Guten Abend!
Ich bitte um Hilfe! Meine Freundin leidet schon fast ein halbes Jahr an der Phagophobie.
Für mich ist es sehr schwer mir das mit anzusehen und auch wenn ich ein sehr verständnisvoller Mensch bin fällt es mir schwer diese Angst nachzuvollziehen, deshalb hoffe ich dass man mir hier vielleicht weiterhelfen kann.
Warum haben Menschen die an der Phagophobie leiden Angst vor dem Essen fester Nahrung? Es ist doch sehr, sehr selten dass sich jemand beim Essen so verschluckt, dass er daran erstickt.
Kommen solche Ängste unterbewusst und haben vielleicht mit etwas anderem zu tun? Bei meiner Freundin gab es auf jeden Fall keinen gefährlichen Verschluckvorfall. Sie konnte einfach "ohne Grund" plötzlich nichts mehr essen. In dem Zeitraum hat sich ihr Gewicht fast halbiert und ich weiss nicht mehr wie ich helfen kann. Auch mit Wasser trinken tut sie sich mittlerweile schwer. Ich dachte die Angst geht vorüber, kann das chronisch werden?
Wie kann man als Angehöriger am Besten helfen? Gegen Klinik oder Therapie weigert sie sich. Fühle mich jetzt auch langsam gezwungen einen Notarzt demnächst zu rufen, denn das Gewicht ist sehr gesundheitsgefährdend und sie lässt sich nicht helfen. Ist das die beste Lösung? Was kann ich tun?

06.11.2019 23:49 • 07.11.2019 #1


1 Antworten ↓

heartstowolves
Hallo @xBeatit

Es ist immer schwierig Außenstehenden zu erklären wieso man vor etwas Angst hat, da es in der Regel normale Dinge sind und an sich auch nicht gefährlich. Aber der Kopf von uns Ängstlern tickt da etwas anders. Der eine hat Angst vor Spinnen, vor Höhen, vor Menschenmengen, dem alleine rausgehen usw.
Die Angst ist immer unterbewusst vorhanden und hat meist nicht mit der Sache an sich zu tun. Hatte sie schon vorher Ängste oder war sehr angespannt? Die Psyche sucht sich gerne Lücken im Körper, wo sie sich dann zeigen kann. Um es dir etwas verständlicher zu machen: Manche haben Schmerzen, Schwindel, Übelkeit, können nichts mehr essen usw. die Liste ist sehr lang was körperliche Symptome angeht. Die Angst kann auch nicht einfach verschwinden. Sie gibt dir eigentlich eher das Signal, dass man etwas an sich (Lebensweise, Stress, negatives Denken,..) ändern muss.
Wenn sich deine Freundin schon schwer tut mit Wasser ist es höchste Zeit, dass sie Hilfe in Anspruch nimmt.
Wie redest du mit ihr über die Sache? Könnte sie sich dadurch vielleicht unter Druck gesetzt fühlen?
Würde sie zu ihrem Hausarzt gehen?
Wichtig ist, dass du für sie da bist und die ermutigst. Wenn sie Angst vor fester Nahrung hat kannst du dich ja zum Essen zu ihr hinsetzen. Fangt mit Suppe und Brei an. Ansonsten gibt es in der Apotheke hochkalorische Drinks die nennen sich Fresubin. Das würde zumindest den Kalorienbedarf etwas decken. Ansonsten wäre es auch wichtig, dass zumindest auch ein Arzt darüber Bescheid weiß - wenn deine Freundin nichts mehr isst und sich selber verhungern lässt darf wegen Eigengefährdung gehandelt werden. Das kann auch bedeuten, dass sie gegen ihren Willen in eine Klinik kommt. Ich denke sie sieht auch derzeit nicht, wie schlecht es um sie steht, kann das sein?

Ich hoffe, mein etwas wirrgeschriebenes kann dir etwas helfen.

07.11.2019 08:39 • #2





Dr. Christina Wiesemann