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NoLimits
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Hallo,

ich möchte hier von meiner Erfahrung mit der Einanhme und dem Absetzen von Riseridon / Risperidal berichten.

Vorweg ein paar wichtige Infos: Ich bin ein 24 Jahre junger Mann und habe Risperidon ab Ende 2021 bis November 2025 eingenommen. Die Dosis lag am Anfang bei 3 mg und wurde langsam in kleinen Schritten reduziert. Bei mir began es schon als Kind mit psychischen Problemen wie Ängsten, Zwangsgedanken und Deprissionen. Ich bin also vorbelastet, wenn man es so sagen kann.

Mögliche Trigger: Nebenwirkungen von Risperidon, Canna.

Ich werde Risperdion im folgenden Text immer mit „Risper“ abkürzen. Das Wort hat sich in den letzten Jahren so ergeben.

Wie kam es Ende 2021 überhaupt zur Verordnung des Medikaments? Nach übermäßigem Canna. Konsum hat sich bei mir innerhalb kurzer Zeit ein Wahn entwickelt. Ich habe mich persönlich sehr negativ verändert, hatte zum Teil eine deutliche Selbstüberschätzung, und versuchte durch alle möglichen Wege an Gras zu kommen. In einer Klinik nannte man mir die Schizoaffektive Störung als Diagnose, woraufhin dann die Behandlung mit 3 mg Risper folgte.

Diesen Klinikaufenthalt, der nach meinem Wahn stattgefunden hat, beschreibe ich gerne als eine Art „Reset“. Ich kam wieder runter von meinem Trip und musste mich fast schon von Grund auf wieder neu finden und aufbauen.

Ich erlebte bereits ziemlich schnell diverse Symptope bzw. Nebenwirkungen die sehr wahrscheinlich durchs Risper ausgelöst wurden.

Die Nebenwirkungen sind hier im Spoiler:
Trigger

- besonders am Anfang Hautausschläge und starke Handekzeme
- deutliche Gewichtszunahme (von normalerweise 80-90 kg auf 115 kg)
- übermäßige Kopfschmerzen
- leichte Männerbrust
- Verkrampfungen (unangenehme Impulse im Arm, Handgelenk hat hin und her gewackelt, Augen zukneifen) - vermutlich unregelmäßiger Puls „stolpernder Herzschlag“ (da er seit dem Absetzen fast vollständig weg ist)



Ich habe die Dosis in kleinen Schritten teilweise eigenständig reduziert, da sich die niedergelassene Psychiaterin oft dagegengestellt hat und einem grundsätzlich das Gefühl gab, sie hätte am liebsten überhaupts nichts ändern wollen. Über die Zeit hatte ich also immer mal wieder, in großen Abständen (mehrere Monate) die Dosis um 0,25 bis 0,5 mg reduziert. Das hat soweit immer gut geklappt, und ich bemerkte wenn überhaupt nur Unruhe oder leichte Ängste. Ich muss auf jeden Fall dazu sagen, dass ich die Reduzierungen immer zusammen mit meiner Mutter besprochen habe, und wir uns vorher immer erst Gedanken darüber gemacht haben.

Nur als diese in den Nebenwirkungen erwähnten Verkrampfungen aufkamen und stärker wurden, hat die Psychiaterin beschlossen, dass das Risper durch ein anderes Medikament, und zwar Chlozapin, ersetzt werden muss. Dafür wies sie mich direkt an eine PIA, und genau das war so ziemlich das beste was hätte passieren können. In der PIA wurde ich nämlich von einer deutlich kompetenteren Psychiaterin und einer tollen Psychologin betreut, von denen ich als Patient ernstgenommen wurde, und wo ich Mitspracherecht hatte. Wir beschlossen nach meiner Entscheidung hin, nicht auf Clozapin zu wechseln, sondern das Risper nochmal drastischer zu reduzieren.

Mit jeder Reduzierungen ging es mir ein Stückchen besser, und das nicht nur weil die Nebenwirkungen nachgelassen haben oder verschwanden. Ich und auch mein nahes Umfeld hat gemerekt, wie ich immer mehr aus diesem Roboter-ähnlichem Zustand heruskam. Für mich fühlte es sich immer so an, als würde wieder ein Stück mehr Leben zurückkommen, was mir beim sozialen Miteinander und kreativen Hobby geholfen hat.

