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Aus der Vorstellung eines "Selbst" resultiert die von den "Anderen". Wenn der "Andere" durch seine Verhaltensweise unser "Selbst" stabilisiert, schenken wir ihm unsere Zuneigung und suchen seine Nähe. Wenn jedoch dieser "Andere" unsere Struktur bedroht, weisen wir ihn ab. Nur aus deiser Interaktion von "Selbst" und "Anderen" entstehen die drei Gifte von Begierde, Abneigung und Verblendung.
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#4
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mauseherz Gast
Zitat von vent:
Aus der Vorstellung eines "Selbst" resultiert die von den "Anderen". Wenn der "Andere" durch seine Verhaltensweise unser "Selbst" stabilisiert, schenken wir ihm unsere Zuneigung und suchen seine Nähe. Wenn jedoch dieser "Andere" unsere Struktur bedroht, weisen wir ihn ab. Nur aus deiser Interaktion von "Selbst" und "Anderen" entstehen die drei Gifte von Begierde, Abneigung und Verblendung.
Hab ich das richtig verstanden? Die drei Gifte entstehen wenn das Selbst erblindet und die Anderen so grell sind, das nicht mal eine Sonnenbrille schützt. Was sagt mir das ? Hätte ich doch nur die Sonnenbrille nicht abgesetzt und lieber öfter mal auf meine eigenen Vorstellungen gehört. lg Nicole
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#5
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vent Gast
Ich denke ja, das und noch etwas mehr: Wenn man zwischen "Selbst" und "Anderen" (gedanklich) nicht trennt, kann man "Wir" sagen und dann entstehen die drei Gifte nicht.
lg
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#6
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vent Gast
Zweifel
Ich sitz auf einem falschen Schiff. Von allem, was wir tun und treiben, und was wir in den Blättern schreiben, stimmt etwas nicht: Wort und Begriff.
Der Boden schwankt. Wozu? Wofür? Kunst. Nicht Kunst. Lauf durch viele Zimmer. Nie ist das Ende da. Und immer stößt du an eine neue Tür.
Es gibt ja keine Wiederkehr. Ich mag mich sträuben und mich bäumen, es klingt in allen meinen Träumen: Nicht mehr.
Wie gut hat es die neue Schicht. Sie glauben. Glauben unter Schmerzen. Es klingt aus allen tapfern Herzen: Noch nicht.
Ist es schon aus? Ich warte stumm. Wer sind Die, die da unten singen? Aus seiner Zeit kann Keiner springen. Und wie beneid ich Die, die gar nicht ringen Die habens gut.
Jüngst traf ich einen alten Mann Und hub ihm vorzusingen an, Doch an den Mienen des Gesichts Bemerkt' ich bald, er höre nichts. Da dachte ich: der Greis ist taub, Drum wird dein Lied des Windes Raub, So tu' ihm denn, nicht durch den Mund, Durch Zeichen dies und jenes kund. Ich tat's, doch ward mir leider klar, Daß er auch schon erblindet war, Denn, wie der Frosch aus seinem Sumpf, Hervorglotzt, sah er dumpf und stumpf, Und ungestört in seiner Ruh', Der Sprache meiner Finger zu. Ich rief: mit dem steht's schlimm genug, Doch mögt' ich ihm den letzten Zug Noch gönnen aus dem Lebensquell! Da reicht' ich ihm die Rose schnell, Die ich für meine Braut gepflückt, Allein auch das ist schlecht geglückt, Ihm schien der Duft nicht mehr zu sein, Wie einem Gartengott von Stein. Nunmehr verlor ich die Geduld, Ich dacht' an meines Mädchens Huld, Die mir so schmählig jetzt entging, Da sie die Rose nicht empfing, Und jagte ihm im ersten Zorn In's dicke Fell den scharfen Dorn; Doch bracht' auch dies ihm wenig Not, Er zuckte nicht, er – war wohl tot!
Christian Friedrich Hebbel
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#9
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pax Gast
Zuerst die Hoffnung, dass es einem besser gehen wird, hierauf die Erwartung, dass es dem anderen schlechter gehen wird, dann die Genugtuung, dass es dem anderen auch nicht besser geht, und hernach die Überraschung, dass es beiden schlechter geht.
Karl Kraus (1874-1936)
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#10
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vent Gast
"Es ist eine Schwäche unseres Geistes, das Gefühl immer für einen Beweis zu halten."
Marie Souvestre
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#11
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vent Gast
Die Krähe
Eine schwarze Krähe hat in letzter Nacht dicht in mein Nähe sich ihr Nest gemacht.
Nun erfüllt ihr Krächzen übertags mein Ohr, wie ein traurig Aechzen dringt's durch Tür und Tor.
"Sag' mir, Gast des Schnees, dem die Kälte frommt, warum solch ein wehes Klagen aus dir kommt?"
Rückt der Vogel düster auf dem Zaun heran, schmerzliches Geflüster fängt zu künden an:
"Mensch, dem die Gedärme noch kein Hunger schlißt, der in sichrer Wärme vor dem Schreibtisch sitzt.
