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Gaulin

Gaulin


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Ich hatte nicht nur Verhaltenstherapie, auch Tiefenpsychologische Therapie. Dabei ging es auch um die Ursachenfindung. Dennoch ist es nicht so tief wie die eigene Selbstfindung, ganz klar.

21.05.2019 19:46 • #21


Hotin

Hotin


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Zitat von Gaulin:
Bernhard, gelassener möchte ich werden... meine Gefühle unter Kontrolle haben. Weniger Angst haben (unkontrollierte). Besser umgehen können mit meinen Gefühlen und Gedanken. Mutiger sein. Mein Selbstwert stärken. Mein ständiges Leiden loswerden... naja halt die Grundbedürfnisse würde ich meinen...
Umgehen können mit Negativität. Nicht abhängig von Meinungen anderer zu sein. Usw. Kennt ihr sicher selbst...
Mein Leben genießen können!


Lieber Gaulin,

Deinen Sichtweisen versuche ich mich etwas zu nähern.

Gelassener kannst Du werden, wenn Du beginnst Deine Gefühle anders zu sehen.
Deine Gefühle sind Helfer, sie wollen Dir einen Weg zeigen, führen Dich dabei aber teilweise in eine falsche Richtung.
Dies kannst Du korrigieren, indem Du mehr bewusst denkst und
Deine Gefühle nicht mehr für so wichtig erachtest, wie bisher.

Zitat:
meine Gefühle unter Kontrolle haben.


Gefühle kannst Du nicht kontrollieren. Sie zeigen Dir, was Du aktuell gut und was Du aktuell
bedrohlich findest. Mit Deinem bewussten Denken kannst Du aber selbst entscheiden,
wohin Du Dein Leben steuern möchtest. Durch bewusste Veränderung Deines Lebens
bekommst Du dann auch teilweise andere (positivere) Gefühle

Zitat:
Weniger Angst haben (unkontrollierte).


Das passiert sehr schnell, wenn Du bewusster denkst und vor allem bewusst entscheidest.

Zitat:
Besser umgehen können mit meinen Gefühlen und Gedanken.


Wenn Du lernst, was Dein Gefühl überhaupt ist, solltest Du bald weniger Angst vor Deinen eigenen Gefühlen haben.

Zitat:
Mutiger sein. Mein Selbstwert stärken. Mein ständiges Leiden loswerden...


Dies folgt automatisch, wenn Du das vorher gesagte umsetzt.

Zitat:
Nicht abhängig von Meinungen anderer zu sein.


Wir sind sehr stark von anderen Meinungen abhängig. Das kannst Du nie ändern.
Durch bewusstes Denken kannst Du aber ständig entscheiden, von welchen
Meinungen Du Dich abhängig machst.
Deshalb suche die Menschen und die Meinungen, die Dir helfen Dein Lebensziel leichter
zu verfolgen.

Viele Grüße

Bernhard

22.05.2019 09:53 • #22


Hotin

Hotin


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Zitat von Froschkönigin:
Ich habe auch schon versucht mich mit meinem inneren Kind auseinanderzusetzen, aber irgendwie komme ich da nicht weiter. Ich verstehe nicht so richtig wie das funktioniert.
Ich habe eher das Problem, dass ich heute mit 42 Jahren noch das Gefühl habe ein Kind zu sein, dass es mir am liebsten wäre, wenn man mich an die Hand nimmt und mich durchs Leben führt und alles "schlechte" und schwierige von mir fernhält. So wie es wohl meine Eltern früher bei mir gemacht haben. Andererseits lasse ich mir widerum nicht gerne sagen was ich tun soll....


Hallo Froschkönigin,

den Begriff inneres Kind find ich nicht unbedingt glücklich gewählt.

Für mich entspricht das, was oft als "inneres Kind" bezeichnet wird unseren
inneren "Überzeugungen und Basisgefühlen".
Wir denken mit gelernten Überzeugungen.
Diese wurden meistens schon in der Kindheit angelernt.
Du kannst ja auch nicht einfach eine andere Sprache sprechen. Niemand kommt auf die
Idee zu sagen, ich spreche Deutsch, weil mein "inneres Kind" dies so will.
Du selbst hast Dir Deine deutsche Sprache gelernt. Folglich kannst Du auch nur selbst
Deine Sprachgrundlage ändern.
Wie unterschiedlich Menschen mit ihren Wurzeln umgehen, siehst Du an ausländischen
Bürgern, die noch nach Jahren kein Deutsch reden oder schon nach Monaten sehr gut
Deutsch reden. Womit hat das wohl zu tun? Mit dem "inneren Kind"?

