überhaupt weiß, wer gemeint ist, werde ich völlig ignorieren. Und damit bringe ich sie zur Weißglut. Wenn das schief geht, ist es mir egal. Dann sollen sie halt die siebte Person in zwei Jahren suchen, der sich das freiwillig antut.

Mitarbeiterführung 6, setzen.
Unglaublich, dass es noch solche verstaubten Betriebe gibt, die funktionieren.

Zitat von Ibreaktogether:
Ich finde es nur merkwürdig, dass kein Mensch auf die Idee kommt, dass sie selbst das Problem sind. Wenn ich in einem Jahr zwei Stellenbesetzungen in den Sand setze, dann würde ich ein Problem bekommen. Und bei der dritten Person würde man mich selbst rausschmeißen. Mal sehen, wie lange die das noch durchhalten. Gestern sagte mir eine Kollegin schon, dass sie keine Stellenanzeigen mehr in die Zeitung setzen, damit der Ruf nicht leidet. Es spricht sich herum, und aus der Umgebung will da keiner mehr hin. Man sieht meine Position aber noch im Internet.

Um zu erkennen, wo das Problem liegt, müsste man sich selber reflektieren und Fehler & Schwächen bei sich und der gesamten Führungsphilosophie eingestehen. Das möchte man aber doch nicht, denn dann würde man sich ja vom goldenen Thron stoßen.
Ganz davon abgesehen, dass da eine Menge Arbeit und evtl. sehr unangenehme Fragen aufkommen würden, wenn man umdenken und aufräumen würde.

19.08.2020 08:14 • #9


Ibreaktogether
Ich hatte heute zuerst ein Gespräch mit der Finanzleiterin, und dann mit der Stellvertreterin der Teamleiterin.

1. Die Chefin meint, wir als Freiberufler sind der Lieferant, und müssen den Kunden zufriedenstellen. Pfff. Es wäre auch nicht so schlimm, wenn sie mit uns schimpfen, denn wir wollen ja nur unser Geld kriegen. Pfff. Weiter können wir nicht sofort alles umschmeißen. Ich soll ihr nur die schlimmsten Mißstände zeigen.

2. Die Assistentin hat sich sogar bei meinem Vorgänger entschuldigt. Hut ab. Sie stünde seit sechs Wochen völlig unter Stress und würde jeden Tag zehn Stunden abreißen. Da frage ich mich auch, ob man hier nicht mal zwischen Leistung und Mühe unterscheiden sollte.

Aber insgesamt sieht es schon etwas entspannter aus. Mein Vorgänger hat heute selber eingeräumt, ein paar schlimme Fehler gemacht zu haben. Und man muss wirklich höllisch aufpassen. Die Software ist nicht idiotensicher. Ruck-zuck hat man sich da verhauen, und dann sieht es aus, als wäre man blöd, oder hätte nicht aufgepasst. Aber mein Vorgänger kann sich besser einschleimen. Ich kann mir zumindest noch bei ihm abschauen, wie man mit den Kollegen umgeht, dass die einen wenigstens mögen. Denn ich bin da manchmal etwas zu kalt.

19.08.2020 17:13 • x 1 #10


Ibreaktogether
Eins finde ich interessant: Japaner sind immer offen für "best practice". Wenn ein Konkurrent etwas besser macht, muss es kopiert werden, Das hat gar nichts mit Patenten oder so zu tun, sondern mit banalen Arbeitsmethoden.

Bei Deutschen war das noch nie so. Da steht immer der persönliche Stolz im Weg, denn jeder meint, er hätte das Optimum an Effizienz erreicht, und wenn nicht, kann man auch nichts machen. Das ist gelebtes Mittelmaß, denn wir sollen ja nicht überschnappen.

Vor 22 Jahren habe ich schon mit Japanern zusammengearbeitet. Die wollten von Anfang an für alle Prozesse eine Dokumentation haben, die sie dann rigoros optimiert haben. In Deutschland wird das regelmäßig sofort und rücksichtslos vom Betriebsrat torpediert, denn das könnte ja dazu führen, dass ein Fremder ohne große Mühe sofort die Arbeit eines Mitarbeiters übernehmen könnte. Der Deutsche liebt noch "Herrschaftswissen", was er wie sein Eigentum stolz vor sich herträgt, was er selber vermarkten darf. Japaner finden so ein Verhalten egoistisch und asozial, und sagen einem das direkt ins Gesicht.

