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V

Virginkl
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So ihr Lieben machen wir uns einfach mal Gedanken um den krankheitsgewinn. .was passiert wenn die Angst auf einmal weg ist?

04.02.2025 x 1 #1


52 Antworten ↓
V

Volatilität
Gast

Meine Krankheitsgewinne meiner Depressionen und Angststörungen:

- Ich bekomme Aufmerksamkeit und zwar je nach Phase fett von meiner Frau, meiner gesamten Verwandtschaft und auch von meinem Freundeskreis.

- Ich bekomme Mitleid und zwar je nach Phase von vielen Menschen.

- Ich muss nicht mehr arbeiten.

- Ich bekomme finanzielle Mittel, obwohl ich nicht mehr arbeite.

- Ich kann faul sein und zwar zu jeder Zeit. Ich kann auch ein "Kriege heute den A... nicht hoch" auf meine Erkrankung schieben, obwohl das an Tagen ist, an denen es eigentlich gehen würde.

- Ich kann jederzeit "Ausreden" haben, sei es in Bezug auf Treffen und Absagen (selbst fünf Minuten davor ist kein Problem, denn es MUSS JA JEDER VERSTEHEN) oder sei es in Bezug auf viele andere Dinge.

- Ich habe einen Grund, mich von bestimmten "Menschen-Arten" "abzukapseln", brauche mich also nicht mehr wie früher auf anstrengende Diskussionen einlassen und ich brauche mich auch nicht mehr bemühen, die Meinungen anderer zu akzeptieren.

- Ich kann wütend und gereizt sein, ohne wie "normale" Menschen ein fettes Kontra zu bekommen....ist halt die Krankheit. Allgemein kann ich mich also viel mehr auskotzen über Gott und die Welt und bekomme eher Verständnis dafür als früher.

- Ich muss für einige Dinge im Leben keine Verantwortung mehr tragen und kann sogar vergangene, augenscheinlich falsche Entscheidungen im Leben auf meine Erkrankung schieben (auch wenn diese damals noch nicht zu 100% ausgebrochen war).

Die Liste ist garantiert nicht vollständig. Das ist nur das, was mir auf die Schnelle eingefallen ist.

Ich habe ewig gebraucht, um das zu erkennen und noch länger, um es zu akzeptieren.
Erst mein dritter Therapeut griff das Thema überhaupt auf und erst meine vierte Therapeutin konnte das Thema bei mir so angehen, dass ich nicht aggressiv darauf reagiert und mich gegen das Thema gewehrt habe ("Ist totaler Käse!....So ein Schmarrn!").

Geht es mir seither deutlich besser durch dieses "Augen-Öffnen"?
Ich würde sagen, leider kaum, aber (!):
Mir ist seither klar, dass ich selbst (wenn auch unterbewusst) ebenso dafür verantwortlich bin, warum einiges so ist wie es ist und warum ich krank bin/BLEIBE und es mir so schlecht geht. Es ist nicht nur die Außenwelt, die der Grund für meine Erkrankung ist / warum sich vieles nicht bessert. Das finde ich insgesamt eine dann doch recht befriedigende, wenn auch harte Erkenntnis. Es ist halt die blanke Realität ohne Schönrederei.

04.02.2025 17:18 • x 4 #47


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A


Krankheitsgewinn und soweiter

x 3


Kruemel_68

Kruemel_68
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Zitat von Sonja77:
Für mich persönlich hat das Wort Krankheitsgewinn sowas von Ich bin extra krank damit sich jemand um mich kümmert So interpretiere ich dieses Wort Und es tut mir leid Aber damit haben die meisten wohl nichts zu tun

Doch, da haben die meisten was mit zu tun. Es ist doch kein bewusster Prozess. Natürlich bin ich nicht extra krank, damit sich jemand um mich kümmert. Das ist doch auch überhaupt keine Anklage - diesem psychologischen Phänomen unterliegt fast jeder.

Ich gebe Dir mal ein Beispiel:
Mir fällte es schwer, Grenzen zu setzen und für meine Belange einzutreten. Im beruflichen Kontext klappt das, mit meinem Mann Null. Warum? Weil ich vom Beziehungsmuster- und der Streitkultur meiner Eltern geprägt bin und den Glaubenssatz ausgebildet habe: Streit führt zu Trennung. Ergo darf ich mich nicht behaupten, nicht meine Meinung sagen, nicht widersprechen. Weil es dann zu einem Streit kommt und mein Mann sich trennen könnte (was natürlich quatsch ist - aber eben aus der Kinderbrille heraus fest in mir verankert). Daher fällt es mir auch schwer, ihm Dinge zu sagen, die er erledigen soll oder im Haushalt übernehmen soll. Also mache ich alles selber, ärgere mich aber darüber, dass ich alles allein mache und er vor dem Fernseher hockt.

