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lapatricia

lapatricia
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Hallo zusammen,

danke für die Aufnahme hier.

Eigentlich bin ich inzwischen recht stabil. Die großen Dramen bleiben aus, und ich habe in den letzten Jahren viel über mich verstanden. Vor einiger Zeit wurde bei mir außerdem Autismussspektrumsstörung diagnostiziert, was rückblickend vieles erklärt und mir geholfen hat, mich besser zu verstehen.

Trotzdem gibt es ein Thema, mit dem ich einfach nicht weiterkomme.
Ich habe in meiner Kindheit viel Misshandlung und Traumatisierung erlebt. Mein Nervensystem ist dadurch dauerhaft in Alarmbereitschaft. Hypervigilanz begleitet mich eigentlich ständig.
Wenn dann einmal Ruhe einkehrt und gerade nichts Schlimmes passiert, fühlt sich das für mich fast ungewohnt oder sogar falsch an. Manchmal habe ich den Eindruck, dass mein Gehirn dann unbewusst anfängt, nach neuen Gefahren oder Problemen zu suchen. Ich frage mich dann zum Beispiel, ob in meiner Partnerschaft etwas nicht stimmt, suche nach Fehlern oder zweifle Dinge an, obwohl objektiv eigentlich alles ruhig ist.
Gleichzeitig habe ich mehrere chronische Erkrankungen, unter anderem Autoimmunerkrankungen und Fibromyalgie mit chronischen Schmerzen. Es ist also tatsächlich oft irgendetwas los. Trotzdem frage ich mich immer häufiger, ob ich echte Ruhe vielleicht gar nicht mehr aushalten kann, weil mein Nervensystem so sehr an den Alarmzustand gewöhnt ist.

Ich bin alle zwei Wochen in Traumatherapie und habe außerdem Somatic Experiencing gemacht. Das hat mir vieles gebracht, aber bei diesem Thema komme ich irgendwie nicht weiter.
Kennt das jemand von euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Und was hat euch geholfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen und Ruhe nicht mehr als etwas Fremdes oder Bedrohliches zu erleben?

Ich freue mich über eure Erfahrungen. Vielen Dank.

06.08.2026 x 2 #1


8 Antworten ↓

kaputtes0hr
Ich habe zwar nicht die selbe Symptomatik wie du, jedoch ist es bei mit dem Gereizten Nervensystem bzgl. Ruhe ähnlich
Kurz zu meiner Symptomatik,
Ich leide seit ca fast 3 Monaten an so einer Art Dauerbenommenheit so "Watte im Kopf" mäßig, mittlerweile ist es so dass es mir garnicht mehr soviel Angst macht, teilweise nervt es mich halt nur, aber und da kommen wir zur Ähnlichkeit unseres Leidens es nervt mich nur dann wenn ich zur Ruhe kommen möchte, sobald ich quasi nichts tue fängt mein Hirn dauerhaft an, diese Dauerbenommenheit zu "scannen" wie eine Art Zwangsgedanken, sobald ich mich aber physisch mit etwas beschäftige ist es weg, Problem ist nur, ich kann mich nicht dauerhaft physisch mit etwas auseinander setzen, der Körper muss halt auch mal runterkommen, aber dann setzt meist direkt wieder diese nervige Dauerbenommenheit ein, ich versuche dann meist mich direkt wieder während der "Entspannung" mich psychisch mit etwas anderem auseinander zu setzen, um zu lernen es anzunehmen und es als nicht schlimm zu akzeptieren, aber auch das ist halt sehr sehr anstrengend sein Gehirn kontroliert von diesem Dauerscannen nach der Benommenheit ständig ablenken zu müssen, gerade morgens ist es sehr sehr schlimm, ich wache auf und meist sofort ist es da, ich brauche morgens meist erstmal eine Stunde bis 1 Stunde 30 min um mich erstmal ready für den Tag zu fühlen, weil ich mich erstmal morgens für die besagte Zeit psychisch ablenken muss um klar zu kommen, was mir auch oft hilft, wenn ich entspannen will, dass gilt aber denke ich eher spezifisch für mein Symptom (Dauerbenommenheit) ist, hinlegen und Augen schließen und an schöne Dinge die mich positiv beeinflussen denken, dann kriege ich die Dauerbenommenheit nicht mehr mit, aber sobald ich die Augen öffne ist es wieder da, ich denke das Einzige was man dagegen tun kann ist sich nicht davon beängstigen und sich davon nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen, das führt dann zur Akzeptanz und dann Schlussendlich zur völligen Annahme
Btw. Was mir psychisch dabei auch immer hilft ist Blutdruck messen, wenn mich diese "Dauerbenommenheit" zwischenzeitig manchmal so vereinnahmt, dass ich denke mit mir kann organisch doch irgendwas nicht i.o. sein, obwohl ich weiß dass organisch mit mir alles i.o. ist, dann lege ich mich flach auf den rücken ins Bett schließe für 2-3 min die Augen und messe ich meinen Blutdruck und siehe da wie erwartet alles i.o. Es ist nur dein Kopf das gibt mir in dem Moment zusätzliche Sicherheit in Form von Bestätigung über etwas was ich zwar sowieso schon weiß aber mir persönlich hilft es mich in dem moment besser zu fühlen

x 1 #2


A


Kann euer Nervensystem Ruhe aushalten?