20.08.2020 17:25 • #11


Ibreaktogether
Was am Donnerstag noch passiert ist: Die Teamleiterin hatte diese Woche ja Urlaub. Ihre Assistentin war aber da. Mir wurde von der Teamleiterin ein Gespräch mit der Assistenten nahegelegt. Das habe ich dann auch gemacht. Ich erklärte ihr, dass es nicht geht, wenn ich im Voraus beschimpft werde für Fehler, die mein Vorgänger gemacht hat. Wir sollten bei Null anfangen, egal, wie viel Frust sich bei der 500 km entfernten Controllerin angesammelt hat. Das hat sie dann auch akzeptiert.

Am Nachmittag ging es ihr dann nicht mehr so gut und sie ging nach Hause. Am Freitag wollte sie erst home-office machen, erklärte aber vormittags, dass sie krank wäre. Mein Vorgänger sagte, sie hätte noch nie gesagt, dass es ihr nicht gut ginge. Er vermutet einen burnout, weil sie monatelang zehn Stunden am Tag gekloppt hätte. Ich vermute immer noch eine fehlende Differenzierung zwischen Mühe und Leistung, denn für drei Zig. am Tag und Gequatsche mit den Kolleginnen war immer Zeit. Wenn ich da sitzen würde, würde ich keine zehn Stunden brauchen, um da aufzuräumen. Wenn man da genauer hinsieht, bemerkt man, dass vieles nur heiße Luft ist. Genau wie die Finanzleiterin. Über die Hälfte des Tages nur am Telefon, aber wirklich was ändern tut sich nichts. Wozu also der ganze Aktionismus?

Ich bin jetzt eher beunruhigt, dass ich alleine klar komme, denn bei wichtigen Arbeitsschritten hat mein Vorgänger immer schon morgens um 7 Uhr vorgegriffen. Er konnte angeblich nicht auf mich warten, obwohl vor 7:30 keiner anfangen dürfte, aber der ist ja auch Freiberufler. Das ist auch nur wieder so eine unsinnige Machtdemonstration und Profilneurose.

23.08.2020 06:46 • #12


rero
Zitat von Ibreaktogether:
sie meint immer noch, aufgrund ihres "Dinosaurier-Status" in die Buchhaltung hineinregieren zu müssen. Alle haben Angst vor ihr,


Vor jemand Angst habe ist schon mal eine ganz schlechte Konstellation. Ich nehme an das beruht auf Machtausübung und evt. Machtmissbrauch. - solche Leute sollte man in Ihre Schranken weisen, sofern dies machbar ist (z.B Verstoss gegen Gesetzt etc.)

Zitat von Ibreaktogether:
Ich habe heute gesagt, was die gesetzlichen Anforderungen an eine Buchführung sind, zum Beispiel, dass es verboten ist, auf bestimmte Konten direkt zu buchen. Aber die sind völlig blind, und es heißt nur: "Wir machen das schon jahrelang so


Nur wenn man es schon immer so gemacht hat heisst das noch lange nicht, dass es richtig ist.
Verstößt es gegen gängiges Recht ? Erwägst du eine Anzeige zu machen oder ist Dir zumindest dieser Gedanke gekommen ?

Zitat von Ibreaktogether:
auch die Diskrepanz zwischen dem, was sie gelernt hat, und was dort gelebt wird.


Ich glaube das sagt alles. In so einem Betrieb hätte ich nichts verloren - und vermutlich jeder vernünftig denkende Mensch auch nicht......

23.08.2020 13:51 • x 1 #13


Ibreaktogether
Zitat von rero:
Nur wenn man es schon immer so gemacht hat heisst das noch lange nicht, dass es richtig ist.
Verstößt es gegen gängiges Recht ? Erwägst du eine Anzeige zu machen oder ist Dir zumindest dieser Gedanke gekommen ?