Zitat:
Ich habe eher das Problem, dass ich heute mit 42 Jahren noch das Gefühl habe ein Kind zu sein, dass es mir am liebsten wäre, wenn man mich an die Hand nimmt und mich durchs Leben führt und alles "schlechte" und schwierige von mir fernhält.


Dieses Basis-Gefühl scheinst Du für Dich als richtig akzeptiert zu haben.
Warum hast Du es nie verändert?
Zitat:
So wie es wohl meine Eltern früher bei mir gemacht haben. Andererseits lasse ich mir widerum nicht gerne
sagen was ich tun soll...


Dann lebst Du vermutlich sehr viele Jahre mit einem Entscheidungskonflikt.
Was möchtest Du?
Möchtest Du Dir nicht gerne sagen lassen, was Du tun sollst?
Oder möchtest Du lieber immer an die Hand genommen werden?
Beides geht nicht.
So entstehen schwer zu verstehende Ängste. Für ein Gefühl machst Du immer etwas falsch.
Dies kann nur zu Dauerunzufriedenheit und starken Ängsten führen.

Viele Grüße

Bernhard

22.05.2019 10:16 • x 1 #23


Froschkönigin

Froschkönigin


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@Hotin Danke erstmal für Deinen Beitrag. Ich werde versuchen etwas später darauf einzugehen, wenn ich Mittagspause habe

22.05.2019 10:21 • #24


kritisches_Auge

kritisches_Auge


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In der Psychologie ist das innere Kind ein Standardbegriff.

Das Innere Kind gehört zu einer modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebniswelten, die durch Bücher von John Bradshaw und Erika Chopich/ Margaret Paul bekannt wurden. Es bezeichnet und symbolisiert die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition und Neugierde, Gefühle von Verlassenheit, Angst oder Wut. Das Innere Kind umfasst alles innerhalb des Bereiches von Sein, Fühlen und Erleben, welches speziellen Gehirnarealen zugeordnet wird.[1] S. 20/21 Die Arbeit mit dem Inneren Kind funktioniert nach dem Prinzip der beabsichtigten, bewussten, therapeutischen Ich-Spaltung zwischen dem beobachtenden, reflektierenden inneren Erwachsenen-Ich und dem erlebenden Inneren Kind.[2] S. 196

https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind

22.05.2019 10:39 • #25


kritisches_Auge

kritisches_Auge


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Das innere Kind hat diese Überzeugungen und den Verhaltenskodex noch nicht verinnerlicht.
Beispiel: Das ältere Kind oder der Erwachsene hat gelernt, dass Freude über den Tod eines verhaßten Lehrers, eines Menschen, sich nicht gehört. Das innere Kind ist ursprünglich, es denkt, fein, dass diese Schreckschraube tot ist, natürlich wird es nicht genau diese Worte gebrauchen, das Gefühl der Freude ist einfach vorhanden.

22.05.2019 10:51 • #26


Gaulin

Gaulin


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Lieber Bernhard,
Danke für deine ausführliche Antwort, ich stimme dir in allem zu. Nur in einer Sache nicht:
Zitat von Hotin:
Gefühle kannst Du nicht kontrollieren.

Ich finde das muss man sogar. Es wäre ja schlimm gewisse Gefühle nicht unter Zaum halten zu können. Man bedenke, dass man seine Gefühle bewusst steuern und auch ändern kann. Sprich sie unter Kontrolle hat. Gefühle resultieren aus Gedanken, Ansichten, Einstellungen, Bewertungen. Wenn man es schafft diese zu verändern, ändert sich das dementsprechende Gefühl. Aus den Gefühlen heraus folgen Taten/Handlungen/Vermeidungen. Das Heißt seine Gefühle kann man kontrollieren, indem man sich seine Gedanken bewusst macht und hinterfragt und gegebenenfalls realistisch umändert. Erst wenn man das durch Geduld, Zeit, viel Übung verinnerlicht hat (nicht nur theoretisch), schafft man diesen Prozess.
Aber nicht nur das, es spielen einige Faktoren mit in diesen Prozess rein. Lebensumstände, zu wissen, wer man ist, was man will, wo seine Grenzen liegen, wie und mit wem man leben möchte (ganz ohne Beurteilung und Meinung der Außenwelt bzw. Erlernter Muster und Denkweisen) usw.
Liebe Grüße
(die) Gaulin