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arthur1995
@kaputtes0hr geht mir genau so ich habe es seit 6 Monate. 😒

#3


sandracookie
Ja ich kenne dass das Nervensystem nicht mehr richtig zur Ruhe kommt, obwohl Ruhe von außen da ist.
Ich war letztes Jahr so tief drinnen in den Depressionen und Panikattacken, dass alle pschychischen und körperlichen Alarmsysteme mit Hochdruck gearbeitet haben (hab es auch lange genug versucht zu ignorieren und mich überfordert).
Es hat mich Monate gekostet mir wieder ein insgesamt stabileres Leben zu erarbeiten.
Lange Zeit habe ich mich getrieben gefühlt, sobald Freiraum da war bei gleichzeitiger Erschöpfung.
Im Oktober/November in der Tagesklinik konnte ich fast nie an den Entspannungsübungen teilnehmen, weil ich sofort mit Panik reagiert habe und dann erst Recht angespannt war.
Es wurde erst besser, als ich körperlich Spannung und Druck raus gelassen habe (Medizinball gegen die Wand geschmissen in der Tagesklinik 😅) und da fast ne Woche lang geheult habe...
Das bewusste Entspannen bei Meditationen, Achtsamkeitsübungen und so habe ich mit viel Geduld und Übung in ganz kleinen Schritten dann wieder gelernt. Ich hab regelmäßig kurze Übungen gemacht und konnte dann die innere Spannung aushalten, bis ich sie schließlich auch immer öfter loslassen konnte.
Ansonsten ist die Therapie für mich eine große Stütze und auch versuchen mal aktiv nichts zu tun und das auszuhalten (ohne bspw. sofort zum Handy zu greifen, dadurch ist man ja auch dauernd beschäftigt).
Es ist bei mir insgesamt besser geworden, als letztes Jahr, aber situationsbedingt haben meine Symptome seit Juni wieder zugenommen und da merke ich auch wieder das mein Nervensystem hochfährt. Ich hab ganz oft zittrige Hände, bin so stark angespannt, dass mir sämtliche Nacken und Schultermuskeln weh tun und insgesamt unruhig und reizbar.
Trotz der vielen Dinge, die mir in der Vergangenheit geholfen haben, komme und kam ich wieder an meine Grenzen, weil das Nervensystem sich nicht mehr runter reguliert und die Pausen, die ich versuche zu machen dann von Overthinking und Ängsten geprägt sind.
In Absprache mit meiner Psychiaterin
habe ich angefangen Promethazin zu nehmen und das beruhigt mich wirklich gut, es erreicht gefühlt die Stellen im Körper/Nervensystem auf die ich bisher keinen Einfluss hatte. Es ist damit nicht alles weg gezaubert, aber es ist eine weitere wichtige Stütze für mich.
Insgesamt versuche ich auch noch zu akzeptieren, dass mein Nervensystem wohl immer leicht zu aktivieren sein wird und dann lange braucht, um wieder Ruhe finden zu können.

x 2 #4


-juli
@lapatricia

Ich habe ADHS, bin auch im ASS-Spektrum und habe eine PTBS und eine kleine Liste an körperlichen Erkrankungen. Mein Körper/ Nervensystem hält Ruhe nicht sonderlich gut aus und seit der PTBS funktioniert das Prinzip von stimulierenden Mitteln leider auch nicht mehr, weil es Panikattacken und Ängste auslöst…

Meine Kindheit und Jugend waren auch alles andere als schön und ich habe zusätzlich Probleme mit einem enormen Bewegungsdrang, den ich einfach nicht in den Griff bekomme. Allerdings arbeite ich momentan auch nicht aktiv daran, weil es zu viele andere Baustellen gibt.

Meine Diagnostik ist noch gar nicht so lange her und hat einige Verletzungen aus der Kindheit und Jugend wieder hochgeholt… Gleichzeitig erklärt es total viel, das vorher rein auf meine Biografie reduziert wurde.

