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Ich weiß garnicht so recht wo ich anfangen soll, es ist soviel. Aber zuerst einmal zu mir: Ich bin 35 Jahre alt und eigentlich ein recht fröhlicher Mensch.
Es hat alles letztes Jahr im September angefangen: Ich bin wegen einer Psychose in die Klink gekommen, in der ich 3 Wochen lang war. Man hat mir Medikamente gegeben (Risperidon), die ich auch nach meinem Klinikaufenthalt genommen habe. Davon hatte ich ziemlich krasse Nebenwirkungen (Bewegungsunruhe, Versteifung der Gelenke und generell habe ich mich wie ein Zombie gefühlt. Dann bin ich in die Klinik Ambulanz, dort wurden meine Medikamete dann so umgestellt, dass die Nebenwirkungen nachgelassen haben und ich mich immer mehr wieder wie ein Mensch gefühlt habe. Das war letztes Jahr im Oktober. Dann habe ich mir einen Psychiater gesucht bei dem ich im November meinen ersten Termin hatte.
Dann im November haben meine Angstzustände angefangen. Von meinem Psychiater habe ich Tavor gegen die Angstzustände bekommen, welches ich von November bis Februar genommen habe, danach musste ich es absetzen was ziemlich schwer war. Gleichzeitig wurden die Angstzustände besser und ich hab dann nur noch Promethazin und Neurexan dagegen genommen.
Ich war auch die ganze Zeit noch krankgeschrieben, von September bis Ende Mai, seit Juni arbeite ich wieder, ich hab eine Wiedereingliederung auf der Arbeit gemacht, mittlerweile arbeite ich wieder Vollzeit und hab meine Arbeitszeit reduziert auf 4Tage-Woche.
Ganz krasse Angstzustände habe ich nicht mehr, aber ich hab auf der Arbeit ständig ein mulmiges Gefühl im Bauch was mega unangenehm ist. Ich nehme dagegen Promethazin, was einigermaßen hilft, aber ich würde so gerne ohne Tabletten auskommen.
Ansonsten nehme ich morgens Escitalopram und Lasea, Abends Olanzapin und Quetiapin. Zwischendurch nehme ich ergänzend zum Promethazin noch Neurexan. Ein ganz schöner Tablettencocktail Das wurde mir alles von meinem Psychiater verschrieben.
Ich bin froh, dass ich keine schlimmen Angstzustände mehr habe, aber dieses mulmige Gefühl auf der Arbeit macht mich verrückt weil es so mega unangenehm ist Und total unbegründet. Meine Arbeit ist nicht stressig und meine Kollegen sind auch alle nett. Ich hab also überhaupt keine Ahnung was die Ursache sein könnte. Zuhause hab ich manchmal auch noch ein mulmiges Gefühl, aber da hält es sich in Grenzen.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

21.07.2021 10:36 • 21.07.2021 #1


14 Antworten ↓


cube_melon
Hallo und Willkommen,

nur mit Tabletten kommt man nicht wirklich weiter mMn..
Hast Du keine, deiner Diagnose angepasste Psychotherapie?

21.07.2021 11:21 • #2



Angstzustände nach Psychose

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Oh, das habe ich ganz vergessen dazuzuschreiben, ich mache seit Februar auch eine Psychotherapie (Verhaltenstherapie), das hilft mir auch sehr.

21.07.2021 11:32 • x 1 #3


cube_melon
Das ist gut.

Was mich wundert ist, das Du wegen einer Psychose in die Klinik gekommen bist, aber nach drei Wochen wieder entlassen wurdest.
Ich nehme mal an, das keine Psychose am Ende des Aufenthaltes festgestellt wurde?

Darf man fragen ob es einen Auslöser, der dich in diesen Zustand gebracht hat?
Details sind nicht notwendig. Eher so in die Richtung "ja, ein Ereignis/Verlust/Krankheit oder nein".

Angst ist nie unbegründet. Damit meine ich das dein Angstzentrum auf etwas reagiert, was es mit Gefahr in Verbindung bringt. Das muss nichts bewusstes sein, denn das Angstzentrum passt sich den Umständen sehr schnell an.
Auch die Situation des psychotischen Zustandes, gekoppelt mit der Einweisung kann das Angstzentrum sensibler machen.