22.05.2019 11:39 • x 1 #27


Froschkönigin

Froschkönigin


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Die ersten Beiträge von Dir muss ich noch stehen lassen. Ich habe heute nicht genug Zeit mich damit auseinanderzusetzen. Aber ich werde mich noch dazu äußern.

Zitat von Hotin:
Dann lebst Du vermutlich sehr viele Jahre mit einem Entscheidungskonflikt.
Was möchtest Du?

Ja wenn ich das nur wüsste. Ich hatte als Kind nicht viel Entscheidungsspielraum. Mir wurde meist gesagt, das ist jetzt so und mach so und so oder das machst du nicht. Mir wurden meist die Entscheidungen von meinen Eltern (hauptsächlich Vater) abgenommen bzw. für mich getroffen. Widersprechen war selten eine Option.
Ich habe das nie richtig gelernt und nehme vieles auch heute noch einfach hin, auch wenn mir etwas nicht passt.
Ich würde natürlich gerne selbstbestimmter durchs Leben gehen, ohne darüber nachzudenken, ob ich es anderen Recht mache oder sie damit verärgere. Ich beziehe die Reaktionen immer viel zu sehr auf mich und habe Angst vor diesen Reaktionen. Mit Ablehnung und Konflikten habe ich sehr große Probleme.


Zitat von Hotin:
So entstehen schwer zu verstehende Ängste. Für ein Gefühl machst Du immer etwas falsch.
Dies kann nur zu Dauerunzufriedenheit und starken Ängsten führen.

Genau so ist es. Ich habe seit 15 Jahren mit Panikattacken und einer Angststörung zu kämpfen, bin phasenweise depressiv (im Moment wieder auf dem Weg dorthin, wenn nicht schon angekommen), stelle ständig meine Entscheidungen (falls ich welche treffe und mich nicht herumwinde) in Frage und bin mit meiner Situation (vor allem der Arbeit) so richtig unzufrieden. Ende Juni lasse ich mich auf AD(H)S testen, da die Anzeichen darauf mehr als deutlich sind, was das Ganze für mich nicht leichter macht. Im Moment drehe ich mich im Kreis und finde vor allem beruflich keinen Ausweg ohne die Karten auf den Tisch zu legen und zuzugeben nicht die Starke zu sein, die alle glauben dass ich bin. Die Hosen herunterzulassen und nicht die Perfekte zu sein, sondern psychische Probleme zu haben. Diesen Schritt bin ich noch nicht so weit zu gehen, aber irgendwann wird es mich überrollen und mir bleibt nichts anderes übrig

22.05.2019 11:41 • x 1 #28


Hotin

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Zitat von kritisches_Auge:
In der Psychologie ist das innere Kind ein Standardbegriff.

Das Innere Kind gehört zu einer modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebniswelten, die durch Bücher von John Bradshaw und Erika Chopich/ Margaret Paul bekannt wurden. Es bezeichnet und symbolisiert die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition und Neugierde, Gefühle von Verlassenheit, Angst oder Wut. Das Innere Kind umfasst alles innerhalb des Bereiches von Sein, Fühlen und Erleben, welches speziellen Gehirnarealen zugeordnet wird.[1] S. 20/21 Die Arbeit mit dem Inneren Kind funktioniert nach dem Prinzip der beabsichtigten, bewussten, therapeutischen Ich-Spaltung zwischen dem beobachtenden, reflektierenden inneren Erwachsenen-Ich und dem erlebenden Inneren Kind.[2] S. 196

https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind


Hallo Auge,

ich weiß wohl, was sich hinter dem Begriff "Inneres Kind" in der Psychologie verbirgt.
Meine Aussage dazu sollte anders verstanden werden.
Zitat:
Die Arbeit mit dem Inneren Kind funktioniert nach dem Prinzip der beabsichtigten, bewussten, therapeutischen Ich-Spaltung zwischen dem beobachtenden, reflektierenden inneren Erwachsenen-Ich und dem erlebenden Inneren Kind.


