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Lizzy_Lizz

Lizzy_Lizz
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Hallo zusammen,

ich habe seit mehreren Jahren OCD. Man sagt ja, dass ein Zwangsgedanke „Ich Dyston“ sei. Nun bin ich etwas irritiert von meinem neusten Zwangsgedanken…
Ich habe schon alle möglichen Zwangsgedanken gehabt… von ROCD bist POCD war alles dabei. Nun hat mir im Januar mein Partner gestanden, dass er mich vor einigen Jahren betrogen hat. Wir sind dabei, an der Beziehung zu arbeiten.
Nun hat sich im Urlaub ein Zwangsgedanke eingenistet. Was, wenn er mir noch andere Dinge verheimlicht, nicht nur, dass er mich betrogen hat sondern was viiieeel schlimmeres. Wie gesagt, ich habe Erfahrung mit POCD, also Zwangsgedanken die MICH betreffen (was wenn ich jemand anderen etwas antun könnte etc). Aber dass mein Freund ein schlimmer Mensch sein könnte und was ganz schlimmes getan hat das ich ihm niemals verzeihen könnte ist neu für mich… das hat ja nichts mit Ich dyston zutun. Also es betrifft nicht mich sondern eine andere Person… das kenn ich gar nicht. Ist das ROCD? Hat jemand Erfahrung damit gemacht. Ich wäre dankbar für jede Antwort. Danke
L

30.08.2026 #1


3 Antworten ↓

Rogue
Hallo Lizzy_Lizz,

erstmal tut es mir sehr leid, dass dein Partner dich betrogen hat! Das würde auch Menschen ohne psychische Erkrankung schon sehr belasten. Mit der Zwangserkrankung in Kombination ist das natürlich umso schlimmer.

Ich glaube, dass die Frage, wie genau sich dieser spezielle Zwangsgedanke nun nennt, eher weniger wichtig ist, also eine Art Übersprungs-Überlegung ist. Für mich klingt das eher so, als hättest du da noch eine Menge angestaute Wut auf ihn, die du dir nicht erlauben möchtest, da ihr ja, wie du sagtest, an eurer Beziehung arbeitet. Dein Unterbewussten macht da aber nicht mit, unbewusst war der Vertrauensbruch für dich vielleicht doch schlimmer, als du dir eingestehen möchtest, und deine Psyche reagiert auf diesen inneren Zwiespalt mit ihrer erlernten Stress-Kompensations-Strategie, den Zwangsgedanken.

Ich persönlich habe auch Zwänge, war dafür auch schon stationär in Behandlung.

Zitat von Lizzy_Lizz:
Also es betrifft nicht mich sondern eine andere Person

Zitat von Lizzy_Lizz:
Hat jemand Erfahrung damit gemacht


Meiner Erfahrung nach ist es ziemlich normal, dass Zwangsgedanken auch andere Personen betreffen können, das war bei fast allen Patienten dort der Fall.

Es wurde da in der Behandlung und Diagnostik bei Zwangsgedanken auch nicht weiter unterschieden, es wurden nur Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterschieden.

Zitat von Lizzy_Lizz:
Aber dass mein Freund ein schlimmer Mensch sein könnte und was ganz schlimmes getan hat das ich ihm niemals verzeihen könnte ist neu für mich


Man stellt ja erstmal alles in Frage, wenn ein solcher Vertrauensbruch wie ein Betrug begangen wurde.
Und das wird (vielleicht unbewusst) hinter diese Zwangsgedanken stecken.
Er hat dich betrogen, dass ist ja für sich genommen auch schon schlimm, genauso wie der Impuls (wenn auch vielleicht unbewusst), ihm den Betrug nicht verzeihen zu können (was vielleicht unbewusst hinter diesem neuen Zwangsgedanken steckt). Dass das Vertrauen erstmal völlig weg ist, ist ja total verständlich.
Ich denke, in der Situation können die (Zwangs)Gedanken dann auch schonmal Querschießen, sodass man dem Betrüger auch noch schlimmere Sachen zutraut. Das hat für mich in deinem Fall aber eher mit einer nachvollziehbaren Reaktion auf die Situation zu tun, denn:

Deine Psyche neigt dazu, auf Stress mit Zwangsgedanken zu reagieren, das hat sie sich so angewöhnt, dass ist die Kompensationsstrategie deiner Psyche.
Der Betrug war und ist eine stressige Situation, und die Psyche reagiert darauf mit (angepassten) Zwangsgedanken, also eigentlich eine sehr nachvollziehbare Reaktion.

Eine ROCD ist ja einfach nur eine Unterform von Zwangsstörung, fällt also diagnostisch und therapeutisch in denselben Bereich. Ich glaube nicht, dass eine weitere Binnendifferenzierung dich da weiterbringt, therapeutisch und diagnostisch macht es ja keinen Unterschied, wie genau du diese Zwangsgedanken jetzt bezeichnest.
Ich kann nur sagen, dass solche Unterscheidungen selbst auf einer Schwerpunktstation für Zwänge keinerlei Bedeutung hatten.
Viel wichtiger ist ja, den generellen Grundmechanismus hinter den Zwangsgedanken allgemein anzugehen.

x 1 #2


A


Extrem beunruhigt, ROCD?

x 3


Lizzy_Lizz
@Rogue Vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Du hast absolut recht, ich ertappe mich dabei, wie ich in dem „Beziehung-schnellstmöglich-reparier“ Modus bin. Manchmal gelingt es mir, Wut zuzulassen aber oft eben auch nicht. Wir reden viel über das, was passiert ist. Es fühlt sich an, als wäre die alte Beziehung gestorben und man baut gerade eine „neue“ auf. Aber ich habe mich dafür entschieden diesen Weg zu gehen und stehe absolut hinter meiner Entscheidung. Es braucht aber auch Geduld und Zeit um wieder Vertrauen aufzubauen… und geduldig bin ich ja mal gar nicht… wahrscheinlich wie die meisten von uns. Manche berichten sogar über Jahre. Das macht mir natürlich Angst.
Ich bin mir sicher, dass auch der erste Urlaub nach dem Geständnis sehr dazu beigetragen hat, dass die Zwänge wieder hochgekommen sind und dann eben auch so intensiv. Das habe ich irgendwie unterschätzt.

x 1 #3


Rogue
@Lizzy_Lizz

Ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass du den für dich richtigen Weg gehen kannst! Ganz viel Kraft dafür!

Zitat von Lizzy_Lizz:
und geduldig bin ich ja mal gar nicht

Das kann ich sehr gut nachempfinden, geht mir auch so 😄 .

Zitat von Lizzy_Lizz:
Es fühlt sich an, als wäre die alte Beziehung gestorben und man baut gerade eine „neue“ auf

Das hast du sehr schön gesagt! Ganz viel Kraft und Geduld dafür!

Alles Gute! LG

x 1 #4





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