Ich freue mich auf den Austausch hier.

x 3 #5


Burn
Ja ich kenne das auch zu gut.
Ein Patentrezept habe ich auch noch nicht. Aber an dem Thema Akzeptanz ist schon einmal etwas wahres dran.
Es ist ja nun einmal so, dass der Körper und dann die Gedanken erst zur Ruhe kommen können wenn ein Ventil da ist.

Was wäre denn für dich Ruhe?
Welche Vorstellungen von Ruhe hast du?

Klassisch verbinden viele Menschen Ruhe damit, dass sie denken:
Ruhe ist Meditation
Ruhe ist Stille im inneren
Ruhe ist körperlich zu entspannen
Ruhe ist Ruhe im Kopf und nicht in Gedanken zu sein.

Ich habe für mich erst einmal angenommen, dass Ruhe für mich über gute Aktivität erfolgt.
Sport
Malen
Do it yourself Projekte
Usw.
Dann kann auch Anspannung weichen.
Dies ist die erste Akzeptanz für mein gestresstes Nervensystem.

Meditation: nicht jeder Mensch reagiert gut auf Meditation. Es gibt darüber einiges an Literatur. Dieser Selbstoptimierungswahn der einem im Moment auch noch suggeriert, man müsste sich da ewig mit beschäftigen sei es Yoga, Meditation oder auch selbstachtsamkeit ist ein sehr schmaler Grad ab wann man hier in Überfokussierung kommt!
Es gibt sogar Studien dass gerade Menschen mit Traumata nicht so gut aufgehoben sind bei Meditation in Stille
Auch Atmung etc. Ist ein Thema für sich 😅

Also ist es zum jetzigen Zeitpunkt für mich richtig nur zu schauen worüber baue ich Druck ab und komme dann in die Entspannung.

Jetzt könnte man ja auch sagen, man kommt nie in die Entspannung trotz massivem Sport oder andere Hobbys inklusive Schlafstörungen bzw. gar nicht mehr schlafen können. Dann wären Medikamente noch einmal eine Maßnahme


Zum Thema: man sucht sich schon förmlich Themen weil man es nicht gewöhnt ist, dass es einfach mal „ ruhig sein darf“. Kenne ich zu gut. Hier hilft wirklich diesen Gedanken oder auch Angewohnheiten nicht Zuviel Raum zu geben. Ablenkung mit positiven Gedanken und Erlebnissen lehrt das Nervensystem ebenfalls Sicherheit!

x 2 #6


-juli
@Burn das mit der Meditation als nicht hilfreiche Option bei Traumatisierung kenne ich auch…

Früher haben Entspannungsübungen bei einer Therapeutin bei mir zu Flashbacks geführt, weil sie damals nicht erkannt hat, dass es eine PTBS und keine reine Angststörung ist.

Und Ruhe in Verbindung mit Aktivität praktiziere ich auch.

x 2 #7


sandracookie
Zitat von Burn:
Meditation: nicht jeder Mensch reagiert gut auf Meditation. Es gibt darüber einiges an Literatur. Dieser Selbstoptimierungswahn der einem im Moment auch noch suggeriert, man müsste sich da ewig mit beschäftigen sei es Yoga, Meditation oder auch selbstachtsamkeit ist ein sehr schmaler Grad ab wann man hier in Überfokussierung kommt!

Das stimmt, man kann sich mit solchen Themen auch wunderbar selbst unter Druck setzen, ohne es zu beabsichtigen - gerade im Bereich "social" Media, wo alles mögliche immer eine Challenge sein muss und oftmals Wunder versprochen werden.
Mittlerweile habe ich für mich aber gute Wege gefunden mich da abzugrenzen und dann nur das zu nutzen, was mir hilft.
Was ich dabei mit der Zeit immer mehr versuche zu akzeptieren:
Mein eigener Weg kann und darf anders sein, als das vermeintlich "Normale" und "Schema F" - was dem einen hilft, schadet dem anderen.
In dem Zusammenhang finde ich auch deinen Punkt bzgl. "Wie definiert man Ruhe für sich?" super!
Da kommt man ja auch schon einen Schritt weiter, wenn man sich bewusst Gedanken darüber macht, was man eigentlich darunter versteht und auch hier ist das sehr individuell und was für den einen Ruhe bedeutet, ist für einen anderen ggf. Stress.
Das Beispiel bzgl. Meditation von dir und @-juli zeigt es ja auch, dass es je nach den vorliegenden Umständen mehr schaden als helfen kann - das war mir bisher nicht so bewusst.

x 1 #8


-juli
@sandracookie das stimmt… Ich finde, dass es vor allem Zeit und Geduld braucht, um sich dahingehend kennen zu lernen. Welche Skills uns helfen, ist ja auch total unterschiedlich. Mir tut aktive Fürsorge sehr gut und da ich inzwischen auch wieder deutlich besser schlafen kann, passt das vielleicht auch erstmal so.

#9





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