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thomas1989
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Guten Abend,

ich wollte schon vor zwei Wochen hier meine Probleme mal reinschreiben, hatte dann aber nicht den Mut, alles niederzuschreiben hat mir in dem Moment sehr gut getan, auch wenn ich es nicht gepostet habe.

Hintergrund ist der, ich hatte am 03.06.26 eine massive Panikattacke, die ich in der Intensität noch nie erlebt habe, hatte schon vorher ab und an in gewissen Situationen aufkommende Panik, hatte es aber immer unter Kontrolle, indem ich es in mir selbst klar ausgesprochen habe, mir war immer bewusst, was das war. Dadurch ist sie nie wirklich ausgebrochen, sondern ging schnell wieder weg.

Ich hatte schon eine Zeit lang verschiedenste Probleme, die ich mit ziemlicher Sicherheit dem Stress zuordnen kann. Hier mal eine Auflistung:

- Nackenschmerzen/Verspannungen mit Kopfschmerzen bis in die Schläfen (öfters; Dehnübungen bringen manchmal Abhilfe).
- Magenprobleme; u.a. Sodbrennen, teilweise brennen bei bestimmten Speisen.
- Durchfall (öfters; im Urlaub immer verschwunden, hab ich feststellen können).
- Kollikartige Schmerzen im Unterleib (selten, bei großen Menschenansammlungen, z.B. an Fasching hatte ich das).
- Reizblase (sobald ich unter Druck stehe, muss ich auf Toilette, egal wieviel Urin in der Blase ist).
- Herzstolperer, teilweise beim Einschlafen, dann schrecke ich auf. Manchmal auch bei Ruhe, dann neige ich zur Panik.
- Pfeiffen im Ohr, machmal bei Belastung


- Stimmungsschwankungen zwischen gereizt und erschöpft, immer Phasenweise über Wochen.
- Schlafprobleme trotz 7-8 Stunden, bin ich immernoch müde
- Panikattacken (bis jetzt hatte ich das unter Kontrolle, mir war bewusst, dass das eine Panikattacke ist)
- Höhenangst (hatte ich sonst nie)


Bis jetzt ging es immer irgendwie, ich stehe beruflich unter großen Druck, muss viele Probleme lösen und bin bei uns Ansprechpartner Nummer 1. Oft passiert es, dass ich meine Arbeit erledige und gleichzeitig einen Kollegen auf dem Headset habe und ihm bei seinem Problem weiterhelfe. 50 Anrufe am Tag sind keine Seltenheit sondern die Regel. Ich arbeite im Service Bereich bei technischen Anlagen, hab durch stetige Weiterbildungen und viele viele Stunden des Lesen, eine gewisse Kompetenz erworben. Ich liebe meinen Job, er ist perfekt für mich, denn dort habe ich die Freiheiten, die ich brauche. Jeder Tag ist anders und es erwarten mich immer neue Herausforderungen.

In meiner Freizeit gehe ich dann verschiedene Hobbys nach, habe einen Jagdschein, Angelschein, Motorbootführerschein See und Binnen, Tauchschein und fahre Fahrrad. Arbeite auch gerne an einer unserer Immobilien, da ich im Handwerk arbeite und jeder Tätigkeit aufgeschlossen gegenüber stehe, mach ich komplett alles selbst, habe schon mehrere Bäder komplett erneuert, von Trockenbau, Fliesen, Wasser, Abwasser und Elektro, wirklich alles selbst. Die Ergebnisse können sich ebenso sehen lassen, da ich sehr perfektionistisch eingestellt bin und dementsprechend einen hohen Anspruch an meine Arbeitsleistung habe.

Soviel zur Vorgeschichte und was ich so mache. Aktuell sind meine körperlichen Beschwerden reduziert, habe nach der Attacke zwei Wochen Urlaub genommen und mich zurück gezogen. Nach der Panikattacke lag ich 2 Tage im Bett und habe nichts getan, noch nicht einmal Fern geschaut, nur gestarrt und in Gedanken verloren gewesen. Dann habe ich wieder angefangen bei mir zu Hause etwas zu arbeiten, hat mir total Spaß gemacht, hab von morgens bis Abends durchgearbeitet, fast jeden Tag.

