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201217.01




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Liebe Experten,
ich bin gezwungen, eine schwere Entscheidung zu treffen. Mein Therapeut hat unsere gemeinsame Arbeit vor einem halben Jahr abgebrochen, was mich in die bisher schlimmste Phase meiner generalsierten Angst gebracht hat. Die Begründung: Ich hätte zwar ganz gute Fortschritte gemacht, aber innerhalb des Kontingents wäre ein entscheidender Durchbruch ohne Medikamente nicht zu erreichen.
Ich stand dann Monatelang ohne Hilfe da und habe mich in mehreren Kliniken und bei unzähligen Therapeuten vorgestellt, um eine Perspektive zu entwickeln. Die Kliniken lehnten mich ab, da der Anfang meiner Behandlung ihrer Meinung nach erst einmal in der Psychiatrie angezeigt wäre. Die Therapeuten waren alles ausgebucht oder Selbstzahler.
Ich habe mir dann einen Coach gesucht, für den ich viel Geld bezahle, der mich zu den Untersuchungen begleitet hat, die zum Ausschluss organischer Ursachen noch wichtig waren.
Nun hat mein Therapeut mir angeboten, die Behandlung wieder aufzunehmen, wenn ich mich für eine medikamentöse Therapie entscheide. Erst dann könnte man überhaupt therapeutusch wirksam arbeiten. Ich habe aber schon mehrere Medikamente probiert- auch während seiner Behandlung und reagiere darauf furchtbar empfindlich. Ich habe schlimmste Erfahrungen damit gemacht und daher große Angst.
Ich befürchte, dass die zentrale Aufgabe meiner Krankheit eigentlich der Ansatz ist, mit meinen Gefühlen anders umzugehen, lernen nein zu sagen, meine Bedürfnisse herauszufinden und den Druck zu verringern, den ich mir stets mache. Aber 1. arbeite ich schon so lange an mir und meiner Seele 2. Ohne Hilfe finde ich keinen richtigen Ansatz.
Für die Medikamente würde auch sprechen (wenn sie denn überhaupt helfen würden) dass ich sehr ein geschränkt bin und einen realtiv hohen Leidensdruck habe.

Ich muss mich nun entscheiden, ob ich im Januar mit dem Medikamenten anfange, dann habe ich einen Therapeuten an meiner Seite, den ich für kompetent halte und dem ich vertraue.
Oder ich entscheide mich dagegen, dann habe ich nur meine Coacherin, die zwar gut ist und mich auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen würde, aber eben keine Therapeutin ist.
Ich habe Angst, unheimliche Angst vor den Medis. Und ich habe Angst, dass ich die Chance verpasse, mir mal selbst zu vertrauen und an der richtigen Stelle zu arbeiten, wenn ich die Medikamente nun einstelle. Denn noch niemand hat überhaupt versucht mit mir in Richtung Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten.
Bitte geben Sie mir einen Rat!

Zu meiner Person:
Akute Agoraphobie mit Panikattacken und generalisierten Angst seit 10 Jahren. Berentet, lebe relativ isoliert, aber halbwegs glücklich damit.

Danke und bitte meinen langen Text zu entschuldigen



  18.01.2012 15:54  
Hallo miaflorentine,

Medikamente sind kein Teufelszeug, sondern können im Einzelfall sehr heilfreich sein, sind manchmal sogar der wichtigste Ansatz. Wenn Dein Therapeut Dich kennt, Du ihm vertraust, Du bereits viele Jahre leidest - wo ist dann die Alternative ? Warum nicht versuchen - trotz Angst ? Was kannst Du dabei verlieren, außer dass es Dir eine Zeitlang vielleicht nicht so gut geht, bis ihr das richtige Medikament gefunden habt ? Ist das nicht auch eine Chance, die Du nicht einfach unversucht lassen solltest ? Also - ich an Deiner Stelle würde es wagen.

Ich grüße Dich herzlich und wünsche Dir viel Erfolg.

Bernd Remelius

P.S. Wenn Du Dich für eine Medikation entscheidest, dann versuche einmal möglichst unvoreigenommen dran zu gehen. Denn schon die ständige Erwartungshaltung, das ein Medikament "zu schrecklichen Symptomen führen könnte", kann im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung genau zu den Symptomen führen, auf die Du sozusagen wartest und Deine ganze Aufmerksamkeit lenkst,ohne dass die dann wirklich von den Medikamenten kommen müssen !

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