Neonsurfer
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Hallo, ich nenne mich hier Neonsurfer, und bilanziere. Wer nicht weiß was das ist: Ich wäge ab, ob der finale Weg an der Zeit ist, oder nicht. Ich suche nach Zweifeln, denn mein Verstand sagt "nein", aber mein Herz schreit "ja"! Richtig, es schreit, und drängt mich gradezu.
Nein, hier schreibe ich keine langweilige Krankengeschichte. Tausend mal erzählt, tausend mal gehört. Und längst weiß ich selbst nicht mehr was geschehen ist, und was ich "ausschmücken" mußte, damit mit keiner weg schläft.
Aber ok, kurz nach den o.g. Ereignissen erhielt ich die Diagnose Morbus Crohn. Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED). Ich war grade in der Ausbildung zum Maschinenschlosser, und daher ein denkbar schlechter Zeitpunkt, sofern es den überhaupt gibt. Jedenfalls viel zu früh. Grade als ich meinen Sterne ordnen wollte, und die Welt fragte: "Was hast Du für mich?" . Die Antwort kam prompt. Schmerz, Angst, Verzicht, Rückzug, Verstecken, Vergessen . Nichts für einen jungen Geist, aber ich mußte mich fügen. Aufbegehren wurde mit Schmerzen bestraft. In meinem selbst gewähltem Gefängnis fühlte ich mich am sichersten. Aber ich wägte ab, ob mir das Wochenende mit Freunden, mehrere Tage Siechtum wert waren. Ja! Denn ich wollte leben! Ich wollte was andere hatten. Es gab Frauen und Beziehungen, die ich mir mit Blut erkaufte. Ein Raubbau, der auch nicht lange anhielt.
Nun habe ich 54 Winter gesehen, aber nur sehr wenige Sommer. Mit den Jahren wurden es immer weniger, und ich mußte mehr und mehr aufgeben was mich im Leben hielt. Nun bin ich ein Paradebeispiel meiner Krankheit. Dutzende Operationen, Amputationen, künstliche Darmausgänge, die von links nach recht wanderten. Quälende Abszesse, Blut, Eiter, sch. und Kotze wo man hin sieht. Die Krankheit hat alles weg gefressen. Mein Leben, meine Wünsche, meine Ziele. Ich kann nicht mehr. Nur noch ein Monster das niemand verletzen möchte, aber nichts anderes erfährt sobald es in die Welt sieht. Das Glück anderer tut ihm weh.
Tag ein, Tag aus sitze ich nun am PC, und schaue der Welt beim drehen zu. Ich fühle mich schwer wie Ballast den man abwerfen muß um höher zu steigen. Ich habe mich aufgelöst und existiere nur noch in einem Wunsch nach Substanz. Niemand berührt mich. Ich berühre niemand. Vor 25 Jahren lag zuletzt eine Frau neben mir. Ich möchte nur noch spüren und gespürt werden.
Ja, jetzt weiß ich genau was der Satz aus dem Lied bedeutet. Welchen Preis würde ich nicht bezahlen? Doch ich weiß, wenn ich das tue, gibt es kein Zurück. Denn das wäre der ultimative Beweis, das ich umsonst gelebt habe.
• • 29.05.2026 x 6 #1
Du bist nicht allein.