Nein, es verstößt nicht gegen ein Gesetz, und man kann keinen anzeigen deswegen. Es sieht nur verdächtig aus. Man bucht eben damit eine Forderung gegen das Finanzamt ein, die man nicht auf Anhieb nachweisen kann, sondern man müsste jeden einzelnen Beleg raussuchen. In Buchhaltungssoftwares ist das direkte Buchen von Mehrwertsteuerkonten blockiert, aber es gibt so Idioten, die hebeln die Blockade aus, und dann ist es auch ein Risiko für ungewollte Fehlbuchungen.

Heute haben mein Vorgänger und ich wieder Schimpfe im voraus gekriegt. Gegen Mittag hieß es aus heiterem Himmel von Frau S.: "Wenn heute abend nicht alle Rechnungen aus dem Eingangsordner gebucht sind, muss ich dass Frau K. melden". Das ist die Leiterin mit befristetem Vertrag, die heute wieder nicht da war. Gegen 14:30 war ich fertig damit, und zwar alleine. Das Verhalten der Frau S. war mal wieder nichts weiter als Profilneurose. Sie ist eine Sachbearbeiterin und keine Vorgesetzte, liegt aber ständig auf der Lauer, um uns Fehler nachzuweisen.

Dann, gegen 16:30, der Vorgänger wollte gerade gehen, kam eine "Fehlermeldung" der Controllerin. Sie hatte eine Excel-Liste mit ca. zehn von ihr so genannten "Falschbuchungen" geschickt. Zum Glück war da keine von mir dabei. Ich sah sie mir trotzdem an. Sie hatte rot markiert, was ihrer Meinung nach falsch war, aber wie ich erwartet hatte, nicht daneben geschrieben, was richtig gewesen wäre. Genau wie in der Schule.

Der Vorgänger M. korrigierte das dann eigenständig, und meldete der Controllerin, dass er fertig wäre. Sie wollte dann aber wissen, was er wie geändert hatte. Das hat er dann per mail beantwortet, und es war natürlich wieder falsch. Manchmal waren es nur Buchungstexte, wo sie etwas anders beschrieben hätte, was völlig subjektiv ist, und von ihrer Tageslaune abhängt. Ich war kurz davor, im Beisein von Frau S. zu sagen, dass solche Allüren völlig kindisch sind. Warum schickte die C. nicht gleich die Korrektur in einer anderen Spalte mit? Das sind doch nur Machtspielchen. Aber wir dürfen ihr auf gar keinen Fall Vorschriften machen.

Zum Glück habe ich heute sieben Fehler von mir entdeckt. Es war ein Wiederholungsfehler, also nicht sieben verschiedene. Die habe ich dann gleich selber korrigiert, bevor sie bei Frau S. aufpoppen. Es ist der reinste Spießrutenlauf. Man mag uns nicht, weil wir Ü40 bzw. Ü50 sind, und ständig im Hinterkopf haben, wie man solche Organisationspannen eigentlich ganz leicht beheben könnte. Mein Vorgänger hat nicht so viel Erfahrung, er versucht immer, so devot wie möglich zu sein, was man auch an seiner gebückten Haltung erkennt. Frauen springen natürlich voll darauf an, und schlagen noch mehr auf ihn ein. Mit mir schimpft Frau S. jetzt nicht mehr. Es war gut, dass ich von Anfang an Grenzen gesetzt habe. Und die C hat mich noch nicht einmal angerufen. Mein Vorgänger meinte heute sogar, sie hat instinktiv Respekt vor mir, weil sie aus dem gleichen Holz geschnitzt wäre wie ich.

25.08.2020 18:07 • #14


Ibreaktogether
Heute nachmittag bin ich ausgerastet. Hört sich jetzt schlimm an, aber ich bereue nichts, und habe dem Laden meinen Stempel aufgedrückt.

Ich bekam eine Aufgabe. Es ging darum, das Nebenbuch mit dem Hauptbuch abzustimmen. Etwas, was ich schon viele Jahre in vielen Unternehmen gemacht habe. Ich habe mir die Vormonate angesehen, die passenden Berichte aus dem System geholt, und die Zahlen passten. Dann, voller Stolz, zeigte ich es der Assistentin der Gruppenleiterin. Die wollte ja sehen, was ich mache. Und was antwortet sie darauf: "Nee, das ist falsch"! Sie hatte es wohl falsch verstanden, weil sie diesen Abgleich nie selbst gemacht hat. Aber sie ließ sich auf keine Diskussion ein, und meinte dann: "Ach mach doch, was du willst".