Mensch, bevor mich meine Flügel hergeführt, haben sie die Steine einer Stadt berührt.
So wie Wolk' an Wolke stand hier Haus an Haus und aus grauem Volke stieg ein Wortgebraus,
Höher, immer höher, bis es zu mir kam und ich schwarzer Späher Schreckliches vernahm.
Ueber uns geschritten ist der rote Krieg, unter seinen Tritten die Verzweiflung schwieg.
Aber nun der Grimme ist im Blut erstickt, sei des Elends Stimme in die Welt geschickt.
Seht! An unsern Lenden frißt des Hungers Gier, Tausende verenden hilflos wie ein Tier!
Alle, die einst lachten, weinen Tag und Nacht, Säuglinge verschmachten, kaum zur Welt gebracht.
Was die Not als Beute sackte nimmer ein, hetzt des Winters Meute in den Tod hinein.
Kälte schreitet eisern durch der Gassen Reih'n, schlägt in allen Häusern Tür und Fenster ein.
Und nicht Holz noch Kohle hemmt das weiße Weh, mit zerriss'ner Sohle stehen wir im Schnee.
Und der Tod hält wieder ein besondres Fest, denn durch unsre Glieder fiebert heiß die Pest.
Hier, wo einst das Lachen und der Tanz gelebt, jetzt des Todes Drachen seine Schwingen hebt!"
Schweigt die schwarze Krähe in dem weißen Schnee, doch in meiner Nähe sehe ich ein Weh
turmhoch in den weiten Horizont gestemmt - Tränen fühl ich gleiten aus mir, ungehemmt.
Alfons Petzold . 1882 - 1923
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#12
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vent Gast
Ich bin ein Fels. Leben und Sterben nahm ich wahr, empfang Glück und Gram, Freud und Trauer. Ich teilte das Leben der Steine.
Ich fühle mit der Erdmutter, Der Gebärin alles Lebendigen. Ich spürte ihr Herz an meinem schlagen. Ich spürte ihren Schmerz. Ich spürte ihren Frohsinn. Ich teilte das Leben der Steine.
Gebet der Hopi
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#13
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vent Gast
"Früh schon sprach mein Schicksal zu mir: Du sollst nicht dies und du sollst nicht das, Denn du würdest sonst nicht genug leiden.
Früh schon sprach mein Schicksal zu mir: Dies sollst du, das, und das sollst du, das, Denn du würdest sonst nicht genug leiden."
Christian Morgenstern
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#14
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vent Gast
Du greifst in deines eigenen Schicksals Speichen mit Kinderhand, wähnst goldene Liebeskronen zu erreichen, erhaschst nur Tand.
Zerstörst vom reinsten Glück die heiligen Blüten mit täppischer Faust – und lebst dein Leben – Trug und Wahn zu hüten –, bis es verbraust!
Hermione von Preuschen
Schöne Weihnachten euch Allen
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#15
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vent Gast
"Es ist so gewiß als wunderbar, daß Wahrheit und Irrtum aus einer Quelle entstehen, deswegen man oft dem Irrtum nicht schaden darf, weil man zugleich der Wahrheit schadet."
Johann Wolfgang von Goethe
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#16
V
vent Gast
Aber erst Gräber Schaffen Heimat. Erst unsre Toten Geben uns Licht.
Erst wo auf Hügeln Klagende knien, Erst über Särgen Werdet ihr Volk.
Erst wo auf Trümmern Herrlichen Erbes Ihr in Euch einkehrt, Werdet ihr Licht.
Ernst Bertram
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#17
V
vent Gast
Wechsel
Wir gleichen Wolken, die den Mond verhüllen; Wie blinkend sie in rastlos ziehnder Jagd Mit streifigem Licht die Dunkelheit erfüllen, Doch bald auf ewig schwinden in die Nacht!
Dem Saitenspiele auch, verstimmt, verschollen, Dem jeder Wind entlocket andern Ton, Und dem beim nächsten Hauche nie entquollen Derselbe Klang, der eben ihm entflohn.
Wir ruhn - ein Traum kann unsern Schlaf vernichten; Wir wachen - ein Gedanke trübt den Tag; Wir fühlen, lachen, weinen, denken, dichten, In Weh und Jubel bebt des Herzens Schlag:
Es bleibt sich gleich! - Der Freude wie den Sorgen Ist stets zum Flug die Schwinge ausgespannt; Des Menschen Gestern gleichet nie dem Morgen, Und nichts als nur der Wechsel hat Bestand.
Percy Bysshe Shelley
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#18
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vent Gast
"Der Verrat – ganz einfach – scheint nie zu triumphieren. Der Grund dafür ist: wenn er triumphiert, ihn keiner mehr Verrat nennt."
"Ich konnte es nicht mehr aushalten und werde es wohl auch nie wieder aushalten können. Es war mir alles zu eng und nicht das und immer weniger das, was ich brauchte."