21.07.2021 11:51 • x 1 #4


Ja, es gab mehrere Auslöser, die mich in die Psychose gebracht haben.
Nach den drei Wochen Aufenthalt war ich nicht mehr psychotisch, da gings mir auch echt gut, bis die Medikamenten Nebenwirkungen aufgetreten sind. Das war am letzten Tag in der Klinik und da wusste ich noch nicht dass es die Nebenwirkungen sind, das hab ich erst Tage später in der Klinik-Ambulanz erfahren.
Meine Therapeutin meinte mal dass ich starke Verlustängste habe, hergeführt aus meiner Kindheit wo ich weggegeben wurde, ein Teil meiner Ängste kommt also daher. Dann mach ich mir noch Sorgen wegen allem möglichen, teilweise banalen Dingen wie z.B. ob ich einen Parkplatz finde oder sowas in die Richtung...
Nur wieso mein mulmiges Gefühl auf der Arbeit so stark ist, das hab ich bisher nicht rausgefunden...

21.07.2021 12:02 • #5


cube_melon
Wenn die Auslöser bekannt sind ist das sehr hilfreich.

Je nach dem wie das weggeben für dich als Kind war, kann auch ein Bindungstrauma entstanden sein.
Schön ist sicher anders. Solche Ereignisse in der Kindheit können unbehandelt bis in das Erwachsenenalter Auswirkungen haben.

Auf der Arbeit muss kein direkter Zusammenhang bestehen. Das Angstzentrum speichert sich emotionale oder körperliche Ausnahmesituationen ab.
Das Gehirn filtert den ganzen Tag die Sinnesreize denen wir ausgesetzt sind, da wir bei weitem nur einen Bruchteil überhaupt aufnehmen können.
Reize werden auch bei der Filterung in z.B. "sicher und wichtig", "vorsicht" und "Gefahr" bewertet und #getagt.
Denkt das Angstzentrum das eine Gefahr besteht, auch wenn diese real unsinn ist, dann steigt der innere Stresspegel. Was dann in der Folge zu einem höheren, inneren Stresspegel und somit zu einem Angstgefühl führen kann.

Weggeben bedeutet verlassen werden. Je nach dem zu welchem Zeitpunkt das in deiner Kindheit erfolgt ist, kann auch das Urvertrauen in Mitleidenschaft gezogen werden. Evtl. auch das was zum Weggeben geführt hat.
Dies führt bei Menschen mit Bindungstrauma zu einem mehr oder weniger starken, diffusen und dauerhaften Unsicherheits- und Angstgefühl.

Bei beiden sind zwei Dinge im Umgang damit hilfreich.
Das eine ist ein gut ausgebauter Ressourcen- und Energiehaushalt, zum anderen das ganze Thema rund um innere und äussere Grenzen / der persönliche Bereich um uns herum - dies zu kennen, zu definieren, ggf. anzupassen und vor allen Dingen zu bewahren.

Das kann auch helfen bis Du das herausgefunden hast, warum Du dich auf der Arbeit so fühlst.

21.07.2021 12:28 • x 2 #6


Zitat von cube_melon:
Wenn die Auslöser bekannt sind ist das sehr hilfreich. Je nach dem wie das weggeben für dich als Kind war, kann auch ein Bindungstrauma entstanden sein. Schön ist sicher anders. Solche Ereignisse in der Kindheit können unbehandelt bis in das Erwachsenenalter Auswirkungen haben. Auf der Arbeit muss kein direkter ...


Vielen Dank, das hilft mir schon ein wenig weiter...

21.07.2021 12:38 • #7


MariaManchester
Zitat von Sunny04:
Ich weiß garnicht so recht wo ich anfangen soll, es ist soviel. Aber zuerst einmal zu mir: Ich bin 35 Jahre alt und eigentlich ein recht fröhlicher ...

Hallo. Darf ich fragen wie sich deine Psychose bemerkbar gemacht hat?

