Jens_Hannover
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ich habe mich hier angemeldet, weil ich sonst niemanden habe, mit dem ich darüber sprechen kann.
Panikattacken hatte ich das erste Mal in 2013, es verging kein Tag ohne nicht mindestens eine Panikattacke am Tag. Ich weiß nicht, wie lange der Zustand andauerte, es waren damals mehrere Wochen und meine damalige Hausärztin verschrieb mir Promethazin-Tropfen, da ich auf dieses uralte, aber bewährte Mittel gut anspreche. Sie waren eine gute Stütze. Irgendwann verschwanden die Panikattacken von selbst und traten nur noch ab und an mal vereinzelt auf. Die brachte ich hinter mich und dann war gut.
Anfang November 2018 bekam ich die Diagnose "Vorhofflimmern". Zuerst fiel es mir schwer, damit klarzukommen und es äußerte sich wieder in Angst und Panik. Und da lernte ich, was es heißt, Angst zu haben und drinzustecken. Ich befand mich 6 Wochen lang in heftig starker permanenter Dauerangst bis über Weihnachten 2018. Weihnachten mit Angst schieben zu verbringen, ist alles andere als schön. Erst am 2. Weihnachtstag 2018 ebbte die Angst von selbst ab, sie war zwar da, aber in stark verminderter Form und verschwand im Laufe des Tages ganz und ich war der glücklichste Mensch auf der Welt.
Anfang 2019 begab ich mich in eine ambulante psychiatrische Praxis hier in Hannover, um das ganze abklären zu lassen. Ich füllte einen standardisierten Fragebogen an einem Computer aus und man sagte, ich habe eine Panikstörung. Die Behandlung bestand im Verschreiben von Psychopharmaka, die ich nach Dosierung einnehmen sollte und es tat sich nichts. Als ich diese Medikamente einnahm, hatte ich das Gefühl, in mir explodiert alles. Ich bekam noch stärkere Angst als vorher in Verbindung mit Herzrasen. Sofort setzte ich diese Dinger wieder ab. Da ich erst 2 Tabletten genommen hatte, war der Abbruch davon kein Problem. Ich wurde wieder angstfrei und dachte, ich lebe ohne diese Psychopillen besser als mit. Da ich in der Folge dann keine nennenswerte Angst mehr hatte, und wenn eine Panikattacke kam, war sie nach dem Abklingen auch wieder erledigt, dachte ich, na so kann es gern weiterlaufen und unternahm nichts weiter.
Dann kam der nächste Schub im späten Frühjahr 2021, verbunden mit Herzklopfen. Ich ging zu meiner Hausärztin und sie stellte im EKG eine längere Systole fest als normal. Daraufhin rief sie gleich den Notdienst und ich kam ins Krankenhaus. Nachdem ich geschlagene 6 Stunden in der Notaufnahme verbrachte, kam ich endlich auf die Station der Kardiologie. Das einzige was die machten, war ein Ultraschall, stellten ein vergrößertes Herz fest und veränderten meine Medikation, die ich seit 2018 einnahm und verabreichten mir anstatt des vertrauten Ramipril auf einmal noch zusätzlich Amlodipin. Ergebnis: Mit derselben und größerer Angst nach 4 Tagen entlassen. Ich bemerkte, dass die Angst sich durch die Amlodipin steigerte und setzte das Mittel ab - es ging mir ab dem nächsten Tag wieder besser und die Angst verschwand wieder.
Vorige Woche Freitag kehrte die angst nach 5 Jahren auf einmal wieder zurück. Seit 5 Tagen befinde ich mich mittlerweile in Dauerangst. Zwar ebbt die Angst in den späten Abendstunden ab bis zum Nullpunkt, aber um am nächsten Tag nach dem Aufstehen erbarmungslos wieder zuzuschlagen. Ich habe das verzweifelte Gefühl, diese Angst nie mehr loszuwerden, nie wieder "normal" zu werden wie andere Menschen. Auch wenn die Angstschleife davor wiederholt wieder aufhörte, ich glaube, diesmal bleibt es für immer. Und das ist das Schlimme der ganzen Sache. Ich fühle mich auch körperlich ausgepowert und kaputt.
Hinzu kommt, dass ich mittlerweile mit 58 Jahren immer öfter an schöne Zeiten von früher denke, als ich jünger war und diese Wehmut trifft mich so hart, dass es es noch zusätzlich triggert in dem Wissen, die Vergangenheit kommt nicht mehr zurück und es als vergangen und gewesen zu aktzeptieren, fällt mir so unendlich schwer.
So, jetzt habe ich einen ganzen Sermon hier geschrieben und hoffe, niemanden genervt oder überfordert zu haben.
Liebe Grüße von Jens
• • 30.10.2026 x 7 #1
