Zitat von Feuerschale: Wie es hier ist weiß ich nicht, hab noch keine anderen Beiträge gelesen.
Ich glaube, das genau hier das Problem liegt. Verhaltensmuster erkennt man oft erst über eine gewisse Zeit.
Zitat von Feuerschale: Vielleicht ist meine Grundvermutung auch in die falsche Richtung.
Es ist ja verständlich, dass jemand erstmal so reagiert. Es ist ja auch total normal, dass man, wenn man noch nicht viel von jemandem weiß, erstmal so reagiert.
Ich habe leider sehr viel Erfahrung mit solchen Verhaltensweisen und habe jahrelanger Therapieerfahrung damit.
Inklusive sehr vieler Aussagen von
sehr erfahrenen Therapeuten, die mit solch dysfunktionalen Mustern schwerpunktmäßig arbeiten.
Die würdest dich wundern, wie konsequent Therapeuten auf solche dysfunktionalen Verhaltensweisen reagieren, wenn sie einem Patienten wirklich weiterhelfen wollen und ihn/sie nicht einfach nur kurz abhandeln wollen. Denn es ist tatsächlich auch für Therapeuten sehr viel leichter, auf solche Verhaltensweisen einfach schnell mit kurzer Versorgungs-Bedürfnisbefriedigung zu reagieren, dann ist der Patient schnell wieder raus aus dem Zimmer, das Gespräch verläuft angenehm, der Patient ist
kurzfristig zufrieden und der Therapeut kann pünktlich Feierabend machen. Win-Win-Situation auf den ersten Blick, aber langfristig führt es leider nur dazu, dass sich die Muster beim Patienten nur immer mehr verfestigen. Kurzfristige Entlastung steht hier langfristiger, echter Hilfe entgegen.
Dabei geht es im Wesentlichen darum, dass tatsächlich niemand in Frage stellt, wie solche Verhaltensmuster entstehen. Es steht auch außer Frage, dass der Patient einen Leidensdruck hat. Aber wenn man ihm langfristig helfen will, geht das nur, indem man an alternativen Verhaltensmustern arbeitet, die dazu führen, dass ein Patient langfristig Entlastung finden kann,
denn ansonsten führt das nur dazu, dass der Patient für den Rest seines Lebens immer wieder die verletzende Erfahrung macht, dass Therapeuten und Betreuer ihn/sie irgendwann fallen lassen.
Und das ist, langfristig betrachtet, keine angenehme/ mitfühlende Perspektive.
Wirkliche Hilfe besteht darin, dem Patienten verständlich zu machen, warum das immer wieder passiert, damit der Patient sein Verhalten verändern kann, um diese wiederholte schmerzhafte Erfahrung langfristig zu vermeiden.
Und ja, natürlich ist es ein kleinkindliches frustriertes Bedürfnis, das hier ausgelebt wird. Das Problem dabei ist nur, dass Therapeuten und Betreuer eben keine Eltern sind. Darum wird in Therapie, Klinik und selbst in betreuten Wohnformen dieses Verhalten immer nur zu demselben Resultat führen, irgendwann kommt es zu Verletzung, wenn der Therapeut/Betreuer sich weigert, den Patienten emotional zu versorgen oder gerade mit einem anderen Patienten beschäftigt ist. Und auch durch professionelle Betreuer ist es nicht direkt möglich, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Die haben viele Patienten, begrenzte Arbeitszeiten und sind nunmal nicht immer verfügbar, sondern nur in begrenztem Rahmen. Sie sind keine Eltern. Und Therapie ansich hat sogar eine ganz andere Zielsetzung, nämlich die langfristige Hilfe zur Selbsthilfe.
Der Weg kann nicht sein, dieses Bedürfnis im Erwachsenenalter durch professionelle Unterstützungspersonen über Jahre hinweg immer und immer wieder befriedigen zu lassen, das funktioniert leider nicht und wird auf Dauer nur dazu führen, dass die Patienten in diesem ewigen Teufelskreis gefangen bleiben,
was, wenn man es mal genau betrachtet, alles andere als fürsorglich, mitfühlend oder empathisch wäre.
Erfahrene Therapeuten haben es wie folgt erklärt: Auch wenn es schmerzlich ist, der Weg kann nur sein, dem Patienten beizubringen, sich emotional selber zu versorgen.
Ist es unfair, dass der Patient diesen Mangel in seiner Vergangenheit erfahren hat? Selbstverständlich ist es das, aber wie bei jeder anderen Einschränkung, die man im Leben erfahren hat, muss man jetzt der Situation einen Umgang finden und aktiv an langfristigen Lösungen arbeiten. Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber man kann die Zukunft gestalten.
Bei bestimmten Erkrankungsbildern ist es leider so, dass das Bedürfnis nach dieser fürsorglichen Versorgung von außen niemals nachlassen wird, wenn man nicht an der Ursache arbeitet. Es ist bei manchen Erkrankungen eben nicht so, dass der Patient damit irgendwann aufhören wird, wenn er nur genug therapeutische/ betreuerliche fürsorgliche Versorgung erfährt (ein Argument, das von Patienten gerne kommt), manchmal sogar eher im Gegenteil. Das funktioniert bei einigen leichteren Erkrankungen vielleicht ein bisschen, es gibt aber schwerere Störungen, die es verhindern, dass das Bedürfnis danach jemals nachlässt, wenn man nicht an der zugrundeliegenden Ursache arbeitet.
Nicht einmal in therapeutischer Nach-Beelterung geht es darum, einfach nur fürsorgliche Versorgung zu geben, selbst da ist es das Ziel, dem Patienten beizubringen, sich selber emotional zu versorgen.
Folgendes Bild nutzen erfahrene Therapeuten dafür: Wenn also jetzt eine kurzfristige fürsorgliche Versorgung erfolgt, ist, das, als würde man etwas in ein Fass kippen, dessen Boden fast vollständig zerstört ist. Das Fass füllt sich nicht, darum hilft es auch nicht, weiter oben etwas hineinzukippen (hier: wiederholte kurzfristige fürsorgliche Versorgung). Man muss stattdessen erstmal dafür sorgen, dass der Boden repariert wird (hier: Therapie zur Selbstfürsorge).
Der Weg kann langfristig nur sein, zu lernen, dass Bedürfnis im Inneren selber versorgt zu bekommen, nicht darin, einfach nur immer im Außen nach kurzer Bedürfnisbefriedigung durch andere Menschen (schon gar nicht professionelle Helfer) zu suchen.
Und es ist auch verständlich, dass sich der Patient erstmal dagegen wehrt, denn das fühlt sich ja kurzfristig erstmal nicht so gut an, wie das Bedürfnis von außen durch andere Menschen versorgt zu bekommen.
Darum kann ich nur nochmal wiederholen:
Langfristige Hilfe sollte das Ziel sein, nicht ein kurzfristig gutes Gefühl von Versorgung. Gerade diese kurzfristige Versorgung kann langfristige echte Heilung verhindern.