Wenn es jetzt z.B. darum geht, wer den Rasenmäher zur Wartung zum Rasenmäherfritzen bringt, müsste ich für meine Belange eintreten und sagen: "Ich habe heute schon den ganzen Haushalt gemacht und Du nix. Bringt Du bitte den Rasenmäher dahin." Als dann meine Ängste da waren, konnte ich sagen: "Da gibt es keine Toitette und ich hatte heute schon wieder mehrere Durchfallattacken. Es ist alles wieder so bedrohlich. Bitte fahr Du, ich schaffe das nicht." DAS konnte ich sagen.

Natürlich habe ich mir die Ängste nicht bewusst dafür zugelegt. Aber sie übernehmen teilweise diese Funktion. Wie @illum schon sagte, ist das ein gut erforschtes, psychologisches Phänomen. Mein Therapeut hat diesem Mechanismus an diversen Beispielen ganz genau mit mir aufgedröselt, damit ich verstehen, was da manchmal in mir vorgeht.

31.01.2025 19:06 • x 4 #36


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J
Freiheit

x 4 #2


Kruemel_68
@Virginkl
Zitat von Virginkl:
So ihr Lieben machen wir uns einfach mal Gedanken um den krankheitsgewinn. .was passiert wenn die Angst auf einmal weg ist?

Dann muss ich Grenzen setzen und mich meinen Glaubenssätzen stellen.

#3


J
Zitat von Kruemel_68:
Dann muss ich Grenzen setzen und mich meinen Glaubenssätzen stellen

Sollte man das nicht jetzt schon tun? Damit es einem besser geht?

Verwirrt mich gerade die Aussage. Denn aufgrund falscher Glaubens Sätze die man in sich trägt oder eben keine Grenzen setzt- geht es den meisten schlecht

x 2 #4


DrSeltsam
Zitat von Virginkl:
was passiert wenn die Angst auf einmal weg ist?

So "auf einmal weg" wäre eher ungewöhnlich. Wenn alles richtig läuft, ist das ein Prozess und daraus ergibt sich eigentlich, was dann passiert ...

x 1 #5


Kruemel_68
Zitat von Nina2906:
Sollte man das nicht jetzt schon tun? Damit es einem besser geht? Verwirrt mich gerade die Aussage. Denn aufgrund falscher Glaubens Sätze die man in ...

Ich habe eher rückwärts gedacht - das war mein Kranheitsgewinn. Es war leichter, die Ängste vorzuschieben, als Grenzen zu setzen oder mich meinen Glaubenssätzen zu stellen. Das kann ich aber erst rückwirkend so sehen.

x 1 #6


Elly79
Ich muss erstmal überlegen, was ich an Krankheitsgewinn durch meine Angststörungen habe.
Ich bin dran gewachsen auf jeden Fall und hab gelernt nein zu sagen. Definitiv ganz wichtige Dinge, nun weiss ich natürlich nicht wie ich mich ohne Erkrankung entwickelt hätte.

Wenn die Angst jetzt mit einem Schlag weg wäre, für immer...ein Traum. Tatsächlich müsste ich dann wahrscheinlich nach einer Weile schauen das ich achtsam mit mir umgehen, weil das Warnsignal weg ist.

x 3 #7


J
Zitat von Lange-2024:
Tatsächlich müsste ich dann wahrscheinlich nach einer Weile schauen das ich achtsam mit mir umgehen, weil das Warnsignal weg ist.

Tatsache- das hat mir nach 3 Jahren Ruhe vor allem das „Genick“ gebrochen und ich tu seit 2023 wieder damit rum. Vergess ich nie wieder nur nach meinem Hintern zu guggen das kannst glauben zwinkern

x 2 #8


P
Zitat von Virginkl:
So ihr Lieben machen wir uns einfach mal Gedanken um den krankheitsgewinn. .was passiert wenn die Angst auf einmal weg ist?

