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Ich schreib hier auch gerne mal mit, weil der Titel des Threads auch sehr gut auf mich passt.
Ich leide seit ca. drei Jahren an Angststörungen.
Auslöser war wohl die schwere Krebserkrankung von meinem Vater, der immer gesund gelebt hat und dann trotzdem mit 55 fortgeschrittenen Krebs diagnostiziert bekommen hat (das hat meinen Glauben an die Fairnis der Welt wohl zerstört bzw. unterbewusst wohl die Worte "du bist vor nichts sicher" wachsen lassen).
Als ich vor drei Jahren dann privat viel Stress hatte (Kinder etc), ist bei mir das Faß wohl übergelaufen.
Dass ich als behütetes Einzelkind aufgewachsen bin, hat wohl auch zu allem beigetragen.
Jedenfalls bin ich seit 2,5 Jahren auch in Verhaltenstherapie und habe hauptsächlich wie die meisten hier hypochondrische Probleme.
Eigentlich hab ich mittlerweile fast den ganzen Körper durch an Symptomen und Ängsten:
Herzstechen, Augen- und Kopfschmerzen, Missempfinden linke Körperseite, Stiche und Missempfinden in der linken Brustmuskulatur (ich habe eine leichte Gynäkomastie, was bei mir natürlich sofort "Brustkrebs beim Mann" anklingeln lässt), Gewichtsab- und -zunahme, juckendes Muttermal, Schwindel, Rücken- und Nackenbeschwerden usw
Natürlich gehts auch bei mir fast immer um Krebs-Ängste oder Herz-Neurosen. Man kann sich oben anhand der Symptome sozusagen alles "zusammenbasteln" nach dem Motto "suche die passende Krankheit zum Symptom"

. Teils hatte ich auch mal kleinere Krankheitsängste (Diabetes, MS usw).
Auffällig ist auch, dass, wenn sich ein Thema erledigt hat durch ne Untersuchung oder nen Arztbesuch (z.B. Herzsache aufgrund EKG etc abgesichert), sich kurz darauf wieder ne neue Sache woanders auf tut (dann gehts halt mit Krebsangst am Kopf wieder weiter).
Bissl blöd war, dass dieses Jahr im Sommer beim allgemeinen Check ein Leberwert etwas über Norm war. Das war natürlich ein Schock für mich. Zusammen mit dem ebenfalls zu hohem Cholesterin war das für den Doc natürlich eine klare Sache (zu fettig gegessen). Aber erklärt das mal einem Hypochonder wie mir. Entsprechend hab ich sofort das Essen bissl umgestellt und auch gleich 4-5% Gewicht abgenommen. Aktuell muss ich aber aufpassen, dass ich nicht noch mehr abnehme, wodurch eben wieder die Angst aufkommt, ich hätte Krebs (eben wegen dem Abnehmen). Im Januar will ich die Blutwerte nochmal checken lassen - ihr könnte euch denken, dass ich davor auch wieder Bammel habe.
Bestätigen kann ich übrigens auch die Sache bei der Verhaltenstherapie.
Auch mir ist schon seit langer Zeit völlig klar (und das erklär ich meiner Therapeutin auch immer wieder), dass ich bestimmt nichts habe und es diese Überempfindlichkeit sein muss, die meine Symptome auslösen. Man kapiert also schon, was läuft hier, aber wenn es halt nicht so schwer wäre, es zu akzeptieren innerlich. Auch ich schaffe es nicht, meine Symptome zu ignorieren und was ich auch noch nicht so richtig schaffe: Das blöde Googeln sein lassen, wenn ich was habe!
Aktuell bin ich am Überlegen, die Therapie zu wechseln, weil ich schon seit einigen Monaten das Gefühl habe, dass da die Luft raus ist - es gibt nix Neues mehr bei der Therapie.
Was mir zumindest ein bisschen hilft die letzte Zeit (ich hatte es schon in nem anderen Thread geschrieben) und vielleicht hilft es euch auch:
Man muss sich mal wirklich in Ruhe überlegen und einfach statistisch gewisse Dinge zusammentragen.
1. Wir alle sind mehr oder weniger jung.
2. Wir alle wurden ganz klar diagnostiziert (Hypochonder, Generalisierte Angststörung etc)
3. Wir alle rennen sehr oft zum Arzt und lassen uns durchchecken
4. Wir alle beobachten unseren Körper extrem genau und würden nichts übersehen, was ein Durchschnitts-Mensch vielleicht übersehen würde.
Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs oder oder auch anderen schweren Krankheiten zu erkranken, ist bei jedem der 4 Punkte allein schon relativ gering.
Punkt 1 erklärt sich aufgrund des Alters selbst
Punkt 2 erklärt sich so, dass die Angststörung ja selbst schon eine Krankheit ist und wir ja das Pech haben, diese bekommen zu haben (ja...ich weiß, dass Angststörungen weitaus häufiger sind als Krebs etc, aber trotzdem gehören wir eher zur Minderheit)
Punkt 3 schließt zumindest aus, dass wir eine schwere Krankheit haben, welche über längere Zeit unbemerkt bleibt - damit würde sie im Falle der Fälle sehr früh entdeckt werden mit guter Aussicht auf Heilung/guter Behandlung.
Punkt 4 erklärt sich ebenso wie Punkt 3.
Nimmt man nun alle vier Punkte zusammen, dann ergibt sich eine derart geringe Wahrscheinlichkeit, dass grad wir jetzt in dieser Zeit wirklich was Ernsthaftes haben. Klar - eine 100%ige Sicherheit gibt es nie und das werden jetzt einige natürlich wieder sagen und damit eben begründen, warum sie ihre Angst nicht einfach ablegen können (kann ich ja auch nicht), aber trotzdem schafft es diese These für mich zumindest sehr oft, dass ich mir sagen kann:
"Vertraue der Statistik in diesem Fall ausnahmsweise mal.....und wenn es echt so kommen sollte, dass die 0,0001% eintreten und du hast echt ne schwere Krankheit, dann soll es wohl so sein vom Schicksal her....und selbst dann heißt es ja nicht, dass man gleich stirbt, sondern kann immer noch gut behandelt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, die nächsten Tage oder Wochen einen tödlichen Autounfall zu haben, ist also weitaus größer, als das WIR jetzt wirklich eine lebensgefährliche Erkrankung haben!
Versteht ihr, was ich meine?
Man muss meine Punkte oben wirklich mal in Ruhe ganz bewusst in Gedanken durchspielen.
Hier kann man ausnahmsweise auch mal google anschmeißen. Ich habe z.B. gegoogelt, wie wahrscheinlich gewisse Krebserkrankungen in meinem Alter sind. Man sieht dann, wie selten das ist und wie viel Pech man haben müsste, das mit 40, 30 oder gar 25 zu bekommen. Und jetzt wie gesagt noch gleichzeitig während einer Angststörung?!
Einige Krebserkrankungen kann ich zudem eh fast ausschließen aktuell bzw. für ne gewisse Zeit, weil ich mich da haben untersuchen lassen (Darmspiegelung, Hautarzt). Auch das fließt wieder positiv in die Statistik ein.
Ansonsten können wir nur weitermachen und hoffen, dass es irgendwann weg geht oder zumindest immer so in Schach gehalten wird, dass es uns und unsere Familien nicht zu sehr belastet.
Vielleicht hilft meine etwas seltsame Statistik-These ja dem einen oder anderen hier zumindest ein bisschen