Aktuell merke ich, dass ich sehr schnell gereizt bin, habe sozusagen eine extrem kurze Zündschnur, das war vorher nicht so.


Zur Panikattacke selbst:

Am besagten Tag ist meine Frau mit meinem Sohn auf Mutter Kind Kur gefahren. Tagen zuvor trieb es mir regelmäßig deswegen die Tränen in die Augen, so dann auch beim Tag des Abschieds. So kenne ich mich eigentlich nicht selbst, normalerweise hab ich mich unter Kontrolle. Parallel zur Mutter Kind Kur habe ich einen Tauchurlaub geplant, meine Frau fand das auch eine gute Idee, dann kann ich mal runterkommen, den ganzen Tag frei entscheiden was ich mache. Habe mich tierisch darauf gefreut.

Nachdem ich alles gepackt habe, brachten meine Eltern mich zum Flughafen, auf etwa halber Strecke bekam ich innerlich Angst, mit jedem Kilometer näher an den Flughafen wurde die Angst stärker. Man muss dazu sagen, ich war extrem gestresst, auf der Arbeit gabs Probleme, ich stand dadurch massiv zusätzlich unter Druck, mein Kopf war voll. Zu allem Überfluss redete meine Mutter auf der Fahrt ohne Punkt und Komma, es war einfach zu viel. Wie wir am Flughafen waren, war der Höhepunkt erreicht, ich konnte nicht mehr, dieses Gefühl war so massiv, ich hatte keinerlei Kontrolle mehr, brach in Tränen aus und musste einfach weg. So eine Panikattacke hab ich noch nicht erlebt.

Überschlägig hab ich jetzt um die 2000 Euro in den Sand gesetzt, da ich die Reise nicht antreten konnte. Tauchen ist für die nächste Zeit erstmal gestrichen, mit den Symptomen bin ich nicht tauglich.


Mir ist mittlerweile bewusst und auch total klar, dass ich etwas tun muss. Ich hab erst gedacht, ich bin in den ersten Phasen eines Burnouts o.ä. Bis ich vor zwei Tagen, dank eines Psychiaters eine Erklärung für all das fand, die wirklich extrem passend ist und auch in meiner Vergangenheit etliches erklärt.

Mein Sohn war beim Erstgespräch bezüglich Abklärung von ADHS, der Arzt nahm sich wirklich viel Zeit für uns (über 2 Stunden) und redete intensiv über dieses Thema und erstellte eine Voranamnese. Er fragte auch mich aus, wie es bei mir in der Vergangenheit war in der Schule etc. Von meinen Problemen habe ich ihn nichts erzählt. Am Ende empfahl er mir, ich soll doch bitte einmal mich auch selbst testen lassen. Das kam unerwartet für mich, weshalb ich begann zu lesen. Stundenlang, intensive Recherche, das Thema interessiert mich brennend. Nach einer Weile hat es Klick gemacht, es trifft so unglaublich viel auf mich zu. Dann begann ich meine alten Zeugnisse zu suchen, 1 bis 4 Klasse hat mich am meisten interessiert, da dort viele schriftliche Kommentare drunter stehen. Es zog sich durch, wie ein roter Faden. unkonzentriert. leicht ablenkbar. verträumt. langsam. schafft das Pensum nicht in der vorgesehenen Zeit. ab 5 Klasse auffällige Noten, vorallem in Fächern, die mich noch nie interessierten, ich bin eher der Mathematik und Physik Typ, dort hatte ich dann durchweg Note 1 bis 2. Während Englisch oder Geschichte z.B. durchweg Note 4 war.

