Rogue
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Zitat von Feuerschale:Lernen/Fordern +Behinderung oder extrem starke verfestigte Muster und wenig Ressourcen, das passt nicht zusammen.
Ja, da stimme ich dir zu, aber man muss meiner Meinung nach wirklich genau im Auge behalten, wieviel Therapie ein Patient schon gemacht hat, welche Betreuungsangebote schon genutzt worden sind und wie ein Patient sich im Alltag verhält, wenn es darum geht, sich Betreuung und Therapie zu organisieren.
Es macht einen ganz entscheidenden Unterschied, ob ein Patient noch ganz am Anfang seines therapeutischen Weges steht, da ist dann natürlich ein langsames, schrittweise Ressourcen-aufbauendes Vorgehen dringend angeraten.
Wenn aber ein Patient schon sehr viel Therapie hatte und so auch an seinen Ressourcen arbeiten konnte, aber konsequent nicht in die Selbstwirksamkeit kommen möchte, ist das ein Unterschied.
Bei vielen schweren psychischen Erkrankungen liegt auch zusätzlich oft eine Behinderung vor, die aber nicht bedeutet, dass ein Patient keine Fortschritte machen kann.
Gerade auf den Stationen, auf denen ich war, hatten viele Patienten einen GdB zwischen 80 bis 100, oft zusätzlich einen Pflegegrad, und trotzdem konnten therapeutische Fortschritte erzielt werden.
Die TE hat vor noch nicht gar nicht langer Zeit einen Klinikaufenthalt genehmigt bekommen, hatte zusätzlich zeitgleich mehrere Formen von therapeutischer Unterstützung.
Solange also noch Therapie in Anspruch genommen wird, impliziert das auch, dass noch Fortschritte gemacht werden können.
Bei solchen dysfunktionalen Verhaltensweisen, wie die der TE, ist es halt gerade wichtig, dass therapeutisch so vorgegangen wird, dass der Patient auch Fortschritte machen kann, und leider beinhaltet das auch, den Patienten auch mal aus seiner Komfort-Zone herauszuholen und sich auf den längeren, oft mühevollen Weg der Symptomverbesserung zu machen.
Aber bei manchen Patienten stößt ein solch therapeutisches Vorgehen, dass auf langfristige Veränderungen angelegt ist und auch Mithilfe der Patientin einfordert, oft auf genau die hier gezeigten Reaktionen:
Sobald das vorliegende Bedürfnis nach Versorgung und Fürsorge nicht direkt befriedigt wird, sondern Mitarbeit seitens des Patienten eingefordert wird, kommen die hier gezeigten Reaktionen:
Widerstand, Wut, Abwertung und Diskreditierung der Hilfspersonen.
Diese Reaktion zeigt aber, dass es da durchaus noch andere Möglichkeiten der Reaktion geben kann, denn den Weg der Abwertung und Diskreditierung der Hilfspersonen findet man selten bei Personen, die gar keine andere Möglichkeit der Reaktion haben.
Wir reden bei der TE aber von einer Person, die durchaus in der Lage ist, sich ein sehr umfassendes professionelles Hilfsnetzwerk aufzubauen, sich Klinikaufenthalte und betreute Wohnformen zu organisieren, die nur alle Ihrer Ansicht nach nicht die Unterstützung liefern, die sie sich erhofft hat.
Wir reden hier nicht von einer Person, die über keinerlei Kompetenzen verfügt.
Darum sagte ich auch zu Anfang, das man sehr genau schauen sollte, wie der individuelle Patient tatsächlich aufgestellt ist.
Und gerade bei bestimmten Formen der psychischen Erkrankung ist genau dieses Vorgehen recht üblich: Es wird viel Therapie/Betreuung gemacht/genutzt und gefordert, aber sobald Therapeuten oder Betreuer aus einer rein fürsorgliche Haltung in eine therapeutische Haltung wechseln, die die Patientin dazu anregen sollen, auch auf eigene Ressourcen zurückzugreifen bzw. diese aufzubauen und in angemessenem Rahmen in die Selbstwirksamkeit zu kommen, kommt dieser oben beschrieben Widerstand, eben weil die Versorgung von außen das eigentlich gewünschte Ziel des Patienten ist und nicht die therapeutische Weiterentwicklung an sich.
Denn hier beißen sich ja zwei Ziele, die sich unvereinbar gegenüberstehen:
Zur emotionalen Versorgung wird therapeutische Unterstützung eingefordert und umfassend in Anspruch genommen, diese hat aber eigentlich zum Ziel, sich selber emotional versorgen zu lernen, was ja dann im Endeffekt bedeutet, auf die Fürsorge der Hilfsperson irgendwann verzichten zu müssen, was der Patient aber nicht will und so werden dann (oft unbewusst) therapeutische Fortschritte eher vermieden und sich auf eine "ich kann ja nicht"-Haltung zurückgezogen, weil diese ja dann (im Auge des Patienten) eigentlich wiederum die Fürsorge des Therapeuten längerfristig sicherstellen müsste.
Dies ist aber oft ein Trugschluss, viele Therapeuten arbeiten irgendwann mit solchen Patienten nicht mehr weiter, da diese von der Therapie nicht im therapeutischen Sinne profitieren, sondern den Sinn und Zweck von Therapie anders sehen/verstehen wollen, nämlich in der reinen emotionalen Versorgung und Fürsorge.
Dies hat die TE ja sehr zu ihrem Leidwesen nun bereits wiederholt erfahren müssen, sie steckt jetzt schon sehr lange in diesem Teufelskreis fest, trotz der umfassenden therapeutischen und betreuerischen Hilfe, die sie bereits in Anspruch genommen hat.
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