Dann würde es mir wieder so gut gehen wie 2008 und ich wäre glücklich. 😀🌿

x 1 #9


Elly79
@Junika2906 Jetzt war ich kurz verwirrt wegen des Namens 😅.
Ich hatte ja auch schonmal Phasen wo ich länger symptomfrei war und schwupps übernimmt man sich. Ich bin da zwar schon besser geworden, aber so ganz vermeiden kann ich es immer noch nicht, dass ich mein Angstsystem stressen.

x 1 #10


J
@Lange-2024 ja ich habe den Namen grad geändert 😆😆

Ich weiß was du meinst- ich fahr derzeit nur 10 km Umkreis Auto. Und spazieren gehen is auch nur alleine drin. Und nicht lange … das sind meine zwei Baustellen die geblieben sind. Wobei ich sagen muss ich bin 2023 gar nicht mehr raus- weder einkaufen noch sonstwas. Ich lag nur rum. Aber so langsam kommt alles wieder bis auf diese beiden Dinge. Große Gesellschaften hab ich schon gemieden in den 3 Jahren Ruhe- ich mag es einfach nicht mehr Zuviel Krawall 😆

#11


Abendschein
Ich bin glücklich, das ich nicht mehr die Panikattacken und Ängste von Früher habe.

x 1 #12


V
@Kruemel_68 genau das meinte ich Mut krankheitsgewinn

x 2 #13


DrSeltsam
Zitat von Lange-2024:
und schwupps übernimmt man sich. Ich bin da zwar schon besser geworden, aber so ganz vermeiden kann ich es immer noch nicht, dass ich mein Angstsystem stressen.

Genau, aber sowas finde ich überhaupt nicht schlimm. Man darf sich dass dann nur nicht so extrem zu Herzen nehmen. Einfach registrieren, dass es einem nicht so gut geht und der Angstmechanismus sich mal wieder meldet, kurz überlegen woran es wohl gelegen hat und dann darauf reagieren.
So lernt man nach und nach wie man selbst "tickt" und weitet seine Grenzen nach und nach aus. Das ist besser, als gar nichts negatives mehr zu spüren und irgendwann wieder mit Karacho vor die Wand zu fahren.

x 1 #14


Sonnenzauber
Ich würde mal sagen die Angst kam langsam, die Symptome kamen langsam, die Depression kam langsam und der Rückzug auch. Alles hat sich so nach und nach entwickelt. Bei mir erst seit 2022 also noch relativ kurzweilig drei Jahre. Die Symptome sind komplex ob ich da jetzt einen Gewinn draus ziehe, nein eher nicht. Wer will schon krank sein?
Die Ängste sind vielfältig, Angst krank zu werden durch Viren, Angst allein zu sein, Angst vor einem Klinik Aufenthalt. Es ist nicht schön einen Gewinn würde ich sehen wenn ich es besiegen könnte.

x 2 #15


Kruemel_68
@Virginkl Vielleicht solltest du hier erst noch einmal erklären, was das Wort Krankheitsgewinn bedeutet. Gemeint ist nicht - was gewinne ich, wenn ich wieder gesund bin.? Sondern - welchen Vorteil habe ich durch meine Symptome? Wem oder muss ich mich nicht stellen, weil ich ja krank bin? Was kann ich dadurch einfach vermeiden?

Diese Frage sollte eigentlich in jeder Therapie an irgendeinem Punkt auftauchen.

x 2 #16


Sonja77
Wenn die Angst plötzlich weg wäre?

Dann wäre ich endlich wieder glücklich und frei um eine gute Mutter und Ehefrau zu sein……

Ich wäre wieder der Mensch der ich bis 2018 war

Unbeschwert
Glücklich
Zufrieden
Positiv
Immer lachend
Ein Wirbelwind

Gewonnen hab ich durch meine Erkrankung nichts aber auch gar nichts

Verloren 7 Jahre meines Lebens

x 3 #17

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Mariebelle
Krankheitsgewinn? 😔

schlimmes Wort.
Man gewinnt nichts,aber verliert viel.

x 3 #18


Schlaflose
Zitat von Virginkl:
was passiert wenn die Angst auf einmal weg ist?

Bei mir würde sich eigentlich nichts ändern, weil meine Ängste meinen Alltag nie eingeschränkt haben. Sie haben mich hauptsächlich beruflich sehr eingeschränkt und das ist ja jetzt sowieso Geschichte. Wenn, dann hätte die Angstfreiheit bei mir schon vor 30-40 Jahren beginnen müssen, dann hätte ich "Karriere" machen können und vielleicht auch eine Partnerschaft eingehen können.
Zitat von Junika2906:
Ich weiß was du meinst- ich fahr derzeit nur 10 km Umkreis Auto.

Vor dem Autofahren hatte ich auch schon immer Angst, aber das hat mich nie wirklich beeinträchtigt, habe ich halt Bus und Bahn genommen.

#19


Kruemel_68
Zitat von Mariebelle:
Krankheitsgewinn?

schlimmes Wort.

Aber eines, wo es sich lohnt, mal hinzuschauen.

x 1 #20


A


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