Dazu
Erstens. Wenn es sich, wie Du gesagt hast, bei dem "Inneren Kind" um gespeicherte Gefühle
handelt, wie willst Du an gespeicherten Gefühlen arbeiten?
Wie willst Du etwas, was im Gehirn gespeichert ist bearbeiten und damit verändern?

Zweitens. Es gibt nicht nur das von Dir beschriebene, allein beobachtende und erlebende Kind.
Wo ist das bewusst agierende teilerwachsende Kind.
Gibt es psychologisch überhaupt einen Unterschied zwischen einem Kind und einem Erwachsenen?
Und wenn ja, worin genau besteht dieser Unterschied?

Ich halte nicht die von Dir beschrieben Zusammenhänge für falsch.
Jedoch glaube ich, dass der Begriff Kind dazu führt, das die Zusammenhänge allgemein meistens
falsch verstanden werden.
Menschen mit Angststörungen halte ich für intelligent genug, die Arbeitsweise von unserem
Bewusstsein und unserm Unterbewusstsein zu verstehen.

Drittens. Worin besteht genau Deiner Ansicht nach die "Ich-Spaltung? Ich kann sie nicht erkennen.
Warum sollte ein ängstlicher Mensch ein gespaltenes "Ich" haben?


Bernhard

22.05.2019 11:54 • #29


Hotin

Hotin


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@Gaulin

Hallo Gaulin,

die falsche Anrede bitte ich zu entschuldigen.
Zitat:
Hotin schreibt:
Gefühle kannst Du nicht kontrollieren.

Zitat:
Gaulin schreibt:
Ich finde das muss man sogar. Es wäre ja schlimm gewisse Gefühle nicht unter Zaum halten zu können. Man bedenke,
dass man seine Gefühle bewusst steuern und auch ändern kann. Sprich sie unter Kontrolle hat.


Hier reden wir aneinander vorbei. Wie Du, denke ich kann man und sollte man die Stärke unserer Gefühle
steuern, dazu sagen wir "Sie kontrollieren".
Ich verstehe unter kontrollieren etwas anderes. Ich denke wir können nicht verhindern, dass ein Gefühl in uns aufkommt.
Das Gefühl kommt, wann es will. Somit kann ich nicht kontrollieren, ob es kommt.
Aber wenn es kommt, dann kann ich das vorhandene Gefühl in seiner Stärke kontrollieren, wenn ich das will.

Bernhard

22.05.2019 18:34 • x 1 #30


kritisches_Auge

kritisches_Auge


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Es geht ja nicht nur um Menschen mit Ängsten.
Die Bewußtseinsspaltung besteht darin dass der Erwachsene sich über etwas ärgert oder sich abgewiesen fühlt, auch wenn er vielleicht garkeinen Grund dafür hat.
Und nun kommt der Dialog mit dem inneren Kind ins Spiel, dem Kind das sich bestimmte Dinge wünschte, aber nicht bekam. Die Kleine ist ärgerlich und stampft mit dem Fuß auf.

Nun vermittelt der Erwachsene, sieht den Wunsch des Kindes, nimmt ihn an, wärmt das Kind und weil das Kind sich gesehen fühlt, beruhigt es sich, beide bilden wieder eine Einheit.

Mir hilft das visualisieren von Personen sehr und zwar machte ich mir immer sehr viele Sorgen wenn geliebte Menschen unterwegs waren, ich hatte immer Angst , ihnen könnte etwas passieren. Und da gibt es die Heidi, mit Schleifchenbluse, Dauerwelle und dicken goldenen Ohrklunkern die lachend sagt wenn man nichts von den Kindern hört, geht es ihnen gut. Eigentlich mag ich diesen Satz gar nicht, aber manchmal brauche ich die Heidi, früher mehr als heute.

Und es gibt noch die Kriegerin die kämpfen will, sich durchsetzt und dabei die französische Nationalhymne sind." Allons enfants de la patrie..."

22.05.2019 20:22 • #31



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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