Ich hasse es, zu sagen zu bekommen, etwas wäre falsch, ohne zu wissen, um was es überhaupt geht. Die Aufgabe war klar. Das Ergebnis stimmt, der Rechen- bzw. Dokumentationsweg ist absolut der gleiche wie in den Vormonaten, und dann kriegt man so einen Dreck zu hören. Dann mischte sich noch eine Kollegin ein, die überhaupt nichts damit zu tun hat, und ich ließ noch meinen Frust ab. Danach fuhr ich ins Hotel, weil ich noch einen telefonischen Vorstellungstermin hatte. Ich rechne mir da Chancen aus, also habe ich etwas riskiert, um nicht wie der letzte Vollhonk dazustehen.

Wer was zu verlieren hat, ist das Unternehmen. Denn ich war der Letzte, der noch eine halbwegs vernünftige Einarbeitung bekommen hat. Wenn morgen mein Vorgänger geht, und ich gleich mit, dann bleibt eine Lücke, die nicht mehr so einfach zu schließen ist. Sollen sie doch Absaufen in ihrer Kloake.

Ach ja, heute nachmittag rief mich noch meine Agentur an. Die Finanzleiterin hätte meinem Ansprechpartner gesagt, dass keiner wüsste, was ich gerade mache. Die Absicht dahinter ist klar. Mal davon abgesehen, dass es peinlich ist, wenn sie nicht weiß, was ich mache, denn sie hätte ja zu mir kommen können. Aber ich vermute, sie will die Kündigungsfrist umgehen, und mich sofort rausschmeißen. Und da greift man halt zu dreckigen Methoden.

26.08.2020 16:51 • #15


Ibreaktogether
Ich fange langsam an, an mir zu zweifeln. Habe ich zu viel gesehen in meinen 33 Jahren Berufsleben? Zu viele Firmen, Geschäftsmodelle, Strukturen, Abläufe, Menschen, Befehl und Gehorsam, Logik, Mißstände, Unfälle, gute und schlechte Lösungen?

Ich sehe es immer öfter, dass man beargwohnt wird, wenn man sich Notizen macht, und die dann später "ins Reine" schreibt, oder sogar semiprofessionell so darstellt, dass auch Menschen, die nach mir kommen, damit arbeiten können. Viele wollen das nicht, und die nötigen Arbeitsschritte lieber durch "stille Post" weitergeben.

Wenn man sehr viel gesehen hat, wird vieles vergleichbar, wo bei einfacher gestrickten Menschen Welten dazwischen liegen. Es wird wohl besser sein, wenn ich mehr in mich reinfresse, und mir meinen Teil denke, anstatt zu sehr analytisch zu werden. Die verstehen sowieso nicht, was ich meine und wie ich denke. Am besten, man funktioniert einfach nur, und wenn man alles begriffen hat, schaltet man das Hirn aus.

26.08.2020 17:20 • #16


Mariebelle
Ich denke du hast zuviel "Mist" gesehen.

Wielange laeuft dein Projekt noch? Such dir zeitig etwas Neues,waere mein Vorschlag...

26.08.2020 17:22 • #17


Calima
Zitat von Ibreaktogether:
Ich fange langsam an, an mir zu zweifeln. Habe ich zu viel gesehen in meinen 33 Jahren Berufsleben?


Ich glaube tatsächlich, dass es Sinn macht, auch die eigenen Anteile zu hinterfragen, wenn man immer wieder gegen Mauern knallt. Das muss nicht bedeuten, sich dabei komplett in Frage zu stellen oder in Selbstzweifeln zu wälzen - aber mal hinzugucken, welche Muster man pflegt und auf welche Knöpfe man anspringt, wenn andere sie drücken, kann ganz hilfreich sein.

Wenn man die Reiz-Reaktionsmuster identifiziert, die einen in Rotation versetzen, hat man meist auch eine Chance, sie zumindest teilweise auszuhebeln und sich damit nicht immer wieder selbst auf die Füße zu latschen .

