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@hodges
Fühle ich zu 100 %. Ich stecke auch gerade in einer Midlife-Crisis. Die kam bei mir auch erst mit 40. Anders als bei dir langweilt mich mein Job. Ich habe aber auch keinen Antrieb, mir "was anderes" zu suchen, weil mir alles irgendwie sinnlos und fad erscheint. Die Angst vor dem Tod ist bei mir größer denn je. Ich bin körperlich (und geistig) noch sehr fit, mache Sport, ernähre mich halbwegs gut, trotzdem gibt es hier und da Symptome, die kommen und gehen.
Meine Großeltern sind kurz vor 90. Neben ihnen fühle ich mich extrem jung. Und sie selbst sehen nicht unglücklich aus. Es ist also wohl wirklich ein Problem der Perspektive.
Es gibt Studien, die belegen, dass die Zufriedenheit mit dem Leben um die 40 tatsächlich den Tiefpunkt erreicht und danach wieder langsam steigt. Was auch immer das bedeuten mag. Es ist aber kein unbekanntes Phänomen.
Was können wir dagegen tun?
Also ich hatte schon Therapien. Zwar nicht wegen Midlife-Crisis aber man kann da ja universell vieles mitnehmen.
Ich mag die Aussage nicht, dass "der Tod dazu gehört", alleine schon weil das keinem weiter hilft, mit dem Leben klar zu kommen.
Die Kunst ist denke ich, im hier und jetzt zu sein und nicht über die Zukunft oder Vergangenheit nachzudenken.
Leider kriegen wir aber sowas ja durch den Beruf anerzogen: planen, vorausschauen, strukturieren, analysieren, aus Fehlern der Vergangenheit lernen, Retrospektive, strategisches Denken usw. und wir fangen irgendwann an, unser Leben wie ein blödes Unternehmen zu führen. Und dann sitzen wir hier mit 40, sind konditioniert und "vernünftig", konsumieren, was uns auferlegt wird und hinterfragen unser Dasein. Genau das ist, was ich Midlife-Crisis nenne.
Ein anderer Ansatz, der mir noch schwer fällt wäre, die Midlife-Crisis als eine Art "Erwachen" zu sehen. Eine Chance, das Ruder wieder selbst in die Hand zu nehmen. Was wäre, wenn ich jetzt gar nicht wüsste, wie alt ich bin? Würde ich dann eine Midlife-Crisis haben? Vermutlich nicht. Also müssen wir es irgendwie schaffen, uns nicht mehr über das Alter, Symptome oder Ereignisse zu definieren, sondern über die Freiheit, die wir gerade haben.