Zitat von DrSeltsam: Denn ein Gewinn ist etwas doch nur, wenn man nachher "mehr" hat
Das Thema ist glaube ich echt nicht leicht und auch sehr individuell je nach Lebenssituation.
Ich dachte damals in der Therapie wie du...dass ich unmöglich einen "Gewinn" haben könnte, weil mein gesamtes Leben ja insgesamt schlechter sei durch meine Depression etc.
Meine Therapeutin erklärte es mir so:
Da der Krankheitsgewinn meist völlig unterbewusst erfolgt (wir merken es also nicht!), kann da nicht mit "logischen" Abwägungen gearbeitet werden.
Manchmal haben wir innerlich extrem absolute Überzeugungen, wie z.B. "nie wieder gehe ich unter diese Leute"...das reicht aus.
Jeder Vorteil und sei er noch so kurz oder auch nur vorübergehend, kann reichen, um eine Erkrankung aufrecht zu erhalten. Daher schwanken unsere Erkrankungen auch oft so derb.
Zitat von DrSeltsam: Wenn ich aufgrund meiner Angst nicht arbeiten kann, dann ist das eigentlich kein Gewinn weil ich mir meine Freizeit mit a) weniger Geld (vermutlich) und b) durch ein durch meine Angst verursachten, schlechteren Leben erkaufe.
Das wäre an sich logisch, ist aber eben individuell unterschiedlich.
Auch hier ist die Frage, welcher Leidensdruck höher ist (weniger Geld oder noch 30 Jahre verhasster Job/Ertragen der Arbeitskollegen z.B.).
Zitat von DrSeltsam: Nur, wenn ich "so tue als ob" – wenn ich die Krankheit vorschiebe, obwohl ich eigentlich zu faul bis – habe ich einen Gewinn. Aber dann ist es eher Krankheitsmissbrauch. Und da sollte man schon ehrlich mit sich selbst sein.
Der sekundäre Krankheitsgewinn ist in kleinster Weise ein Faken seiner Erkrankung. Wie gesagt...es läuft unterbewusst ab.
Ich mache meine Sachen aus der Liste oben alle nicht absichtlich.
Das ist ja das Blöde. Würde ich es absichtlich machen, würde es unerträglich sein und mich regelrecht anekeln. Dann würde ich das ändern, weil ich es moralisch nicht ertragen könnte.
Mein "System" zwingt mich sozusagen manchmal dazu und das fast immer, ohne dass ich es in der expliziten Situation merke.
Das ist der Mist an der Sache.
Das Thema ist wie gesagt ziemlich schwierig und erfordert sehr viel Ehrlichkeit zu sich selbst. Da tun sich manchmal Abgründe auf. Ich musste damals heulen in der Therapie.