21.07.2021 13:46 • #8


Ich hatte teilweise Wahnvorstellungen und war übermäßig gut drauf. Habe kaum geschlafen aber war trotzdem überdreht. So in etwa hat sie sich ausgewirkt. Außerdem hab ich meinen Freund und eine Polizistin attackiert. Als ich dann in der Klinik war, wurde ich fixiert und hab mir die Seele aus dem Leib geschrien. Bis ich mich dann einigermaßen beruhigt habe sind einige Stunden vergangen...

21.07.2021 13:55 • x 2 #9


Schlaflose
Zitat von Sunny04:
Dann mach ich mir noch Sorgen wegen allem möglichen, teilweise banalen Dingen wie z.B. ob ich einen Parkplatz finde oder sowas in die Richtung...
Nur wieso mein mulmiges Gefühl auf der Arbeit so stark ist, das hab ich bisher nicht rausgefunden...


So etwas ist für mich seit Jahrzehnten Dauerzustand, auch ohne Psychose Ist eben so, ich nehme das einfach hin und kümmerere mich nicht darum.

21.07.2021 14:02 • x 2 #10


so weit wäre ich auch gerne. Aber das schaff ich leider noch nicht. Mein Freund, der im Übrigen sehr verständnisvoll und geduldig ist, hat mir auch gesagt, ich soll dem gegenüber eine Sch*egal Haltung entwickeln.
Ist es bei dir denn auch überwiegend auf der Arbeit so?

21.07.2021 14:05 • #11


Schlaflose
Zitat von Sunny04:
Ist es bei dir denn auch überwiegend auf der Arbeit so?


Ich hatte schon als kleines Kind Angst davor, irgendwann arbeiten und Geld verdienen zu müssen. Und vom ersten Tag an, als ich zu arbeiten anfing ging es los. Die Angst vor der Arbeit an sich hat mir nichts ausgemacht, aber sie hat sich dann in massiven Schlafstörungen manifestiert. Es wurde dann zur Angst, nicht schlafen zu können und dadurch meine Arbeit nicht machen zu können. Es lag auch am Beruf (Lehrerin), der für mich völlig ungeeignet war, da ich eine soziale Phobie und eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung habe. Vor 10 Jahren bin ich in die Verwaltung gewechselt und seitdem ist alles sehr viel besser, aber ein mulmiges Gefühl ist immer da. Es ist die Angst Fehler zu machen, mich zu blamieren oder etwas zu Schlimmes verursachen, was Konsequenzen hat. Damit kann ich aber gut leben, zumindest bis zur Rente in dreieinhalb Jahren.

21.07.2021 14:59 • x 3 #12


Das hört sich auch nicht so schön an bei dir. Wie verhältst du dich denn dann auf der Arbeit, wenn das mulmige Gefühl aufkommt? Nimmst du irgendwelche Medikamente?

21.07.2021 15:09 • #13


cube_melon
Zitat von Sunny04:
So in etwa hat sie sich ausgewirkt.

Das ist schon ein deutliches Ereignis gewesen.

21.07.2021 15:20 • #14


Schlaflose
Zitat von Sunny04:
Das hört sich auch nicht so schön an bei dir. Wie verhältst du dich denn dann auf der Arbeit, wenn das mulmige Gefühl aufkommt? Nimmst du irgendwelche Medikamente?


Bei mir kommt das Gefühl nicht auf der Arbeit sondern immer vorher, wenn ich dahin unterwegs bin und nicht weiß, was mich erwartet. Ich habe immer Angst, dass ich einen Fehler gemacht habe, der jetzt rausgekommen ist oder dass in meinem Posteingang Dinge sind, die mich überfordern u.ä. Sobald ich da bin und es ist alles in Ordnung, fühle ich mich gut. Nur, wenn das Telefon klingelt und es geht um etwas, wovon ich keine Ahnung habe oder es ist irgendein dringender Fall, der sofort erledigt werden muss, gerate ich in Panik. Ich nehme seit über 20 Jahren schlafanstoßende Antidepressiva.

21.07.2021 15:43 • x 2 #15



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