Im Zweifel sind eh immer die anderen schuld - ist gut für die Psychohygiene .

26.08.2020 17:31 • #18


Ibreaktogether
Zitat von Mariebelle:
Ich denke du hast zuviel "Mist" gesehen.Wielange laeuft dein Projekt noch? Such dir zeitig etwas Neues,waere mein Vorschlag...

Vor 90 Minuten habe ich die Zusage für ein anderes Projekt bekommen. So kann ich es morgen noch mal ordentlich knallen lassen, so dass sie mich abschießen. Sonst hätte ich ein Problem mit der Kündigungsfrist, und kann mich so schadlos halten.

Ich frage mich aber die ganze Zeit, wie ich so ein Desaster in Zukunft vermeiden kann.

26.08.2020 19:30 • x 1 #19


Ibreaktogether
Zitat von Calima:
Ich glaube tatsächlich, dass es Sinn macht, auch die eigenen Anteile zu hinterfragen, wenn man immer wieder gegen Mauern knallt. Das muss nicht bedeuten, sich dabei komplett in Frage zu stellen oder in Selbstzweifeln zu wälzen - aber mal hinzugucken, welche Muster man pflegt und auf welche Knöpfe man anspringt, wenn andere sie drücken, kann ganz hilfreich sein.Wenn man die Reiz-Reaktionsmuster identifiziert, die einen in Rotation versetzen, hat man meist auch eine Chance, sie zumindest teilweise auszuhebeln und sich damit nicht immer wieder selbst auf die Füße zu latschen .Im Zweifel sind eh immer die anderen schuld - ist gut für die Psychohygiene .

Was mich triggert, sind insbesondere folgende Reize:

- Wenn jemand sagt, es ist falsch, ohne zu sagen, wie es richtig ist.
- Bei Standardfällen bewusst und immer wieder unvollständige Informationen geben, so dass man nachfragen muss, anstatt gleich alles zu sagen
- "Steht doch alles im Internet", um Unwissen zu kaschieren
- emotional werden, wenn man argumentativ nichts mehr auf der Pfanne hat
- Loyalität um jeden Preis, auch zu Vollidioten
- dumpfe Andeutungen, ohne sich klar auszudrücken
- Unwillen, an einem Strang zu ziehen
- Vergessen, was man mal in der Berufsschule/Uni oder an anderen Arbeitsplätzen gelernt hat
- illegale Anweisungen erteilen oder befolgen
- Mißstände vertuschen, nichts klar aufarbeiten wollen, obwohl relativ einfach zu lösen.
- Machtspielchen bis zu Mobbing
- Seilschaften, "Filz", allgemeine Intransparenz, zurückhalten von Informationen

mehr persönliche Abneigungen:

- wenn Kollegen sich festquatschen, sich zigmal verabschieden, aber nicht weg gehen
- hoher Geräuschpegel, vermeidbare Geräusche
- soziale Erwartungen, im Mittelpunkt stehen
- Schwätzer, Dampfplauderer, Vollproleten
- ausgefragt werden, ohne selber was von sich preiszugeben

Als selbständiger Interim-Manager bin ich im kaufmännischen Bereich durchaus vergleichbar mit einem Feuerwehrmann. Notarzt sage ich nicht mehr, das klingt zu dramatisch. Aber ich komme immer mehr dahinter, dass die Unsitte, diese Helfer zu beschimpfen, zu beleidigen oder gleich zu schlagen oder zu bespucken, aus der gleichen diabolischen Ecke kommt. Irgendwelche Vollspacken finden sich immer, die nicht wollen, dass jemand was in Ordnung bringt, oder größeres Unglück verhindert. Wie oft habe ich es erlebt, dass größere, lang zurückliegende Probleme gelöst wurden, und anstatt Dankbarkeit zu zeigen, gab es nur Neid und Häme als Belohnung. "Das haben so viele Andere vor ihnen schon versucht, das können Sie sich gleich abschminken". Und wenn man es doch schafft, gibt es den blanken Hass. In "Masken der Niedertracht" kann man auch solche Fälle zahlreich und in allen Variationen finden.

26.08.2020 19:44 • #20



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