Auch viele andere Merkmale trafen zu, wie z.B.:
- gestörte Impulskontrolle
- neues Hobby, massive Zeit und Geld Investition (eine Zeit lang interessant, dann lässt es nach und wird seltener)
- Bewegungsdrang, wippe mit dem Knie, Beine fühlen sich unruhig an
- innerlich unter Strom, immer nervös
- vergesse häufig Dinge, weswegen ich mir extra Plätze geschaffen habe z.B für Autoschlüssel etc.
- langweilige Arbeiten anzufangen, kosten mich massive Überwindung, teilweise verschiebe ich es bis es nicht mehr geht
- Geburtstage kann ich mir nicht merken, steht alles im Handy
- übersehe viele Dinge, meine Frau wird da immer wütend, ich komm rein, stelle z.B. im Vorraum was ab und das bleibt dann da erstmal Tage lang, bis es an seinem Platz kommt
- Hyperfokus, wenn mich keiner stoppt und mich rauszieht, verliere ich mich stundenlang in Arbeit. Am längsten war mal von 8 Uhr morgens bis 3:30 Uhr Nachts, da war ich selbst erschrocken.
- Überreizung, ich hab schon immer nach Feierabend mindestens 1 Stunde Ruhe gebraucht, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Mir wurde erst jetzt bewusst, dass es nicht normal ist, alles ungefiltert zu hören, dachte es wäre bei jedem so. Es haben sich schon öfters Leute gewundert, warum ich immer alles mitbekomme, selbst in belebter Umgebung.


Ich bin natürlich jetzt geschockt und auch niedergeschlagen, falls ich das wirklich habe, hätte in der Vergangenheit einiges besser und vorallem leichter laufen können. Ich fange mir an Gedanken zu machen, wie mein Leben vielleicht dann verlaufen wäre. Man muss dazusagen, ich hab durch gewisse Ablenkungen das Abitur verworfen, wollte eigentlich studieren. Das nagt schon jetzt an mir.

Die Frage ist, wie mache ich weiter, akutell sind die psychosomatischen Beschwerden weg, wahrscheinlich solange, bis mein System wieder überreizt ist und im Alarmmodus läuft. Ebenso hab ich die Befürchtung, dass ich depressiv werde, fühle mich nämlich traurig, kann sehr schlecht schlafen und Nachts laufen mir manchmal die Tränen. Ich hab halt auch große Probleme mich jemanden anzuvertrauen und finde nicht die passenden Worte, sehr schwer für mich.


Sorry das der Text so lange war und danke fürs lesen. Vielleicht hat jemand von euch ein paar Ideen oder Vorschläge.

Liebe Grüße

Thomas

06.07.2026 x 2 #1


4 Antworten ↓

-juli
Es kann keine außenstehende Person beurteilen, ob bei dir ADHS vorliegt. Aber der Hinweis des Diagnostikers wäre doch etwas, worauf du hinarbeiten könntest, wenn du zur Testung gehst, weißt du vielleicht irgendwann mehr.

ADHS hat häufig auch eine genetische Komponente, weshalb es sein könnte, dass mindestens ein Elternteil ebenso betroffen ist. Mein Vater und meine Brüder haben ebenfalls ADHS, allerdings „zählten“ meine Geschwister bei der Diagnostik nicht, weil es Halbgeschwister sind und man dann nicht weiß, von welchem Elternteil aus die „Option“ weitergegeben wurde.

Ich wurde selbst auch erst später diagnostiziert, aber bin in einem früheren Lebensabschnitt als du.

Falls du über private Diagnostik nachdenken solltest, dann solltest du darauf achten, dass sie nach den Leitlinien abläuft.

Das wurde für mich ein Thema, weil ich viel zu impulsiv war, um ansatzweise so lange zu warten, wie ich es gemusst hätte und ich kein Vertrauen in die Angebote meiner Region hatte, da ich so oft auf meine Biografie und Vorgeschichte reduziert wurde und hier eh keinen Termin in absehbarer Zeit bekommen hätte, wofür der Leidensdruck dann auch zu hoch war…

Es gibt häufig, grade bei spätdiagnostizierten Personen auch andere Begleiterkrankungen. Bei meiner Diagnostik wurde mir gesagt, dass grade Angststörungen, Depression und sogar Traumafogestörungen recht häufig parallel bestehen oder in der Vergangenheit bestanden und so ist es auch bei mir.