–––––

Hier sind viele der Reduzierungen im Detail:

Zwischen Dezember 2021 bis Januar 2023 habe ich die Dosis alle paar Monate in 0,5 mg Schritten drei mal reduziert. Ab Januar 2023 nahm ich also noch 1,5 mg.

4 Monate später, im Mai 2023 reduzierte ich von 1,5 auf 1,25 mg. Zwei Wochen später reduzierte ich gleich nochmal auf 1,0 mg, teilte die Dosis aber mit jeweils 0,5 mg morgens und abends auf. Dies geschah als die Nebenwirkungen (Verkrampfungen) schlimmer wurden und während des Wechsels zu der PIA.

Erst ein Jahr später, im Juli 2024, bin ich von den 1,0 mg auf 0,75 mg runter. Im November 2024 dann auf 0,5 mg, und im Februar 2025 auf 0,25 mg. Auf dieser kleinen Dosis blieb ich dann noch eine Weile und setzte Risper im November 2025 von der 0,25 mg Dosis ohne weitere Zwischenschritte vollständig ab.

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Im September 2025 konnte ich endlich wieder einer Beschäftgiung nachgehen, und habe einen Freiwilligendienst gestartet. Im besagten November, schien mir ein guter Zeitpunkt zum Absetzten gewesen zu sein. Ich plante es ein wenig und nahm extra 2 Woche Urlaub. Das Absetzen verlief zum Glück wirklich gut, und bis auf einen Infekt, den ich leider zeitgleich hatte, und einem allgemeinen leichten Unwohlsein, gab es nichts was Probleme bereitet hat.

Nach den 2 Wochen Urlaub hatte ich wieder angefangen zu arbeiten und den Alltag normal fortgesetzt. Es sind fast genau 5 Monate, in denen ich kein Ripser und auch keine anderen Medikamte zu mir nehme, und ich fühle mich wirklich gut. Natürlich gibt es Schwankungen, aber das ist normal.

Stand heute kann ich mir eher vorstellen, dass meine vorbelastete Psyche, meine Sensibiliät und der übertriebene Canna. Konsum zu einer einmaligen Psychose oder etwas ähnlichem geführt haben. Mit der Diagnose Schizoaffektive Störung konnte ich noch nie so richtig etwas anfangen, zumal ich auch nie halluziniert habe und vor dem Wahn in der Vergangenheit keine Psychosen erlebte.

Ich habe jetzt noch knapp ein Jahr von meinem Freiwilligendienst vor mir, mache gerade meinen Führerschein, konnte alte Laster ablegen und habe mich persönlich auch einfach wieder in eine gute Richtung entwickelt. Ich bin sehr zufrieden mit mir selbst. Ich hoffe und bin sehr zuversichtlich, dass es so weitergeht.

Was ich unbedingt noch betonen möchte ist folgendes: Das ich in den letzten 4 Jahren während der Risper-Einnahme immer ein gutes und sicheres Umfeld gehabt habe, und vor allem durch meine Mutter unterstützt wurde, hat ganz sicher maßgeblich dazu beigetragen, dass die Reduzierungen und letztlich das Absetzen gut geklappt hat. Ich hatte diesbezüglich einfach Glück, worüber ich sehr dankbar bin.

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Natürlich gibt es immer zwei Seiten. Wird man durch seine Beschwerden und Probleme so stark eingeschränkt, dass ein normales Leben ohne Mediakamente nicht möglich ist, ist es eine gute Sache! Aber sollte die Möglichkeit bestehen, auch ohne Medis klarzukommen oder erst gar keine einzunehmen, sollte man das meiner Meinung nach nicht unversucht lassen.

Es war einfach mein Bedürfnis, von meiner Erfahrung mit Ripser zu berichten. Vielleicht kann es Betroffenen und oder Angehörigen weiterhelfen. Falls es irgendwelche Fragen gibt, versuche ich diese natürlich zu beantworten.

05.04.2026 #1





Dr. med. Andreas Schöpf
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