Allerdings würde ich dir raten, dir auf Dauer so oder so Hilfe zu suchen, wenn du weißt, dass dein Zustand wieder kippen wird. Durch eine Therapie könntest du lernen, nicht mehr so stark in solche Zustände zu kommen.

x 1 #2


A


Panikattacken/Angstsstörung durch unerkanntes ADHS?

x 3


CosmicPancake
@thomas1989 Wenn ich Deinen Text lese, frage ich mich, wann Du das alles machen willst.
Krasser Job (den Du gleichermaßen als Traumjob und viel zu stressig beschreibst), tausend (aufwändige) Hobbies, Immobilien, Familie, ....

Ob mit oder ohne ADHS: Wie soll man da keine Panikattacken bekommen? Für mich liest sich das nach permanenten Reizen und irgendwann reagiert der Körper dann so, wie Du das erlebt hast.
Gönne Dir Pausen, mache weniger, kenne Deine Grenze und halte diese nach Möglichkeit ein.

x 1 #3


T
@-juli

Danke, das mit dem Abwarten kenne ich auch, es macht mich wahnsinnig, wenn nicht alles gleich und sofort geschieht. War schon immer so.

Ich muss mal schauen, eventuell lass ich das tatsächlich privat abklären, sonst warte ich wahrscheinlich ewig.


@CosmicPancake

Die Zeit ist nicht das Problem, bei mir ist das phasenweise, mal ist dieses Hobby von Interesse, mal ist wiederrum das andere von Interesse. Angeln und Jagen finde ich eher entspannend, ganz allein, nur die Geräusche der Natur, das empfinde ich jetzt nicht als Stress. Hab nur leider nicht immer das Interesse dafür. Tauchen gehe ich nur im Urlaub, belastet meinen Alltag auch nicht.

Mit meinem Job bin ich zufrieden, hab deshalb extra nochmal eine zweite Ausbildung angefangen. War erst im Büro, das hab ich aber nicht ausgehalten, das war extremst langweilig. In meinem jetzigen Job bin ich schnell aufgestiegen, jeder Tag ist anders, jeden Tag gibts was neues, das brauche ich.

Die permanente Reizüberflutung ist meiner Meinung nach, das Hauptproblem. Ich kann mittlerweile nicht einmal mehr zu großen Festen gehen, das halt ich nicht lange aus. Wenn ich dann doch mal zu einem größeren Geburtstag muss, versuche ich Abseits zu bleiben und mich mit Musik abzulenken, das nimmt mir die vielen Reize von außen weg und hilft ungemein. Jedoch ist das, wie ich mittlerweile begriffen habe, nicht unbedingt normal. In der Vergangenheit wurde ich dadurch immer als Einzelgänger bezeichnet.

#4


-juli
@thomas1989 wie gesagt, bei privater Diagnostik muss man arg aufpassen. Es gibt ein sehr großes Zentrum in Berlin, da habe ich das gemacht und war soweit zufrieden. Nachteil war hier aber, dass die Diagnose durch Therapeuten gemacht wird und manche Psychiater stellen sich dann mit der Verschreibung von Medikamenten quer. Eigentlich ist es egal, ob nun ein Arzt oder Therapeut die Diagnostik macht, wenn nach Leitlinie gearbeitet wird, zumindest wenn formal richtig gearbeitet wird. Das sollte man auch beachten, falls man den Befund für weitere Anträge nutzen möchte und es gibt große preisliche Unterschiede dabei. Diesbezüglich kann man sich aber auch online in diversen Foren informieren.

x 1 #5





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Dr. Christina Wiesemann
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